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Jüdische Zeitung · 1911-05-26 · 21 (26.5.1911) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
5 (1911)
Issue
21 (26.5.1911)
Date
1911-05-26
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHE LEITUNG - Nr. 21 - .. .j—-i.-!-1-.- - -1— .... ■ -——--^^^^===^=^===== ■■■■■— ■;=====^^== . •* treibende zu wenig berücksichtigt werden. Unser Gesinnungsgenosse' Dr. Jakjfb Ehrlich erklärte^- es sei statutarische Pflicht des Vereines, sidj .auch der jüdischen Gewerbetreibenden in der Provinz "anzunehmen. Er verwies unter lebhaftem Beifall der ganzen Versammlung auf die skandalösen Zustände i§ den Witkowitzer Eisenwerken der Herren Giitmann und Rothschild-; dort sei ein ganzes Heer v-on Technikern, Handwerkern und , Lehrlingen . angestellt, der jüdische Prozentsatz unter den Beamten sei aber ein verschwindender, jüdische Gewerbetreibende. und Lehrlinge fänden dort überhaupt kein Unterkommen. Es sei Pflicht des Gewerbevereines, die jüdische Oeffentlidikeit. aufzurütteln, damit hier Abhilfe geschaffen werde. Dieser Zustand könne umsoweniger stillschweigend geduldet werden, als Herr David Ritter von Gutmann . .Kultusvorsteher sei. Herr Obmann Brod, welcher auch im Kultusvjorstand sitze, solle in entsprechender Weise auf Herrn von Gutmann einwirken. Herr Brod erwiderte, daß die Beschwerde Dr. Ehrlichs vollständig begründet sei. Herr David Rrtter von Gutmann 'komme aber nUr 'dann' zu den KultusyorStandssitzüngen, wenn er irgend etwas durchsetzen wolle und von einer Rücksprache mit Herrn Gutmann V/erspreche er sich gar . nichts; er sei' aber gem bereit, mit Dr. Ehrlich 'die' geeigneten Maßregeln zur Besserung dieser Mißstände :zü besprechen! - Hiezu müssen wir noch, bemerken, daß wir in unserem Blatte die Verhältnisse in Witkowitz, die geradezu eine Schmach für uns Juden bedeuten, wiederholt besprochen haben. Wir haben im Juli .1909 eine genaue Statistik verr öffentlicht und ein Jahr später den Nachweis geführt, daß der Prozentsatz der' jüdischen Beamten noch gesunken ist. Die feile jüdische Presse hat - aber geschwiegen, ebenso wie-sie schweigt, wenn die Witkowitzer Werke der Herren Rothschild und Gütmann für das Liiegerdenkmal spenden. Hier wird ein energisches Wort am Platz sein und wir werden nicht ermangeln, ■-'es 1 aut und V er-ne h m l i c-h z u s p r e-.ch e n. Kandidatenspiegel. _ ui. Dr. Alfred Mittler. Man stelle sich einen jüdischen, deutschnationalen Couleurstudenten aus den 90er Jahren : des verflossenen Jahrhunderts vor. i Das war jene Zeit, da: aus dem hoch-' intelligenten, politisch durchbildeteri, idealen akademischen Bürger ' des Sturmjahres der geschniegelte, hochnäsige Hohlkopf geworden war, der den „Proleten“ verachtete. „Man schielte nicht, man schaute hinüber, frank und frei“ — — zu den feudalen Korps der ostelbischen Junker und imitierte mehr oder minder glücklich, wie die Borussia sich' räusperte und spuckte. Das waren jene unwiederbringlichen Jahre, da der jüdische Burschenschafter in Flausrock und Kanonenstiefeln das Salamanderreiben kommandierte, das Bismarcklied sang und es furchtbar scharf auf die Tschechen hatte. Es waren die denkwürdigen Tage, da die Proßnitzer jüdische „Ferialis“ dem Dr. Lecher für seine Dauerrede im Parlamente also beglückwünschen durfte. „Solche Männer wie er, Schenke uns Wodan noch mehr Un die Welt gehört den Germanen..“ Man lasse solch einen deutsch-jüdischen „ehrlichen Bierjungen“ nach einer feucht-fröhlichen Nacht in einen 20-jähr. Dornröschenschlaf versinken, wecke ihn «gann jählings auf, stelle ihn, dieweiler sich jtjJch die Augen, reibt, aufs Podium im Hotel Guth, lasse ihn eine Kandidatenrede halten — una.man hat den leibhaftigen Herrn - Dr. Alfred1 it't 1 er vor sich. Dr. Mittler hat-‘•vieles verschlafen, was in dieser Welt vorgegangeir ist; Den Sozialismus sieht er noch immer mit den Augen desinkorporierten, schlägerrasselnden Studenten, der sictT'gjeVn auf den Feudalen aufspielen möchte und ‘ctie bürschikose’"Fbrsdiheit, mit der er gegen d^e ., Roten loszieht, 'isf" "'ein Anachronismus von fyejterster Wirkung. Der Jude hat nach Dr; Mittlers Anschauung erst dann eine Berechtigung zum politischen Lebewesen, wenn er sich zum Kampf gegen die vordringende tschechische Hochflut verschworen hat Nach seinem Rezept; müßte die ganze Kleine Schiffgasse: aufmarschieren, wenn etwa ein Ausflug der Tschechen iii'die kerndeutsche Wachau bevorsteht und sämtliche Hausierer müßten eine Phalanx bilden, um" t die . nationale Gefahr abzuwenden. Er schwert seinen Wählern, deren Wiege in Tarnopol .oder Kolomea stand, daß er niemals .tschechische Schulen in Wien dulden werde und man glaubt Hans Sachsens zornigen Sang gegen die Welschen zu vernehmen, wenn er den Christlichsozialen Verrat am Deutschtum vorwirft, weil sie nach Rom' gravitieren, denn „ein Römling kann nie und nimmer ein richtiger Deutscher sein.“ , 1 Manchmal währij man wirklich einen Nachtwandler vor sich zu haben, der aus dem Traume spricht und als er iif-def tiefsten Leopoldstadt volltönend ausrief, -er würde sich indiesem Bezirk niemals um ein Mand a t bewerben,- J-jw-'e. nn die Wählerschaft j ü d.i s c h ,jy ä r e, schüttelten seine treuesten Schrittmacher verwundert die Köpfe und'traüten ihren.Ohreh' nicht. Dies scheint uriSü der Segen dieser Kandidatur zu sein: Unse^;-Juden.erfahren aus den Agitationsreden des Herrn Dr. Mittler, wie furchtbar rückständige aber auch wie unsäglich lächerlich das assinu&forische Judentum vor 20 Jahren war. Darum würischerr'-wir diesen "lehrreichen Wählerversammlüngei? ^infen-! viel '-zahlreicheren . Besuch', als“ sie >1biöherif aiMzhweisen‘hätten. Herrn Dr. Mittler aber* danken wir bestens: Er spricht‘für uns. "* y';» v<wu/. — ■ -v „• . J. ^T~T~i v Cfemeindewallen der Stadt Nikölsburg. Alis Nikoläbürg“wJrd uns berichtet: Seit ürdenklichen Zeiten Beherrschte die sogenannte „deütSchliberäle Partei“' voll und" unbeschränkt die Gemeindestube; nie ist es derselben jemals "Singefallen, obwohl lie Juden einen beträchtlichen Teil der Wählerschaft repräsentieren, auch nur einen Juden z^i kandidieren und möchte ■ es der beste und tüchtigste sein. Ja, das Verlangen nach einer Vertretung für die Juden wurde als förmliche^ Ueberhebung angesehen. Dem zielbewußfen Auftreten der beiden Herren B. L. Teltscher und Samuel Krakauer ist es endlich gelungen, dieses Prinzip zu durchbrechen, indem bei den eben vor sich gegangenen Wahlen unser allseits verehrtes Mitglied des Kultusvorstandes, Herr Rudolf Lampl, als erster Jude, und zwar eiqi^timmig in den Gemeindeausschuß gewählt worden. . Die sogenannte de utschfortsch rittliche Partei, welche den Juden jedwede Vertretungent^c^li.edenverw eigert hatte, konnte sich (. zur Aufstellung der Kandidatur des Herrn Lämpl erst dann entschließen, als die totsicher.e Gewißheit,.vorhanden war, daß: Herr Lampl, welcher von - der Gegenseite kandidiert wurde, mit: beträchtlicher Majorität durchdringen werde. Es war ein wahrhafter Kidusch. Haschern, zu sehen, wie Seine 'Durchlaucht .Fürst Ditrichstein-Mennsdorf, seinerzeit Flügeladjudant: Seiner Majestät unseres Kaiserä, ebenso die hohe. Geistlichkeit unter Führung des Probstes Baron. Menshengen; ihre Stimmen für Rudolf ' Lampl abgaben. Es liegt nuran den Juden .selbst, durch' ein einiges selbstbewußtes Auftreten sich zur- Geltungzu bringen. Würdet! die Juden Mährens dies beherzigen, ‘dann höhnten sie noch so. manche judenfeindliche Macht niederringen! Parteinachrichten. Mitteilungen des i. ö. D.-K. Es ergeht nochmals die dringende Aufforderung an sämtlich Gg., die Schekelblocks übernommen haben, unvermittelt aut schriftlichem Wege die Höhe der bisher gesammelten' 'Schekelbeträge bekanntzugeben. - ■ Der Distrikts-Schekelkommissär kann, da er im Verein mit allen anderen Mitgliedern, des D.-K. unausgesetzt mit den Reichsratswahlarbeiten in Wien und (in, der Provinz (beschäftigt ist,, unmöglich seine bisherige persönliche Fühlungnahme mit den einzelnen Schekelagitatoren fortsetzen. Aus diesem Grunde mußte auch der- . dieswöchentliche Schekelausweis entfallen. Die Abrechnung der Blocks erfolgt am 14. und 15. Junifvon 8—12 und 2—7 Uhr'äm Büro, des D.-K., IX., Türkenstraße 9. Aus d em .jüdischen Leben. Israelitisch»' Taufadel. Wie das Budapester Amtsblatt zu melden, weiß, hat der osmanische Generalkonsul Baron Ladislaus Dirsztay über sein Söhnlein Viktor die Kuratel verhängen lassen, weil es mit der- Monatsapanage von — nur — 3000 K nicht aus-- kommen, dafür aber par tout eine Karbaretsängerin heiraten wollte. ", Da Baron Dirsztay samt Nachwuchs noch ■vor-kurzem ein gewöhnlicher „jüdischeri;Fischel“ war, muß "entschieden anerkannt werden,}"daß diese Familie mit bewundernswürdiger Schnellig-. keit die Karriere zu den Höhen aristokratischer Weltanschauung zurückgelegt hati. Die Geschichte einer jüdischen. Million.. Während der Debatte über das Budget des hl. Synods in der Reichsduma erwähnte Gf. Uwarow u. a., daß der bekannte jüdische-Philantrop Baron Hirsch seinerzeit PobedonOsszew (eine /Spende von einer Million Rubel für die Bedürfnisse der griechisch-orthodoxen Kirchenschulen überreicht habe; er habe damit den damals allmächtigen Oberprokurator 'des Synodsjjfür 'die Aufhebung des jüdischen Ansiedlungsrayons gewinnen wollen. In diesem Anlaß weiß die „Utro Rossiji“ jetzt näheres mitzuteilen. .* Baron Hirsch hat pich' seinerzeit Isehr für (die Organisation einer Auswanderung der russischen. Juden nach Argentinien interessiert; um nun. dies Unternehmen auf durchaus legale Grundlage zu stellen, da die eigenmächtige Emigrationfür die in Rußland verbliebenen Angehörigen: viele Unannehmlichkeiten zur Folge hat, unternahm es ein anderer jüdischer Millionär Polja- WIEDERISHDISCHE FfSSKTi Wien, I., AspärnpIätTlTTm eigenen Palais. — Versiohertes Kapital ca. 380 Millionen. Reserven ea. 113 Millionen. Kronen. NÄHERE AUSKÜNFTE erteilt: SubrDlrektloa der „NiederlKndischen“ Lemberg, Szajnocha S; — LöfaeL Taubes. — Vertreter werden gesucht. Zivnostenskä banka Filiale Wien i. Heppengasse 12. 4 0 r Aktienkapital und Reserven: K 75 Millionen. Wechselstuben I. Herresg. 12, 11. IPraterstr. 24, VII. Mariabllferstr. 84, in Wien: X. Favoritenstrasse 95, XVI. Neulercbenfelderstr&sse 41. ] Verzinsung EINLAGEN auf Buchei: EINLAGEN im Konto nach Vepeinbapung. Zentrale in Prag, gegr. 1868. — Filialen: Brünn, Budweis, Friedgk-Mistek, Iglau, Klattau, Königgrätz, Krakau, Lemberg, Olmütz, Mährisch-Ostra u,Pardubic, Pilsen, Pisek, Proßnitz, Tabor, Triest. IQ Kulante Besorgung aller Bank- und Börsentransaktionen. Q8Q6I1 BankSChllld- | Stahlkammer mit vermietbaren SjtFES. Abonnement von K 7.— an. | VßrSChrfiibunQBI)! 0

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