Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 5 (1911)
- Issue
- 24 (16.6.1911)
- Date
- 1911-06-16
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 - JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 24 dem Kreise ihrer Jerusaiemer Wähler eine Anzahl Zuschriften und Telegramme, deren Absender — durchwegs angesehene Araber — gegen die judenfeindlichen Reden der beiden Deputierten im türkischen Parlament Verwahrung einlegen, den vielfachen Nutzen: der jüdischen Kolonisation hervorheben und es als höchst 'Unheilvoll bezeichnen, wenn die jüdischen Ansiedlungen in Palästina durch antisemitische Umtriebe in ihrer Entwicklung gehemmt Werden sollen. Judentum und Astrologie. In der literarischen Montagsbeiiage „Der Zeitgeist“ schreibt Geheimrat Prof. Ed. König (Bonn) in einem Aufsatz über „Die Astrologie bei den Babyloniern und den Hebräern“ u. a. folgendes: „Von wirklicher Astrologie, von Sterndeuterei, ist in der älteren Literatur der Hebräer nicht einmal bei Erwähnung der Arten von Mantik die Rede, welche von den führenden Geistern Israels ihren Zeitgenossen als unter ihrem Niveau stehend bezeichnet wurden. Erst später, als die assyrische und noch mehr die babylonische Weltmonardiie immer mehr eine direkte Herrschaft über Palästina begründete und -die Kultur des Euphrat-Tigris-Landes in br.eiten Kanälen auch nadh dem Lande Israels strömte, da wurde der Protest gegen die Astrologie anderer Völker im hebräischen Schrifttum laut. „Kennst du die Satzungen des Himmels?" lautet eine von den beschämenden Fragen, durch die in dem grandiosen Hiobgedichte (38, 33) dem leicht seine Schranken vergessenden Menschen die Enge seines Horizonts zum Bewußtsein gebracht wird. Ein direkter Einspruch dagegen aber, daß die Anhänger der prophetischen Religion Israels nach der Methode der anderen Nationen „Untersuchungen betreffs der Zeichen des Himmels anstellen und vor diesen erschrecken“, ertönt erst jn dem Buche Jeremias (10, 2), der ja ein Zeitgenosse des übermächtigen Heranflutens. Hier babylonischen Weltmacht war. Erst bei einem Redner aus dem babylonischen Exil (Jes. 47, 13) sind die babylonischen Autoritäten verspottet, die — zu astrologischen Zwecken — den Himmel in bestimmte Felder zerteilten und so „nach den Sternen schauten“, weil sie aus dem Eintreten der Sterne in diese Bezirke5 etwas erschließen zu können meinten . . . Wenn wir nun so sehen, daß auch die großen Kulturnationen des Altertums voll Neigung zur Sterndeuterei — und zum Gestirnkultus — waren, müssen wir uns da nicht über die Zurückhaltung wundern, die gegenüber solcher Neigung sich' in der klassischen Literatur der Hebräer apssprieht? Bei ihnen hören wir aber sogar im Gedicht von Hiob, worin doch viele äußerst kühne Sätze über religiöse Probleme laut werden, den Haupthelden seine Erhabenheit über jede Art von Gestirnkultus mit Nachdruck betonen. Denn der Dichter läßt ihn folgende Fragen aussprechen (31, 26 f.): „Sah ich etwa das Licht (das heißt die Sonne) — in andächtiger Bewunderung — an, wenn es hell leuchtete, und den Mond, wenn er prächtig daher wallete, und betörte sich etwa heimlich mein Herz und legte fich meine Hand — zum Kusse — an meinen Mund?“ Also mit {Stolz weiß er sich frei - Ivon der Sitte mancher Leute, den Gestirnen eine bewundernde Aufmerksamkeit zu wirdmen oder durch zugeworfene Kußhändchen eine Huldigung darzubringen. Ja, dieselbe Sternenwelt leuchtete über Babylonien und über Palästina. Aber in dem einen Lande schaute man bis an das Firmament, um durch dessen Veränderungen die Beschlüsse der Götter zu erforschen, und in dem anderen Lande war das Auge der Bannerträger des Volkes über das Firmament hinaus dahin gelenkt, wo der Weltgeist ist, „der reihende Pol in der Erscheinungen Flucht“. Eine Ausstellung hebräischer Bibeln. Anläßlich der Zentenarfeier der Bibelübersetzung in England hat die englische Bibelgesellschaft in London eine Bibelausstellüng veranstaltet, deren interessantester und wertvollster Teil unbestrittenermaßen die sogenannte Ginsburg- Kollektion hebräischer Bibelausgaben ist. Zu dieser Kollektion gehören u. A.: 1. Die Edition Prineeß des Pentateuchs mit dem Targum-Onkeles und Raschi-Kommentar 'als Randglossen. Sie ist in Bologna auf Pergament gedruckt worden und trägt das Datum 1482.- 2. Die zweite Ausgabe der Bibel. Pergamentdrude. Neapel 1491. 3. Besonderes Interesse erweckt ein Exemplar der bei Bombay in Venedig 1525 gedruckten dritten Ausgabe. Dieses Exemplar war einst Eigentum von Martin Luther, der es mit eigenhändigen Noten versehen hat. Luther machte die Bibel Bernhard Ziegler zum Geschenke. Luther scheint sehr schön hebräisch geschrieben zu haben. 4. Eine hebräische Bibel mit flotter lateinischer Uebersetzung von S. Münster (Basel 1534). Von dieser Ausgabe wird behauptet, daß sie die Bibelversionen in - England und der Schweiz am meisten beeinflußt habe. 5. Sehr interessant ist in dieser Kollektion eine Sammlung von Thorahrollen. So ist. eine Thorahrolle aus dem 13. Jahrhundert, in welcher jede Kolumne mit einem „Waw“ beginnt. 6. Sehr kunstvoll ist eine „Megillath Esther“ auf Pergament, die zusammengefaltet, die Form eines Baumstammes hat. Uebcrdies sind in der Ausstellung auch andere wertvolle Thorahrollen zu sehen. Eine dieser Rollen wurde in einem Keller bei Damaskus gefunden und wird auf ein Alter von 400 Jahren geschätzt. Die Rolle wurde auf 60 Schaf: feilen geschrieben und enthält 104 beschriebene Kolumnen. Eine andere Thorarolle, die gerolH in der Tasche getragen werden kann, stammt aus dem 10.—11. Jahrhundert. 'l5 * r »•. ‘■-'■Ti. i f; > •.. < •, ' Allerhöchste Auszeichnung. Der durch ihr altbewährtes Nährpräparat „Nestle’s Kindermehl“ rühmlichst bekannten .Societe farine lactee Henri Nestle wurde der Titel „k. u. k. Hoflieferanten“ verliehen. Ä Äbonnements-Einladnng Die „Jüdische Zeitung“ kostet: vierteljährlich . . . . K 3.— halbjährlich.„ 5.— für 1 Jahr.„ 10.- Die„ JüdischeZeitnng“ ist Organ des „Jüdischen yatiönalvereme.s füi» Österreich“ nnd der innerösterreicliischen zionistischen Partei. Es ist Pflicht eines jeden Gesinnungsgenossen, die„JüdischH Zeitung“ zn abonnieren nnd für ihre Verbreitnng unablässig tätig zu sein. Adressen von Personen, an die mit Aussicht auf Erfolg Probenummem gesendet werden können, sind stets erwünscht. Vereinsnachrichten. Wien. Verein „A c h w a h' - Jüdische- Brüder“, Rituelle Volksspeisehalle, 11., Herminengasse 8. Donnerstag, den 28. d. M., hab ß Uhr abends, findet iip. Vereinslokale die diesjährige (ordentliche Generalversammlung statt, zu der sämtliche Mitglieder, Förderer und Gönner des Vereines sjiöf). eingeladen werden. Wien. Jüdischer Hand lu n g s g e h i 1-. fen-Verband, II., Schmelzgasse 1 (Souterrain). Sonntag, den 18. d. M., bei günstiger Witterung, Ausflug nach Weidlingau-Wurzbachtal. Abfahrt um 1/i3 Uhr nachm, von der Stadtbahnstation Schottenring. — Dienstag, den 20. d. M., 8 Uhr abends, Vortrag des Herrn Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Emil K r a s n y über Wechselrecht (2. Teil). Gäste stets herzlich willkommen. Wien. Mittwoch, den 29. Mai, las über Einladung der Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler, Herr Schriftsteller Felix S alten,, im Hörsaale XXXIII aus seinen eigenen Dichtungen. Man hatte Gelegenheit den feinen Psychologen, als auch in der letzten Darbietung, den köst ichen Humoristen Salten zu bewundern. Das den Saal bis auf das letzte Plätzchen füllende Publikum, begleitete die ebenso fein empfundenen als interpretierte Darbietungen mit regstem Interesse und spendete stürmischen Beifall. Die Lese- und Redehalle hatte allen Grund, ihrem warmen Förderer und Ehrenmitgüede wärmsten Dank zu zollen. Jrgerndorf. Bei der am 13. Mai 1911 stattgefundenen konstituierenden Ausschußsitzung des Vereines „Zion“ wurden als Funktionäre gewählt: Zum Obmann Albert Weinreb, Obmannstellvertreter Emil Katz, zum Schriftführer Dr. Berthold Singer, zum Kassier Siegmund Cohn, zum Bibliothekar Dr. David Rudolfer. Hakoah: Szombathely-Sport-Egylet 2:1. Am 28. Mai unternahm die Hakoah, einer Einladung des Szombathely-Sport-Egylet folgend, eine Expedition nach Steinamanger, die mit einem . schönen Erfolge für den jüdischen Sport endigte. Es gelang nämlich der Hakoah, den dortigen Verein, die derzeit beste Provinzmannschaft Ungarns, einwandfrei zu besiegen. Das Wettspiel selbst, dem1 zirka 5000 Personen beiwohnten, nahm folgenden Verlauf. Bald nach Anstoß setzt sich die Hakoah im Lager ihrer Gegner fest und Schuß aut Schuß saust gegen das Heiligtum der Ungarn, das der Torwächter glänzend verteidigt, bis endlich Hakoah durch1 einen schönen Lauf des: linken Flügels den ersten Treffer erzielt. Halbzeit: 1:0. ln der zweiten Halbzeit erhöht Hakoah durch. Gansl, der einen vorgelegten Ball Spitzers schön Verwertet, die Goälanzahl. Von da ab ist Hakoah vollständig überlegen und die Ungarn beschränken sich aut einzelne Durchbrüche, bei denen ein Verteidiger der Wiener ein Hands. verschuldet. Der darauffolgende Elfmeterstoß wird von sden Ungarn (unhaltbar eingesendet. Kurz darauf schließt das Spiel und die zahlreichen Zuschauer akklamieren die Hakoah mit lebhaften Eljenrufen. S. R. * Wahlfond (VI). Slg. Teitelbaum 1.65, Büchsenslg. Central K 32.—, Dr. Wemei K 3.—, S. M. Resen dch'. L. B. K 20.—, Herrn. K 2—, L. B. K 500.—, Buße Dr. Lichtenstein dch. Dr. R. Wagner K 40.—, Bmst. KF. K 20.—, M. M. K 10.—, M. M. K 20.—, Herrn. K 2.—. Liste der Überläufer Vom 2. bis 15 Juni. Gezö, Dr. Sigmund, 1857, Eger, ledig, k. k. Oberstabsarzt I. Kl:, VII., Wickenburggasse 13. — Pollak Wilhelm, 1878, Wien, ledig, IXv* Hahngasse 32. — Zappler Arelia, 1887, Suczawa, ledig, Kontoristin, IX., Glasergasse 9. — Brenner Ignaz, 1869, Gewitsch, verheiratet, Buchhalter, XVIII., Antonigasse 23. — Beck Leopold, 1874, Wien, ledig, Zuschneider, XVI., Neulerchenfelderstraße 6. — Wuhrhaft Mord, 1873, Odessa, ledig, Bankbeamter, II., Hotel Moskau. — Hehler- Friedrich, 1884, Wien, ledig, Zeitungsarbeiter, V., Straußengasse 18. — Brauer Lazar Ludwig, 1870, Bodaik (Ungarn), verheiratet, Redakteur, XVIII., Salieristraße 7. — Diamant Helene, 1864, Neustift a. Felde, ledig, Tabakarbeiterin, IX., Zivnostenskä banka Filiale Wien i. Heppengasse 12. 4 Aktienkapital und Reserven: K 75 Millionen. °Ll Wechselstuben in Wien: I. Herreng, 12. II. Praterstr. 24, VII. Marishillerstr. 84, X. Favoritenstrasse 95, XVI. Neulercbenlelderstrasse 41. ^Verzinsung Q Kulante Besorgung aller Bank- und Börsentransaktionen, gegen Bänk8Chllid~ | Stahlkammer mit vermietbaren SAFES. Abonnement von K 7.—anTj V8rSChrei ÖUnQBO 0 EINLAGEN auf Büchels EINLAGEN im Konto nach Vereinbarung. , Zentrale in Prag, gegr. 1868. — Filialen i Brünn, Büdweis, Friedek-Mistek, Iglau, Klattau, Königgrätz, Krakau, Lemberg, Olmütz, Mähriscb-Ostrau, Pardubic, Pils en. Pisek, Proßnitz, Tabor, Trieil. ' a