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Jüdische Zeitung · 1911-04-14 · 15 (14.4.1911) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
5 (1911)
Issue
15 (14.4.1911)
Date
1911-04-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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nrtidhpil -jüdisches drehn xxhk hVWV ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■ mmwrmu Erscheintwöchentlich.—Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: IX., Liechtensteinstraße 11, Telephon 12299. — Sprechstunden täglich von 11—12 Uhr vormittags und 4- -5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurückgestellt. — Abonnementspreise: Für Österreich-Ungarn: Ganzjähr. K10.—, halbjähr. K5.—, Vierteljahr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10—, halbjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr. Mk. 3.—. Für das übrige ceacaocaacaacBacBoczoaocso Ausland ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplare 20 h. Postsparkassenkonto 104067. caocaoeaocBocaaeaocaocaoeao Nr. 15. Wien, Freitag den 14. April 1911. V. Jahrgang. Jüdische Mitbürger! - Im Kampfe, den Hass und Missgunst gegen das jüdische Volk führen, ist ein kurzer Stillstand eingetreten Bis nun seid Ihr heimtückische Blutsauger, lästige Fremdlinge, gierige Profitjäger und häßliche Abkömmlinge einer verfluchten Rasse gewesen. Nun aber und bis zum Tage der Wahlen in den österreichischen Reichsrat werdet Ihr geschätzte israelitische Mitbürger und verehrte Wähler mosaischer Konfession sein. Die Fäuste der Judenhasser werden Euch liebkosen,f die hochmütigsten Judenverächter werden freundlich um Eure Gunst werben. Juden! Seid auf der Hut vor heuchlerischen Feinden und '^selbstsüchtigen Schmeichlern. Eure Stimmen sind ein kostbares Gut, das Ihr nicht an programmlose Streber verschleudern, geschweige denn Euern ärgsten Feinden schenken dürfet, damit sie stärker und grösser werden. Ihr würdet Euch am gesunden Menschenverstände versündigen, an Eurem Volke ein Verbrechen begehen. Weiset die nationale Lüge von Euch, bekennet Euch freudig und stolz zur Wahrheit, bekennet, dass Ihr Angehörige eines grossen und alten Kulturvolkes, dass Ihr Juden und nichts als Juden seid! Diese Worte, die im Munde der Feinde einen Schimpf bedeuten, werden von Euren Lippen wie ein mächtiger Kampfruf tönen. Der jüdische Kandidat, welcher anders spricht, welcher die Farben fremder Völker trägt, verdient Euere Stimmen nicht. Sie gebühren nur dem Bewerber, der als aufrechter, national bewusster Jude vor Euch hiutritt. Lasset Euch nicht länger im Dienste fremder Völker missbrauchen! Des Juden Kraft gehört einzig und allein dem jüdischen Volke! Jahrzehntelang haben die österreichischen Juden in fremdnationalen Lagern Knechtesdienste verrichtet. Was war der Dank? Die „freiheitlich-deutschen“ Führer haben im Parlamente den Antrag unterstützt, der besagte, ^aß man die Judenkinder aus den Schulen vertreiben solle, sie haben das Hausiergesetz geschallen, das tausende jüdischer Familienväter brotlos macht. Hie polnischen Führer der von Juden gestützten Parteien haben erst vor wenigen Wochen die jüdischen Wirte auf die Gasse, 50000 Juden ins Elend gejagt. Der Judenhass der nationalen Chauvinisten hat unendliches Unglück über uns gebracht. Daran vergessen, hiesse auf den letzten Rest von Manneswürde verzichten. Jüdische Mitbürger! Wer von Euch verlangt, dass Ihr den Kandidaten der „freiheitlich1* sich nennenden nationalen Parteien wählen sollet, fordert von Euch sklavische Selbstverleugnung und Preisgabe aller jüdischen Interessen. Er verleitet Euch dazu, den unseligen Nationalitätenkampf in Oesterreich zu verschärfen und den Judenhaß ZU schüren. Der Jude, welcher deutsche Interessen vertritt, reizt den Tschechen, stützt er den Polen, so verletzt er die Rechte der Ruthenen. Das Bekenntnis zur jüdischnationalen Idee entrückt. Euch dieser Gefahr. Als Jüdischnationale werdet Ihr den jüdischen Interessen und den Interessen aller österreichischen Völker gerecht werden. Treibet gesunde Volkspolitik! Lasset Euch bei der Stimmenabgabe nicht durch kleinliche Rücksichtnahme auf die persönlichen Beziehungen cler Kandidaten, auf ihre gesellschaftlichen Verbindungen leiten. Em-r Urteil soll nicht durch die Quertreibereien programmloser Bezirkspolitiker beeinflusst werden. Prüfet das Programm, ehe Ihr seinem Träger die Stimme gebet! Der Mann des besten Progranunes sei Euer Mann. Denn im Kampfe um die Rechte eines Volkes bedeutet die Einzelperson nichts, die Organisation alles!|j||gjt; __ Die einzige Organisation, welche die österreichischen Juden besitzen, ist die Jüdische Mationalpartei. Sie hat die Juden zu mannhafter Selbstwehr organisiert. ■ Im Osten des Reiches ist es bereits gelungen, den Bedrückern unseres Volkes Mandate zu entreissen und freiheitlich gesinnte, radikal“demokratische National“ juden ins Parlament zu senden. Jüdische Mitbürger! Folget dem Beispiele, das uns der Osten bei den letzten Wahlen bot. Vfahlet die Kandidaten der Jüdischen Nationalpgirtei! Für den „Jüdischen Nationalverein für Oesterreich“: Dr. Jakob Ehrlich, Obmann. Wähler des 5. Wiener Wahlkreises (Leopoldstadt I)! Wählet am 13. Juni den Kandidaten der Jüdischen Nationalpartei Robert Stricker Ingenieur der k. k. Staatsbahnen, 111. Bechardgasse 24. 1

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