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Jüdische Zeitung · 1911-04-07 · 14 (7.4.1911) · page 1

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
5 (1911)
Issue
14 (7.4.1911)
Date
1911-04-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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1DEEHE ZEnUNG KXXK NflTIDNRL -JUDI5CHE5 ORBRN M ■ ■■*■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■ ■ ■ ■ Erscheintwöchentlich.—Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: IX., Liechtensteinstraße 11, Telephon 12299. — Sprechstunden täglich von 11—12 Uhr vormittags und 4--5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurückgestellt — Abonnementspreise: Für Österreich-Ungarns Ganzjähr. K10.—, halbjähr. K 5.—, vierteljähr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10—, halbjähr. nlk. 5.—, Vierteljahr. Mk. 3.—. Für das übrige ca3G23cs9C2scssG29G23C29G29 Ausland ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplare 20 h. Postsparkassenkonto 104067. raocöcaocaocaacaaeaseaorao Nr. 14. Wien, Freitag den 7. April 1911. V. Jahrgang. Jüdische Reichsratswähler! Was wir Jüdischnationale wollen! Ä . ... .. i.' -.o.. . .Wir'. JäJtisc)|na±ionale anerkennen die nationale Einheit aller Juden der. Welt. .: Die Idee dieser Einheit--steht;Gn - keinem Widerspruche zur Staatsidee und zu den Staatsinteressen der einzelnen von Juden bewohnten Länder un^p vermindern .nicht das Gefühl der Anhänglichkeit, welches die Juden für sie empfinden. Insbesdhdere. gilt das VjOn Österreich« Denn dieses, von verschiedenen Völkern bewohnt, deren Siedlungsgebiet sich fast; ausnahmslos über die Reichsgrenzen hinaus erstreckt, kann seine politische Existenz uimmer auf die Idee des einheitlichen Nationalstaates aufbauen, sondern muss seine Aufgabe gegenüber seiner^ Völkern darin suchen, deren Rechte und Freiheiten im Rahmen der Reiehseinheit gleiehmässig anzuerkennen und zu Fi/flüern. In Österreich haben daher auch die Staatsbürger jüdischer Nationalität ein unantasfbar&s'ftecht auf den Schutz und Ausbau ihres nationalen Lebens. c; '/'• Wir erstreben eine'politische Organisation der österreichischen Juclen zum Schutze ihrer nationalen Selbständigkeit und zur Förderung ihrer kulturellen, politischen und. wirtschaftlichen Interessen. Die ungleiphmässige Verteilung der einzelnen Nationen m den Kronländern Österreichs und die daraus resultierende Vergewaltigung nationaler Minderheiten erfordern im Interessedes für;das Staatswohl unerlässlichen nationalen Friedens die Schaffang einer vollen nationalen Autonomie aer* einzelnen Volker auf Grund lokaler demokratischer Selbstverwaltung} ohne Rücksicht auf territoriale Verteilung. Eine über den Völkern stehende, starke zentrale Reiehsgewalt hat die Aufgabe, diese nationale Autonomie mit den gesamtstaatlichen Interessen in Einklang zu bringen. Wir erstreben die Erlangung der nationalen Autonomie für die Juden in Österreich mul unterstützen daher jede Bemühung, welche auf die Verwirklichung der Idee einer nationalen Autonomie für alle Volker Österreichs hinzielt. Wir stehen treu zu freiheitlichen und demokratischen Grundsätzen. % Wir fordern: Volle Glaubens- und Gewissensfreiheit und Zugänglichkeit aller öffentlichen Ämter und Dienste auch für Bewerber jüdischer Nationalität. Volle Vereins-, 'Versammlungs-, Press- und Koalitionsfreiheit. Freizügigkeit für In- und Ausländer. Das allgemeine gleiche, geheime und direkte Wahlrecht in alle Vertretuugskörper unter Wahrung des Grundsatzes der nationalen Autonomie, bezw. des Schutzes der Minderheiten durch Proportionalwahlrecht. Unbeschadet de« freundschaftlichsten Interesses, welches wir den freiheitlichen und nationalen Bestrebungen aller übrigen Völker Österreichs entgegenbringen, werden wir unsere unabhängige Stellung gegenüber sämtlichen Organisationen im Reiche wahren, nur mit solchen Gruppen Bündnisse eingehen, welche die Juden als gleichberechtigte selbständige Nation anerkennen. Wir fordern ferner: Volle Gewerbefreiheit, insbesondere Aufhebung des Befähigungsnachweises; Beseitigung der ziinftlerischen Beschränkungen des Handels. Forderung von Industrie und Export, namentlich Industrialisierung Galiziens und der Bukowina mit Reichshilfe. Gesunde kommunale Boden- und Wohnungspolitik, Vermehrung des Gemeindegrundbesitzes, Weitznwachssteuer. Weitgehenden Arbeiterschutz, auch bei Heimarbeit, insbesondere durch Verkürzung der Maximal- Arbeitszeit, grundsätzliches Verbot der Nachtarbeit, Ausbau des Gewerbeinspektorats und Schaffung einer staatlichen Sozialversicherung für alle Berufsklassen. Gerechte Verteilung der Steuerlasten mit möglichster Verminderung der indirekten Abgaben. Hebung der Volkshygiene.

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