Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 5 (1911)
- Issue
- 12 (24.3.1911)
- Date
- 1911-03-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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IT Wmi Erscheintwöchentlich.—Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: IX., Liechtensteinstrafie 11, Telephon 12299. — Sprechstunden täglich von 11—12 Uhr vormittags und 4- -5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurückgestellt — Abonnementspreise: Für Österreich-Ungarn: Ganzjähr. K10.—, halbjähr. K5,—, vierteljähr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr.Mk. 10—, halbjähr. JVlk. 5.—, Vierteljahr. Mk. 3.—. Für das übrige oaeasoBcascsotaxsaraooa Ausland ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplare 20 h. Postsparkassenkonto 104067. caaaacnscaooxacmocsocaocao Nr. 12. Wien, Freitag den 24. März 1911. V. Jahrgang. Zionisten! ln wenigen Monaten werdet Ihr Eure Delegierten zum zionistischen Weltkongresse nach Basel entsenden! Wieder werden sich jüdische Männer aus allen Erdteilen, Träger des Vertrauens hunderttausender Judenbrüder zusammenfinden und der Welt verkünden, wie weit unser Werk gediehen ist! Welcher aufrechte, nationalbewußte Jude wollte da nicht mittun? Im Namen des jüdischen Volkes treten wir vor jeden Juden mit der Frage: Willst du die nationale Wiedergeburt deines Volkes auf dem uralten Heimatboden? Willst du mithelfen, daß die schon heute in Palästina in Bildung begriffene, urwüchsige, bodenständige, neujüdische Kultur sich entwickle und aufblühe? Willst du, daß den von Not und Tod gejagten Brüdern eine Zuflucht, dem ganzen Volke eine Heimstätte geschaffen werde? Und jeder Jude, der da antwortet: „Ich will“ — der zahle den SCHEKEL, unsere Volkssteuer, und erwerbe damit das Wahlrecht für unser jüdisches Parlament! Jeder einzelne von euch, Gesinnungsgenossen, hat mit dieser Frage an die Juden seines Kreises heranzutreten; unterläßt er es, so verletzt er eine ernste Pflicht! Die Leistung des Schekels, der jüdischen Volkssteuer, ist nicht nur eine Manifestation, der Ausdruck des Bekenntnisses zur zionistischen Idee. Mit dem Schekel liefern wir unserer Parteileitung die Mittel zur Geschäftsführung, Wir dürfen nie daran vergessen. Als pftchtbewußte Nationaljuden verrichten wir hierzulande Aufklärungsarbeit, organisieren und sammeln unsere jüdischen Mitbürger, stehen ihnen im wirtschaftlichen und politischen Kampfe treu zur Seite und sorgen dafür, daß der jüdisch-nationale Gedankeauf allen Gebieten zum Durchbruch kommt. Aber diese Arbeit, die wir in treuer Erfüllung des Baseler Programms, Int Dienste der Idee von der Wiedergeburt unseres Volkes verrichten, kann nur dann gedeihlich sein, wenn die Arbeit in unserer Heimat Palästina rüstig fortschreitet. Der Schekel ist das Mittel zur Organisierung der Arbeit in Palästina! Gesinnungsgenossen! Sammelt den Schekel! Das innerösterreichische Distriktskomitee: Dr. J. H. Körner, Obmann. Ing. J. Groag, Schriftführer. AUS DEM INHALTE: i Schekelaufruf. Nationaler oder nichtnationaler Zionismus? Die „Berichte“ des Herrn Statthalter. Generalversammlung des jüdischen Nationalvereines. Fünfzig Jahre Italien. Jüdisch-deutsch-freisinniges. Bezalel. Von den amerikanischen Juden. Der Humorist von Suczawa. Gedicht von B[eda. Jehuda Halevi. Aus dem jüdischen Leben. Vereins- und Versammlungsnachrichten. Überläufer. I. Hiener indischer Turnverein. SXMSTAG, den 25. d. in den Sofiensälen SCHAUTURNEN mit anschließendem TANZKRÄNZCHEN. Beginn 9 Uhr abends. Karten am Turnplätze, IX., Liechtensteins^. 20 und im Cafe Maria Theresia, I., Maria Theresienstr. 10. Nationaler oder nichtnationaler Zionismus? Von Dr. Jakob Ehrlich, Obmann des „Jüdischen Nationalvereins ‘. Die Stellungnahme des letzten Distriktstages der mährisch-schlesischen Organisationen zur Frage der politischen Betätigung ist geeignet, in den zionistischen Parteikreisen das tiefste Befremden hervorzurufen. Sie wäre unerklärlich, wenn nicht schon die vor dem Distriktstag vom mährisch - schlesischen Distriktskomitee verschickten »M i 11 e i 1 u n g e n« Ansichten zum Ausdruck gebracht hätten, welche im schroffen Widerspruch stehen zu den von den innerösterreichischen und galizischen Organisationen betätigten Grundsätzen, ln diesen »Mitteilungen« behauptet das Distriktskomitee, nach den Beschlüssen des Krakauer Parteitages sei die zionistische Arbeit von der innerpolitischen zu scheiden und eine personale Trennung in der Leitung der innerpolitischen und zionistischen Parteiorganisationen notwendig. Das klingt recht entschieden, entspricht aber in*-den wesentlichen Punkten nicht den Tatsachen. Ein dunkles Empfinden hiefür scheint auch das Distrikts-Komitee gehabt zu haben und als Regung seines Gewissens muß ich es deuten, wenn es im Widerspruch zu diesen soeben aufgestellten Punkten und sofort im Anschluß an diese Lehrsätze rühmend von sich erzählt, es habe den innerpolitiscHen Vorgängen die nötige Aufmerksamkeit geschenkt und auch die lokalen Organisationen in speziellen Fällen dafür zu interessieren gesucht — Ich will zunächst untersuchen, ob das mähr.-schlesische Distriktskomitee wirklich das Recht hat, sich auf die Beschlüsse des Krakauer Zionistentages zu berufen. Die von dem Referenten (Dr. Margulies) in Übereinstimmung mit *den Vertretern sämtlicher Distrikte — der mährischschlesische Distrikt war durch 9 Delegierte vertreten — beantragten und von der Gesamtheit der 135 Delegierten einmütig zum Beschluß erhobenen Thesen enthielten u.afolgende auszugsweise wiedergegebene Grundsätze: 1. Der politische Zusammenschluss der österreichischen Juden auf national-jüdischer Basis ist ein wichtiges Mittel zur Erreichung des zionistischen Endziels. 2. Als national-jüdisch kann nur angesehen werden, wer die nationale Einheit aller Judender Welt, sowie das unzerreissbare Band, welches das jüdische Volk mit seiner uralten Heimat verknüpft, anerkennt. 3. Der Zionistentag erwartet, dass die zu gründende politische Partei von Personen geleitet werden wird, weiche als gewählte Vertrauensmänner der zionistischen Organisation für eine streng Jüdisch-nationale Gesinnung Gewähr leisten. Ich brauche bloß auf diese 3 Sätze hinzuweisen, um darzutun, daß das mährisch-schlesische Distriktskomitee die Beschlüsse des Krakauer Zionistentages zumindest mißverstanden hat. Denn wenn der Zionistentag die Ansicht ausspricht, daß der politische Zusammenschluß der Juden auf national-jüdischer Basis ein wichtiges Mittel zur Erreichung des zionistischen Endziels ist. dann ist die Herbeiführung dieses Zusammenschlusses eben eine zionistische Arbeit und ich kann nicht verstehen, wie diese Arbeit — um mit den „Mitteilungen* zu sprechen, — von der „reinzionistischen“ (?) getrennt werden soll. Ganz unfaßbar aber erscheint es mir, wie unter Berufung auf diese Beschlüsse die personale Trennung in der Leitung der politisch-nationalen und zioonistischen Organisation verlangt werden kann. Die zitierten Beschlüsse, enthalten das gerade Gegenteil, und ich brauche mich nicht erst auf die Begründung des Referenten zu beziehen, welcher ausdrücklich erklärt hat, daß „wir die zionistische Organisation formal nicht als politische Partei erklären dürfen, daß wir aber die materielle Einheit auf dem Wege der Personalunion erreichen werden.“ Unsere galizischen Gesinnungsgenossen haben tatsächlich — und dies wahrhaftig nicht zum Schaden des Zionismus — diese Personalunion schon längst durchgeführt, und wir Wiener Zionisten scheuen uns gar nicht, einzugestehen, daß wir diesem Ziele bewußt zustreben. Wenn also die „Mitteilungen“ tadelnd bemerken, es sei in Wien „zu einer derartigen Verquickung von innerpolitischen und reinzionistischen Angelegenheiten gekommen, daß der Fernstehende die beiden Organisationen nicht mehr voneinander zu trennen vermag“, glauben wir diesen Vorwurf mit Dank quittieren zu können, denn er ist nichts anderes als die Bestätigung unserer Parteitreue vor der zionistischen Oeffentlichkeit. Halten wir die sonderbare Auslegung fest, welche die Beschlüsse des Krakauer Parteitages bei einigen unserer mährischschlesis chen Gesinnungsgenossen gefunden haben, dann allerdings scheinen uns die Vorgänge am Ostrauer Distriktstag selbst weniger befremdend. Eine vom Gg. Dr. Winterstein eingebrachte Resolution beauftragt das mähr.-schles. Distriktskomitee, nachdrücklichst dafür zu sorgen, daß alle Gesinnungsgenossen seines Sprengels die Pflicht der national-politischen Betätigung erfüllen. Daß derartige Aufforderungen fünf Jahre nach der Krakauer Tagung an das Distriktskomitee überhaupt gerichtet werden müssen, noch mehr, daß unter den 28 Delegierten, die über diesen Antrag abstimmten, 15 für den Antrag und 13 gegen den Antrag waren und unter den 13 sich auch Mitglieder des Distriktskomitees befanden, — also die- ■:!!