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Jüdische Zeitung · 1911-04-28 · 17 (28.4.1911) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
5 (1911)
Issue
17 (28.4.1911)
Date
1911-04-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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HHHK NflTIDNRL -JUDI5CHE5 ORGAN XftX Erscheintwöcbehtlich.— Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: IX., Liechtensteinstraße 11, Telephon 12299. — Sprechstunden täglich von 11-12 Uhr vormittags und 4 -5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurückgestellt — Abonnementspreises Für Österreich-Ungarn« Ganzjähr. K10.-, halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Für Deutschland i Ganzjähr. Mk. 10—, halbjähr. Mk. 5:—, vierteljähr. Mk. 3.-. Für das übrige ae>c&9caacs9cs9casc^3csoci2> Ausland ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplare 20 h. Postsparkassenkonto 104067. caocaoeaoeaacaaeaocagcgocag Nr. 17. Wien, Freitag den 28. April 1911. V. Jahrgang. Sa.xnstagr, 29. -A-pril 1311, S XTixx a.'beaa.As, Arco (Polonia) II., Rotensterngasse 7 Wähl er=U ersammliing. Referenten: DP. Emil KraSny, Hof- und GerichtsadVokat und der KANDIDAT für den Wahlbezirk,Leopoldstadt 1 » .r- " Ingenieur der k. k. Staatsbaiinen» Gesinnungsgenossen! Die jüdische Nationalpartei ist in den Wahlkampf eingetreten. Ihr alle wisset, welche Bedeutung der Ausgang dieser Wahlen für unsere künftige Arbeit hat. Eine große Stimmenzahl wird den Mut und die Arbeitskraft unserer Parteigänger heben und anspornen. An Arbeitswilligen ist kein Mangel. Viele Hunderte sind entschlossen, ihre ganze Kraft der Agitation zu widmen. Doch fehlen unserer Partei, die eine radikal-demokratische ist und daher wenig Reiche in ihren Reihen hat, die Geldmittel, um die Agitation wirksam zu unterstützen. Es ist Eure Pflicht, auch in dieser Hinsicht das Möglichste zu leisten. Insbesondere den Gesinnungsgenossen, welche an der aktiven Wahlarbeit nicht teilnehmen können, ist Gelegenheit gegeben, unserer Sache einen wertvollen Dienst zu erweisen, indem sie das Ihrige zur Stärkung des Wahlfonds beitragen. Gesinnungsgenossen! Spendet und sammelt für den Wahlfonds! Spenden sind an die Administration der „Jüdischen Zeitung“, Wien, IX/1„ Liechtensteinstraße 11 (Postsparkasserikonto 104.067), zu senden. Sammelbogen und Erlagscheine werden auf Wunsch zugesendet. Wahlfond. (II. Ausweis.) Ing. E. Cz. d. Dr. E. Zw. K 10.—; E. T. K 50.—; L. E., d. Dr. J. E. K 20.—; Anonym d .Dr. P. W. K 5.—; M. M. K 10.— (I. Rate); Dr. Gr.K 10.—; J. Th. K 5.—; Dr. Cz. in P. dch. Dr. E. Zw. K 20.—; A. B. K 30.— (I. Rate) N .N. (Sp.) K 20.—; Dr. B. Sch. N. D. je K 5.—. Rede des Kadidaten für Leopoldstadt I., Ing. Robert Stricker, gehalten in der Wählerversammlung am 22. April 1911. Unser Programm. Als Kandidat der Jüdischen National p a r t e i vertrete ich vor Ihnen ein Programm, welches sich auf die Ideen zweier österreichischer Juden' gründet. Theodor Herzl ist der'Begründer der nationalen Bewegung unter den Juden und alles, was in unserem Programme jüdisch ist, verdanken wir ihm. Adolf Fischhof hinwiederum, ist der Vorkämpfer der Gleichberechtigung aller Völker Oesterreichs, der Kämpfer für den nationalen Frieden, für die nationale Autonomie und alles, was in unserem Programme österreichisch ist, führen wir auf ihn zurück. In seinen Schriften und Reden hat Herzl als Erster in moderner und agitatorisch ungemein wirksamer Form dem Gedanken Ausdruck gegeben, daß wir Juden keine bloße Religionsgenossensdhaft bilden, daß es nicht allein und nicht in erster Linie religiöse Momente sind, die uns verbinden. Ganz abgesehen von unserer Geschichte, unserer großen gemeinsamen Vergangenheit, gibt es soviel kulturelle, wirtschaftliche und politische Interessen, die allen Juden gemein sind, daß man all das unmöglich auf das religiöse Bekenntnis zurückführen kann. Das Band, das uns, Ungläubige und Gläubige, umschließt, ist ein viel engeres und stärkeres, es ist das Band der nationalen Einheit, wir Juden sind ein Volk. Und aus dieser Erkenntnis ergibt sich als wichtigste Folgerung, daß wir, als Angehörige eines Volkes, verpflichtet sind, uns gegenseitig zu helfen, uns eng aneinander zu schließen. Wir müssen uns zu gemeinsamer _ Arbeit, uns zu ge- •-meinsamer Abwehr organisieren. Die einzige derartige Organisation ist die Jüdische Nationalpartei. Und wenn ich als Vertreter dieser Gruppe Ihre Stimmen für meine Partei verlange, so werden Sie als gewissenhafte Wähler vor allem zwei Fragen stellen müssen. Als Juden werden Sie fragen: „Ist denn die Lage der österreichischen Juden eine derartige, daß eine jüdische Organisation unbedingt notwendig erscheint und kann durch eine solche Organisation unsere Lage verbessert werden?“ Als österreichische Staatsbürger, denen das Wohl des Landes am Herzen liegt, müssen Sie fragen: „Wird durdi die Gründung ^einer neuen nationalen Gruppe, neben den vielen bestehenden, die poliiische Gesamtlage verschlechtert oder verbessert, geklärt oder noch komplizierter gemacht, als sie bereits ist?“ Die Beantwortung dieser Fragen bildet den eigentlichen Inhalt unseres Programmes. Wirtschaftliche Gefahren, welche die Juden in Oesterreich beständig bedrohen. Die Lage des jüdischen Volkes in Oesterreich läßt sich mit der Lage irgend einer anderen Nation nicht vergleichen. Gewiß: Den Ruthen e n geht es auch sehr schlecht und sie werden gar oft in ihren politischen Rechten verkürzt, ebenso^ die Slovenen, und die Dalmatiner sind auch nicht gerade auf Rosen gebettet. Aber das sind Nationen, die unter kultureller und wirtschaftlicher Rückständigkeit zu leiden haben. Sie teilen nur das traurige Los aller wirtschaftlich und kulturell schwachen Elemente, aber ihnen blüht die Hoffnung, daß mit der inneren Stärkung, mit der Hebung ihres Kuiturniveaus auch eine Besserung ihrer politischen Stellung Eintreten muß. Ein klassisches Beispiel bietet die tschechische Nation, die noch vor dreißig Jahren nicht besser daran war, und heute, man kann es ruhig sagen, den vielleicht einflußreichsten politischen Faktor bildet. Die schwache politische Stellung der früher genannten i.'aficn°r: im Völkerstaate Oesterreich ist nur der natürliche Ausdruck innerer Verhältnisse. Ganz anders liegt die Sache bei uns J uden. Bei uns herrscht ein schreiendes Mißverhältnis zwischen inneren Vorbedingungen und äußerer Machtstellung. Wir sind ein mit Fähigkeiten reich begabtes Volk und in der Kultur den anderen zumindest gleich. Wir sind rasch im Denken und zäh und energisch im Handeln. Der Durchschnittsjude ist seiner Umgebung vielfach überlegen. Man kann das ohne jede Ueberhebung konstatieren. Er findet sich rasch in den ungewohntesten Verhältnissen zurecht. Wir haben Sinn für den Fortschritt auf allen Gebieten. Wenn irgend eine neue Frage auftaucht, so machen wir uns als die Ersten daran, sie zu lösen. Wir marschieren an der Spitze der modernen und modernsten Be-

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