Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 5 (1911)
- Issue
- 16 (21.4.1911)
- Date
- 1911-04-21
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 16 Audi bezüglich des Zwecks der Reise sind kn Berichtsjahre beträchtliche Aenderungen der Zahlenverhäjtnisse eingetreten. Zwecks Niederlassung reisten im Laufe des Jahres 1472 Personen 75 Prozent [gegen 65 Prozent im Vorjahre]; zu dauerndem Verbleib aus religiösen Motiven [„um die letzten Lebensjahre im heiligen Lande zuzubringen“] 151 ='8 Prozent [gegen 21J/° Prozent]; zeitweilig als Touristen, um Verwandte zu besuchen, geschäftshalber u. dgl. 264 13 Prozent [gegen 9 Prozent]; um eine Lehranstalt zu besuchen 46 21/, Prozent [gegen 31/» ’ Prozent]; zur Kur 21 1 Prozent [gegen Vs Prozent]. Der Herkunft nach lassen sich die Reisenden wie folgt einteilen: Palästinenser [meist russische Juden, die sich in Palästina niedergelassen hatten und nun in Familienangelegenheiten oder gesehäftshalber nach Rußland gekommen waren] 164 8 Prozent [gegen 7 Prozent]; aus Südrußland 743 38 Prozent [gegen 31J/s Prozent]; aus Lithauen 462 22 Prozent [gegen 251/« Prozent]; aus Polen 232 11 Prozent Igegen 19 Prozent]; aus Bucharah 215 11 Prozent [gegen 7 Prozent]; aus dem Kaukasus 68 4 Prozent [gegen 5 Prozent];. aus Persien 19 1 Prozent [im Vorjahre keiner]; aus verschiedenen Bezirken außerhalb des Ansiedlungsrayons 69 4 Prozent [wie im Vorjahre]; aus dem Auslande 18 1 Prozent. iWas den Zielpunkt der Reise anbetrifft, so gaben an: Jerusalem 529 26 Prozent [gegen 36 Prozent]; Jaffa 856 42 Prozent [gegen 43 Prozent]; Haifa 53 3 Prozent [wie im Vorjahre]; Beirut 36 2 Prozent [gegen 2»/. Prozent]; die Kolonien 496 24 Prozent [gegen 12 Prozent]; Saffed und Tiberias 47 k=> 3 Prozent [wie im Vorjahre], Auf Einladung In Palästina ansäßiger Verwandter reisten im Laufe des Jahres nach Palästina 588 Personen 30 Prozent [wie im Vorjahre]. Im Laufe des Jahres gingen beim Informationsbureau 2210 Briefe ein. Den Inhalt dieser Briefe bildeten Anfragen über die Reise, die Möglichkeit der Niederlassung, Handel, Industrie, Handwerk, Ackerbau, Schulwesen in Palästina u. dgl. mehr. Zeitschrift „Palästina“ Wien. Budierfdiau. .Die Insel-Ausgabe von Heines Wecken. Den höchsten Begriff vom Lyriker, so bekennt Nietzsche jm „Ecce Homo“, habe ihm1 Heinrich Heine gegeben. Umsonst habe er in allen Reichen der Jahrtausende nach einer gleich süßen und leidenschaftlichen Musik gesucht. „Er besaß jene göttliche Bosheit, ohne die ich mir das Vollkommene nicht zu denken vermag, — ich schätze den Wert von Menschen, von Rassen darnach ab, wie notwendig sie den Gott nicht abgetrennt Vom Satyr zu1 verstehen wissen.“ — Es is^ gut, sich' an ein solches Bekenntnis zu Heines Kunst in einer Zeit zu erinnern, wo sich Viele, wie Walzel in seiner tiefgehenden Einleitung zur vorliegenden Insel-Ausgabe aus* führt, jyom Dichter des „Buches der Lieder“ hinwegzuentwickeln scheinen. In Wahrheit ist aber Heine, wie Walzel glänzend nachweist, vielmehr der echte Typus eines modernen Menschen und Künstlers: sein Idi hat, um nur einiges (zu erwähnen, die starke seelische ■ Beweglichkeit des Impressionisten; er ist Relativist im Sinne jüngster Weltanschauungsformen. So begrüßen wir das Fortschreiten dieses billigen und schönen Heine des Insel-Verlages, und insbesondere (rühmen wir die Arbeit O. Walzels und J. Frankels, die in diesem. Bande Heines' Hauptwerk, das „Buch der Lieder“, vorlegen. Früher erschienen von dieser zehnbändigen Ausgebe die Bände 7 und 9; die weiteren werden schnell folgen. Eine neue hebräische Palästinazeitschrift. Soeben ist in Jaffa unter der Redaktion des bekannten Pädagogen und hebräischen Schriftstellers Israel B e 1 k i n d das erste Heft einer populärwissenschaftlichen Monatsschrift für die Kunde Palästinas, mit besonderer Berücksichtigung der praktischen Kolonisationsfragen erschienen. Die neue hebräische Monatsschrift führt den Namen „Hammeir“. Die erste Nummer enthält unter anderem interessante Erinnerungen aus der Zeit der Gründung von Rischon le Zion, einen Aufsatz über die Kolonie Chederah, einen Briet von Rabbi Hirsch Kalischer aus dem' Jahre 1868 usw. Der Abonnementspreis beträgt fürs Ausland Frcs. 5.—'• halbjährlich. Todesfall. Aus Ung.-Hradisch wird berichtet: Am 11. April I. J. verschied im 73. Lebensjahre der hiesige Kaufmann, Herr Karl Winter, ■ gew. k. k. Postmeister in Nedakonitz, Gründer und Ehrenmitglied der „Chewra Kadischah“ in Ung.-Hradisch, geboren zu Ung.sOstra. Der Verstorbene zeigte deutlich den Uebergang vom alten traditionellen Ghettojudentum zum modernen politischen Nationaljudentum. Mit einem überaus guten Gedächtnis ausgestattet und ein Mann reichen jüdischen Wissens erhielt er jüdische Einrichtungen, jüdisches Leben frisch, und wenn er aus seinen Erinnerungen aus alter Zeit schöpfte, dann sah man all die alten Gestalten erstehen, den Rabbi beim Studium,. umgeben Von den Talmudisten des Ortes, den Handeljuden auf der breiten Landstraße, der sich beeilt, am Sabbathabend noch seine Familie zu erreichen, den Nachbar, der mit dem Hausvater den heimkehrenden Sohn erwartet, den Lehrer, die Jugend, den Amtmann und alle die anderen, die jener Zeit den charakteristischen Stempel aufdrücken. Da bei schimmerte durch alle Worte das Verständnis für das National-Erzieherische des Ghettos und das ahnungsvolle Streben nach einer Wiederkehr der alten Zeit im neuen Gewände. Kaum bahnte sich daher die jüdische Moderne im Jahre 1895 unter den mährischen Juden ihren Weg, als er piit inniger Begeiste* rung zum neuen Panier schwor; sollte doch sein .jüdischer Traum verwirklicht werden und drohte nicht unter feindlicher Gehässigkeit und glaubensgenössischer Gleichgültigkeit für immer in nichts zu vergehen. Diese neue Zeit brachte ihm die erwachte jüdische Jugend näher und unter ihr sei des leider auch zu früh verstorbenen jüdischen Kämpfers Rudolf Nassau nicht vergessen, des-, sen jüdische Begeisterung sich an der Karl Winters entzündet hatte und der letzterem stets „ein warmer Verehrer blieb. Die israelitische Kultusgemeinde in Ung.- Hradisch widmete dem Verblichenen ein Ehrengrab auf dem Ortsfriedhofe. Die Erde sei ihm leicht! Jubiläum des Oberkantors Don Fuchs. Am 20. d. M. feierte Oberkantor Don Fuchs das Fest seiner zehnjährigen Tätigkeit. Aus diesem Anlasse hat das i.-ö. D.-K. dem Jubilar in dankbarer Anerkennung seines oft bewieisenen freundlichen Entgegenkommens gegenüber der (zionistischen Lokalorganisation ein Grat u 1 Ja t i o n s s c h r e i ft.e n übermittelt. Der Ausschuß des zion. Zentralvereines hat in seiner letzten Sitzung, die Widmung einer Oelbaumspende auf den Namen des Oberkantors D on Fuchs beschlossen und ihm den Dank für sein an dem Vereine geübtes Wohlwollen ausgedrückt. Md* «.HBPsammiungsnaclipichten. Voranzeigen. Wien. Das Lokalkomitee der Poale-Zion in Wien veranstaltet Sonntag, den 30. April 1. J. um 7 Uhr abends im Cafe Prückel, Stubenring, eine große Maifeier mit Tanzkränzchen und sehr reichhaltigem Programm. Festredner Gen. Kaplansky. Regiebeitrag 60 h. Wien („Ha so mir“). Samstag, 29. d.M., im Festsaale des Hotels „Central“ musikalischliterarischer Abend. Wien. (Jüdischer Schulverein für den IX. Bezirk.) . Der Vorstand macht darauf aufmerksam, daß die Aufnahme für den Bar-Mizwah= Vorbereitungskürs, Sonntag von 10—12 Uhr vormittags, sonst von 5—7 Uhr nachmittags statt-' findet . Stanislau (Jüd.-akad. Verbindung „Giskalah“). Chargenwahlen: Cand. jur. Iro Lilienfeld, cand. jur. Moses Hessel, cand. jur. Adolf Zahler. Fiume. Am 2. April fand hier im Hotel Dgali die konstituierende Generalversammlung des zionistischen Vereines j.Cheruth“ statt. Nach einem glänzenden Referate des Herrn Dr. H. E. Kaufmann, Rabbiner in Mirovitica, wurde zur Wahl geschritten. Es wurden gewählt: Präsident : Mateo G 1 ä s s, Vizepräsident: Samuel Rosenberg, Kassier: Engelsberg, Sdiriftführrer: Dr. Rosenberg und Wei 11 er Sandor, Beisitzende: Ing. Lazzarus, Dr. Blühweiss und Tischler. Teschen. Die Chargenwahlen des „Jüd.- akad. Ferlalklub Teschen“ hatten folgendes Ergebnis : -med. vet. Siegfried Lustig, Präses; stud. phil. Walter Robitschek, Vizepräses; cand. p'hil. Isidor Pollak, Schriftführer. Stockerau. Bei den heurigen Kultuswahlen der Kultusgemeinde Stockerau-Korneu« bürg wurde als Kultusvorstand Herr Josef G r e i p e 1, der Obmann des Voiksvereines Zion Stocker.au-Korneuburg, gewählt. Auch ist die Mehrzahl der Ausschußmitglieder der Kultusgemeinde zionistisch. Leoben. (Purimfeier und deutschantisemitische Lausbübereien.) Die zionistisch gesinnte Jugend Leobens veranstaltete am 19. März eine Purimfeier. Cand. ing. mont Max Bach rach begrüßte die erschienenen Gäste und entbot insbesondere ein herzliches Willkommen der Grazer -akademischen Verbindung C h a r i t a s, sowie der erschienenen , Vertretung der böhmischen Studentenschaft in Leoben. Hierauf folgten verschiedene Vorträge des Frl Cruni Coungce und Herrn Julius Engel, Mitglieder des Leobener städtischen Theaters. Es sei ihnen auch an dieser Stelle für ihre liebenswürdige Förderung unserer Sache auf das' herzlichste gedankt. An die Vorträge schloß sich nun ein Tanzkränzchen an, das in seinem sehr gemütlichen und fröhlichen Verlaufe, den dasselbe nahm, eine boshafte Störung — jedoch glücklicherweise unmittelbar vor Schluß — erfahren sollte. Eine ungefähr zehn Köpfe starke „akademische Gesellschaft“ der deutsdi-antesimitischen Couleurs C r u c i a, L eder und Germania, betraten den Saal. Sie. provozierten wüste Raufszenen, die endlich nach langer Dauer zur glücklichen Hinausbeförderung dieser sich „Akademiker“ nennenden Buben führten. Brüx. Wie alljährlich, so veranstaltete auch heuer der zionistische Volksverein eine Purimfeier, und zwar ein Kinderfest und einen UnterhaJtujigsabend. Das gelungene Programm fand reichen Beifalt und der Besuch war ein über alle Erwartung guter. Das Fest brachte dem J/ereine .nicht., nur einen -pekuniären, sondern auch einen vollen moralischen Erfolg, der hoffentlich nicht vereinzelt bleiben wird. Es hat sich wieder einmal gezeigt, daß ein großer Teil des jüdischen Publikums gerne die Gelegenheit wahrnimmt, zu unseren alten jüdischen' Volksgebräuchen zurückzukehren. Eingesendet. Wohltätigkeitslotterie des Vereines „Einheit“. Die Lotterieverwaltung des jüdischen Vereines „Einheit“ hat bereits mit der Ausgabq der Lose begonnen. Das große Interesse, welches d ieser ausgesprochenen jüdischen Lotterie besonders in der Provinz entgegengebracht wird, beweist, daß die Wichtigkeit der vom Vereine in Wien, II., Malzgasse 12, errichteten jüdischen VolksspeiseSJialle in den weitesten Kreisen der österreichischen Judenschaft anerkannt wird. Der Ruf dieser jüdischen Volksspeisehalle, jn welcher täglich 1200 bis 1500 Mahlzeiten an unbemittelte Juden gegen ein mäßiges Entgelt verabreicht vverden, ist von den hundertengalizischen Schänkern, die anläßlich der Schänkerdeputation in Wien in der Volksspeisehalle der „Einheit“ in mustergültiger Weise verköstigt wurden, auch in die Provinzstädte des Reiches getragen worden. Die vom Vereine „Einheit“ ausgegebenen Lose .präsentieren sich auch äußerlich in ihrer Form sehr einladend. Man _ sieht in drei Abbildungen die mit den modernsten Behelfen ausgestattete große Anstaltsküche, in der Mitte die große, saubere Speisehälle selbst, in welcher Juden jeden Alters vergnügt ihre Mahlzeit einnehmen; rechts ist die Abbildung des separierten Saales sichtbar, den der Verein „Einheit“ den jüdischen Hochschülern als „Mensa academica judaica“ zur Verfügung gestellt hat. Besonders lobensw— t ist die Einrichtung in der \WU U/h/./' £T@-u.3a_exte:n.-T7"ertrlelo „IvXConopol“ Wien V. 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