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Jüdische Zeitung · 1911-07-07 · 27 (7.7.1911) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
5 (1911)
Issue
27 (7.7.1911)
Date
1911-07-07
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr: 27 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 war das Pseudonym des jetzigen Kecskemeter Rabbiners Dr. Josef ßaranyi; einen 17 Seiten langen Artikel, in dem auf Grund von Daten und Stichproben klipp und klar bewiesen wird, daß das von Dr. Immanuel Löw in ungarischer Sprache herausgegebene Gebetbuch (Imadsagok zsidok szamara) aus yier christlichen Gebetbüchern, u. Zw. Johann Dobos, evangelischer Pfarrer: Kereszteny jmak (Christliche Gebete); Michael Tompa: Olajag (Oelzweig); Karl Szasz: Buzgosag könyve (Andachtsbuch) und Josef Szekacs: kleines Gebetbuch pbgeschrieben ist: Er verfuhr dabei folgendermaßen: er übernahm die christlichen Gebete fast Wort für Wort, wobei ihm das jüdische Publikum noch zu besonderem Danke verpflichtet ist, da er die aut den Heiland, die Erbsünde psw. bezüglichen Stellen wegließ. ,,Daß Löw (außerdem“ — so fährt der genannte Artikel fort — „wahrscheinlich nach bester .Einsicht und peschmack einzelne Ausdrücke, Zeilen, insbesondere aber den ersten Satz eines jeden peuen Absatzes abgeändert oder ausgelassen hat, tat er keineswegs, damit der gebildete Leser aas Original nicht sofort erkenne, er tat es vielmehr selbstlos und zweifelsohne von der edlen Piätät geleitetj damit die Gebete der Verfasser, die er in seine Sammlung' aufzunehmen die Güte hatte, zur Hebung ihres Ansehens aufgeputzt und ziselliert in die Hände des Lesers geraten, für welch edle und selbstlose Tat die betreffenden Autoren oder deren Rechtsnachfolger Löw dem Schriftsteller auch hoffentlich Dank abstatten werden. Daß Löw hiebei vom Abendgebete des Verfassers einige Zeilen in sein Morgengebet herübernahm oder umgekehrt, ändert an der Sache ganz und gar nichts/1 Und nun bringt „Magyar Zsido Szemle“ einige Stichproben der „übernommenen“ christlichen Gebetstellen unter Anführung des Originaltextes auf 14 Seiten mit Petit-Buchstaben gedurckt. „Löw hat eine Definition des Autorrechtes inauguriert, heißt es weiter, welche bisher in der ungarischen Literatur unerhört und unbekannt war. Wir müssen hierbei erklären, daß Löws Vorgehen ein solch großes Vergehen am jüdisch-religiösen Gefühle ist, daß es eine offene Retorsion erheischen würde, wennn es wer immer begangen hätte, jedoch ist dies doppelt der Fall, wenn der geistige Urheber ein jüdischer Theologe ist, der mit seinem theologischen Gewissen so groß tut und es überall zu verkünden und zu betonen nicht aufhört. Löw hat absichtlich und zielbewußt das ungarische Judentum irregeführt, er hat das begangen, was der Talmud mit Gonev Daath bezeichnet, indem er Juden “solche Gebete in die Hand drückt, die ursprünglich an den Erlöser, an den Heiland gerichtet waren; Löw hat absichtlich und 'zielbewußt das jüdische Publikum mystifiziert, das bona fide das Gebetbuch eines jüdischen Rabbiners für J pden in die Hand nahm, damit es daraus zu Israels Gott in Israels Tempel in jüdischem Geiste bete, welches Publikum aber, wäre ihm der Ursprung des Gebetbuches bekannt gewesen, das Vorgehen Löws sicherlich mit Befremden von sich gewiesen hätte.“ Löws Vater, der .berühmte Leopold Löw, Redakteur des Ben-Chananja, war damals (vor 23 Jahren) auch dem großen jüdischen Publikum weit mehr bekannt, 'als heutzutage. Leopold Löw, ein gebürtiger mährischer Jude, war mit all seinen Kräften bestrebt, die Juden in Ungarn Zu magyarisieren und sie in Magyaren mosaischer Konfession umzuwandeln. Löw besaß aber trotz seiner assimilatorischen Gelüsten ein umfassendes hebräisches Wissen und hat auf dem Gebiete der talmudischen Archäologie und jüdischer Geschichte Nennenswertes geleistet. Des Vaters Ruf vererbte sich 'auf den Sohn und es war daher nicht zu verwundern, 'daß seine Demaskierung in weiten Kreisen der Judenheit großes Aufsehen erregte. Sämtliche jüdische Blätter verurteilten einmütig das Vorgehen Löws. So schrieb unter Anderem die „Jüdische Presse“ Berlin, 8. November 1888): „Eine oetrübend sensationelle Enthüllung bringt die soeben erschienene Nummer der Magyar Zsido Szemle. In einem längeren Artikel daselbst wird erwiesen, daß der auch' über die Grenzen Ungarns hinaus bekannte Gelehrte und Rabbiner von Szegedin, Dr. Immanuel Löw, seine noch' im Jahre 1883 in ungarischer Sprache erschienenen „Gebete für Juden“ aus verschiedenen Christ liehen Autoren einfach abgeschrieben hat. In zwei nebeneinanderstehenden Kolumnen werden zahlreiche Stellen aus dem Löwschen Buche den entsprechenden fast gleichlautenden Texten von vier reformierten Geistlichen entgegengestellt, so daß über die Tatsache des Plagiats kein Zweifel übrig bleiben kann. Es ist tief Z^u beklagen, daß Dr. Löw, der sich trotz seiner verhältnismäßigen Jugend bereits unleugbare Verdienste pm die Wissenschaft sowohl, als um seine Gemeinde erworben hat, auf diese unnötige und zugleich unwürdige Weise seinen Ruhm vermehren wollte, {statt dessen er nun öffentlicher Verurteilung preisgegeben ist“ Seitdem sind nunmehr 23 Jahre ins Land gegangen und wenn wir uns fragen, was Herr Löw aut dem Geriete der jüdischen Wissenschaft geleistet hat so müssen wir jn*t einem entschiedenen „Nichts!“ antworten. Man lese nur in der IJ ewish Enncyclopedia nach. Er hat die Werke seines Vaters für den Buchdrucker geordnet, einige Predigten über ungarische Dichter veröffentlicht und mit einem dortigen Lehrer gemeinsam die naturgemäß pur zu kurze Geschichte der Szegediner Juden veröffentlicht, dies ist |so Ziemlich Alles, was er geleistet hat, — pardon! — um an sein altes Steckenpferd — an die aramäischen Pflanzennamen nicht zu vergessen — mit dem er schon .anno 1888 allenthalben gefrotzelt wurde. Das ist das getreue Bild seiner Tätigkeit, der wissenschaftlichen Tä.igkeit eines Mannes, der gerade^ auf Grund sein er Gelehrsamkeit vom Wiener Kultusvorstand zum Oberrabbiner bestellt werden sollte. Das ist das Bild .eines Mannes der mit einer vornehmen und zugleich verachtenden Geste den Leopoldstädter Juden abwinkt: „Ich der Mann von Ruf und von imenser Gelehrsamkeit, werde keine Probepredigt halten!“ Die Korruptheit und Gewissenlosigkeit der deutschfreiheitlichen Kultusklique ist uns von jeher bekannt und seit Jahren kämpfen wir gegen sie — wie die stets zunehmende Zahl der zionistischen Kultuswähler beweist — mit Erfolg an. Niemals hätten wir aber gewagt daran zu denken, daß die Stern-Güdemann-Klique in ihrer Vermessenheit so weit gehen werde, einen Mann H»-ie Löw den Leopoldstädtern als Oberrabbiner aufdrängen zu wollen. Und wie sich Herr Bloch, der Einpeitscher, für diesen Mann erwärmt hat. Oder haben Sie Herr Bloch, von dieser Affär, die sogar von protestantischen Blättern seinerzeit als „Verletzung der Gesetze des literarischen Ehrenhaftigkeit“ bezeichnet wurde, nichts gewußt? Nun, wir (wollen mit Ihren eigenen Worten beweisen, daß Sie von dieser schändlichen Sache nur?u gut informiert waren. Sie schrieben am 16. November 1888 (Nr. 46 der Oesterr. Wochenschrift: „Magyar Zsido Szemle“ bringt die sensationelle Enthüllung, daß die in ungarischer Sprache von Dr. Immanuel Löw, Rabbiner in Szegedin, erschienenen „Gebete für Juden“ aus christlichen Gebetbüchern einfach abgeschrieben sipd. Man ist gespannt auf die Rechtfertigung des Dr. Löw, der es vermöge seiner Bildung und Gelehrsamkeit wahrlich nicht nötig hätte, bei Nichtjuden zu borgen.“ Nun, Herr Bloch, Sie können noch immer „gespannt“ sein, da die von Ihnen herbeigesehnte Rechtfertigung Löws poch immer nicht erfolgt ist. Einige geiner Freunde haben es wohl versucht, die Affäre duch zynische Erklärungen beizulegen, doch ist ihnen dies nicht gelungen und in Ungarn jveiß man nur zu gut, wen sie an Herrn Dr. Löw zu schätzen haben. Als vor einigen J ahren die Pester isr. Kultusgemeinde mit Herrn Dr. Löw wegen seiner Anstellung Verhandlungen führte, hat er es ebenfalls versucht, die Zumutung einer Probepredigt mit Entrüstung abzuweisen. Nun ist die Budapester jüdische Gemeinde, die doch nicht in der angenehmen Lage war, ihn als Gelehrten vorstellen zu können, klüger vorgegangen, indem sie Herrn Dr. Löw abschlägig beschied, wozu auch die über _ ihn eingezogenen Informationen wesentlich beigetragen haben dürften. Und Jw*e Herr Bloch von der Affäre wußte, so haben auch die Herren Stern und Güdemann davon Kenntnis gehabt. Und wenn sie auch hiervon nichts gewußt hätten, woran wir zu zweifeln gewichtigte Gründe haben, war es ein Vergehen, gegen das Judentum, einen Dr. Löw als Gelehrten — bei Uebergehung verdienter Rabbiner — den Leopoldstädter Juden aufzuoktroyieren, .ohne sich yorher über den Mann eingehend .informiert zu haben. Gewiß können diese Rabbiner übergangen werden, aber nur von einem Manne, der dieser Stellung als Jude, als Gelehrter und als Rabbiner gewachsen ist. Herrn Löw als J pden und Gelehrten haben wir bereits kennen gelernt. Was Herr Dr. Löw als Rabbiner geleistet hat, ist auch nicht unbekannt. Als Rabbiner hat er sich stets durdi sein assimilatorisch-chauvinistisches Geberden auffällig gemacht — eine Zeitlang ging er sogar in magyarischer Nationaltracht gekleidet — und seine Gemeinde ist heute eine Hochburg .der Assimilation vorn nationalen und eine Gemeinde, wo die jüdischen Gesetze nur noch vom Hörensagen bekannt sind, vom religiösen Standpunkte. Einen Mann, der sich so schwer gegen die literarische Ehrenhaftigkeit und gegen das Judentum vergangen hat, kann unmöglich Rabbiner, geistiger Führer der Leopoldstädter Juden werden. Er wird es auch nicht, er bleibt in Ungarn. Es muß aber festgenagelt werden, daß der Wiener Kultusvorstand einen Löw als Gelehrten zum Rabbiner bestellt hat. Eines steht jedoch fest: er hätte zu den Herren Stern und Güdemann als Dritter gepaßt. Aber nicht diesen Dritten suchen die Wiener Juden, nicht einen Rabbiner dessen ganze Befähigung aus aramäischen Pflanzennamen und Anmaßung, aus Plagiaten und dem Verdienste seines Vaters besteht! Jeder aufrechte Jude, welcher Partei oder religiöser Richtung er jauch angehören mag, wird mit Befremdung ja mit Entrüstung die Tat Löws ^erqrteilen, der unsere alten, erhabenen Gebete, in denen die Leiden und Hoffnungen, die Denkweise und Gefühlsart unseres Volkes zum Ausdruck kommen, gegen christliche, uns wildfremde Gebete zu verschachern suchte. Diese Tat wirft ein grelles Licht puf Dr. Löw. Sie zeigt ihn als einen fanatischen, magyarischen Fokos-Assimilanten. dem alle Mittel gut sind, um seine ver-> heerenden Ideen in die Tat umzusetzen. Sie wirft ein grelles Licht auf seine „jüdische“ Gefühlsart, mit der die Leopoldstädter Juden nichts gemein haben wollen. B. Ans der Bukowina. Bekanntlich haben die Christlichsozialen, von der Regierung kräftigst unterstützt, die Jüdischnationalen um das Reichsratsmandat der Städte Radautz, Sereth und Suczawa einfach betrogen. In staatlichen Aemtern wurde unter behördlicher Aufsicht Stimmenkauf betrieben, während der ganzen ungesetzlichen „Pause“ wurden auf den Namen „Brunner“ lautende Zettel aus der Urne gestohlen und durch „Hruschka“-Stimmzettel ersetzt, Gendarmerie verhinderte Stimmberechtigte an der Wahl und dergl. m. In Ihrer Not wandten sich die jüdischen Wähler an den jüdischen Landtagsklub mit der Bitte um Intervention. Aber die Mitglieder des Landtagsklubs haben sich geweigert, ihrer Pflicht hach zukommen, sie 'haben ihre Wähler schnöde im Stich gelassen. Die Entrüstung über dieses unglaubliche Vorgehen von .Volksvertretern, die sich den ehrlichen Namen „Jüdischnationale“ beizulegen wagen, hat eine nachhaltige Bewegung unter der jüdischen Wählerschaft hervorgerufen. Es liegt folgender ßericht vor: „In einer in Suczawa abgehaltenen Versammlung wurde eine Resolution gefaßt, wonach die Versammlung gegen das teilnahmslose Verhalten der jüdischen Landtagsabge ord neten gelegentlich der Vorfälle bei der Stichwahl in den drei Städten protestiert! Insbesondere wurde den von flen Städten gewählten Abgeordneten Dr. Weißeiberger und Doktor Kellner das tiefste ßedauern ausgesprochen, weil sie es trotz dringender Aufforderung seitens der jüdischen Wählerschaft unterlassen haben, ihr in bedrängter Situation hilfreich beizustehen. Ebenso wird der Bukowiner Presse die schärfste Mißbilligung ausgesprochen, ,weil sie es konsequent unterlassen hat, die wahren Vorgänge bei der Stichwahl in objektiver Art bekanntzugeben.“ Diese Resolution wurde in den drei Städten und auch in Czernowitz durch Maueranschlag publiziert. Auch in den anderen Städten wurden ähnliche Kundgebungen veranstaltet. So ist es den genannten Herren gelungen,, sich in der kürzesten Zeit — in zwei Monaten — das uneingeschränkteste Mißtrauen ihrer Wäh- Die Böhmische Industrial-Bank-Fihale in Wien, I., Wipplingerstr. 2 Teleptomnunmera 23067,23068,83069,18347,818i3 — üdenfcapital K 30,000 000. verzinst Einlagen auf “ . ~ Äl - Einlagsbücher mit - 41 0 — emittiert eigene Bank— 0 - Schuld - Verschreibungen. - 41

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