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Jüdische Zeitung · 1910-12-02 · 48 (2.12.1910) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
4 (1910)
Issue
48 (2.12.1910)
Date
1910-12-02
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 48 fest zugesagt und hervorragende Gg. aus nah und fern, darunter mehrere Mitglieder des A. C., westösterr. Z. K., innerösterr. D. K., westgal. .D. K., wie auch des oberschles. Gruppehverbandes ihre Teilnahme angekündigt. Auch zu dem Bankett erfolgten bereits viele Anmeldungen. Weitere schriftliche Anmeldungen sind an Herrn Albert Schlesinger, Troppau, zu richten. Anläßlich des Gründungsfestes wird der jüdischen Oeffentlichkeit eine äußerst geschmackvolle und künstlerisch ausgestaltete Festschrift übergeben, welche bereits ihrer Vollendung entgegengeht. Die Beiträge, darunter solche von D. Wolffsohn, Doktor Oppenheimer, Adolf Böhm, Dr. O. Thon, Dr. Egon Zweig, Marek Scherlag, Dr. Werner, Hermann Struck, Dr. Theodor Sonnenschein, Kultusvorsteher der hiesigen Kultusgemeinde, Dr. Fritz Ekstein etc. haben einen bleibenden Kunstwert. Am 3. Dezember d. J. wird die vom D. K. veranstaltete Bezalelausstellung eröffnet werden, für die sich schon jetzt in allen Kreisen das lebhafteste Interesse kundgibt, sie verdient schon dadurch, daß sie die größte und reichhaltigste aller bisher veranstalteten Bezalelausstellungen sein wird, ganz besondere Beachtung. * * * Hebräisch-Kurse in Wien. Angesichts des gesteigerten Interesses an der Wiedererweckung der hebräischsn Nationalsprache hat das zionistische Zentral-Komitee beschlossen, mit Unterstützung der akad. Vereinigung für hebräische Sprache und Kultur „Haf chijah“ hebräische Sprachkurse zu veranstalten, welche den Zweck haben Sollen, sowohl Erwachsene in die hebräische Sprache und Literatur einzuführen, als insbesondere der heranwachsenden Jugend, der heute im Unterrichte nur spärliche Brocken der eigenen Nationalsprache übermittelt werden, die Gelegenheit -zu bieten-, in das reiche Leben dieses Volksgutes einzudringen. Die Kurse, deren Leitung tüchtigen Kräften übertragen wird, finden statt: 1. für Erwachsene, 2. für junge Leute von 16 bis 20 Jahren, 3. für Knaben und Mädchen von 12 bis 16 Jahren. Der Unterricht soll zum Teile nach der Berlitz-Methode (Sprechkurse), teilweise in Form von Lektüre aus älterer und neuerer Literatur erteilt werden. Als Aussprache ist die aus wissenschaftlichen, ästhetischen und praktischen Gründen immer mehr gebräuchliche, sephardisch-spagniolische vorgesehen. Als Lokal wird der Saal des Jüdischen Nationalfonds, Wien, IX., Türkenstraße 9, zur Verfügung stehen. Wir werden Näheres noch mitteilen und bitten, da die Einteilung der Kurse von der Zahl der Kursteilnehmer abhängt, Anfragen und Anmeldungen ehest an uns gelangen zu lassen. Zionistisches Zentralbureau, Wien, IX., Türkenstr. 9. Die Volkszählung und die jüdische Studentenschaft. Mittwoch, den 23. d. M., veranstaltete die Wiener Vereinigung „Bar-Kochba“ eine Studentenversammlung, in welcher die Volkszählung am 31. Dezember d. J. und die von der jüdischen Studentenschaft einzunehmende Haltung besprochen wurde. Der Referent, Herr S. Kaplansky-Kaplan erklärte in einem anderthalbstündigen Vortrage die Bedeutung der Volkszählung für die Juden und die jüdische Politik. Er verglich die Methode bei den in Oesterreich vorgenommenen Erhebungen mit denen in anderen Staaten und kam zum Schlüsse, daß die geltende Bestimmung, Erhebungen über die Umgangssprache zu pflegen, allen wissenschaftlichen Grundsätzen widerspreche und es besonders den Juden unmöglich mache, sich zu ihrem Volkstum zu bekennen. Die Ausführungen des Referenten wurden stürmisch akklamiert und die von ihm vorgeschlagene Resolution einstimmig angenommen. Die Resolution lautet: Die am 23. November d. J. im Hotel Post abgehaltene Versammlung jüdischer Studenten erklärt: Die Ermittlung der „Umgangssprache“ bei der allgemeinen Volkszählung bedeutet eine Verdunkelung und Verschleierung der nationalen Machtverhältnisse Oesterreichs, insbesondere für die Juden ist diese eigenartige Evhebungsmethode gleichbedeutend mit ihrer Zuzählung zu fremden Nationen, wobei dieses Unrecht gefördert wird durch dieUnterdrückungder von 930.000Juden gesprochenen jüdischen Sprache. - Die Versammlung erhebt Einspruch gegen eine Zählungsmethode, die'wissenschaftlicher Kritik nicht Stand halten kann, und geeignet ist, den Kampf des jüdischen Volkes in Oesterreich um seine nationale Gleichberechtigung zu hemmen und verlangt die Ersetzung der Rubrik „Umgangssprache“ durch die Fragen „Muttersprache“ und „Volksstamm“ (Nationalität). Die Versammlung fordert die Studentenschaft allerorten auf, bei der Volkszählung am 31. Dezember d. J. tatkräftig dafür einzutreten, daß alle österreichischen. Juden, in erster Linie die Galiziens und der Bukowina, die sich in jüdischer Sprache verständigen können, die Rubrik Umgangssprache mit „jüdisch“ ausfüilen. Die Juden aber die jüdisch weder sprechen noch verstehen, mögen zum Zeichen des Protestes gegen die Umgangssdrachenrubrik, die sie zum Werkzeuge nationalen Haders und nationaler Herrschaftsgelüste erniedrigt, die Rubrik mit „nicht landesüblich“ ausfüllen. Als zweiter Referent forderte Herr M. W al dm a n n die Studentenschaft auf, in die äußerst dringende und für die Juden wichtige Aktion mit allen Kräften einzugreifen und legte der Versammlung eine Reihe von Vorschlägen vor, welche Annahme fanden. Auf Vorschlagdes Herrn Theodor Koh <> wurde der Vorsitzende der Versammlung, Herr Schmerak, aufgefordert, eine Obmänner-Konferenz einzuberufen, die sich mit der Durchführung der Aktion zu befassen, wie mit allen kompetenten Faktoren in Verbindung zu setzen hätte, um eine Einheitlichkeit in der Leitung zu erzielen. Rußland. Die finnländischen Juden bleiben weiter rechtlos. Petersburg, 28. November. (Tel.) Die russische Regierung hat in der Duma eine Gesetzesvorläge, eingebracht, rin-der dieGleich-' berechtigung aller russischen Bürger in Finnland anerkannt wird. Die Juden Finnlands sind aber von dieser Begünstigung ausgeschlossen. Für sie bleiben die alten Begrenzungen weiterbestehen. Die jüdische Sprache von der Duma anerkannt. Petersburg, 29. November. (Tel.) Abgeordneter Miljukow sprach sich in der Duma in der Debatte über die nichtrussischen Schulen in längerer Rede für die Anerkennung der jüdischen Sprache aus. Daraufhin wurde die jüdische Sprache von der Duma anerkannt und den’ anderen nichtrussischen Sprache gleichgestellt. Zeitschriften und Bücherschau. Die jüdischnationale akad.-techn. Verbindung „Barissia“ im K. P. J. V. hat beschlossen, zur Feier ihres 15. Semesters der zionistischen Welt zum 10. Kongreß ein Geschenk in Form einer Neuaufage des seit vielen Jahren vergriffenen Protokolls des I. Zionistenkongresses zu widmen. Die vorbereitenden Arbeiten wurden bereits in Angriff genommen. Die Chazaren. Historische Studie von Hugo Freiherrn von Kutschera. Ein Nachlaß. 2. Auflage. Wien. A. Holzhausen. 1910. Eine mühsame Arbeit des im Vorjahre verstorbenen Sektionschefs v. Kutschera. Für die historische Forschung wohl nicht allzu bedeutend, für uns aber von besonderem Interesse. Es ist nicht leicht, bei den spärlichen Quellen, die uns von den Chazaren berichten, eine genaue Darstellung des Lebens und des Unterganges dieses Volkstammes zu geben. So spielt denn auch die Kombination in diesem Buche eine große Rolle und diese entschuldigt ja der bescheidene Untertitel „Studie“. Allerdings müssen wir das, worauf es dem Verfasser gerade ankommt, daß nämlich die heutigen „polnischen Juden“ Reste der ehemaligen Chazaren bilden, wenn auch nicht strikte ablehnen, so doch sehr in Frage stellen. Da liegt uns doch der Gedanke an eine Einwanderung aus Deutschland oder Böhmen zur Zeit der Verfolgungen, wofür wir ja auch in der Sprache ein Dokument finden, viel näher. Jedenfalls bietet die glänzende Darstellung der Anfänge des Chazarenreiches, die Bekehrung der Chazaren zum Judentum (7. Jhd. n. Chr.), die Blütezeit des Reiches unter dem jüdischen König Josef (bekannt durch seinen Brief an einen spanischen Hofjuden) und der Untergang der Chazaren durch die Tartarenherrschaft mannigfache Anregung und der Autor verdient es, auch wegen seiner fesselnden Darstellungsweise viel und ernst gelesen zu werden. Palästmanachrichten. Neues aus Chedera. ln unserer Kolonie waren in letzter Zeit Streitigkeiten ausgebrochen, da man sich über die Personen des neu zu wählenden Waad (Gemeinderates) nicht einigen konnte. Auch sachliche Differenzen bestanden darin, daß ein Teil der Kolonisten die allgemeinen Ausgaben der Kolonien zu hoch fand. Dadurch das Fehlen; eines von beiden Parteien anerkannten Waad sich große Uebelslände ergaben, wandten sich schließlich beide Parteien an das Beth-Mischpat Haschalom (Friedensgericht) in Jaffa mit der Bitte, drei Richter nach Chedera zu entsenden, um den Frieden herzustellen. Dies ist den Richtern auch gelungen und ein neuer Waad, der die Zustimmung der gesamten Kolonie gefunden hat, ist bereits gewählt. Auch in den sachlichen Streitigkeiten ist eine vollständige Einigung erzielt worden. _ Die Reise Baron Ed mond Rothschilds nach Palästina. Baron Edmond Rothschild ist im Begriffe nach Palästina abzureisen, um mit Erlaubnis der ottomanischen Regierung Ausgrabungen an der vermutlichen Stätte der jüdischen Köi igsgräber zu veranlassen. Sein Veitreter, ein berühmter französischer Archäologe, ist bereits in Jerusalem artgekommen. Es ist wahrscheinlich, daß der Baron,"dem die jüdischen Kolonien Palästinas so viel zu”verdanken haben, die Gelegenheit seines Besuches in Palästina benutzen wird, um die Kolonien zu besichtigen und die Möglichkeit einer Ausdehnung des Kolonisationswerkes in Palästina und anderen Teilen der asiatischen Türkei zu studieren. Vereins-u. Versammlungs- Nachrichten. Voranzeigen. Beda-Abend. Der Sportklub „Hakoah“ veranstaltet Montag, den 5. Dezember im Festsaale des des Hotel Post einen Beda-Abend. Ihre bestimmte Mitwirkung zu demselben haben freu'ndl. zugesagt: Frl. Trude V o i g t („Hölle“), Komponist Dr. Leo Ascher, Viktor Franz (Neue Wiener Bühne), Paul Morgan (Theater in der Josefstadt), Beda. Karten ä 3, 2, 1 K zu haben im Cafe Jägerhof, Cafe Marienbrücke und an der Abendkasse. Wien. (Verein zionistischer Hochschüler iTheodor Herzl“, VIII. Lenaugasse 7, Hof). Die beiden hebräischen Sprachkurse werden von nun an nach Uebereinkunft an folgenden Tagen stattfinden. Der zweistündige Kurs für Anfänger, unter der Leitung des Bb. med. Rosenbaüm jeden Dienstag und Freitag von 6-7 Uhr abends. Der einstündige Kurs für Vorgeschrittene wird jeden Samstag von 6—7 Uhr geleitet durch' A. H. Dr. Ernst Müller. Das Seminarprögramm für diese Woche lautet: Freitag, den 2. Dezember: Zoll sch ans Rassenproblem. Referent Bb. Herrmarin. Samstag, den 3. Dezember: Seminar für J ü d is c h e Kultur. A. H. Dr. Ernst Müller. Dienstag, den 6. Dezember: Der Aufstand unter Bar- Kochba. Referent Herr Fritz Winter. M i 11woch, den 7. Dezember: Seminar für Jüdische Literatur. Reisevorlesung Herr Meier Grosser. Freitag, den 9. Dezember: S. Lublinski über das Christentum. Referent Herr Bader. Samstag, den 10. Dezember: Berschadski als. Erzähler. Referent Herr J. A. Lubetzki. Beginn sämtlicher Vorträge um 7 Uhr abends. Wien. („Neß-Zionah.“) Dienstag, den 6. Dezember d. J., S Uhr abends, findet im Klublokale, Cafe Mocca, 1. Schottenring 12, ein Vortrag des Herrn David Nebenzahl über „Der Unsterblichkeitsglaube bei Juden und anderen Völkern“ statt. Die Gg. werden ersucht, pünktlich und zahlreich zu erscheinen. Gäste (auch Damen) herzlich willkommen. Aussig. Am 3. Dezember veranstalten die Prager jüdischnationalen Verbindungen in Aussig eine Makkabäerfeier, bei der R.-Abg. Dr. Arthur Mahler die Festrede halten wird. Wien. (Hebräischer Konversationsklub „lbriah“.) Samstag, den 3. d. M., findet imCafeBrammer, IX. Liechtensteinstraße 1, ein Vortrag des Gg. Gelber über das Thema: „1 sak Ben Lewinsohn“ statt, Anfang präzise 8 Uhr abends. Gäste herzlichst willkommen.; Wien. („Hasomir“, Verein zur Förderung jüdischer Literatur und Kunst.) Mittwoch, den 7. Dezember 1910 findet im Souterrainlokale des Cafe Concordia, 1. Concordiaplatz, ein literarischer Abend mit folgendem Programm statt: 1. Eröffnung durch den Vereinsobmann Schriftsteller J. A. Loubetzky;2. „Hasomir“-Ghor; 3. „AhasversRast und Unrast“ von Bernhard Tag, gelesen vom Verfasser; 4. Vorlesung jüdischer Skizzen; 5. Violinvortrag von A. Bunin, absolvierter Konservatorist; 6. Rezitation jüdischer Gedichte; 7. Jüdische Volkslieder, vorgetragen von den Mitgliedern des jüdischen Theaters; 8. Schlußwort. Beginn präzise halb 9 Uhr abends. Entree frei. Gäste willkommen. Der nächste vom „Hasomir“ im jüdischen Theater II. Taborstraße 12 zu veranstaltende Theaterabend findet Montag, den 12. Dezember 1910 ■statt. Zur Aufführung gelangt: „Muschiachs Zaten“ von Schalom Asch. Karten ä 3, 2, l-50 und I K sind bei allen Ausschußmitgliedern und an der Kasse erhältlich. Jene Mitglieder, die

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