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Jüdische Zeitung · 1910-10-21 · 42 (21.10.1910) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
4 (1910)
Issue
42 (21.10.1910)
Date
1910-10-21
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 42 Orangenexport In Palästina. Jaffa, 3. Oktober. Der Export von Orangen hat bereits vor drei Wochen eingesetzt Dieses Jahr verspricht für die Besitzer von Orangengärten ein recht günstiges zu werden. Dadurch hat sich besonders die Lage der Pethach-Tikwaher Kolonisten, die in den letzten drei Jahren infolge ungünstiger Ernte- und Absatzverhältnisse ihrer Produkte sehr viel gelitten haben, wesentlich gebessert Um den Kolonisten aus ihrer momentanen Klemme herauszuhelfen, hat ihnen der Jüdische Nationalfonds durch die Vermittlung der Anglo Palestine Company und die ICA. im vorigen Jahre größere Anleihen gewährt. Im laufenden Jahre sind sie durch frühzeitigen Verkauf der Orangen um einige Monate früher als in früheren Jahren in den Besitz von Barmitteln gelangt Einige Engroskaufleute in Jaffa haben nämlich die Früchte auf den Bäumen den Kolonisten zum Preise von drei Francs per Kiste abgekauft und sofort einen größeren Betrag bar bezahlt Es sind auf diese Weise ca. 150.000 Frcs. in die Kolonie geflossen, wodurch der Wirtschaftsbetrieb merklich erleichtert wurde. Zu bedauern ist in diesem Falle nur, daß die Verkäufer die einheitliche Organisation der jüdischen Orangenbesitzer, den „Pardess“, durch diesen Schritt durchbrochen haben. Noch empfindlicher aber sind dadurch die jüdischen Arbeiter getroffen worden, da die Käufer, lauter arabische Händler, beim Schneiden und Verpacken der Orangen .wahrscheinlich ‘ausschließlich arabische Arbeiter beschäftigen l werden. Die ersten nichtmohammedanischen Rekruten In Palästina. Jerusalem, 3. Oktober. Vorige Woche erfolgte zum erstenmal in Palästina die Einberufung der nichtmohammedanischen Militärpflichtigen, die nach Aden gesandt wurden. Die plötzlich erfolgte Einberufung: hat sowohl in jüdischen als auch in christlichen Kreisen Unruhe und Erregung hervorgerufen. Auch die mohammedanische Bevölkerung unterzieht sich ungern dem Militärdienst, geschweige denn der Nichtmohammedaner, für den dies überhaupt in der Türkei ein Neues ist. Da mehrere der Einberufenen bereits Familienväter sind und durch den Dienst die Ihrigen in Not und Elend zurücklassen, so hat sich hier ein jüdisches Komitee gebildet, um diesen Familien Hilfe zu bieten. Auch die jüdischen Kolonisten werden, soweit die Kolonisten ottomanische Bürger sind, mehrfach zum Militärdienst herangezogen. Die Kolonie Ekron hat die Einberufung ihres ersten Soldaten zum Anlaß einer patriotischen Kundgebung für das ottomanische Reich benutzt, wobei mehrere Ansprachen gehalten wurden, ln einigen Kolonien haben sich auch Freiwillige gemeldet und bereits in Militärschulen in Konstantinopel Aufnahme gefunden. Eine neue hebräische Zeitschrift in Berlin. Hier beginnt demnächst ein neues hebräisches Wochenblatt „Haibri“ zu erscheinen, das Sich die Aufgabe stellt, im Geiste des nationalen und historisch-überlieferten Judentums ohne parteiische Einseitigkeit die Interessen der Gesämtjudenheif zu vertreten und die jüdischen Kulturschätze aus Vergangenheit und Gegenwart den weitesten west- und ostjüdischen Kreisen in volkstümlicher Weise ,näherzubringep. Die Ankündigung der Begründung der neuen Zeitschrift’ ist von einer Reihe namhafter Persönlichkeiten unterzeichnet, so u. a. von Dozent Dr. E. Bafieth, Bär’on^ David Günzburg, Dr. M. Hildesheimer, P/of. Sulzbäch, Hermann Gumperz, Chachambäschi ' Jaköb Meir, Prof. E. Mittwoch, Prof. Ätargolis, Prof. I. Friedländer, Rabbiner Kuk, Hermann Struck u. a. Zahlreiche bekannte Gelehrte und Schriftsteller haben dem neuen Blatte ihre Mitarbeit zugesichert.- Der Bezugspreis des „Haibri“ beträgt 8 MIL" jährlich: ‘ Abonnementsbestellungen sind zu richten'an Dozent Dr. E. Baneth, Berlin C, Rosenthalerstr. 25, oder an Herrn Dr. M. Hildesheimer, Berlin, Linienstr. 111. Die Adresse der Redaktion ist: „Haibri“, Berlin N. 24. Insinuationen der „Rußkoje Snamja“. Das temperamentvolle Organ der russischen Vaterlandsretter ist in der Erfindung neuer Kampfparolen und Kampfmittel gegen die Juden geradezu unerschöpflich. Dieser Tage entblödete sich das Patriotenblatt nicht, seinen Lesern das Märchen aufzutischen, daß die Juden aus Anlaß des Aufenthaltes der russischen kaiserlichen Familie in Friedberg ein Attentat gegen Nikolaus II. unternommen hätten! Die anstößige Laubhütte. Aus Anlaß des Sukkothfestes ist die, wohllöbliche russische Polizei zurzeit überall eifrig an der Arbeit, die der öffentlichen Ordnung drohende jüdischg Laubhütte möglichst unschuldig zu machen. Der weise Lenker der Geschicke Odessas, General Tolroatschew, verordnete, daß zwecks Errichtung einer Sukkah bei der Polizei ein offizielles,; mit einer Stempelmarke von 75 Kopeken versehenes Gesuch mit genauer Angabe über Plan, Ort und Material des „Baues“ einzureichen sei. Der Kiewer Polizeimeister verbot das Beleuchten der Sukkoth am Abend. Auch müßten die Sukkoth so gebaut werden, daß man sie von der Straße aus keineswegs bemerken könnte. Der Chachambaschi von Saloniki. Der Chachambaschi von Saloniki, Rabbi Jakob Meir, hat dem Gemeinderat seine Ernennung zum Chachambaschi von Jerusalem mitgeteilt. Obgleich seine Amtsperiode in der Saloniker Gemeinde erst in einigen Monaten abläuft, hielt er es für angezeigt, die Vertreter der Gemeinde zu fragen; ob sie mit seiner Annahme des Jerusalemer Amtes’ einverstanden seien. Der Synagogenvorstand hat einstimmig beschlossen, den Vertrag mit dem Chachambaschi Meir zu erneuern, da er seinen Weggang als eine Gefahr für’ die Interessen der Gemeinde ansieht. Der Gemeinderat hat jedoch . bisher noch keinen endgültigen Entschluß gefaßt. V ereinsu .Versammlungs- Nachrichten. Voranzeigen. Wien. Mittwoch, den 26. Oktober (Simchas Thora) veranstaltet der „Jüd. Turnverein Favoriten“ anläßlich seiner Gründung ein Tanzkränzchen in Hoffmanns „Rosensälen“, X. Favoritenstraße 89. Da das Reinerträgnis dem Turnhallenfonds zufließt, erwartet der Verein eine rege Beteiligung aller jüdischen Kreise Wiens. Karten ä K1.50 an der Kasse: . Wien. („Hasomir“, Verein zur Förderung jü- | discher Literatur und Kunst.) Die nächste Gesangsprobe. findet Donnerstag, den 27. d. M., um halb 8 Uhr abends, im Cafe Doh a n, II. Untere Aügartenstraße 26, statt, jene Damen und Herren, die der Gesangssektion beitreten wollen, werden zu dieser Probe höflichst eingeladen. Wien. Die XXXIII. ordentliche Plenarversammlung der „Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler“ findet am Samstag, den 22. Oktober pünktlich halb 8 Uhr abends statt. Tagesordnung: I. Rechenschaftsbericht des Ausschusses. II. Erteilung des Absolutoriums. III. Ernennung von Ehrenmitgliedern und alten- Herren. IV. \Vahl’ des ’ Ausschusses. V. Wahl von zwei Kässenrevisoren. VI. Nächstjähriges Aktionsprogramm. VII. Eventualia. Anträge und Kandidaturen sind drei Tage zuvor dem Ausschüsse zu melden. Im Falle der Beschlußunfähigkeit der ersten Plenarversammlung findet eine halbe Stunde später eine zweite statt, die bei jeder Stimmenzahl beschlußfähig ist und dieselbe Tagesordnung hat. Die Generalversammlung findet im Saale des zionistischen Zentralvereines, IX., Türkenstraße 9, statt. ’ . *■ * . * ' i Berichte. Wien. (Jüd.-akad. Verbindung „Ivria“.) Die Chargenwahlen für das Wintersemester 1910/11 ergaben1 folgendes Resultat: JUC. Fritz Singer X, cand. ing.: Otto Eisler XX, jUC. Ernst Hornung XXX/, - .; Wien.. Der jüdisch-akademische , Verbindung „Unitas“ gibt hiermit das Ergebnis,, ihrer Chargen-? .wählen für das Wintersemester T910/11 bekannt: Mi U. C Emil TramerX, cänd. ehern.’ ArminSpitzer XXEX, J- P- C. Friedrich Schmelz XXX- Bude: VIII., Auerspergstr. 21, Couleurkaffee: „Louvre“) I., Wippbngerstr. 17; Telephon Nr. 14.039.' ... . , . . Graz. Jüdisch-akädX Verbindung, „Charitas“. Die Chargenwahlen für das' Wintefseineste'r 1.910/11 hätten folgendes Ergebnis: J-' l^...^.;Ffitz BafnerX, chem. Marcell Kopp;XXFX, ärch'XMoses Häuser XXX* Verbibdungsbude: Feuerbächgässe ,10, Cptt: leurcafe: Oesterreichischer Hof. Czernowitz.. „Zephirah“. Die .Chargenwahlen der jüd.-nat.-akad. Verbindung „Zepblrah“ ergaben für das XXVII (Wintersemester, folgendes Resultat: cand: iur. Mordko Rothfeld, Präses, cand, phil. Zeinwel Bretschneider, Vizepräses, cand,.,iur, Heinrich Kulisch, Schriftführer. . . . , . T Czernowitz. J ü d i s c h - a k a d.; „k u l t u.rverein“. Unter‘diesem Namen ist ein . neuer Studentenverein in. Czernowitz gegründet worden, dessen Bestrebungen rein kulturelle sind. Der Verein sieht'im Ostjudentum den lebendigen Vertreter des jüdischen Volkstums und in der jüdischen Sprache ein- Mittel zur Auflebung des jüdischen Volkes und zur Aufrüttlung aus seiner kulturell indifferenten Lage. Seine besondere Aufmerksamkeit wird der Verein wirtschaftlichen Verhältnissen der Ostjuden im allgemeinen und den Bukowinaer Juden ftn-besonderen zuwenden. Er wird trachten, dieUr- . Sachen des Elends dieses Teiles der Juden zu ergründen und positive Vorschläge zu dessen Behebung zu machen. Der Verein, als solcher, schließt sich keiner Parteirichtung an und stellt jedem seiner Mitglieder frei, ebenso wie auch in jeder andern Beziehung die persönliche Freiheit der Mitglieder vollständig gewahrt bleibt. Der Verein erwartet von all jenen Unterstützung seiner Bestrebungen, welche mit seiner Tendenz einverstanden sind. Die Chargenwahl für das diesjährige Wintersemester ergab folgendes Resultat: Obmann: Abraham E. Reiner, stud. phil, Obm.-Stellv.: Edmund Melzer, stud. Jur., Schriftführer: Pinkas Schor, stud. jur. Zuschriften sind zu richten an: E. Melzer, Czernowitz, Franzensg. 30. Prag. Der Verein Jüdischer Hochschüler „Bar-Kochba“ in Prag, hat beschlossen, Martin Bub er in das Goldene Buch des jüdischen Nationalfonds einzutragen; nicht um seine Schuld für Anregung und freundschaftliche Teilnahme abzustatten — ein vergebliches Bemühen — sondern um ein Zeichen seines Dankes und seiner herzlichen Verehrung zu geben. Durch diese Mitteilung sind alle, denen Bubers Gedanken Vertiefung und Erhebung gebracht haben, eingeladen, an dieser Ehrung teilzunehmen. Die beste Ehrung des außerordentlichen Mannes wird freilich und das ist das ernste Streben des. Vereines „Bar-Kochba“, das Wirken im Sinne seiner Gedanken sein. Triest. Die für den 15. er. festgesetzte Generalversammlung des „Circolo Siönistico Trieste“ nahm einen recht erregten Verlauf. Speziell gab die Nachlässigkeit im Inkassowesen zu vielfachen Protesten Anlaß, ln die neue Vereinsleitung wurden folgende Herren gewählt: Emil Schwarzkopf, Präsident, Dr. David Grünspecht, Vizepräsident, Ignaz Leonzini, Sekretär, Michael Schor, Kassier und Ing. Heinrich Freund, Bibliothekar: Da diese Vereinsleitung aus rührigen und arbeitsfreudigen Mitgliedern besteht, so dürfen wir der sicheren Erwartung Raum geben, daß es ihrer zielbewußten Arbeit gelingen wird', den „Circolo“ einer aussichtsreichen Zukunft entgegenzuführen und weite Kreise der einheimischen Bevölkerung für unsere Ideale interessieren. j „Comitato Divertimenti“. Am vergangenen Sonntage versammelten wir um uns zirka 80 Personen zu'einer Fußtour nach Opcina. Der Ausflug kann als ein in jeder Hinsicht gelungener bezeichnet werden' da er uns für den Verein mehrere neue Mitglieder, einen Betrag für den Nationalfonds brachte und uns in die Lage versetzte, eine größere Anzahl Nationalfondskarten und -Marken abzusetzen. Am 29: er. werden wir eine Simchath-Thora-Feier (Ball) veranstalten. Sportklub „Häkoah“, Wien. Die. „Hakoah“, die durch mehrere Ersatzleute geschwächt, unter der Leitung des.. 11. Kapitäns Sträussier in Oedenburg auftrat, entsprach den .ge-- hegten Erwartungen nicht, doch drückt das Endresultat eine allzuhohe Ueberlegenheit der Ungarn aus. . Die große Niederlage ist in erster Linie dgji fortwährenden Umstellungen in der zweiten. Spielhälfte zuzuschreiben, dann trägt auch der Älangel an Schnelligkeit .viel Schuld. Oedenburger Athletiker—„Hakoah“ 8; 1. In der erstenHalbzeit vermag die „Hakoah“. ihren Gegnern einen ebenbürtigen Gegner äbzu-r geben. Nachdem die Ungarn in der 18. Minute das erste Tor erzielt hatten, griffen die Wiener unermüdlich an, bis Rosenthal in der 35. Minüte (Jen Ball äm Tormann vorbei im Netze landet. GläiCH darauf erzielen' aber die Ungarn einen -zweiten Treffer* der‘bei einiger Aufmerksamkeit des Wiener Totjnannes. zu verhindern gewesen,‘wäre. 'Beim Stande von 2:1 werden die Seiten gewechselt: „Häkoah“ verlegt nun das Spjel geraume Zeit in das Feld ihres Gegners, doch ' bleiben viele Chancen .-unausgenixtzf. Ein plötzlicher. Durchbruch der Ungarn bringt diesen den dritten Treffer und damit ist; j^uch. schon das Schicksal der Wieppr besiegelt.. Aller Mut' verläßt .sie,. dife Ungarn nützen dies auch entsprechend aus. und senden ., den Bai) noch fünfmal ins Tor der„W.iener: Die Göäls fallen in der 32., 39., 4L, 43. und 44. Minute tind „Hakoäb“ muß sich' trotz jipandher .güten Leistung mit .8:1-geschlagen. .jreben.V Rosenthal böt typhi" die..-best? Leistung..^uf .dem ganzen Felde: Gansl' 11 - war: in äerercjgji.Häl6^i‘^e£ttJ1giit,'./.Yer4arb aber später vier*durch' Dri6j)elpl’“Snäü^(c¥^'ij«i^güe. . gänzlich und "Raridl. im ,’Tor hätte iriärtcheH;* zählbaren" Erfolg ä'eF.Öedenbürger'yerjind^rü; körinen1/:" •/. X ““‘Unter’ den’. Zuschauern bemerkte . man . die Chargierten der akademischen Verbindung „Kädimah“., ... . ‘ , - :! Sonntag,- 23. Oktober, spielen die II. und HI. Mannschaft, auf dem Dornbacher Sportplatz gegen Wiener Sportklub Jungmannschaft I. und II. Jüdisches Theater. Hotel „Stefanie“, 11. Taborstraße 12. Ab Freitag, den 21. d. M:: „Mensch sol men sein“, Operette, Text von M.Schorr. Musik von Perl- . mutter. Studenten zahlen an Wochentagen die Hälfte. . In Vorbereitung: „Gott, Mensch und Teufel“, Drama von J. Gordin.

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