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Jüdische Zeitung · 1911-01-13 · 2 (13.1.1911) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
5 (1911)
Issue
2 (13.1.1911)
Date
1911-01-13
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 5 Nr- 2 sehr gründlich vor. Seit Monaten beschäftigte er sich fast, ausschließlich mit dem Studium der Judenfrage. Die russische Judenheit erwartete mit großer Spannung die Rede des wegen seiner persönlichen Eigenschaften auch von den politischen Gegnern ungemein geachteten Volksvertreters. Diese Rede sollte zum erstenmal innerhalb der Wände des taurischen Palais den flammenden Protest des verletzten Rechts- und Menschlichkeitsgefühls gegen die an einem großen Volke im Laufe vonJahrhunderten begangenen Verbrechen zum würdigen Ausdruck bringen. Der Tod Iglitzkys. Der während der Ausschreitungen der antisemitischen Studentenschaft Odessas von einem immatrikulierten Mordbuben meuchlings in den Hinterschädel verwundete Jüdische Student Iglitzky ist in der Nacht vom 3. auf den 4. Jänner nach vierzehntätigem schweren Leiden verschieden. Iglitzky war erst 18 Jahre alt. Dieses Jahr hatte er das Gymnasium „mit goldener Medaille“ absolviert und konnte so trotz der „Prozentnorm“ sofort auf die Universität aufgenommen werden. Mit der Politik hatte er absolut nichts zu tun. Er kannte nur zwei Leidenschaften: die Wissenschaft und die Musik. Zwei Mitglieder der Familie Rothschild gestorben. Freitag, den 6. Jänner, ist hier Baronesse Eleonora de Rothschild, die Gattin des Barons Alphons de Rothschild, gestorben. Sie war 74 Jahre alt. Die Verstorbene, eine in den aristokratischen \ Kreisen Frankreichs sehr bekannte Persönlichkeit, die insbesondere zur Zeit des letzten Kaiserreichs eine große Rolle gespielt hat, war eine Schwester des Lords Rothschild (Nathaniel Mayer) in London. Sie hinterläßt drei Kinder: Baron Eduard, Baronesse Albert (die Gattin des Barons Albert Rothschild in Wien) und Madame Maurice Ephrussi. — Am gleichen Tage ist ihr Enkelkind, Alphons de Rothschild, Sohn des Barons Eduard, vier Jahre alt, in Paris an Blinddarmentzündung gestorben. Die Tätigkeit des Auskunftsbureaus für jüdische Auswanderer in Basel. Die allgemeine Emigration über Basel betrug im Jähre 1910 38917 Emigranten, wovon 6107 Juden. Beim Auskunftsbureau des Hilfskomitee für jüdische Auswanderer in Basel sprachen in diesem Zeiträume 957 Auswanderer vor, denen Rat, Hilfe und Unterstützung zuteil wurde. Das Reiseziel war bei 529 Argentinien, bei 92 Canada, bei 336 die Vereinigten Staaten und bei je 3 Chile und Brasilien. Das Bureau erledigte 981 Korrespondenzen, wovon 543 ausgehende. Scbiffskarten zu ermäßigten Preisen besorgte das Bureau im Betrage von über Frcs. 75.000.—. Ein Hauptaugenmerk des Bureaus war und ist noch beständig die Bekämpfung des Agentenschwindels in Rußland und an der russisch-österreichischen Grenze, und es hat in dieser Hinsicht auch manche Erfolge zu verzeichnen. Doch solange die jüdische Bevölkerung in den kleinen russischen Städten und Dörfern nicht durch geeignete Wanderredner (Maggidim) direkt vor dem unheilvollen Treiben der Agenten gewarnt wird, kann eine dauernde Besserung nicht erwartet werden. Für gute getragene Kleider, Schuhe und Wäsche hat das Hilfskomitee stets sehr gute Verwendung; dieselben werden vom Auskunftsbureau für jüdische Auswanderer mit herzlichem Dank entgegengenommen. Adresse des Auskunftsbureaus: Basel, Hochstraße 34. Ausweisung jüdischer Kinder. Der Stadthauptmann von Moskau hat in letzter Zeit wieder eine Menge jüdischer Kinder ausgewiesen, trotzdem die Behörden schon vor langer Zeit beschlossen haben, daß die Kinder solange nicht ausgewiesen werden sollen, bis der Senat eine prinzipielle Entscheidung in dieser Frage getroffen habe. Vereinsu. Versammlungs-Nachrichten. Voranzeigen. . Wien. Verein zionistischer Hochschüler „Theodor Herz 1“, VIII., Lenaugasse 7/10. Das Seminarprogramm für diese Woche lautet: Dienstag, den 17. Jänner: Dr. Ernst Müller, Palästinaseminar, Mittwoch, den 18: Bb. S. Schmitz, Jüdisches Seminar, Perez, Vorlesung II., Freitag, den 20.: Bb. R. Hermann, Zollschans Rassenproblem, 3. Teil, Samstag, den 21.: Bb. Baruch Rosenba um, A. Mappu. Beginn der Vorträge 7 Uhr abends. Gäste willkommen. Wien. Zionistischer Mädchenverein „Moriah“. Montag, den 16. Jänner, findet um dreiviertel 8 Uhr abends, im Lokolo des „Zionistischen Zentralvereines", IX., Türkenstraße 9, der allwöchentliche Vereinsabend statt. Programm: Lesen und Besprechen von Nordaus „Dr. Kohn“. Gäste, Frauen und Mädchen, willkommen. Der Verein veranstaltet einen Anfänger-Hebräischkurs, der nächste Woche beginnt und auch Nicht-Vereinsmitgliedern (Herren und Damen) zugänglich ist. Anmeldungen hiezu können bis Montag, den 16. d. M., an den Verein, IX., Tüikenstraße 9, gerichtet werden. Wien. (Jüdische Toynbee-Halle, XX. Othmargasse 46.) Vortragsprogramm für die Zeit vom 14. Jänner bis 20. Jänner 1911. Samstag, 14.: Konzert. Sonntag, 15.: „Nationales im Glauben der Juden“, Herrman Berliner. Montag, 16. : Dienst und Arbeitsrecht, Zyklus, Dr. Josef Jerusalem. Dienstag, 17.: Geschichte der Juden in Oesterreich; Zyklus (II). Dr. K. Kupfer. Mittwoch, 18.: Reiseeindrücke aus Nordamerika (mit Lichtbildern), kaiserl. Rat Johann Lichtenstadt. Donnerstag, 19.: Aus der Mappe eines Verteidigers, Doktor Wolfgang Pollatschek. Freitag, 20.: Bibelvortrag. Wien. (Verein der Jüdischen Handels- und Privatangestellten „Achwah“, II., Taborstraße 20.) Sonntag, 15. Jänner, halb 5 Uhr nachmittag, Vortrag des Herrn Siegfried Schmitz über Jüdische Literatur“, Dienstag, den 17. Jänner, 8 Uhr abends, Vortrag des Herrn Robert Beer über „Palästina, Land und Leute“. Wien. („Neß Zionah“.) Dienstag, den 17. Jänner a. c., 8 Uhr abends, findet im Klublokal Cafe Mokka, 1., Schottenring 12, ein Vortrag des Schriftstellers Maxim A n i n (Dr. Max Schatz) statt. Thema Vorbehalten. Die Gg. Gg. werden ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Gäste (auch Damen) herzlich willkommen. — Dienstag, den 24. Jänner: Vortrag des Herrn Schriftstellers Doktor Weisengrün über „Dostöjewsky und Leo Tolstoi“. Triest. Der Circolo Sionistico veranstaltet am 14. d. M. ein Wohltätigkeits-Konzert zu Gunsten des „Hilfskomitees für jüdische Auswanderer“. Der bekannte Cello-Künstler, Herr Adolf Morpurgo hat sich dem Vereine in dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt. Wien. (Allg. Jüd. Arbeiterverein „Poale-Zion“.) Samstag, den 14. d. M., präz. halb 8 Uhr abends, findet im Vereinslokale, separierter Saal des „Caf6 Stephanie“, II., Stefaniestraße 2, ein Vortrag des Gen. Abraham Rewutsky über „Stand und Aufgaben des Palästina-Arbeiterfonds“ statt. Vollzähliges Erscheinen der Mitglieder Pflicht! Gäste willkommen. Sonntag, den 22. d. M., vormittags findet eine öffentliche Protest Versammlung in Angelegenheit der Volkszählung statt. Ort und Zeit werden durch Plakate und Flugzettel bekannt- ' gegeben werden. * * * Berichte. Wien. (Erster zionistischer Frauenverein.) Donnerstag, den 29. Dezember, veranstaltet der erste zionistische Frauenverein im Saale des niederösterreichischen Gewerbevereines einen Abend, bei welchem die bekannte Gesinnungsgenossin Frau Rosa Melzer-Pomeranz über die „Aufgaben der jüdischen Frau“ sprach. Frau Pomeranz ging vom Chanukahfeste aus und besprach in einstündiger, von Beifallsstürmen unterbrochener Rede, die Bedeutung der jüdischen Frau für die Renaissance des jüdischen Volkes, wies nach, daß das wichtigste nationale Betätigungsfeld der jüdischen Frau die Erziehung eines stolzen national-bewußten Geschlechtes sei und forderte die jüdischen Frauen zu energischer Arbeit im Dienste des Zionismus auf. Donnernder Beifall belohnte ihre Ausführungen. Zum Schlüsse dankte die Ehrenpräsidentin des Vereines, Frau Dr. Sidonie K o h n, in tiefgefühlten Worten für die vortrefflichen belehrenden und anspornenden Ausführungen. Freiberg. (Mähren.) Am 1. Jänner fand hier eine Makkabäerfeier statt, die sich zu einer imposanten Kundgebung der ganzen jüdischen Bevölkerung gestaltete. Zum erstenmale geschah es, daß in dieser Stadt, einer Hochburg der Assimilation, sich die jüdischen Bürger zu einer nationalen Feier aufrafften, dank dem liebenswürdigen Entgegenkommen eines Damenkomitees und der regen Agitation, der um diese Zeit hier weilenden jüdischen Studentenschaft. Dem Feste voran ging ein Festgottesdienst, dessen würdiger Verlauf der umsichtigen Tätigkeit des hiesigen Kantors Gg. Löwenrosen zuzuschreiben ist. Bei der darauffolgenden nationalen Feier hielt unser Gg. Herr Rabbiner Dr. Mandl eine schwungvolle, mit viel Beifall aufgenommene Ansprache, welche die Zuhörer mit den Tendenzen des Zionismus bekannt machte Nach einer längeren Akademie, geleitet von den jüdischen Studenten, folgte ein Tanzkränzchen. Für den Nationalfonds lief, infolge der tüchtigen Sammelarbeit des Gesinnungsgenossen Hein aus Neutitschein, eine hübsche Summe ein. Hoffentlich wird dieser erste Erfolg weitere mit sich bringen. Graz. Am 26. Dezember 1910 hielt der Verein „Jischuw Erez Israel“ seine Makkabäerfeier in den Armensälen ab. Gg. Herr Dr. Otto Abeles-Wien hielt die Festrede, in der er das alte und neue Makkabäerturn pries. Ein Studentenchor sang hierauf die Hatikwah. Als Vortragende ernteten stürmischen Applaus die Koloratursängerin Frl. Elly Nardini, der Komponist und Klaviervirtuose Herr Baron Zois und der Schauspieler Herr Egon Brecher von den vereinigten städtischen Bühnen. Ein kleines Orchester, aus Studenten zusammengesetzt, errang sich mit seinem Spiele ebenfalls lebhaften Applaus. Tanz beschloß die Feier, die als sehr gelungen bezeichnet werden darf. Der Reinertrag fällt der Siedlungsgenossenschaft zu. Triest. Am 17. v. M. veranstaltete der Circolo sionistico eine Makkabäerfeier, die einen glänzenden Verlauf nahm. Die formvollendete Festrede hielt der Herausgeber des Corriere israelitico, Gg. Rabb. Dante Lattes, der in beredten Worten die Bedeutung des Festes schilderte. Dank der Mitwirkung der Damen Frl. Baruch, Gentilomo und Schönberger wurden mehrere Hundert N. F.-Karten verkauft. Das unermüdlich tätige Vergnügungskomitee arrangierte einige Scherztänze, die ungeteilten Beifall fanden. Die zahlreich erschienenen Festgäste blieben bis in den früheren Morgenstunden beisammen. Die erhebende Feier schloß mit der Absingung der Hattikwoh, welche Gg. Slavko J e 11 in e k am Klavier meisterhaft erklingen ließ. Am 14. Jänner veranstaltet der Circolo sionistico zu Gunsten des Comitato d’ainto pergli emigranti ebrei russi im Saale des Staatsbeamten-Kasinos ein Wohltätigkeitskonzert Neunkirchen. Der hiesige Verein „Ahawath Zion“ veranstaltete am 25. Dezember 1910 eine Makkabäerfeier, die einen überraschend glänzenden Verlauf nahm. Der große Saal konnte nicht die zahlreich erschienenen Festgäste fassen. Der massenhafte Besuch ist uns der beste Beweis für das rege Interesse, das man dem Zionismus in unserem Orte und in unserer Umgebung entgegenbringt. — Unter den Gästen waren auch erschienen: Eine Abordnung der Neunkirchner Kultus-Gemeinde, veitreten durch den Präsidenten Herrn Dr. Adolf Grüner, den Tempel-Vorständen Herrn Max Maier und Herrn Simon L ö w y und den Beirat Herrn Moritz S t ö ß 1, ferner Vertretungen der Neunkirchner Chevra- Kadischa, des Bruder-Vereines „Agudath Zion“ aus Mattersdorf, des „Jüdischen BildungsundGeselligkeits-Vereinesaus Mödling“ etc. Obmannstellvertreier Herr Heinrich Moses, begrüßte die Festgäste, dankte vor allem seiner Ehrwürden Herrn Rabbiner Wilhelm Reich aus Baden und Gg. Dr. Hugo Zucker mann aus Wien und hob in beredten Worten die Bedeutung der heutigen Feier hervor. Den Festprolog sprach Frl. Mina Maier aus Neunkirchen. Hierauf ergriff Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Reich das Wort. In seiner glänzenden Rede entrollte er vor unseren Augen das Bild der Entwicklung des Judentums bis auf unsere Tage. In warmen Worten gedachte er auch unseres seligen Herzl, als den Begründer der jüdischen Renaissance. Frl. Paula A11 aus Neunkirchen rezitierte „Juda Makkabis Gebet“. Herr Dr. Hugo Zimmermann hielt eine inhaltsreiche, formvollendete Rede. Darselbe schilderte die Heldentaten der Makkabäer und erinnerte auch an die Makkabäer der Jetztzeit. Sämtliche Mitwirkende wurden stürmisch begrüßt und ihre Leistungen mit lebhaftem Beifall und großer Begeisterung aufgenommen. Nach Absingung der „Hatikwah“, mit Klavierbegleitung des Frt. Ida Moses, endete diese würdige und stimmungsvolle Feier. Auch wurde eine Sammlung für den Jüdischen Nationalfonds veranstaltet. Im Anschlüsse an diese Festlichkeit fand ein Tanzkränzchen statt. Prag. Am 26. Dezember fand hier die Makkabäerfeier des jüdischen Volksvereines statt. Sie war eine imposante Demonstration des zionistischen Gedankens, allem hämischen und feindseligen Gezisch zum Trotz. Mehr als 600 Festgäste hatten sich eingefunden. Der Obmann des Volksvereines, Herr Advokat Dr. Ludwig Singer begrüßte in schwungvollen Worten die Erschienenen. Unter Assistenz des gesammten Tempelchors nahm Herr Kantor M. Kaufmann die Festweihe in eindrucksvoller und erhebender Weise vor. Als er mit innigem Empfinden und verständnisvoller Hingabe einige jüdische Volkslieder sang, durchbrausten tosende Beifallsstürme den weiten Saal. Als ausgezeichnete Klaviervirtuosin brillierte Frl. H. B e r a n u. a. mit Liszts Tarantella und ein von Frl. Josa Lekner gesungenes Solo, brachte deren schöne Stimmittel zur vollen Geltung. Herr Hauptmann J. Pick erntete reichen Beifall mit seiner vorzüglichen Rezitation Rosenfeldscher Gedichte und auch Herr Paul Brandfeld fand mit schönen Deklamationen allseitige Anerkennung. Die würdige Feier wurde durch den vom gut geschulten Tempelchor — dem hier übrigens ausdrücklich volle Anerkennung gezollt sei — zum Vortrage gebrachten Choral „Die Zeder“ geschlossen. Wien. (Jüdisch-politisches Seminar.) Einem vielfach geäußerten Wunsche folgend, hat unser sehr geschätzter Gg. Herr Dr Hermann Kadisch in den verflossenen fünf Wochen Vorträge aus dem Komplexe der aktuellsten Zeit- und Streitfragen der jüdischen Moderne gehalten und damit eine klaffende Lücke in der Erziehung und Ausbildung unserer Jungmannschaft ausgefüllt Die behandelten Themen waren: Die nationale, die soziale und die Judenfrage in ihren Wirkungen und’ Zusammenhängen. Bei Behandlung der nationalen Frage lieferte der Vortrageude eine plastische Darstellung der verfassungsgeschichtlichen Entwicklung Oesterreichs seit dem Jahre 1848 mit seinen staatsrechtlichen Irrtümem: dem Zentralismus, doppelzentralistischen Dualismus und reinem Länderautonomismus, weiters des infolge der nationalen Wirren verursachten Niederganges des Parlamentarismus und der auf radikale Verfassungsrevision ebenfalls drängenden auswärtigen und Handelspolitik unseres

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