Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitung · 1910-11-11 · 45 (11.11.1910) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
4 (1910)
Issue
45 (11.11.1910)
Date
1910-11-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2438141-2438273-2438318--2149-2441799
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

NHTIDNRL -JUDI5CHE5 DRBPIN KXXK!■■■■ ■ ■ ■■■■■■ ■ ■ ■■■■■■■■ mmmwrm Erscheint wöchentlich. — Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: IX., Liechtensteinstraße 11, Telephon 12299. — Sprechstunden täglich von il—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurückgestellt. — Abonnementspreise: Für Oesterreich-Ungarn: Ganzjähr. K 10.—, halbjahr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr. Mk. 3.—. Für das übrige *************** Ausland ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplarfc20 h. Postsparkassenkonto 104.007. *************** NrJ 45. Wien, Freitag den 11. November 1910. IV. Jahrgang. AUS DEM INHALTE: Ghettodämmerung. Bloch hetzt. Wiener Kultuswahlen. Die Anerkennung der jüdischen Nationalität. Wochenrundschau. Zionistischer Distriktstag für Böhmen. Die Allpolen gegen die Juden. Aus dem jüdischen Leben. Parteinachrichten. Vereinsnachrichten. Ueberläufer. Jüdisch-demokrai. KultuswaMkomitee. Montag, 14. d. M., 8 Uhr abends' findet im Saale des Hotel Franz Josefsbahn IX., Nordbergstrasse 4 eine statt. Referenten: Hofu. Gerichtsadvokat Dr. Jak. Ehrlich, Börsenrat Adolf Brecher. Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. für den Vili. u. IX. Bezirk. Randbemerkungen zum Almanach. Der „Jüdische Almanach 5670“, den die Vereinigung „Bar Kochba“ herausgegeben hat, wurde in diesem Blatte schon kurz besprochen. Seine Fülle ist eine so große, daß eine auch nur ganz allgemeine Uebersicht des Inhaltes der Beiträge eine Broschüre füllen würde. Es ist aber angezeigter, statt einen dünnen Extrakt zu geben, die Lektüre des Buches selbst aufs angelegentlichste zu empfehlen. Dies soll auch der Zweck dieser Zeilen sein, da es auch gar nicht möglich ist, daß ein Einzelner imstande wäre, all die Beiträge verschiedenartigsten Inhaltes richtig zu werten. Ich möchte daher, um die Lust zur Lektüre des Buches anzuregen, nur einige Randbemerkungen zum Almanach machen. Die Idee, ihn zu edieren, war an und für sich eine vorzügliche. Da wir einer periodischen Zeitschrift entbehren, welche sowohl die theoretische Weiterbildung der zionistischen Probleme, als auch die Reproduktion neujüdischer Kunsterzeugnisse als ihr Programm ansehen würde, so hat der Almanach eine merkliche Lücke ausgefüllt. Denn seit dem Erscheinen des ersten solchen Werkes hat sich die Ghettodämnierung. Die Assimilanten, wölche heute noch zum großen Teil die Kultusgemeinden beherrschen, jammern immer, daß wir Zionisten die Juden ins Ghetto zuriickfiihren wollen. Das gerade Gegenteil ist wahr, wir wollen die Juden aus dem Ghetto befreien, in welches sie ihre Kultusmachthaber gesperrt halten. In Wien waren seit der letzten Judenvertreibung durch fast Zwei Jahrhunderte nur eine Handvoll höchstprivilegierter Hoffaktoren und eine etwas größere Zahl tolerierter Juden geduldet worden — mit ihrer Dienerschaft. Wollte einjude, welchernicht den beiden bevorzugten Kasten angehörte, in der Reichshaupt- und Residenzstadt seinen Wohnsitz nehmen und sein Brot für Weib und Kind verdienen, dann, mußte er von einem Privilegierten als Bediensteter, Mesusotanschiäger, „Fleischaussalzer“ und wie diese fiktiven Posten noch hießen — bei der hohen Behörde gemeldet werden und seinem Schutzherrn noch eine Taxe bezahlen. Das Revolutionsjahj\, 1848 warf dies staatliche System der judenknechtung über den Haufen, in den Köpfen der Hof- und tolerierten Juden von anno dazumal und ihrer Nachkommen aber blieb der Dünkel, noch jüdische Knechte unter sich zu haben, festgenistet. Die Privilegierten wollen nicht ertragen, daß die Masse der Juden sich aus ihrer Dienerstellung aufrichtet und in die Verwaltung der Gemeinde etwas mitreden will. Die Paragraphe des Kultusstatutes und der Wahlordnung wurden dazu ausgeklügelt, die Privilegierten an der Macht zur erhalten. Wir Zionisten aber wollen und werden diesen mittelalterlichen Spuk, dieses häßliche Ghetto in der Mitte der jüdischen » zionistische Gedankenwelt in fortwährender Entwicklung ungemein verändert, ist anderseits eine Fülle von neujüdischen Schöpfungen gereift, indes wir all das nur in furchtbar zersplitterter Darbietung erhalten konnten. Demjenigen, der in irgend einer verantwortlichen Stelle steht, der sich also pflichtgemäß mit allem beschäftigen muß, was irgendwie aus der neujüdischen Entwicklung stammt, was sie befördert, beeinflußt etc., ist es kaum möglich, Schritt zu halten, und all die zahllosen Publikationen in den verschiedensten Sprachen sowie all die kulturellen und sozialen Veränderungen im Leben des jüdischen Volkes zu verfolgen, deren Kenntnis ih n allein befähigen würde, klar zu sehen und richtig zu urteilen. Andere aber, die bei aller Begeisterung für die jüdische Renaissance entweder keine Zeit oder nicht genügend Spannkraft haben, neben ihrem Beruf noch die mühsame Arbeit des Nachforschens nach all dem zu leisten, müssen sich auf die Lektüre irgend eines Wochenblattes beschränken, und werden von deren notwendig einseitigem, meist parteipolitischem Inhalt mit der Zeit gelangweilt und ausgehöhlt, wenn sie daneben nicht auch anderes lesen können. Mein alter Lieblingsgedanke: die Schaffung einer neujüdischen Monatschrift, welche die oben skizzierten Aufgaben zu erfüllen hätte, würde, einmal ausgeführt, das Interesse an der jüdischen Gemeinschaft, nicht länger dulden. Fort mit den Klassen und Kasten! Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern. Der reiche Jude, so er zu seinem Volke hält, ist uns brüderlich willkommen, der minderbegüterte aber nicht minder. Die Hüter des Ghettos zittern um ihre Macht, sie lassen alle ihre Preßköter gegen uns los. Das schreckt uns nicht, wir wissen sie kommt, sie ist da die Ghettodämmerung und für uns gibt es nur eine Parole: Vorwärts! Eine vernichtende Abfertigung Blochs durch Präsidenten Wolffsohn. Bloch hat es wieder einmal versucht, seine gegen die Wiener Zionisten gerichteten Verleumdungen dadurch glaubhaft und wirksam zu machen, daß er sich auf den Präsidenten der zionistischen Weltorganisation Herrn David Wolffsohn in Köln berief, welcher rn der Beurteilung der moralischen Qualitäten ..der.. Wiener Zionisten mit ihfn — Bloch — einet Sinnes sei. Daraufhin langte prompt folgendes Telegramm ein: An die Jüdische Zeitung“ Wien, Liechtensteinstr. 11. Köln, 8. Nov. 1919. Ich verwahre mich ganz entschieden gegen die Verquickung meines Namens mit den Angriffen, welche die „Oesterreichische Wochenschrift“ in ihrer letzten Nnmmer gegen meine Wiener Gesinnungsgenossen gerichtet hat. Ich weise diese Angriffe mit größter Entrüstung zurück. David Wolffsohn. Entwicklung gewaltig steigern. Und das nicht nur in unseren Reihen. Viel stärker wäre noch die Wirkung nach außen. Die bloße Agitationsschreiberei kann unmöglich ihren Zweck erfüllen, weil sie nur sagt: wir wollen wollt auch. Damit kann man Widerstreben und Skepsis nicht besiegen. Anders wirken positive Schöpfungen wenn sie auch noch so klein sind. Denn dies heißt: Wir können! Der Jüdische Almanach bringt vieles und wird manchem etwas bringen. Bei der Fülle der gelungenen und gediegenen Beiträge, die er aufweist, verschwinden die wenigen, die nicht auf der Höhe stehen. Denn das muß gesagt werden: Ein bischen mehr Kritik in der Auswahl hätte nichts geschadet. Das wird ein nächstes Mal schon besser werden, ist doch trotzdem die Leistung der jungen Leute eine ganz erstaunliche. Besonders anzuerkennen ist die unendliche Sorgfalt, die auf die Ausstattung verwendet wurde. Das ist keine Nebensache. Denn gerade bezüglich der Form hat die Welt ein nicht unberechtigtes Vorurteil gegen alles „Jüdische“. Die vornehme Art, in welcher sich der „Jüdische“ Almanach repräsentiert, ist von nicht geringem Werte. Zeigt sich doch, daß auch etwas rein jüdisches allen Anforderungen moderner Geschmackskultur entsprechen kann. Besonders die Luxusausgabe mit ihrem rotmoifierten Einband repräsentiert sich ganz 9869977

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.