Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 4 (1910)
- Issue
- 51 (23.12.1910)
- Date
- 1910-12-23
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 51 trauensmänner zuzuschreiben sind. U. a. habe das | Hauptbureau die Broschüre Oppenheimers „Genossenschaftliche Siedlung in Palästina“ in 16.000 und die Flugschrift „Codenreform in Alt- und Neu- Israel“ in 20.000 Exemplaren herausgegeben. Außerdem sind auf unsere Veranlassung Uebersetzungen dieser Agitationsschriften in verschiedenen Sprachen seitens der Sammelstellen herausgegeben worden. Dr. Bodenheiiner berichtete ferner über die vorgenommene bezw. noch verzunehmende Reorganisation der Sammelstellen in Amerika, England und Frankreich. Schließlich berichtete der Vorsitzende über die Ausführung früherer Beschlüsse des Direktoriums betreffs verschiedener Unternehmungen in Palästina. Oppenheimersche Siedlungsgenossenschaft. Der für diese Siedlungsgenossenschaft erforderliche Boden ist bereits erworben und provisorisch in Bewirtschaftung genommen worden. Es ist nach den Erfolgen, die Dr. Oppenheimer bei seinen Agitationsreisen in Deutschland, Oesterreich, Belgien und England erzielt hat, bezw. noch erzielen wird, anzunehmen, daß die Summe von M. 100.000 in nächster Zeit aufgebracht sein wird, so daß im Frühjahr die Installierung der Genossenschaft erfolgen kann. Eine bewährte Kraft ist bereits engagiert, und auch erprobte Vorarbeiter sind vom Palästinaamt bereits ausgewählt. Im Oktober wurde der Genossenschaftsfonds als „Erez-lsrael“ Siedlungsgenossenschaft rm b. H. konsumiert, wodurch die Herausgabe von Anteilscheinen ermöglicht und die weitere Agitation erleichtert wird. Arbeitergenossenschaft Um-Djuni. Diese von der P. L. D. C. begründete Genossenschaft, welcher der Nationalfonds ein Darlehen von 12.000 Frcs. gewährt hatte, schloß das erste Jahr nach einem Berichte des Palästinaamtes sehr erfreulich ab und berechtigt zu den besten Hoffnungen. Die vorläufigen guten Resultate dieses ersten kleinen Versuches einer genossenschaftlichen Siedlung in Palästina bilden ein gutes Omen für unsere neue Oppenheimersche Siedlungsgenossenschaft. Ansiedlung jemenitischer Juden in Ben-Schamen. Die Häuser und die Werkstatt für die jemenitischen Filigranarbeiter des „Bezalel“, für welche der Nationalfonds 20.000 Frcs. als Darlehen bewilligte, sind zum Teil bereits erbaut und dürften bis Ende Dezember von den Arbeitern bezogen werden. Mit dieser Kolonie wird ein vielversprechender Versuch auf Nationalfondsboden unternommen. Ausbau des Teppicbateliers im „Bezalel“. Der schöne Neubau schreitet der Vollendung entgegen und wird den Wert des Nationalfondsbesitzes wesentlich erhöhen. Arbeiterhäuser. Aus dem vom Nationalfonds bewilligten 20.000 Frcs. wird in Uebereinstimmung mit den Vertretern der Arbeiterschaft ein Ledigenheim in der Kolonie Chederah und ein zweites in Pethach- Tikwah errichtet Die Verwaltung der erstgenannten Kolonie hat den Boden zur Verfügung gestellt und besorgt außerdem die Zufuhrarbeiten für den Bau, während sich Pethach-Tikwah mit einem Beitrag von 600 Frcs. beteiligt. Beschlüsse. Nach diesem Bericht beschloß das Direktorium gemäß dem Vorschläge des E. A. C., den David und Fanny Wolffsohn-Fonds formell an den Jüdischen Nationalfonds anzugliedem und sprach dem E. A. C. und Herrn Wolffsohn seinen Dank aus. Die ersten aus dem Wolffsohn-Fonds zu erbauenden Häuser, von denen eine Anzahl sich bereits im Bau befindet, verteilen sich auf mehrere Kolonien :Rechoboth und Pethach-Tikwah erhalten je fünf, Wadi- Chanin ein und Rischon Le Zion vier Arbeiterhäuser. Das Direktorium faßte noch eine Reihe wichtiger Beschlüsse betreffend die Nationalbibliothek und verschiedene Transaktionen, die die Mittel, welche dem Nationalfonds für die Arbeit in Palästina zur Verfügung stehen, nunmehr größtenteils erschöpfen dürften. Es wurde deshalb dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß im Hinblick darauf mit aller Kraft für die Vermehrung der Nationalfondseingänge gearbeitet werden müsse, wenn dem Zionismus nicht überaus günstige, selten wiederkehrende Gelegenheiten verloren gehen sollen. Es sei darum an dieser Stelle an alle Vertrauensmänner und Freunde des Jüdischen Nationalfonds der dringende Appell gerichtet, mit größerem Eifer denn je für unseren Fonds zu agitieren, damit er alle sich im Lande unserer Väter ihm darbietenden Gelegenheiten rechtzeitig ausnützen kann. Sitzungen des Genossenschaftskomitees. Aus Anlaß der A. C.-Sitzungen in Berlin fanden auch Beratungen des Genossenschaftskomitees statt, an denen die Herren Dr. Bodenheimer, Dr. Oppenheimer, Prof. Warburg und die Sekretäre N. Groß und A. Awadiowitz teilnahmen. Gegenstand der Verhandlungen bildete die Bewirtschaftung des gekauften Bodens, die Anstellung desLeiters und eine Reihe von organisatorischen und propagandistischen Arbeiten. Mit großem Interesse wurde ein Bericht des Herrn Dr. Oppenheimer über die Gründung einer jüdischen Handwerkerkolonie, deren Mitglieder aus Glasgow nach Palästina einwandern und sich in der Nähe der künftigen Siedlungsgenossenschaft ansiedeln werden, entgegengenommen. Es hat sich zu diesem Zwecke bereits in Glasgow ein Verein „Oale Zion“ gebildet, mit dem Herr Dr. Oppenheimer bei seiner Anwesenheit dort bereits verhandelt hat. Hierüber wird Dr. Oppenheimer demnächst in der „Welt“ Näheres mitteilen. Jubiläum des „Jeschurun“ in Truppau. Die Festversammlung. Am 7. und 8. d. M. fand in Troppau das 10jährige Gründungsfest des Zionistischen Vereines „Jeschurum“ statt, dessen würdiger Verlauf die Veranstalter für ihre Mühe reichlich entlohnte. Am 7., abends, fand im Drei Hahnensaale eine große Festversammlung statt, welche eine imposante Manifestation vor einer stattlichen Anzahl von Fremden und einheimischen Gästen bedeutete.Von zahlreichen Verbänden und Vereinen sowie von vielen Größen der zionistischen Bewegung waren Glückwunschtelegramme eingelaufen, die gar oft rührige Arbeit und den derselben entsprechenden Erfolg des jubilierenden Vereines hervorhoben. Der Obmann Gg. F. Weinreb eröffnete die Festversammlung und erteilte hierauf Gg. Dr. E k s t e i n das Wort zur Festrede, der in längerer Ausführung in glänzender und packender Weise den Werdegang des Vereines besprach und in treffenden Worten die Bedeutung des Zionismus den Zuhörern vor Augen führte. Hierauf folgte eine hochinteressante überaus geistsprühende Rede des Dr. Leon Reich aus Lemberg, der die Festgäste zu stürmischen Ovationen veranlaßte. Seine Worte galten im Wesen dem Zionismus als Brücke zwischen Ost- und Westjudentum, deren Errichtung man vor dem Entstehen der Bewegung als Ding der Unmöglichkeit erachtet hätte, worauf der Redner die Bedeutung des Zionismus im Allgemeinen in überaus geistreicher Weise beleuchtete und mit den Worten schloß: „Zu verlieren haben wir nichts als drückende Ketten, zu gewinnen ein Vaterland!“ Nach Dr. Reich sprach R.-Abg. Stand, dessen in jeder Hinsicht vollendete Rede bei den Festgästen einen mächtigen Eindruck hinterließ. In gewohnt zu Herzen gehender Weise sprach Dr. Otto A b e 1 e s namens des zionistischen Zentralkomitees für Westösterreich. Es folgte nun die Begrüßungs- und Glückwunschrede des Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Troppau, Dr. S o n n e n s c h e in, der hervorhob, daß die Kultusgemeinde gern mit den Zionisten arbeite, die eine würdige Vertretung im Ausschüße derselben bilden und mit dem Wunsche steter Eintracht der offiziellen Vertretung der Gemeinde mit den Führern des Zionismus in Troppau schloß. Als Vertreter der Bnei Brith Loge „Silesia“ in Troppau beglückwünschte Dr. Singer mit warmen Worten den „Jeschurun“. Es sprach hierauf namens der „Zionistischen Vereinigung in Deutschland“ Dr. Stahl in schwungvoller Rede und Zahnarzt Block im Namen des oberschlesischen Gruppenverbandes insbesondere der Ortsgruppe Ratibor u. a. m. — Hernach gelangte unter großem Beifalle eine Ergebenheitsadresse an das Engere Aktionskomitee nach Köln folgenden Wortlautes zur Annahme: „Die aus Anlaß des 10 jährigen Stiftungsfestes des zionistischen Vereines „Jeschurun“ in Troppau versammelten Zionisten entbieten dem hohen Aktionskomitee und insbesondere dessen hochverehrtem Präsidenten David Wolffsohn ihren ergebenen Gruß. Sie benutzen diesen Anlaß, ihr Gelübde treuer Gefolgschaft begeistert zu erneuern und versichern, im Sinne ihrer hohen Aufgabe auch fernerhin wirken zu wollen.“ Zu erwähnen wären auch drei von Gg. Kantor Schlesinger einstudierte Doppelquartettgesänge, die reichlich Beifall fanden. Mit den Klängen der „Hatikwah“ schloß die Versammlung, die bei allen Gästen einen tiefen Eindruck hervorrief. Bezalelausstellung. Am 8. um 10 Uhr vormittags fand ein gemeinsamer . Besuch der in Verbindung mit dem Gründungsfeste veranstalteten Bezalelausstellung statt, über deren glänzendes Ergebnis in der letzten Nummer berichtet wurde. Das Bankett. Mittag vereinigte sich eine ansehnliche Zahl von Gästen bei einem rituellen Bankett, dessen glänzendes Gelingen in erster Linie den Arrangeuren Frau Spiegel, Frau F i n z i und Gg. Schlesinger zu verdanken ist. Auch hier hatte sich der Kultuspräsident eingefunden, dessen Unterstützung von Gg. Finzi in warmen Worten hervorgehoben wurde und der auch ebenso herzlich erwiderte. Gg, Rabb. Dr. Friedmann sprach hierauf in eindrucksvoller Weise über Ziele und Zweck des Zionismus sowie über die Bedeutung der Religion für die Bewegung. R.-Abg. Stand hob den seltenen Umstand hervor, daß ein nichtzionistischer Kultuspräsident dem Zionismus so verständnisvoll gegenüberstehe und bezeichnete Dr. Sonnenschein unter den Zionisten zwischen Stand und Dr. Reich scherzend als Daniel in der Löwengrube. Auch Doktor Reich ergriff das Wort und widmete wie Doktor Zweig einige Worte dem Wirken des „Jeschurun“, daß sich am besten in den herrlichen Früchten offenbare. Letzterer gedachtete insbesondere der drei Gründungsmitglieder Weinreb, Dr. Eckstein und Schwarz, die in rastloser, um Mißerfolge unbekümmerter Arbeit den Verein zur heutigen Höhe brachten. Es sprachen dann noch Dr. Lichtwitz namens des mährisch-schlesischen Distriktskomitee, namens der Vereine „Zion“ in Oderberg Gg. Zänker, in Jägerndorf Dr. S i n g e r, in Ung. Hradisch Prof. Lieben, für den jüdischen Turnverein in Proßnitz Gg. Grabscheid. Abends fand ein Promenadekonzert mit anschließendem Tanze im blau-weiß dekorierten Drei Hahnensaale statt, welches äußerst animiert verlief. Der „Jeschurum“ hat alle Ursache, mit dem Ergebnisse seines Gründungsfestes zufrieden zu sein. Wer auf eine so segensreiche Arbeit zurückblicken kann, wenn soviele Sympathien und Verständnis für seine Bestrebungen entgegengebracht werden wie dem „Jeschurun“ in Troppau und in der Bewegung, der hat wahrlich ein schönes Stück Gegenwartsarbeit vollbracht und der findet reichlich Genugtuung für die durch heißen Kampf erschwerte Arbeit in der achtunggebietenden Position, die er sich errungen hat. Die Festschrift. Anläßlich des 10 jährigen Gründungsfestes des „Jeschurun“ in Troppau gelangte eine Festschrift zur Herausgabe, die folgende Beiträge enthält: Dav. Wolfsohn, Köln: An den zionistischen Verein „Jeschurun“ in Troppau; Dr. Fritz Ekstein: Zehn Jahre „Jeschurun“; Dr. Theodor Sonnenschein, Troppau: Beitrag zur Geschichte der Juden in Troppau; Ernst Sommer: Theodor Herzl; Dr. Siegmund Werner: Herzl der Heros; zwei Radierungen von Hermann Struck in Berlin; Dr. O. Thon, Krakau: Woher und wohin? Otto Abeies, Wien: Chanukabescherung; Dr. Franz Oppenheimer, Berlin: Aus „Theorie der reinen und politischen Oekonomie“; Marek Scherlag, Wien: Die Jugend; Dr. Alexander Hausmann, Lemberg: Bezalel; Dr. Egon Zweig: Nationalfonds- Miszellen; Ad. Böhm, Wien: Die Bedeutung der Palästinaarbeit. Die inhaltlich und äußerlich prächtige Festschrift ist durch Gg. Gustav Finzi in Troppau für K 2.— zu beziehen. Parteinachrichten. Ein zionistisches Massenmeeting in Berlin. Aus Berlin wird uns geschrieben: In dem von mehr als 1500 Personen besuchten Saale des Etablissement Tiergartenhof fand am 14. Dezember eine imposante jüdische Volksversammlung statt, die sich zu einer ergreifenden Kundgebung für den zionistischen Gedanken gestaltete. Auf der Tagesordnung stand ein Vortrag des Herrn Rechtsanwalt Dr. Klee über das Thema: „Der Zionistenführer und sein Werk“. In mehr als einstündiger Ausführung entrollte der durch seine unermüdliche Tätigkeit bei den Berliner Jüdischen Gemeindewahlen in den weitesten Kreisen bekannte Redner ein großzügiges Bild von dem Leben und Schaffen des größten Staatsmannes und Organisators des Judentums, TheodorHerzI, und des Werdens und Blühens des zionistischen Gedankens. Unter brausendem Beifall der Versammlung zeichnete er besonders den Einfluß der zionistischen Idee auf das Erstarken des Judentums, zeigte er, wie der Zionismus die dem Judentum entfremdeten Teile des Volkes zur Erkenntnis des hohen Wertes der altjüdischen Idee gebracht hat und wie dadurch bei dem religiös empfindenden Menschen auch das religiöse Judentum wieder neu zur Blüte gebracht worden ist. Der Zionismus sei eine fortschrittliche Freiheitsbewegung, fern von aller Reaktion, sie weise aus dem geistigen und politischen Ghetto den Weg ins Freie. Es sei charakteristisch, daß