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Jüdische Zeitung · 1911-06-09 · 23 (9.6.1911) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
5 (1911)
Issue
23 (9.6.1911)
Date
1911-06-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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NRTIDNRL -JUDI5HHE5 DRGRN JWK immmmmmmi ■■■■■■■■■■■■■■ rmn Erscheintwöchentlich.—Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: IX., Liechtensteinstraße 11, Telephon 12299. — Sprechstunden täglich von 11 — 12 Uhr vormittags und 4- -5 Uhr nachmittags.,— Manuskripte werden nicht zurfickgestellt — Abonnementspreise: Für Österreich-Ungarn: Ganzjähr. K10.—, halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10—, halbjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr. Mk. 3.—. Für das übrige cK>c»c&9CB9ca9C223C2>ca9caa Ausland ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplare 20 h- Postsparkassenkonto 104067. caacagcaocaacBocaocgocaacao Nr. 23. Wien, Freitag den 9. Juni 1911. V. Jahrgang. Jüdische Wähler des Wahl&reises Leopoldstadt 1. $ Jüdische Wähler der Wahlkreises ffikolsburg Bötling wählet am 13. Juni X Wählet am 13. Juni LUCIAN BRUNNER, Bankier, Wien, XIX., Billrothstrasse 26. ROBERT STRICKER, Ingenieur, III., Bechardgasse 24. ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ An unsere Gesinnungsgenossen in Westosterreich! In vielen Wahlkreisen können unsere Gesinnungsgenossen keinem der dort aufgestellten Kandidaten ihre Stimme geben. Um aber den Gesinnungsgenossen dennoch die Ausübung des Wahlrechtes zu ermöglichen und insbesondere im Hinblick auf die in einigen Ländern bestehende Wahlpflicht, empfiehlt der Jüdische Nationalverein — unter Aufrechthaltung der für einzelne Wahlkreise bereitsausgegebenen Wahlparolen — den Gesinnungsgenossen, in solchen Fällen ihren Stimmzettel mit dem Namen des Vereinsoomannes Dr. Jakob Ehrlich Hof- und Gerichtsadvokat in Wien. 1., Neuthorgasse 15, auszufüllen. Die Gesinnungsgenossen werden aufgefordert, für die entsprechende Verbreitung dieses Beschlusses Sorge zu tragen. Der Vorstand des indischen Nationalimincs für flstenaich. ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ Unsere Wahlkampagne. Unsere Wahlarbeit in der Leopold, stadt hat in der letzten Woche ihren Höhepunkt erreicht. Täglich fanden mehrere Versammlungen statt, welche einen solchen Massenbesuch aufwiesen, daß immer hunderte Wähler keinen Einlaß finden konnten. Die Reden unseres Kandidaten Robert Stricker weckten überall stürmischen Beifall. Große Gruppen von Wählerm die uns bisher fernstanden, haben in den letzten Tagen ihre Zustimmung zur Kandidatur Strickers gegeben und entfalten selbst eine intensive Agitation. Ein großer Teil der Beamtenschaft macht aus seinen Sympathien für unseren Kanditaten keinen Hehl. Jede Stimme kann von entscheidender Bedeutung werden. Wir fordern deshalb alle Parteigenossen dringendst auf, die kurze Zeit bis zum Wahltage zur intensivsten Agitation zu benützen. Tue jeder seine Pflicht und der Erfolg wird nicht ausbleiben. Die Agitationszentrale befindet sich im Cafe , Goldener Brunnen“ II. Schmelzgasse 1, Telephon 15117 wo alle Auskünfte erteilt werden. Jene Parteigenossen, welche sich für den Wahltag zur Verfügung stellen wollen, mögen sich daselbst melden. Die Agitationslokale und die Sprengeleinteilung siehe Seite 4. Zur Beachtung! Wahltag ist Dienstag, den 13. Juni. Die Wahlzeit ist von 6 Uhr früh bis 5 Uhr nachmittags. Die Wahllokale sind auf den Legitimationen angegeben. Die Agitatoren haben sich präzise um '1,6 Uhr früh in den ihnen zugewiesenen Agitationslokälen einzufinden. Was wir wollen. Was klar gedacht ist, muß sich in wenige präzise Worte fassen lassen. Dieser Satz gilt auch für politische Gedanken. Wir möchten deshalb kurz und knapp aussprechen, was wir wollen. Denn es ist uns nicht darum zu tun, den jüdischen Wähler durch wortreiche aber vieldeutige Phrasen literarisch zu entzücken, sondern wir appellieren an seinen Verstand und an seine politische Erfahrung. Deshalb sprechen. wir nüchtern, knapp und klar. Was wollen wir Jüdischnationalen? Wir wollen mithelfen den Staat, in dem wir leben, der uns Rechtsschutz, Existenz und Freiheit verbürgen soll, stark, mächtig und kulturmodern zu machen. Deshalb sind wir gute Oesterreicher. Wir wollen das Volk, dem wir entstammen, dem wir angehören mit Blut und Herz, Gleichwertung und Achtung wiedergewinnen. Deshalb sind wir Jüdischnationale, Zionisten. Wir wollen als gute Oesterreicher und gute Juden helfen, den nationalen Streit, der die Entwickelung des Staates in jeder Weise hemmt und die Hauptschuld an dem politschen Antisemitismus hat, endgiltig durch geeignete Verfassungseinrichtungen zu beseitigen, damit die Bahn frei wird für eine Gruppierung der Abgeordneten ’ nach wirtschaftlichen und kulturellen Gesichtspunkten. Deshalb sind wir für die nationale Autonomie. Wir wollen das bedrängte jüdische Volk lehren, daß es seine Interessen wirksam nur selbst verteidigen kann. Deshalb sind wir für eine eineinheitliche Judenpolitik in ganz Österreich. Wir wollen durch Art und Richtung der Judenpolitik dem Antisemitismus seine politischen Voraussetzungen entziehen. Deshalb sind wir für die Wahl jüdischvolklicher Abgeordneter, die nicht in irgendwelchen nichtjüdischen Parteien an der Nationscder Klassenhetze teilnehmen. Wir wollen im Interesse sowohl Österreichs als auch der Juden, die freiheitliche Entwicklung des Staates fördern. Deshalb sind wir für Ausdehnung der Selbstverwaltung und Einführung des allgemeinen, gleichen Wahlrechtes für alle Yertretungskörper. Wir wollen im Interesse Österreichs, als auch der zu 90 Prozent in kommerziellen und intellektuellen Berufen tätigen Juden, die modern - wirtschaftliche Entwickelung des Staates fördern.

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