Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 5 (1911)
- Issue
- 21 (26.5.1911)
- Date
- 1911-05-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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NRTIQNRL -JUDI5IIHE5 OREflN Erscheintwöchentlich.—Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: IX., Liechtensteinstraße 11, Telephon 12299. — Sprechstunden täglich von 11—12 Uhr vormittags und 4- -5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurückgesteltt — Abonnementspreise: Für Österreich-Ungarn: Ganzjähr. K10.—, halbjähr. K5.—, Vierteljahr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10—, halbjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr. Mk. 3.—. Für das übrige ---* Ausland ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplare 20 h. Postsparkassenkonto 104067. - Nr. 21 Wien, Freitag den 26. Mai 1911. ,, . .\ .- V. Jahrgang. Wähler des 5. Wiener Wahlkreises (Leopoldstadt I)! ■S^Täulilet am 2.3. Juni dexa. ^5Za,nd.icLa.te33. Robert Stricker * % Ingenieur der k. k. Staatsbahnen, HL Bechardgasse 24. Agitationslotal: II. Schmclzgass« 1, CaN „goldener Brtitm«#“, Telephon 15117. VmVuWnWmWuW* Samstag, den 27. Mai 1911, 8 Uhr abends im ■ Hotel StofooiB, II Taborstrasse 12 - - - * » r W ählerversammlung in welcher Fabrikant Adolf Böhm und der Kanditat des V. Wiener Wahlkreises (Leopoldstadt I.) Robert Stricker Ingenieur der k. k. Staatsbahnen (Iir. Bechardgasse 24) referieren werden. JWWWWWftW Unsere Wahlarbeit, Um jedes der 516 Mandate, die anläßlich der Neuwahl in den Reichsrat zur Besetzung gelangen, bewerben sich durchschnittlich vier Kandidaten. Rund 2000 Menschen haben also Gelegenheit, den Millionen Wählern ihre eigenen Vorzüge zu präsentieren, die ausgezeichnete Wirksamkeit der Parteien darzulegen, denen sie angehören, und mit freundlicher Bereitwilligkeit die tausendfachen Wünsche der Wähler entgegenzunehmen. . Vereinigt müßten alle diese Versprechungen und Wünsche, alle diese Anpreisungen eine ohrenbetäubende Disharmonie ergeben, und wollten sich die künftigen Mandatsträger wirklich in der Richtung ihrer Versprechungen bemühen, wäre die Erfüllung der Wünsche der Wählerschaft das Arbeitsziel der Mandatare, es würde sich im künftigen Abgeordnetenhause ein Zustand ergeben, dem gegenüber die größten Wirren dieses Parlamentes aus der Vergangenheit leicht lösbare Zufallserscheinungen wären. Das allgemeine Wahlrecht hat wohl bei der Wählerschaft, nicht aber bei den Wahlwerbern seine erzieherische Wirkung ausgeübt; die politischen Parteien und Fraktionen, welche die Wahhverber in den Wahlkampf entsenden, wollen auf ein altes Erbstück aus der Zeit des Privilegienwahlrechts nicht verzichten; sie bemühen sich immer noch, durch unverantwortliches Umschmeicheln der Wähler die Gunst zu erringen und verzichten gern darauf, auf die breiten Schichten der Bevölkerung erzieherisch zu wirken. Zur Zeit des Privilegienwahlrechtes mag sich diese Methode 'gan/. g-J*/ 'oewäurlhauen. Die Arbeiterschaft und ein großer Teil des bürgerlichen Mittelstandes waren politisch entrechtet, und was der Mehrheit der früher Wahlberechtigten am besten gefallen würde, fand man bald Weraus. Die Zeiten sind nun gründlich vorbei; die politischen Parteien aber haben von dieser Veränderung keine Notiz genommen, sie betreiben weiter Liebedienerei den Wählern gegenüber, sie flunkern nur mit ihrem Programm und bemühen sich, ihre Person zum Mittelpunkte der Aufmerksamkeit der Wählerschaft zu machen. So geht eine der heilsamsten Wirkungen dem allgemeinen Wahlrechte verloren. Die besten Köpfe, die Einsichtsvollsten, die Männer, welche die politische Entwicklung vorbereiten sollten, sind nicht gleichzeitig die politischen Erzieher der großen Massen, sie sind vielmehr bereit, sich selbst erziehen zu lassen und korrumpieren dadurch den politischen Sinn der Wählerschaft. Dieser Vorwurf trifft nahezu alle großen Parteien, die den Wahlkampfplatz okkupieren, und insbesondere auch die große Presse. Die schändlichste Wirkung übt diese Felonie auf die assimilatorischen Juden aus und, wie schon so häufig, wird auch hier wieder die Judenschaft selbst mithelfen, die Quelle für künftige Enttäuschungen zu öffnen. Der Jüdische Nationalverein für Oesterreich kann diesem Uebelstande in Westösterreich nur in sehr beschränktem Maße entgeg^ntreten. In Galizien und in der Bukowina haben unsere Parteigenossen schon seit langem eine rege Versammlungstätigkeit entfaltet und die aufopfernde Mithilfe der Wählerschaft wird trotz der Brutalität der Bezirkshauptleute zweifellos schöne Erfolge zeitigen. ln Westösterreich treten wir in 2 Wahlkreisen aktiv auf den Plan; im 5. W i e n e r Wahlkreis (Leopoldstadt 1) und im Wahlkreise G ö ding. Die Arbeit unserer Gesinnungsgenossen muß als mustergiltig bezeichnet werden und die Agitationserfolge sind vielversprechend. Bei der bisherigen Wahlagitation ist besonders die Vornehmheit anerkennenswert, mit der alle Agenden initiiert werden und die der ganzen Kampagne ihr Gepräge verleiht; dabei fehlt es durchaus nicht an Energie und Radikalismus. Am erfreulichsten aber ist es zu sehen, welche nachhaltige Wirkung die Reden des Kandidaten dieses Wahlkreises ausüben. Die Aufstellung des Gg. S t v i ck e i - war .in glücklicher Griff des Nationalvereins. Dieser Kandidat erfaßt wie selten einer die Aufgabe, die ihm gestellt ist, auf die Wählerschaft erziehlich einzuwirken. Kein Wort der Schmeichelei, keine Anbiederung, keine Versprechungen und doch gewinnen alle, die unsere Versammlungen besuchen, die Ueberzeugung, daß Stricker der richtige Mann ist, den Wahlkreis im Parlament zu vertreten. Unseren engeren Gesinnungsgenossen ist er schon lange bekannt, allein in den Kreisen der Wählerschaft, die sein stilles, anspruchsloses Wirken zu beobachten bisher keine Gelegenheit hatten, war er ein homo novus. In 5 Versammlungen hat er sich die Gunst und Sympathien der Wählerschaft erobert. Seine Kandidatenreden sind Meisterstücke, die schneidige Art, mit der er die Defekte seiner politischen Gegner in diesen Bezirken bloßiegt, ist einfach unübertrefflich. Es ist daher kein Wunder, wenn die Zahl jener, die seine Wahl wünschen, immer größer wird; ganz Fernstehende interessieren sich für ihn und ohne Optimismus kann man seine Chancen als unerwartet günstige bezeichnen. Es kandidiert das Programm der jüdischen Nationalpartei, das in Stricker einen der besten Interpreten hat. Mit jugendlichem Idealismus und mit vielversprechender Begeisterung hat sich die Jungmannschaft unserer Gesinnungsgenossen dem ' Wahlkomitee zur Verfügung gestellt, um die unj erläßlich notwendige mechanische Arbeit zu leij sten. i Die Berufskollegen des Gg. Stricker! standen zu Beginn der Kampagne etwas abseits,! obwohl sie seine vorzüglichen Fähigkeiten anerkannten. Allmählich haben auch sie sich bekehrt und sind gleich uns von der Ueberzeugung durchdrungen, daß dieser tatkräftige Mann auch ihre Interessen in wirksamer Weise fördern wird. Der Ingenieur- und Architektenverein empfiehlt seinen M itgliedern die Wahl Strickers. Aus bescheidenen Anfängen hat sich Stricker, mit geistigen Waffen kämpfend, im