Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitung · 1911-03-10 · 10 (10.3.1911) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
5 (1911)
Issue
10 (10.3.1911)
Date
1911-03-10
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2438141-2438327-2438337--2325-2441992
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 10 f t f . H- •: T' -i Stryj je 200, in Skole mehr als 30 Strafverfügungen erlassen. "Und neue Strafen werden noch immer verhängt. Alle Strafverfügunen enthalten das Höchstmaß der träfe, d. h. 40 K oder 4 Tage'Arrest, ohne Berücksichtigung der Vermögensverhältnisse der Bestraften. Diese Strafverfügungen sind ebenso wie der Erlaß der k. R. Statthalterei eine flagrante Rechtsverleztung. Die politischen Behörden definieren den Begriff der Uebertretntig nicht einmal in Uebereinstimmung mit dem •Wortlaute des Gesetzes. Emanuel Bar dach, Hörer der Rechte in Lemberg, wurde mit 40 Kronen eventuell zu 4 Tagen- Arrest bestraft für die^ Bezeichnung «einer ‘ Umgangssprache mit „Jüdisch“. Eine solche Uebertretung existiert nach dem Volkszählungsgesetze nicht. Der Bezirkshauptmann in Brody läßt die jüdischen Bürger, welche sich zur jüdischen Umgangssprache bekannt haben, für den Samstag vorladen, um sie zur Aenderung der Angaben zu bewegen, ln Tarnobrzeg ließ der Bezirkshauptmann Juden aus dem einige Meilen entfernten Rozwadow’ durch einen Gendarmen wie gemeine Verbrecher nach Tarnobrzeg führen, .um ihnen dort die Strafe im Höchstausmaße zu diktieren, * In Mosziska hat der dortige Bezirkshauptmann dem Jakob Rosten aus Sandow- Wisna eine . Strafe von 40 K event. 4 Tagen Arrest diktiert, wobei er_ erklärte, die schriftliche Verfügung nicht einhändigen zu wollen. Als Jakob Rosen darauf die Bemerkung fallen ließ, er werde an den Ministerpräsidenten telegraphieren, erklärte der Bezirkshauptmann, er werde ihm die Strafverfügung zustellen un d belegte ihn mit einer Geldstrafe von W’ e i - t e r e n 100 Kronen. In Kolonea wurden aus demselben Grunde Schneeberg außer der gewöhnlichen Geldstrafe noch mit 5 Tagen Arrest, Ostersetzer mit 100 K, von der dortigen politischen Behörde bestraft. Die politischen Behörden gehen in ihrem blinden Verfolgungseifer so weit, daß sie für einmalige Angabe der jüdischen Umgangssprache mehrere Strafen verhängen. So bestrafte der Kommissär H e s s y k in Lemberg den Solizitator Jakob Reissberg mit einer Geldstrafe von 40 K oder 4 Tagen Arrest, wonach er ihm eine Bedenkzeit von 24 Stunden gewährte. Als Jakob Reissberg am nächsten Tage seine Angabe nicht zurückziehen wollte, belegte ihn der Kommissär mit einer weiteren Geldstrafe von 40 K und drohte ihm, ihn solange vorzuladen und zu bestrafen, bis er eine landesübliche Sprache angeben werde .Um den Schikanen zu entgehen, gab Reissberg schließlich „r u t ji e n i s ch“ an. Derselbe Konskriptionskommissär drohte auch dem Advokaturskandidaten Dr. Michael Ringel mit doppelten und dreifachen Strafen. Schließlich bestrafte der Magistrat der Stadt .Lemberg den Moses Fuchs mit einer Geldstrafe von 40 K oder 4 Tagen Arrest und außerdem noch seine beiden minderjährigen. Söhne, für welche Moses Fuchs als Familienvater „jüdisch“ eingetragen hatte. Ebenso den Dr. Bikeles, dessen Mutter und Schw’ester. Die politische Behörde in Brody hat den Natan Tartakower aus Brody’ zweimal für dieselbe Angabe der jüdischen Umgangssprache bestraft und mit einer dritten Strafe angedroht, falls derselbe statt der jüdischen keine Landessprache angeben wird. Die aufgezählten Tatsachen sind nur einzelne, den Gefertigten zur Kenntnis gelangte Beispiele der gesetzwidrigen, unerhörten, die öffentliche Sicherheit im höchsten Grade gefährdenden Tätigkeit der galizischen politischen Behörden erster Instanz, denen höchstens noch in dieser Richtung das Vorgehen der Statthalterei gleichkommt. Die k. k. Statthalterei erledigt die an Sie eingereichten Rekurse ausschließlich abweisend, und zwar ohne Rücksicht auf die Verschiedenheit der einzelnen Fälle, mit derselben Drucksorte. Alle Entscheidungen der k. k. Statthalterei enthalten die Klausel, daß gegen dieselben kein weiterer Rechtsweg zulässig ist. Das steht im Gegensatz zu den Vorschriften der Verordnung vom 20. April 1854, Z. 96 des Reichsgesetzblattes, und hindert die Verurteilten an der Erlangung ihres Rechtes. Diese Interpellation bildet die Ergänzung Vorlesung Schalom Asch.- Der akademische Verein „J ü d i s c h e K u 1t u r“ veranstaltete unter 'persönlicher Mitwirkung des Autors im Kursalon der Stadt Wien einen Schalom Asch-Abend, der überaus zahlreich besucht war. Es ist kein Zufall, sondern in den bedeuden Qualitäten dieses ,ostjüdischen Dichters wohlbegründet, daß er sich so rasch und leicht die europäische Tribüne erobert hat. Man w'ar freudig überrascht, einem Ghettodichter zu begegnen, der Juden schildert, „die mehr Sinn für Feld und Garten haben, als für das Bethaus und die Mikweh“. Ein prächtiger, kerniger Mensch zeigt uns die schwerfälligen, jüdischen Fischersleute beim Glase Schnaps, leitet die rauhen jüdischen Fuhrknechte über die sandige Ebene seiner Heimat, die nur das Silberband der Weichsel schmückt, macht uns mit dem 70jährigen Reb Israel Schochliner bekannt, der noch aus der Zeit stammt; „da ein Quart Spiritus 5 Groschen kostete“ und der sich noch heute 2 Stunden lang mit einem widerspenstigen Ochsen herumbalgt, und läßt uns Note, den unbändigen, riesenhaften Bengel, den I Jung-Siegfried der Judengasse, lieb gewinnen. Dabei verfügt Asch — ohne je süßlich zu wrerden — über einen feinen, reichen Prosalyrismus und malt Idyllen von köstlicher Zartheit. Seine Dramen — vor allem „der Gott der Rache“,, der uns eine wertvolle, dramatische' Arbeit dünkt — haben übrigens gezeigt, daß der junge Poet auch großen Aufgaben gewachsen ist und rüstig vorwärts schreitet. Der Conferencier des Abends, Herr Dr. Marek Scherlag, sprach in einem schlichten, .gediegenen Essai über das Leben und die Kunst der. östlichen Juden. Er folgte der Entwicklung Schalom Asch’s, der ihm eine Verheißung der zukünftigen jüdischen Eigenkunst auf dem Boden Palästinas ist. ' Nunerschien,; stürmisch akklamiert, Asch selbst und las eine allegorische Dichtung aus dem Buche „Erde“, in welchem er seine eigene Konfession gibt; stin' Bekenntnis zum „Gotte des ( Seins“, zu der' hteiligen, befreienden, lbeglückenden Lebensbejahung. Das Jüdische klang in dem 'Munde des Dichters ungemein musikalisch. Die Schauspielerin Frl. Frieda Helldori rezitiert^, das Pr.osagedicht „Sommerabende“ und das rührende Ghettobild „Ein jüdisch' Kind“. Meisterhaft war die Wiedergabe, die der Hofschäuspieler Albert Heine den Skizzen „Das Kind“ und „Eine Mutter“ angedeihen ließ. Dje Erzählung von dem Gauner, dem die Geliebte mit den gestohlenen Leuchtern durchgeht, der den Säugling weglegt, dann aber, von Vaterliebe übermannt, zurückrennt und mit dem Kinde am Arm um Milch bettelt — Asch1 lehnt sich hier ein wenig zu stark an Maxim Gorki an — und die erschütternde Schilderung _ des Chederknaben, der seine verrückte, vom Hause verjagte Mutter nicht vergessen kann und mit der Wahnsinnigen unter dem Gejohle der Buben durch die Gasse tanzt, wurden von dem Künstler mit sichtlicher innerer Anteilnahme ergreifend vorgetragen. Asch las dann noch ein Bild aus dem Buche „Das Städtchen“. Die Teilnehmer werden den Abend in dankbarer Erinnerung behalten. Dr. O. A. Parteinachrichten. * eines Dringlichkeitsantrages, welchen Abg. Stand während der letzten Tagung des Parlaments eingebracht hat. Die Sitzung des zionistischen Aktionskomitees verschoben. Wie wir erfahren, ist die ursprünglich auf den 28. März nach Berlin einberufene Sitzung des zionistischen Aktionskomitees verschoben worden. Adolf Böhm in Galizien. . Aus Lemberg wird uns geschrieben: Der Präsident des zionistischen Zentralkomitees für Westösterreich, Gg. Adolf Böhm, hat in der letzten Woche in Galizien eine Vortragstournee absolviert. Ueberall wurde ihm ein herzlicher Empfang bereitet. Er sprach am 4. d. .in Lemberg,' am 5. in S t a n i s 1 a u und am 6. in R z e s z o w über Palästinaarbeit, insbesondere über die Palestine Land Developement Company' [P. L. D. C.] in Massenversammlungen, von denen jede von mehr als tausend Personen besucht w’ar. Seine ausgezeichneten, von großer Sachkenntnis zeugenden Ausführungen wmrden mit enthusiastischem Beifall aufgenommen. Der Erfolg ist ein ganz hervorragender. Eine große Zahl von Aktien der P. L. D. C. w'urden sofort gezeichnet. Weitere Zeichnungen stehen bevor. In Anerkennung Seiner besonderen Verdienste um die Popularisierung der praktischen Palästinaarbeit ernannte die akademische Verbindung „M ak k ab ä a“ in Rzeszow Adolf Böhm zu ihremEhrenmitgliede. , Mitteilungen des i. ö. D.-K. Schekelagitation. Die Vorbereitungen für die Agitation in der Schekelwoche, d. i. die Zeit vom 14. bis 31. d. 'M., sind getroffen. Es wird ein Schekelaufruf des innerösterreichischen Distrikts herausgegeben werden. Auf Grund desselben finden sowohl in Wien als auch in der Provinz mehrere Agittaionsversammlungen statt, deren Ort und Zeit im Parteiorgan bekanntgegeben w’erden. Die Schekelkommissäre Wiens werden hiemit aufgefordert, an einer wichtigen Beratung teilzunehmen, die Freitag, den 10. d. M., präzise 7 Uhr abends, im Büro des i.-ö. D.-K. stattfindet. Schekef-Wochenausweis. „Zion. Zentralvertralverein“ [Sch.-K. Ing. Groag] [+ K 267.60J K 20.40, Block Nr. 58901 [Teitelbaum] [+ K 6.—] K 61.20, „Bar-Gisra“ [Sch.-K. Altmanh] K 24.—, „Zephirah“ [Sch.-K. Grünbaum[ 12.—, „Jordania“ [Sch.-K. Tuttnauerl K 12,—, „Judäa“ [Sch.-K. Dr. Wollner] K ‘12j—, Block Nr. 59163 [Gellerl K6.—, Block Nr. 59137 [Dr. Zweig] [+ K 12.—] K 4.80. Summe K 152.40. Bereits ausgew’iesen: K 338.40, zusammen K 490.80. Gesellschaftsreise zum X. Kongreß [Basel]. Die Zentralleitung hat den X. Kongreß für die Zeit vom 9. ,,bis 15...August nach Basel einberufen. Die vom i.-ö. D.-K. arrangierte Gesellschaftsreise w’ird voraussichtlich Montag, den 7. August, 8 Uhr abends, von Wien [Westbahnhof] angetreten. Die ermäßigten Schnellzugskarten [III. KL] gelten nur für die Hin- und Rückfahrt Wien—Basel. Das D.-K. steht in ' Unterhandlungen, um eine ermäßigte und gute Unterbringung der Reiseteilnehmer in Basel zu er- - möglichen. Es ist unbedingt notwendig, daß die Interessenten dieser Reise sich beim Sekretariat des i.-ö. D.-K., IX., Türkenstraße 9 [Tel. 14199], bis längstens Ende März anmelden. Insbesonders mögen sich die österreichischen Kongreßdelegierten zur Teilnahme an der Reise' melden. Ein ausführliches Reiseprogramm mit genauem Kostenplan wird in den nächsten Tagen als Zirkular an die Zentral- und Distriktskomitees, sowie an die zionistischen Korporationen und j die bereits angemeldeten Gesinnungsgenossen hinausgehen und auch in der „Jüd. Zeitung“ abgedruckt werden. 9eFcins<a.tfcFsaminiungsnaBiiPicliten. Voranzeigen. Five O’clock tea bei den zionistischen Frauen. Diese Veranstaltung findet am 12. März im Hotel Zentral, Taborstraße, statt, zugunsten des zion. Auskunftsbureaus für Auswanderer nach Palästina. Wir betrachten es als eine Pflicht aller Gesinnungsgenossen, sich an diesem Werke zu beteiligen. Das musikalische Programm -wird von Künstlern ersten Ranges bestritten. Beginn 5 Uhr nachmittags, Tanz ab 10 Uhr. Karten zu je Kr. 2.— im Kongreßbureau, IX., 'Türkenstraße 9, im Vereinslökal, Cafe City, Porzellan- Die Böhmische Industrial-Bank-Filiale in Wien, I, Wipplingerstr. 2 Teiephopiiiiniinern 18347,21813, 23067, 23068, 23069 — Aktienkapital K 30,000000.— verkauft soweit der Vorrat reicht Österreichische KfOnen-Reilte .i- Emission 1911’ : : freie Stücke zum jeweiligen offiziellen Geldkurse. Stücke mit 6 monatlicher Sperrfrist 5 h, Stücke mit 12 mbnatlieher Sperrfrist 10 h unter dein jeweiligen Geldkurse.!.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.