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Jüdische Zeitung · 1911-06-02 · 22 (2.6.1911) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
5 (1911)
Issue
22 (2.6.1911)
Date
1911-06-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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NnTIML -JÜDISCHES DRGflN Erscheint wöchentlich.—Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: IX., Liechtensteinstraße 1t, Telephon 12299. — Sprechstunden täglich von 11—12 Uhr vormittags und 4- -5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zuröckgestellt — Abonnementspreise: Für Österreich-Ungarn: Ganzjähr. K10.—, halbjähr. K 5.—, vierteljähr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr. Alk. 10—, halbjähr. Mk. 5.—, vierteljähr. Mk. 3.—. Für das übrige - Ausland ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplare 20 h- Postsparkassenkonto 104067. Nr. 22. Wien, Freitag den 2. Juni 1911. V. Jahrgang. Wähler des 5. Wiener Wahlkreises Wählet am 13. Juni 1911 den Kandidaten % Ingenieur der k. k. Staatsbahnen, III. Beehardgasse 24. ***** ÄgitationsloKal: II. Sclimelzgasse 1, Caff „goldener Brunnen“, Telephon 15117. Samstag, den 3. Juni 1911, 8 Uhr abends im Restaurant „KÖNIG DAVID« II., Untere Augartenstraße 8 * WÄHLERVERSAMMLUNG Referenten Dr. HUGO DEUTSCH und der Kandidat Ingenieur ROBERT STRICKER. Mittwoch, den 7. Juni 1911, 8 Uhrabds. im großen Saale' des Hotel GUTH, II. Stefaniestraße 14, Wählerversammlung der Handelsangestellten und Beamten. Referenten: Karl G r ü n w a 1 d, Obmannstellvertreter des Jüdischen Handlungsgehilfenverbandes und Ingenieur Robert Stricker, Reichsratskandidat für den 5. Wahlkreis (Leopoldstadt 1). Die Herren Sektionsleiter, Gruppenleiter und Schriftführer werden aufgefordert, mit dem bisher gesichteten Material zu der am Freitag, den 2. Juni, unt 8 lUhr Ipbends, im Cafe Marienbrücke stattfindenden wichtigen Besprechung zuversichtlich zu erscheinen. Die Wahlparole. In jedem wirklich parlamentarisch regierten Staat fällen die Wahlen die Entscheidung über Sein oder Nichtsein der Regierung. Daß in Oesterreich anläßlich der Parlamentswahlen kein Mensch daran denkt, daß es sich dabei im letzten Grunde um das Schicksal Bienerths handelt, ist so recht bezeichnend, für den unpolitischen Geist der Oesterreicher einerseits und für den bestehenden Scheinkonstitutionalismus andererseits. Trotzdem aber ist es unzweifelhaft richtig, daß diesmal wirklich das Schicksal des Systems Bienerth von dem Ausgang der Reichsratswahlen abhängt. Seine Majorität im letzten Abgeordnetenhaus war eine sehr schwache. Verlieren deutscher Nationalverband und Polenklub einige Mandate an die Opposition, also an Sozialisten, Zionisten und Ruthenen, dann ist das System Bienerth gefallen. Der jüdische Wähler in Österreich kann dazu sehr viel beitragen. Er kann dem Polenklub in Galizien und den Deutschen (Suczawa, Göding, Leopoldstadt I.) Mandate entreißen, er kann in anderen Bezirken gegen den Bienerthblock ausschlaggebend stimmen. Es ist daher, ganz abgesehen^ von den speziell jüdischen Interessen für die Wahlen die Frage von Bedeutung, ob die jüdische Bevölkerung Österreichs das Regime Bienerths bekämpfen soll oder nicht. Die Antwort kann nicht zweifelhaft sein. Die Regierung Bienerths ist nichts anderes als das Exekutivorgan der christlichsozialen Partei und hat sich als solches bei allen Anlässen bestens bewährt Man denke nur an die Gewerbegesetzgebung, insbesondere an das Hausiergesetz, man denke an die „neutrale* Stellung der Regierung gegenüber dem Anträge Schmid, usw. Aber wir wollen die Frage tiefer fassen und das Regime Bienerth nach seiner politischen Bedeutung im Lichte unseres Programmes werten. Der Grundgedanke der nationaljüdischen Politik ist die Herausnahme der Juden aus den fremdnationalen Kämpfen einerseits und die Beilegung der den „Antisemitismns‘‘ gewaltig steigernden, eine vernünftige Wirtschaftspolitik verhindernden nationalen Kämpfe durch die nationale Autonomie anderseits. Dem ersten Programmpunkt widerstrebt die Regierung aufs heftigste, da sie die jüdischen Stimmen für die deutsch-antisemitischen Abgeordneten gewahrt wissen will. Beweis dessen ihre Htülung gegenüber der jüdischen Kurie in der Bukowina. Das zweite Postulat; das Programm der nationalen Autonomie findet schon gar keinen Anklang bei der Regierung, sondern diese ist direkt ein Hemmnis für die Herstellung des nationalen Friedens, da sie eine einseitige deutsch-polnische Politik betreibt und gegen die slavischen Nationen regiert. Das Ministerium Bienerth ist aber auch ein klerikales, Das Wahlkomitee.

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