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Jüdische Zeitung · 1911-02-03 · 5 (3.2.1911) · page 1

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
5 (1911)
Issue
5 (3.2.1911)
Date
1911-02-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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JÜDISCHE ZEITUNG NRTIDNF1L -JUDI5EHE5 ORBFtN KW i ■ ■ ■■■■■■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■■■■■■■ rnm Erscheint wöchentlich.—Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: IX., Lie.cJjtensteinstraße 11, Telephon 12299. — Sprechstunden täglich von 11—12 Uhr vormittags und 4- -5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurückgestellt’— Abonnementspreise: Für Österreich-Ungarn: Ganzjähr. K10.—, halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Für Deutschland; Ganzjähr. Mk.jp1-, halbjabr. Mk. 5.—, Vierteljahr. Mk. 3.—. Für das übrige <^czacz9GS9G2oc29G3sc29csa Ausland ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplare 2Ö~h. Postsparkassenkonto 104067. eäsraocacsaoaeascsocaoc!? Nr. 5. Wien, Freitag den 3. Februar 1911. V. Jahrgang. AUS DEM INHALTE: Rassenreine Germanen und Magyaren. Die Lemberger Judenenquete. ■Ums liebe Vieh! [Zur Schächtfrage.J Ein Zug des Elends. Teplitzer Reformen. Gedicht von Beda. Aus dem jüdischen Leben. Parteinachrichten. Vereins- und Versammlungsnachrichten. Ueberjäufer. Reinrassige Germanen und Magyaren. (Rosenbaum und Wolfele Kohn.) Um .die Gemeinde U nt er-Themen au in Niederösterreich tobte seit Jahren ein erbitterter nationaler Kampf. Den Tschechen, welche die Majorität der Bevölkerung bilden, war es gelungen, den Gemeinderat an sich zu reißen. Die Deutschen versuchten alle möglichen Mittel, die Gemeinde zurückzuerobern. Der Gemeihderat wurde aufgelöst. Jetzt ist es den Deutschen gelungen, die Mandate wieder an sich zu bringen'. Wortführer in dem Kampfe, welcher die öffentliche Meinung; lange Zeit beschäftigt hat, war der Jude R o s e li b ä u m. Der Dank dafür, daß sich wieder einmal ein Jude" für deutsche Zwecke in unsinnigster Weise exponiert und dadurch den Antisemitismus der Slaven gefördert hat, ist nicht ausgeblieben. D i e erste T a t des neu e n Gemeinderates w a rdieErnennüng d es rühmlich bekannten Christ- 1 i ch s o z i a 1 e n Führers u n d. kl erika 1 en'Hauptänt i s e;ni i t en Dr. Gefirn ann zum Ehrenbürger' von Unter-Themenau. ln dem ersten Berichte des neuen deutschen Gemeinderates prangt neben dieser Errungenschaft auch hoch die beglückende Nachricht, daß in der Themenäuer Kirche bereits d eutsch gepredigt werde. Die Ehrenbürgerschaft des Judenfressers Geßmann und deutsche Predigten in der Kirche! Wahrlich, solche Resultate sind des Schweißes jüdischer; Assimilanten wert 1 -* * Über ein ebenso nettes Menschenexemplar, zur Abwechslung aus Ungarn stammend, weiß der Berichterstatter der Wiener „Arbeiter-Zeitung* Amüsantes zu erzählen: „In der Bankdebatte hat der Justh-Parteiler Wilhelm SSmegi das Wort ergriffen. ' Erpolemisierte gegen den Regierungsparteiler Baron Julius Madarassy-Beck, welch, letzteren Namen er hiebei „Beczk“ aussprach. Auf die Mahnung-des Präsidenten, es sei im ungar. Abgeordnetenhaus« bisher nicht üblich gewesen, die Namen-einzelner-Abgeordneten zu, verballhornen, antwortete Sümfegi, daß er die ^„fremden“ Namen so ausspreche, wie sie geschrieben werden. .Das,;ist; natürlich eine plumpe Ausrede und mag geschmacklos sein,! .aber man muß dies der . Idiosynkrasie des Rassemagyaren gegen alles Fremde zugute halten. Der Abgeordnete Madarassy-Beck ist nämlich der Sohn des baronisierten Bankdirektors Beck und letzteren Namen führt die Familie einstweilen noch als Anhängsel, wie sie auch noch nicht aus dem Verband des Judentums ausgetreten ist. Aber am Judentum und an einem fremden Namen festzuhalten, das ist zu viel für Wilhelm Sümegi, den Rassenragvaren, dessen Name in der vom orthodoxen Rabbiner zu Sümeg geführten Matrikel folgendermaßen eingetragen ist: Wolfele Kohn. Vordem hieß nämlich der in Sümeg geborene 'Sümegi „nur“ Kohn, aber das ist schon hübsch ein paar Jahre her, und im» Reichstagsalmanach ist davon keine Spur zu finden; dagegen heißt es dort, daß Wilhelm Sümegi schon „in jungen Jahren die journalistische Laufbahn betreten“, habe. Die alten Bekannten Sümegis wissen jedoch, daß er seine „journalistische Tätigkeit“ als — Inseratei:- agent ausübte. Seither hat er sich freilich magyarisiert, ist christkatholisch und Administrator des Organs der Justh-Partei, „Magyarorszag“, geworden. Kein Wunder, daß seine Zunge verlernt hat, „fremde“ Namen, wie „Beck“, „Kohn“ usw., richtig auszusprechen.“ Nachwort zur Lemberger Judenenquete, (Von unserem Lemberger Berichterstatter-! Die Enquete ist vorüber und man kann die Bilanz .ziehen.Eine einzige Gruppe misst . dieser- Tagung Eedeutimg bei — oder, besser gesagt, suchte iu beweisen, daß die Enquete eine nützliche . 'und" in ihren' Folgen fruchtbringende Tat gewesen sei. Es sind das die jüdischen Assimilanten.. Die zwei anderen Gruppen, und gerade die'ausschlaggebenden, nämlich die Wortführer des jüdischen Voikes und die Vertreter des Landesausschusses nehmen die ganze Enquete nicht ernst. Diejüdfschnationa- 1 e n, . welche als wirklichkeitsfremde Idealisten verschrieen werden, bewiesen gerade in dieser Angelegenheit sehr viel Wirklichkeitssinn, und der Verlauf, der Enquete gestaltete sich, wie sie es vorausgesagt hatten: Es war eine Komödie' s'chlimmste'r Sorte. Die Vertreter des Landesausschusses und die anderen christlichen Experten [sofern sie überhaupt erschienen — zwei Drittel fehlten], verrieten' in ihren Reden so viel Judenhaß, daß es geradezu wahnwitzig wäre, anzunehmen, daß diese Herren, welche die Macht in den Händen haben, irgendetwas für die Juden zu tun beabsichtigen. Kein einziger von ihnen gab die Notwendigkeit einer besonderen Aktion zugunsten der Juden zu. Alle Rekriminatior nen der jüdischen Experten wurden schlankwegs als ungerechtfertigt zurückgewiesen; alle notorisch antisemitischen Maßnahmen rundweg bestritten. Und wo Lügen nicht halfen, da trat die Frivolität in die Schranken. Als Beleg sei die Antwort eines polnischen Regierungsvertre- .t.ers - .angeführt, welcher die Nichtanstellung jüdischer Steilenbewerber damit motivierte, da.ß die Juden zu intelligent seien, aTs daß. man. ihren Intellekt in einem Amte verkümmern lassen dürfte. Daß. .jedoch: dieser. Intellekt infolge von Unter- 1 ernährung und Not zugrunde geht, gefällt den sauberen Herren! Ein anderer Herr — der „jüdische“ Vertreter im Landesschulrate, Professor Sternbach — versuchte mit der Erklärung, daß der galizische Landesschulrat objektiv und gerecht vorgehe, verschiedene Klagen abzuschwächen. Das gelang ihm natürlich nicht. Denn gerade auf dem Gebiete der Schule wird gegen die Juden am meisten gesündigt. Die Redner der Assimi'anten fCilderten die Judennot wohl in den grellsten Farben, fanden aber nicht den Atut, ’ den polnischen Herren die Wahrheit zu sagen. Das besorgte in rücksichtsloser und ausgezeichneter Weise der zionistische Vertreter, unser Gg. Abg. Stand. Er kam zweimal zu Worte. Selbstverständlich wurden seine Reden von den polnischen Zeitungen, die der Enquete feindselig gegenüberstanden, unterschlagen. Im Nachfolgenden sei daher ein Auszug aus seiner Rede [welche erst demnächst im Wortlaute vorliegen wird] wiedergegeben: „Vor zwanzig Jahren ist die erste Enquete einberufen worden, und seit jener Zeit hat der Landesausschuß nichts unternommen, um die Not der Juden zu lindern. Inzwischen ist die Judennot drückender geworden. Die Hauptschuld daran tragen die Landesbehörden utuLdie Zentralregierung. Man fordert Industrieförderung, welche den Juden zugute kommen soll. In Raszkowa ist mit dem Gelde des Landesausschusses eine Fabrik gegründet worden, aber kein einziger Jude findet dort Beschäftigung. Ein Bezirksausschuß hat aus allgemeinen Steuergeldern eine Betonfabrik er-; baut, trotzdem eine solche, allerdings eine jüdi- “ sehe, in dem betreffenden Orte bestand, und ruinierte auf diese Weise den jüdischen Unterneh- ' mer. Man fordert weiter Unterstützung des Handels. Der Gewerbeinspektor Schoenett erlaubt jedoch nicht den jüdischen Kaufleuten, . sich zu einer Korporation zusammenzuschließen, und verfaßt antisemitische Gewerbestatuten, um die Juden, welche in manchen Gewerben das Uebergewicht haben, zu verdrängen. Unsere Intelligenz führt einen furchtbaren Lebenskampf : und der Landesausschuß, welcher die jetzige Enquete einberufen hat, stellt prinzipiell keine jüdischen Beamten an. ln der Sparkasse und in der Landesbank sind jüdische Millionen: investiert und trotzdem ist unter den Beamten dieser Institute kein ' einziger Jude. Es wird vorgeschlagen, Bildung unter den Juden zu verbreiten. Der Landesausschuß verhindert aber auf Geheiß des Beizer Rabbi die Gründung von Baron-Hirsch- Schulen, zu deren Erhaltung das Land nichts beiträgt. 300.000 Kronen werden jährlich vom Landesausschußfür kulturelle Zwecke bestimmt und die Juden erhalten von. dieser Summe kaum 3000 Kronen. In den Lehrerinnenseminarien werden jüdische Mädchen überhaupt nicht aufgenommen. In ganz Galizien besuchen 25 Jüdinnen die Lehrerinnenbildungsanstalten. Tausende Schulen können wegen Mangels an Lehrkräften nicht eröffnet werden und dennoch werden jüdische Bewerber nicht aufgenommen. Die jüdischen Religionslehrer werden nicht definitiv angestellt { selbst an jüdischen Schulen überwiegt die Anzahl der christlichen Lehrer ber weitem.

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