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Jüdische Zeitung · 1911-05-04 · 18 (4.5.1911) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
5 (1911)
Issue
18 (4.5.1911)
Date
1911-05-04
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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JÜDISCHE ZEITUNG Seite 7 Nr 18 letztere nicht als jüdische, sondern als -Kurie | ■der „Anderen“ bezeichnet werden soll, so tut •dies für unseren Standpunkt wenig zur Sache. Tatsächlich wird es eine jüdische Kurie sein und damit wird das Prinzip, das wir vertreten, zum Durchbruch gelangt sein. Nur darum ist es zu tun und auch uns ist es nicht angenehm, wenn eine andere Nation zu kurz kommt. Bisher sind drei Abgeordnete der „Jüdischen Nationalpartei" und 2 des Volksrates gewählt worden. Die restlichen Wahlen werden in kurzer Zeit vollzogen sein. Ausweisung von fünfzehnhundert jüdischen Familien ans Kiew. Wenn der Frühling ins Land kömmt, dann .pflegen die antisemitischen Maßnahmen besonders überhand zu nehmen. Momentan ist es wiederum die auf diesem Gebiet erprobte rüdrussische Stadt Kie w, in der Tau.sende. von Juden eine schwere Katastrophe -droht. Denn infolge neuer lokaler Verfügungen verfallen dort zum 28 April fünfz ehnhundert jüdische F ami 1 ien der Ausweisung. In erster Reihe befinden sich unter diesen Opfern etwa dreihundert Pharmazeuten* ' die laut Informationen der Polizei angeblich ihren Fachbeschäftigungen nicht nächgehen. Damit hat ■es folgende Bewandtnis: Juden, die nach langen Kämpien durch alle Prozentnormen hindurch den •Grad eines Pharmazeuten erworben haben, verfügen über das allgemeine Wohnrecht im ganzen Reich. Seit einiger Zeit will indes die Verwaltung ihnen dieses Recht nur dann zugestanden wissen, wenn sie entweder Apotheken besitzen oder verwalten bzw. in solchen angestellt sind. Diese Forderung "bedeutet aber in den allermeisten Fällen eine potenzierte Grausamkeit. Der diplo- —mierte jüdische Pharmazeut, der infolge des gesellschaftlichen Judenhasses aus seiner direkten Fachbetätigung auf Seitenwege, wie z. B. auf Gründungen von Drogerien, gedrängt wird, ist schon durch die Wirtschaf.sVerhä tnisse genügend gestraft. Wenn sich dazu noch die Ausweisung gesellt, so tritt für die Betroffenen der Ruin ein. ln Kiew geraten so Hunderte dieser Pharmazeuten ins größte Ungiüdc, und etwa 70 Drogerien, an denen die meisten dieser Ausgewiesenen beschäftigt t,sind, werden ausgeschlossen. Neben den Ausweisungsukasen zeichnet sich gegenwärtig die Kiewer Obrigkeit durch zahllose ■Schikanierungen von Juden aus. Das Institut der sogenannten Oblawa einer' „echtrussisehen“ Art von Menschenjagden, ist besonders •empbrgeblüht. Es. vergeht in den letzten Monaten kein Tag, an dem die Polizei die Juden "unbehelligt ließe. Mitten in der Nacht überrumpelt sie zahlreiche jüdische Familien, scheucht sie aus ihren B etten auf' und prüft ihr Wohnrecht, und wer nicht an Ort und Stelle sein Privileg dokumentarisch nachzuweisen vermag, der Wandert ins Revier, um mit Verbrechern eingesperrt und per Schub befördert oder anderen Widerwärtigkeiten ausgesetzt zu werden. Neu- ■erdings veranstaltet die Kiewer Polizei sowohl am Tage als in der Nacht in den dichtbevölkerten lärmen jüdischen Stadtvierteln ebenso wie in denbelebten Straßen, ja in den eleganten Läden des Stadtzentrums ihre „Oblawas“, und vielfach! wird überhaupt keine Scheidung mehr vorgenommen, sondern von dem überfallenen Orte muß jeder Jude, ob pirivilegiert oder nicht, unter verstärkter Eskorte ins Revier wandern, erst die richtige Untersuchung stattfindet. Diese Zustände haben unter den Kiewer Juden eine Panikstimmung hervorgerufen. Geradezu ein mittelalterliches Bild ist jedesmal das Erscheinen eines von einem starken Polizeikordon umringten Trupps abgefaßter Juden, ein Bild, das die niederen Elemente zu Pogromen förmlich reizt. Aus dem jüdischen Leben. Wettbewerb zur Bekämpfung d:s Antisemitismus. Der jüdische Ingenieur Emil -Treves hat durch. Testament vom 28.-Mai 1909 dem italienischen Unterrichtsministerium den Betrag von 10.000 Lire hinterlassen als Preis für den Sieger eines internationalen Wettbewerbs für eine Veröffentlichung zur Bekämpfung des Rassen- und Religionshasses und namentlich des Antisemitismus. Der Staatsrat hat die Annahme der Hinterlassenschaft genehmigt, und das Unterrichtsministerium wird den Wettbewerb ausschreiben, . sobald die 10.000 Lire in seinen Besitz gelangt, sein werden.: . OEreins-a.UErsamiiilungsnaciiFichten. Wien. (Jüdischer Händlungsgehilfen-Verband, Ortsgruppe Wien.) Sonntag, den 7 .d. M. Ausflug nach Klosterneuburg. Besichtigung der Weinkellerei Alois Fischl, Zusammenkunft um 2 Uhr nachm, beim Verbandsheim Taborstraße 20. Die n s t a g, den 9 .d. 8 Uhr abends, Vorlesung des Herrn Dr. Fritz Löhner (Bedai aus eigenen Werken (Gedrucktes und Ungedrucktes j. Gäste herzlich willkommen. Wien. („Neß Zionah“) Dienstag, den 9. Mai a. c., 8 Uhr abends, findet im Klublokal Cafe Mokka L,: Schottenring 12, ein Vortrag des eben aus Palästina zurückgekehrten Mitgliedes Herrn Emil Kafka üDer „M eine P a 1 ä st i n a r e i s e“ statt. Die Gg. werden ersucht an diesem interessanten Abend pünktlich und zahlreich zu erscheinen. Wien. (Verein zionistischer Hoenschüler Wien „Theodor Herzl“ V11L, Lenaugasse 7). Seminarbericht für diese Woche: Dienstag, den V. Reiseeindrücke aus Palästina: A. H. Dr. Georg Weiner. Donnerstag, den 11. Jüdische Politik (Disskusionsabend). In den Tagen Mittwoch und Freitag wird der hebr. Kurs unter Leitung des Bb. Rosenbaum weiter fortgesetzt Beginn der Vorträge präzise 7 Uhr. Gäste willkommen. Wien. „Mensa academica Judaica“ II., Negerlegasse b. Tür 57, III. Stiege. Der Ausschuß des Vereines drückt den folgenden Herren für die eingesendeten Spenden den innigsten Dankaus. Herren S. M. Bing u. Comp. 10 K, Adolt Böhnv 5 K, Lucian Brunner 20 K, Jakob Enrenwald’s Nacht. 10 K, kais. Rat Sigm. Kauders 20 K, Rudolt Kahler 200 K, Johann Kremenetky 20 K, Dr. Julius -Offner 10 K, Hermann Pollak Söhne von Parnegg 20 K', Priv. Doz. Dr. Wilhelm Roth 5 K, Prof. Dr. Schlesinger 20 K, Kommerzialrat Adolt Schramek 20 K, Prof. Dr. Jul. Schnitzler 20 K, A. Stern und Söhne 30 K, Priv. Doz. Dr. St. Weidenfeld 10 K, Df. Paul Weisengrün 5 K. cand. ing. Sokal Saul, Präses, cand. ing. Felder Wilhelm dz.' Schriftführer. Aussig. In Aussig fand am 23. April im Restaurant „Turnvinz“ ’ eine vom hiesigen jüdischen Volksverein „Theodor Herzl“ veranstaltete Agitationsversammlung statt, bei welcher Herr Jur. Herbert Birnbaum (Barissia) aus Teplitz in glänzender Rede über das Thema „Zionismus und Deutschtum“ sprach. Auf die mit ■ großem •' Beifall aufgenpmti^enen aktuellen Ausführungen folgt eine regel Debatte, an der sich neben Herrn Birnbaum die als Gäste anwesenden Teplitzer Herren Ludwig Steiner, Obmann-Stellvertreter des Teplitzer jüdischen Vo.ksvereines „Ziön“, ehern. Max Kopecky (Barissia), sowie Herr Kurt Bechert beteiligten. Die Versammlung trug viel zur Aufklärung bei und gewann dem Zionismus neue Freunde. Xuch des Jüd. Nationalfonds wurde gedacht. Liste der Ueberläufer Von 25. April bis 2. Mai 1911 . Platovsky Bozena, 1887, Sedlitz, ledig, Privat, II., Czerningasse 6. Benedek Joset, 1875, Wien, ledig, XIX., Pokornygasse 10. Glück Moriz, 1832, Ungvar, verheiratet, Privat, IX., Peregringasse 1. Jakobsohn Dika Sobel, 1871, Odessa, ledig, Apothekergehilfin,. II., Hotel Continental. Finkeistein Marie geb. Farbe’ 1880, Odessa, geschieden, IV., Favoritenstraße 11. Czukor Dr. Moriz Nikolaus, 1875, Budapest, verheiratet, Kurarzt, XII., Neustiftgasse 38. Schwarz Max, 1892, Wien, ledig, Buchbindergehilfe, ‘XX., Kluckygasse 12. Glaser Franziska, 1885, Sasvart, (Ung.i ledig, Schneiderin, II., Pazmanitengasse Nr. 24. Rechen Lotte, 1885, Wien, ledig, Private, III., .Metternichgasse 7. Fischer Wilhelm, 1886, Wien, ledjg, Philosoph, VIII., Tulpengasse 5. Kohn Isidor, 1S82, Wien, ledig, Eisendreher, XIX., Hardtgasse 34. Schick Olga, 1889, Brünn, ledig, Privat, IX., Berggasse 27. Hacker Gustav, 1878, Rohancz (Ung.), ledig, Maschinenschlosser, II., Untere Augartenstraße 34. Flor geb. Thorn Chaje Reisei, 1849, Lemberg, verwitwet, Private, III., Riesgasse 3. Frumkin Melanie, 1882, Warschau, ledig, Private, I., Landesgerichtsstraße Nr.' 18. Büdierfdum. Im Verlage unseres Gesinnungsgenossen Herrn Meier Hübner in Nadworna (Galizen), wo die bekannten zionistischen Liederbücher „Schirei Zion“ in neuerlicher IV. Auflage erschienen sind, erschien jetzt ein „Jüdisches Volksliederbuch“, Preis 60 Heller. GEZA ARVAY Orthopädischer Schuhmacher JWIEM, II. Gredlerstrasse 9. Gegründet 1888. Spezialität: Massarbeit. Schuhe für alle Fussleiden * ■ ■ ■ Grosses Lager moderner Schuhe, und hygienischer Kinderchuhe. _A.Tasx-&stizng-e:n. für Einjährig-Freiwillige. M. Mittenimbep Ausführung von Gas-, Wasser- und sanitären Anlagen. 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