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Jüdische Zeitung · 1911-01-27 · 4 (27.1.1911) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
5 (1911)
Issue
4 (27.1.1911)
Date
1911-01-27
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 4 Zionistischer Zentralverein. . Samstag, den 28. d. Mts., präzise I 8 Uhr abends, findet im Vereinslokale, IX., Türkenstraße 9, die diesjährige ordentliche General Versammlung statt. Tagesordnung: 1. Bericht über das abgelaufene Vereinsjahr. 2. Diskussion. 3;. Neuwahlen. 4. Eventualia. Antrag auf Statutenänderung der österreichisch-ungarischen Bank. 'Gesinnungsgenosse Luzian Brunner hat als Aktionär für die am 3. Feber stattfindende Generalversammlung der öst.-ung. Bank einen Antrag auf Einführung des Proportionalwahlrechtes für die Wahl in den Generalrat eingereicht. Es soll hiedurch den nationalen Minoritäten, welche mehr als ein Drittel der eingezeichneten Aktien besitzen, aber im Generalrate gar nicht vertreten sind, Gelegenheit geboten werden, in die Leitung der Bank einzutreten. Der Antrag, welcher im Interesse des nationalen Ausgleiches aufs freudigste zu begrüßen ist, wurde bereits im ungarischen Parlamente besprochen und gelangt am 3. Feber zur Verhandlung. Aus dem jüdischen Leben. Juden als Helfer der Antisemiten. Wie weit deutschtümelnden Juden in Böhdeutschtumelnden Juden und Jüdinnen in Böhmen geht, wird durch einen Fall, über welchen die Prager „Selbstwehr“ wie folgt berichtet, neuerlich erhärtet: „Im Städtchen Winterberg stehen sich anläßlich der Wahl in die Bezirksvertretung zwei Parteien feindlich gegenüber. Die Gegnerschaft bezieht sich auf die Wahl eines Mitgliedes aus der Gruppe der Höchstbesteuerten [Handel und Industrie]. Diese Gruppe zählt 13 Mitglieder, davon 3 juridjsche Personen [Sparkassa, Zalozna, Bahn] und 5 Juden. Die eine Partei hat nun aus Billigkeitsrücksichten den Sitz in der Bezirksvertretung einem Juden angetragen. Dieser aber, der Wiener Fabrikant Jakob Kraus, erkundigte sich bei seinem Kunden, wie dieser sich zur Kandidaturfrage stelle; und als Herr Kraus erfuhr, daß sein Kunde einen anderen Kandidaten, einen bekannten Wo I f i a n e r, protegierte, verzichtete er selbst auf seine Kandidatur. Nun wurde an seiner Stelle als Gegenkandidat ein sogenannter Deutschfreisinniger aufgestellt. Man sollte meinen, daß die Juden nun leicht den richtigen Weg gefunden hatten: sich entweder der Wahl zu enthalten oder aber den freisinnigen Kandidaten!zu wählen. Die Juden aber sind großmütig und vergessen gerne, daß der Antisemit ein Antisemit sei. Sie vergessen, wie oft sie schon von der antisemitischen Partei moralische Ohrfeigen erhalten haben, sie vergessen, daß diese sie nicht nur einmal für minderwertige Individuen erklärt hat, sie vergessen mit Freude, daß die radikalnationale Gruppe sie prinzipiell gesellschaftlich boykottiert. Sie vergessen alles und stecken den Kopf in den Sand und wählen den radikalen Antisemiten, den Wolfianer. Einer der jüdischen Wähler entzieht sich der peinlichen Entscheidung und reist ab. Von den elf abgegebenen Stimmen fallen dem Wolfianer seclig Stimmen, darunter die jüdischen, zu. So helfen die Juden den Antisemiten in den Sattel.“ Man ersieht, welch große Erziehungsarbeit die Jüdischnationalen in Oesterreich zu verrichten haben. Jüdische Ehescheidungen in London. Der Chief-Rabbi Dr. Adler hat in der staatlichen Kommission für Ehesachen erklärt, daß es in London viele ausländische Rabbiner gebe, welche, ohne das zuständige Rabbinat [Beth din] zu verständigen, Ehescheidungen vornehmen. Er beantragt, daß diese willkürliche Vornähme von Ehescheidungen bestraft werden solle. Diese Erklärung des Ober- Rabbiners hat unter den russischen Juden in London große Aufregung verursacht, und die „jiddischen“ Blätter bringen Proteste. Gesamtorganisat'on der südafrikanischen Juden. Bis vor kurzem bestanden in den einzelnen südafrikanischen Kolonien, Transvaal, Oranje und Kapkolonie, jüdische Gemeindevertretungen [Board of Deputies], welche in jüdischen Fragen selbständig mit der betreffenden Kolonialregierung zu unterhandeln pflegten. Nachdem nun die politischen Vertretungen sämtlicher südafrikanischen Kolonien sich zu einem allgemeinen südafrikanischen Parlament vereinigten, beschlossen auch die jüdischen Gemeindevertretungen die Schaffung einer Gesamtorganisation der südafrikanischen Judenschaft, deren Leitung allein berechtigt und berufen sein wird, in jüdischen Angelegenheiten mit der südafrikanischen Regierung Verhandlungen zu pflegen. Der Sitz des Verbandes ist in Pretoria. Jüdische Parlamentsmitglieder in Australien. Bei den jüngst durchgeführten allgemeinen Parlamentswahlen in Neu-Süd-Wales wurden auch «zwei Juden zu Deputierten gewählt, und zwar Ivan I. Cohen und Daniel Lewy. Der erstere wurde vom Wahlbezirke Petersham und der zweite vom Wahlbezirke Daslinghurst ins Parlament entsendet. Beide hatten den Wahlsieg nach schwerem Kampf errungen, ln der vorigen Session gab es drei jüdische Parlamentsmitglieder: Mr. A. E. Coilins, der früher im Parlamente saß, jedoch diesmal nicht mehr kandidiert hat, und sein Mandat fiel der Arbeiterpartei zu. Die zwei Neugewählten spielen auch im jüdischen Gemeindeleben ihres Wohnortes eine aktive Rolle. Schikanierung jüdischer Wohltätigkeitsvereine in Rußland. Das. gouvernementale Vereinsamt zu Kiew hat die Erlaubnis zur Schaffung einer Versicherungskasse in Angliederung an die jüdische Leih- und Sparkasse der Stadt Bogusläw, ferner auch zur Gründung eines Hilfsvereins für arme Juden in der Stadt Stawitsche und eines Fürsorgevereins für arme jüdische Kinder in Gorodischtsche verweigert. Die Bedeutung der Palestine Land Deuelopement Company.* (Gesellschaft für die landwirtschaftliche Erlschließung Palästinas) Von Adolf Böhm, Wien. ‘Die Begeisterung, welche das Oppenheimersche Projekt einer Siedlungsgenossenschaft in Palästina bei Zionisten und Nichtzionisten erweckt hat, die Schnelligkeit, mit welcher der verhältnismäßig nicht geringe Betrag von M 110.000.— aufgebracht wurde, beweist, welche Stimmung in allen Kreisen des Judentums für die palästinensische Kolonisation herrscht. Diese praktisch nuztbar zu machen, gelang sofort, als es sich um ein Projekt handelte, das, auf wenigen klaren und einleuchtenden Grundgedanken aufgebaut, von einer starken und bedeutenden Persönlichkeit getragen wurde. Dieser Erfolg ist höchst ermutigend, weil er zeigt,, daß heute schon überall die Disposition im Judentum vorhanden ist, die palästinensische Kolonisation zu fördern, so daß es Aufgabe einer unausgesetzten - Aufklärungs- und Propagandaarbeit wäre, aus dieser Stimmung für die gute Sache Nutzen zu ziehen. * Aus der Sondernummer der' Zeitschrift „P a I ä s t i n a“. War dies für ein so populäres Projekt, wie die Siedlungsgenossenschaft, verhältnismäßig leicht, so zeigt die nun zweijährige Geschichte eines anderen Kolonisationsunternehmens, jene der Palestine Land Development Company [Landentwickelungsgesellschaft] wie schwer es ohne die Hilfe volkstümlicher Propagatoren und Ideen vorwärts geht! In diesen zwei Jahren hat die P. L. D. C., sofern man die Beteiligung des Nationalfonds nicht mitzählt, erst 'ebensoviel Kapital aufgebracht, als die Siedlungsgenossenschaft in einem einzigen, ob-, zwar die' erstere bereits eine äußerst nützliche und praktische Tätigkeit in Palästina entfaltet. Jetzt, wo die Sammlungen für die Siedlungsgenossenschaft in der Hauptsache abgeschlossen sind, ist es an der Zeit, die P. L, D. C. ganz energisch in den Vordergrund der Propaganda für palästinensische Kolonisationsarbeit zu rücken. Was bezweckt die P. L. D. C.? Den ersten Anstoß zu ihrer Gründung gab der Umstand, daß in Daleika und Um-el-Djuni am Tiberiassee Land des jüdischen Nationalfonds vorhanden war, für das kein jüdischer Pächter gefunden werden konnte, weil niemand den nackten Boden pachten und die kostspielige Arbeit der Urbarmachung, der Errichtung von Gebäuden et<i übernehmen wollte. Da schlug Dr. Ruppin die Gründung einer Betriebsgesellschaft vor und legte dieselbe so an, daß ihre Bedeutung weit über den speziellen Fall hinaus führen, und sie — die P. L. D. C. — zu einem Kolonisationsinstrument par exellence rpachen sollte. Wenn diese Bedeutung noch nicht überall klar erkannt wurde, so stammt dies zum Teile daher, daß man mancherorts die P. L. D. C. immer nur als Gesellschaft zur Bewirtschaftung der Nationalfondsländereien in Daleika ansieht und ihr höchstens zubilligt, das sie daselbst eine Musterfarm betreibt. Dazu bedarf es allerdings, keiner übermäßig großen Mittel. Diese Auffassung ist aber eine unrichtige. Wohl ist die Musterfarm in Kinereth geschaffen worden, aber die P. L. D. C. zieht den Kreis ihrer Tätigkeit bedeutend weiter. Wir wollen diese nachfolgend kurz skizzieren: 1. Die P. L. D. C. ist nicht nur eine Betriebsgesellschaft für ein einziges Stück Land, sondern für alle Ländereien, die ihr aus irgend einem Grunde zur Bewirtschaftung übergeben werden. Zunächst für alle jene Terrains, welche der Nationalfonds besitzt oder noch erwerben wird. Aber auch für Rechnung von anderen juristischen Personen oder Einzelbesitzern übernimmt die P. L. D. C. die Arbeit des Instandsetzens und Bewirtschaftens. Schon jetzt werden die Oelbaumpflanzungen der Dessauer Stiftung von der. P. L. D. C. ausgeführt, andere von ihr überwacht. Ferner vermittelt die P. L. D. C. Grundkäufe für eigene und fremde Rechnung und übernimmt die vollständige Durchführung der hiezu nötigen, in Palästina äußerst komplizierten rechtlichen Transaktionen. Sie ist die geeignetste Vermittlerin von Grundkäufen, weil sie ständig über alle Anbote am laufenden ist und immer den günstigsten Moment zum Ankauf eines Grundstückes wahrnehmen kann. Tatsächlich führt sie schon heute alle Gründkäufe für den Nationalfonds und auch einige für andere Rech- . nung durch. 2. Im eigensten Wirkungskreis ist die P. L. D. C. eine Parzellierungsgesellschaft, die Grundstücke für eigene oder fremde Rechnung, kauft, sie in wirtschaftsfähigen Zustand bringt, dann parzelliert und an Reflektanten abgibt. Da europäische Käufer immer nur aut schon eingerichtete Wirtschaften reflektieren, solche bisher nie zu haben waren, so hat die P. L. D. C. eine ungemein wichtige Funktion innerhalb der jüdischen Kolonisation Palästinas übernommen. 3. Durch die P. L. D. ,C. werden jene Privatleute, die in späterer Zeit nach Palästina gehen und sich dort eine Pflanzung bereit machen lassen wollen, instand gesetzt, dies durch eine vertrauenswerte Organisation ausführen zu lassen. Bei Abschlu Beines derartigen Vertrages müssen nur der Bodenstreu und die Hälfte der Pflanzungskosten entrichtet werden, indes die zweite Hälfte der Pflanzungskosten innerhalb der nächsten 4 Jahre bezahlt werden kann. Dies erleichtert ungemein die Ueberführung zahlreicher kleiner Kapitalbesitzer nach Palästina. 4. Die P. L. D. C. ist ferner in der Lage, für die so wichtige Ausbildung und spätere Ansiedlung von jüdischen Landarbeitern Bedeutendes zu leisten. Auf ihren Betrieben haben die Arbeiter Gelegenheit, unter einem tüchtigen Agronomen die Landwirtschaft zu erlernen und sich auch etwas zu ersparen, da für die Far- . Einlagen auf Büohel 4% An- und Verkauf von Wertpapieren. Börsenordres. Darlehen auf Wertpapiere. Wechsel-Eskompte. O Versicherung gegen Kursverlust. 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