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Jüdische Zeitung · 1911-08-25 · 34 (25.8.1911) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
5 (1911)
Issue
34 (25.8.1911)
Date
1911-08-25
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 34 i a;' ■i •4- Zur Beachtung! Die „Jüdische Zeitung“ vom 22. September d. J. erscheint als Neujahrsnummer und wird eine eigene Rubrik Neujahrsgratulationen für Rosch-Haschonoh 5672 (Hmn Wm) enthalten. Unsere Leser und Gesinnungsgenossen werden zweifellos diese günstige Gelegenheit benützen, um auf bequeme Weise allen ihren Bekannten und Freunden ihre Glückwünsche darzubieten. Ein Inserat dieser Größe kostet K 3.—, wovon ein Teil dem JNF zufließt. Diese Nummer wird auf Wunsch an drei aufgegebene Adressen gratis versendet Für die Versendung dieser Nummer an' jede weitere Adresse sind je 10 h zu entrichten. Wir ersuchen um umgehende Uebersendung der Aufträge. „JÜDISCHE ZEITUNG“ Administration, IX. Liechtensteinstrasse 11. Hier ausschneiden. Bestellschein. Ich bestelle hiemit ein Neujahrsinserat für die Nummer 38 der .Jüdischen Zeitung“ vom 22. Sep tember 19ll in der Höhe von 20 mm. Den Text des Inserates, die Adressen, an welche diese Nummer zu senden ist, sowie den hiefür fälligen Betrag von K 3.— sende ich mit gleicher Post Achtungsvoll Ort und Datum: Name und Adresse des Bestellers: Hier ausschneiden. Sammlung für die Hinterbliebenen der Drohobyczer Opfer. Sammelbogen. VIII. Ausweis. Dr. Jakob Ehrlich K 25,—, Achiwah (Hugo Briet durch S. Preis, Austerlitz) K 49.60, Pick, Berlin K 36.43, Smetana, Lühatscßowitz Sbg. 531, K 12.—, Sbg. 337, 338, Hager, Cafe Neptun XX. K 40.20. VIII. Ausweis: Kronen .163.23 In Nr. .33 jausgewiesen: 16341.65 Summe Kronen 16504.88 * An alle Gesinnungsgenossen, in deren Ber sitz sich noch Sammelbogen befinden, richten wir die Bitte, ihre Sammlungen ehebaldigst zu beenden und deren Ergebnisse im Wege derPostsparkassa an die „Jüd. Zeitung“ (Konto 104.067) oderdirekt an die Administration, IX., Liechtensteinstraße 11, zu überweisen. Für den Jüd. Nationalverein O. Kramer, Kassier, Dr. J. Ehrlich, Obmann. Personalnachrichten. Dr. Michael Ringel ~ hat seine Advokaturskanzlei in Lemberg, Walowagasse 11 eröffnet Dr. Alfred Löwy und Frau IX., Alserstraße 32 zeigen hiemit allen Freunden und Bekannten de glückliche Geburt einer gesunden Tochter an. Die jüdische Wanderbewegung. (Referat des Dr. Katzeneisohn auf dem X. Kongreß.) Hoher Kongreß! Zum erstenmal soll hier von dieser Tribüne die wichtigste und brennendste jüdische Frage der Gegenwart, die Emigrationstrage, besprochen werden. Wenn Ich' diese Wichtige Aufgabe übernommen habe, so tue ich es nicht, weil ich besondere Verdienste oder besondere Kenntnisse in der Frage habe, sondern lediglich, weil jeh dieses ganze Leid, diese ganze Not mit eigenen Augen. gesehen habe, weil an meinen Augen Tausende, Zehn-- tausende, wenn nicht Hunderttausende vorübergegangen sind, deren Martyrium ich selbst mit-. erlebt habe. Ich habe selbst diesen Staub eines Volkes herumwirbeln gesehen, vom Wind hin- und hergetragen; das allein berechtigt midi, Ihnen ein neues Kapitel aus dem Leid, ein neues Klagelied über das Schicksal unserer Brüder vorzutragen. Das Wandern des jüdischen Volkes) ist wahrlich nichts neues. Seit Pharao, Nebukadnezar bis zum heutigen Tage war die Fläche des Judentums immer eine sehr bewegliche. Es brauchte nur ein Stein hineingeworfen zu werden und die Fläche fing an, sich zu bewegen und Wellen zu schlagen. Aber so beweglich war sie nie wie in der letzten Zeit; da sind gar; viele Steine hineingeworfen und die Wellen sind so großgeworden, Wie sie nie iufaren. ' Eine solche Auswanderung hat das Judentum nie gehabt und eine solche Auswanderung prozentual existiert in der Welt nicht. Ich habe Statistiken verteilt; Sie ersehen daraus, daß nur nach den Vereinigten Staaten in den letzten 25 Jahren 1,800.000 Juden ausgewandert sind, mit den anderen Ländern 2,200.000. Bloß in den letzten 10 Jahren 1,200.000 . Juden, das ist ungefähr der sechste Teil des jüdischen Volkes. Wenn es weiter in diesen Dimensionen geht, so wandert das ganze jüdische Volk, das jetzt lebt, in einer Generation aus. Die Auswanderung' zur Zeit der Inquisition in Spanien war nicht so groß wie jetzt in zwei Jahren. An^ Ende-des vorigen Jahrhunderts, wo manche schon ein bißchen an eine Emanzipation glaubten, ist die Zeit wieder gekommen, -wo das Judentum den Wanderstab ergreifen mußte. Das jüdische Volk ist ein hartnäckiges Volk. Es will nicht sterben, ja es will nicht alt werden; und geht es ihm schlecht, dann wird es wieder der alte Ahasver, der den Stab in die Hand nimmt und geht, bis er wieder ein gastlich 'Haus findet. In der Frage der Emigration haben wir wenig Material; sie ist wenig studiert worden. Manche wollten Vogelstraußpolitik treiben: man solle so wenig als möglich darüber sprechen; das ist der Kapitalfehler. Eine Bewegung, die Hunderttausende unserer Brüder mit sich nimmt, kann man nicht verschweigen, mag man über Nutzen oder Schaden dieser Bewegung streiten.. Für uns Zionisten existiert diese Frage Schon bestimmt nicht. Für uns gibt es nur eine Emigration und das War; die (Unglücklichste allen Auswanderungen, das war die’ Auswanderung aus Palästina. (Beitall.) Alles andere ist Flickwerk, Lösung, die das Glück des jüdischen Volkes sein wird, und das ist die Auswanderung nach Palästina. (Beifall.) Alles andere ist Flickwerk ist nur Arbeit für die Gegenwart; aber wir sind verpflichtet, diese Frage eingehend zu behandeln und zu studieren. Ganz kurz will ich versuchen, über diese Fragen einige Details zu geben, vor allem über ■ die Motive der jetzigen. Emigration. In der Regel und hauptsächlich sind, die Beweggründeder Auswanderungen ökonomischer Natur.. Ein B li-ck aut d ie. an ge fü Irrten Verhältnisse zeigt, daß das bei der. j ü d i sehen Emigration nich t zu t r i t f t. Die Zahlen gruppieren sich hauptsächlich um die Zeit der Ausweisungen ,aiis Moskau, um Kischinew, aber noch unendlich größer 1906/07} und gerade da waren die,.ökonomischen-Verhältnisse. in Amerika.sehr schlecht. 1908’war die ' Zahl der ' Rüdewanderer aus Amerika viel größer, als die der Einwandernden; trotzdem hat die Einwanderung der Juden nicht nachgelassen. Das! beweist, daß die Emigration der Juden'‘.ganz andere Grundlagen haben muß -als nur ökonomische. Nach Seneca gibt es drei Arten von Emigrationen: politischer, persönlicher und. ökonomischer Natur. Inzwischen haben wir die religiöse Auswanderung gesehen, wie die unserer Brüder aus Spanien, die nationale, Wie die der Iren aus Großbritannien, die politische, .wie die der Buren in Atrika — die Juden haben eine neue Art von Auswanderung. Eine kleine Ge-, schichte von einem Auswanderer aus Jusephka wird Ihnen das illustrieren. Es war ein ziemlich wohlhabender Mann, der nach Amerika auswanderte. . Er sagte mir: „Ich war Augenzeuge,' wie man mit großen Zangen, mit denen man. die Eisenblöcke nimmt, um sie in einen Hochofen -hineinzuwerfen, einen Menschen genommen und in einen Hochofen hineingeworfen 'hat. Seit-- dem ich das Bild vor Augen habe, muß ich weit wieg von dem Orte, wo ich es gesehen, habe, denn ich fürchte, ich werde wahnsinnig!“- Diese Motive de rAuswanderung waren nicht maßgebend in den neunzehn Jahrhunderten zuvor; die kommen erst im zwanzigsten: es ist die feste Ueberzeugung, daß man nicht mehr so leben kann, daß es weiter nicht so geht, und daß man irgendwohin aus dem brennenden. Hause sich flüchten muß, um irgendwo anders zu sein. Das ist der Grund der jetzigen Emigration, und das drückt sich in den statistischen Ziffern äiis. Keine einzige Emigration gibt einen solchen Prozentsatz von Frauen und Kindern, .wie die jüdische. Zwischen 2 und 17 Prozent bei den anderen Nationalitäten — nur bei holländischen Kolonisten bis zu 17 Prozent —: bei den Juden schwankt er zwischen 24 und 26 Prozent. Das ist nicht eine Auswanderung wie zum Beispiel bei den Chinesen, . wo von 4,800.000, die auswandern, Vier- Millionen zurückkehren, oder wie bei den Italienern, sondern wir gehen mit Weib und Kind, um nicht mehr zurückzukommen. . Und dementsprechend muß man die. Auswanderung auch1 organisieren. Wie Sie aus den Zahlen lesen, liefern unsere Auswanderer etwa dreißig bis vierzig Prozent Handwerker, lauter gelernte Arbeiter. Einen solchen Prozentsatz hat kein einziges Volk unter seinen Auswanderern aufzuweisen. Ein Drittel der jüdischen Bevölkerung liefern zwei. Drittel der Auswanderer: ein Beweis, welch* krättiges, gesundes Element nach Amerika von uns. gent. Von Verbrechern und Empfängern von Armenhilfe stellt die jüdische Auswanderung das allergeringste Kontingent von allen Nationen: ein Beweis, daß der jüdische Auswanderer jedenfalls nicht der schlechteste ist, wenn er nicht der beste ist. Es wird viel Spektakel daraus gemacht, daß die jüdische Auswanderung 50 bis 52 Prozent von Leuten bringt, die keinen Beruf haben, man folgert daraus, daß ein unerwünschtes Element nach Amerika komme. Man übersieht dabei, daß das einfach an dem hohen Prozentsatz von Frauen und Kindern liegt; daher ist der- Pr.ozentsatz der Berufslosen scheinbar größer, als. bei den anderen Nationen. Nicht einmal 10, nicht einmal 5 Prozent Berutslose wandern aus. Nach: einer langjährigen Statistik, die wir in Libau gemacht haben, schwankt es zwischen 2 und. 3 Prozent, nicht mehr, und auch diese stehen, meistens zwischen 15 und 16 oder über 70 und 80 Jahre. De facto findet man fast gar" nicht, daß ein erwachsener Mensch, der auswandert,, keinen Beruf hat. Das Wort von der nicht er wünschten Immigration ist in letzter Zeit viel gebraucht worden. Eine sehr angesehene antisemitische russische Zeitung hat sogar mit großer Freude behauptet: auch Amerika will keine Juden mehr haben, es hat 24.000 Juden - zurückgeschickt. Nicht ein Buchstabe ist davon wahr. Im Gegenteil, die Zahl der in Amerika Zurückgewiesenen ist bei den Juden so-, gar kleiner als bei den anderen, 0.8 Prozent gegenüber 1,1 Prozent. Freilich immer noch ein hoher Prozentsatz; die Einwanderungskommission in -New-York geht mitunter mit viel zu. großer Strenge und zu Schematisch vor, aber es wird dort absolut kein Unterschied gemacht, zwischen Juden und Nichtjuden. Wir braudien' nicht zu befürchten, daß man uns diese Zufluchtsstätte in Amerika auch noch verschließt,. Ich blicke sehr ruhig in dieser Beziehung ■ in die Zukunft. Zivnostenskä bsnks Filisl© Wien I. Heppengasse 12. auf Bi _______ EINLAGEN Inj Xon*o.$k ■aeb ‘Aktienkapital und Reserven: K 95 IHillioiien. I Wechselstuben . L .Herreng. 12, II. Pralerstr. 24, VII, Maiiahillerjtr. 84*- I IfnWnymgllWH |— in Wien: .X. Favoriteystrasse .95.XV1. NeulgrcjienfelilErslfasse 417, | 4V 0 0 Kulante Besorgung aller Bank- und Börsentransaktionen..; gegen Bankschuld 1 i|f&S[^mmerinitjremiqtharenSAFES^dionnementvonJ^7j^ap^.. vyQpgQ||pgjj)yflgQ[| * Zentrale in'Erag, gegf. 1868. — Filiale»: tirdna,- BudwMs^Prredek-JiistekjLgian; Klattau, Königgrätz, Krakau, Lemberg, Mäfnik, Olniütz, Mähr.-Osfrau, Pardubict Pilsen, Pilsek, Proßnitz, Reichenberg, Tabor, Triest.

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