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Jüdische Zeitung · 1911-08-11 · 32 (11.8.1911) · page 1

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
5 (1911)
Issue
32 (11.8.1911)
Date
1911-08-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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■ ■■ ■ ■■■■i ■■■■■■■■■■■mmm Erscheint wöchentlich.—Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: IX., Liechtensteinstraße 11, Telephon 12299. — Sprechstunden täglich von >1—12 Uhr vormittags und 4- -5 Uhr nachmittags. —Manuskripte werden nicht zurfickgestellt — Abonnementspreise: Für Österreich-Ungarn: Ganzjähr. K10.—, halbjähr. K 5.—.Vierteljahr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10—, halbjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr. Mk. 3.—. Für das übrige ca9casc&ocs9cs9cs9c&3cz9cso Ausland ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplare 20 h. Postsparkassenkonto 104067. cascaocaocaac&scaacaocnacas Nr. 32. Wien, Freitag den 11. August 1911. V. Jahrgang Der X. Zionistenkongreß. Eröffnungssitzung. Basel, 9. August. Der X. Zionistenkongreß wurde in Anwesenheit von 350 Delegierten durch Dr. W olffs ohn eröffnet. Auf Antrag des Aktionskomitees wurde beschlossen, der türkischen Regierung ein Beileidstelegramm und 5000 Franken aus Anlaß des Brandes in Konstantinopel zu senden. Max Nordau hielt eine Rede über die Lage des Judentums. Zum Präsidenten des Kongresses wurde Nordau gewählt. * (Eigenbericht.) Die wichtigste Frage des Kongresses ist wieder die der neuen Leitung. Das ganze Interesse der Delegierten konzentriert sich auf diese Frage. Die meisten Landsmannschaften haben in ihren erstenSitzungen beschlossen, sich für die Erfüllung der Berliner Friedensbedingungen einzusetzen. Die westösterreichische Landsmann-' Schaft,■ bestehend, aus 32.Delegierten, trat Dienstag nachmittags zur ersten Sitzung zusammen. Zum Präsidenten wurde Gg. Adolf Böhm, zum Vizepräsidenten Gg. Dr. E. M a r g u 1 i e s, zum Schriftführer Gg. Prof. Stern (Brünn) gewählt. Vor der Wahl der Vertreter der westösterreichischen Landsmannschaft wurde über die Stellung zu den Berliner Friedensbeschlüssen diskutiert. Es wurde beschlossen, sich grundsätzlich auf den Boden dieser Bedingungen zu stellen. Nur bezüglich Punkt 5, der die Wahl des Präsidiums durch das EA.G. (nicht durch den Kongreß) bestimmt, wurde die Beschlußfassung für einen späteren Zeitpunkt Vorbehalten. Es sind zirka 350 Delegierte anwesend. * 1. Sitzung. Basal, 9. August 19911. (Originalbericht der „Jüd.-Ztg.“) In Anwesenheit von 350 Delegierten aus 28 Ländern wurde heute der zehnte Zionisten- Kongreß eröftnet. Die Zahl der diesmal erschienenen Delegierten ist um ein bedeutendes größer als die aut dem letzten Kongreß. Besonders stark sind die russischen Gesinnungsgenossen vertreten (130 Delegierte). Auch die Westösterreichische und galizische Landsmannschaft sind diesmal größer. Unter den Delegierten lallen ein Delegierter aus Tunis und einige türkische Delegierte aut. Ein starkes Kontingent unter den Kongreßdelegierten stellen die Frauen. Um 10 Uhr vormittags wurde der Kongreß eröftnet. Unter allgemeiner Spannung der Delegierten und der überaus zahlreich anwesenden Gästen betrat das Aktionskomitee geführt vom Präsidenten Wollsohn und Max Nordau die Tribüne. Die Eröffnungsrede Woltsöhns, die im Großen.und Ganzen bekannte Tatsachen enthält, wurde beifällig autgenommen. Wiewohl nach pllen AnteZedentjien der Rücktritt Woltssohns allgemein erwartet wurde, machte doch die diesbezüglich ganz bestimmt abgegebene Erklärung insofern Eindruck, als hiedurch die Verhältnisse bedeutend klarer geworden sind. Die Erfüllung der Berliner Friedensbescjhlüsse scheint um ein bedeutendes näher gerückt. . Nach Wollsohn betrat stürmisch bejubelt Max Nordau die Tribüne. Seine Rede war ein oratorisches Werk. Im ersten Teile beschäftigte sich Nordau mit der unhaltbaren Lage unserer östlichen Brüder, im zweiten Teile wandte er sich in entschiedenen, überaus scharfen Worten gegen jene jüdischen Verräter in der Türkei, die durch Verleumdungen, Denunziationen und falsche Darstellung unserer Bestrebungen in der türkischen Presse und in den türkischen offiziellen Kreisen nicht nur dem Zionismus, sondern der ganzen türkischen Judenschaft unheilbaren Schaden anzurichten versuchen. Nach der Rede Nordaus wurde in die Veränderungen angetreten. Einevom E. A. C. im letzten Augenblick vorgelegte Geschäftsordnung wurde abgelehnt. Zum Präsidenten wurden Dr. Max Nordau, zu Vizepräsidenten Dr. Bodenheime r, Dr. A. Marmorek, A. S t a nd, Dr. Tschlenow und Ussischkin gewählt. Von der vvestöpterreichischen Landsmannschaft Wurden in VBüro Adolf Böhm und Fritz L ö w gewählt. Präsident Wöltsohn verlas ein in besonders h erzlichen Worten gehaltenes Begrüßungsschreiben der Schweizer Bundesregierung. Ferner beantragte er, der Kongreß möge der türkischen Regierung anläßlich der Konstantinopler Brandkatastrophe sein Beileid ausdrücken, was durch Erheben von den Sitzen, geschieht. Ebenso wurde ein Antrag der türkischen Regierung 5000 .fjrancs für die Abbrändler zu spenden, mit Beifall angenommen. . Schluß der 1. Sitzung. 2. Sitzung. Inder Nachmittagssitzung hielt Nordau den seit dem letzten Kongresse verstorbenen Parteigenossen einen Nachruf und gedachte in besonders warmen Worten der Mutter Herzls, Frau Jeanette FTerzT und H e i n r~I c h G a b el s, Lilienblums u. a. Hierauf sprach Präsident Wolfsohn, der kurz aut den gedruckt vorliegenden Rechenschaftsbericht hinwies. Er verlas einen Brief des Mitgliedes des engeren Aktionskomitees Kann, der krankheitshalber dem Kongresse nicht anwohnen kann. Den Brief, der, wie Kann selbst eingesteht von der großen Mehrheit nicht gebilligte Ansichten über unsere Arbeit enthält, erwähnen wir nur deshalb, Weil er eine Reihe vonAngriften gegen die Arbeit Warburgs enthält, den er unter anderem der Projektenmacherei zeiht. Dieser Briet bildet ein interessantes Illustrationstaktum für die im E. A. C. herrschenden Strömungen , i-die wohl nach diesem Kongresse in der neuen Leitung kaum mehr Vertreter finden werden. Der Briet Kanns wurde vom Kongresse mit eisiger Kühle autgenommen. Umso herzlicher war der Beifall, mit dem Prot. Warburg begrüßt wurde, der nun das Palästinareferat erstattete. Warburg schilderte zuerst, welche Entwickelung die Organisation für die Palästinaarbeit aut den einzelnen Kongressen genommen hat. Die ersten 4 Kongresse beschäftigten sich mit verschiedenen die Palästinaarbeit betreffenden Anliegen »welche zum Teil auch zu Beschlüssen erhoben wurden, die jedoch nie in Tat umgesetzt Wurden. Erst der 5. Kongreß legte den Grundstein zu unserer Tätigkeit in Palästina durch Annahme des Antrages Ussischkins, eine Filiale der Bank in Palästina zu errichten, aus der sich die heute florierende Anglo-Palästine Company entwickelte. Redner erörtert dann die Tätigkeit der einzelnen vom Palästinaamte ins 'Leben gerufenen Institutionen in Palästina. Der Bezalel beschäftigt heute bereits 400 jüdische Arbeiter, aut den Oelbaumpflanzungen finden 100 j üdische Arbeiter lohnenden Verdienst. Unter den Institutionen in Palästina verdient die Palestine-Land-Development Company erhöhte Bedeutung. W arturg zollt der v o m Gg. A d o 11 B'öhm in Wien geleiteten Zeitschrift „P a I a s t i n a“ besondere Anerkennung, da sie viel zur Verbreitung und Vertietung des Palästinagedankens beitragt. Hierauf begann die Debatte. Als erster Redner Sprach Adolf Böhm. Die Rede Böhms wurde vom ganzen Kongreß mit gespanntester Aufmerksamkeit angehört. Böhm entwickelte in ungemein klarer, sachlicher Art jene Gedanken, die in der letzten Nummer der „Jüd. Ztg.“ im Artikel „In letzter Stunde“ niedergelegt hat. . * Auszug aus der Eröffnungsrede des Präsidenten Wolfsobn. Geehrter Kongreß! Zum zehnten Male sind wir heute versammelt und dieses "Mai Wiederum in Basel, der schönen gastfreundlichen Stadt, in der wir zum ersten Male, dem Rufe Theodor H e r z I ’ s folgend, uns von allen vier Enden der Welt zusammengefunden haben. Damals vor genau viezetm Jahren, haben wir den Grundstein gefegt, auf dem wir die zionistische Organisation aufgebaut; damals haben wir zum ersten Male der ganzen Welt offen und frei verkündet, daß wir uns ab Mitglieder der jüdischen Nation fühlen, daß wir eine Nation sind und sein wollen; Das War ja eigentlich selbstverständlich, aber, es klang neu und riet das Erstaunen selbst unserer eigenen Volksgenossen hervor und auch vielseitegen Widerspruch. Wir aber sind unseren Weg, den wir als den richtigen erkannt hatten, weitergegangen. Wir haben Rat gehalten und uns alle darin einig gefunden, daß in der Heimatlosigkeit unseres Volkes unser großes Unglück liegt, unser großes tausendjährige« Leid begründet ist. Wir sind zu dem Schlüsse gelangt, daß es für uns nur ein Heilmittel gibt: Wir müssen eine Heimstätte aut dem Boden unserer Väter, in Erez-Israel, errichten, die öffentlich-rechtlich gesichert zu sein hat. In unserer ersten Begeisterung haben wir geglaubt daß alle unsere Volksgenossen mit uns einer Meinung sein werden, daß besonders die Führer in Israel und die Rabbiner uns helfen werden, die große Arbeit zu vollbringen. Es kam aber anders. Gerade die, die in erster Linie dazu berufen gewesen wären, uns beizustehen, haben uns im Stiche gelassen. Nein, schlimmer noch! Sie bekämpfen uns und erschwerten unsere mühsame Arbeit! Wenn wir jetzt aut die verflossenen vierzehn Jahre zurückblicken, aut die mühevolle, schwere Arbeit, die Wir getan, auf die großen Opfer, die Wir gebracht, auf die herben Verluste, (jie wir erlitten, d ürten mir dennoch Befriedigung und einigen Stolz über das empfinden, was wir geschaffen haben, und daraus immer neue Kräfte und neue Hoffnungen für die Zukunft schöpfen. Vor vierzehn Jahren war der Zionismus eine Sensation, heute ist er eine feststehende Tatsache! Die Stellung, die der Zionismus sich im Judentum errungen, kann ,ihm nicht mehr genommen werden. Die Hebung unseres Volksbewußtseins hat Fortscritte gemacht, die Liebe zum Judentum, zuder hebräischen Sprehe und [zum Lande unserer Väter hat in Tausenden jüdischer Herzen tiefe Wurzeln geschlagen und ergreift immer neue Kreise, die früher abseits gestanden. Die jüdische Jugend, unsere Zukunft, beginnt uns zu verstehen und am zionistischen Ideal einen Halt zu finden. Die Institutionen, die wir uns geschaffen, haben sich bewährt. Unser finanzielles Instrument, die Jüdische Kolonialbank, hat es ermvöglicht, neue Finanzinstitute zu schaffen, die segensreich in Palästina wirken. Der Jüdische Nationalfonds und alle unsere anderen Gründungen und Einrichtungen, über die Sie hier Berichte erhalten werden, entwickeln sich gut. Unsere Organisation wird immer fester und gewinnt immer mehr an Sicherheit und Kraft. Wohl ist vieles noch der Verbesserung bedürftig, aber die Anfangsschwierigkeiten sind überwunden, und eine feste Grundlage für den weiteren Aufbau ist geschaffen. Der Bestand unserer Organisation ist für alle Zeiten gesichert! Blicken wir aut die allgemeine Lage unseres Volkes in den letzten vierzehn Jahren

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