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Jüdische Zeitung · 1910-10-14 · 41 (14.10.1910) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
4 (1910)
Issue
41 (14.10.1910)
Date
1910-10-14
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 41 Schwarz anscheinend ganz ausgebeuleten Schulpolitik Lorbeeren geholt. Freilich mußte man, um dieses Gebiet von rteuem patriotisch fruchtbar zu machen, diesmal zu den Täuflingen Zuflucht nehmen. Und so hat denn vor kurzem der hohe Senat der Odessaer Univcisität dem Minister für Volksaufklärung die prinzipielle Frage unterbreitet, ob nicht Abiturienten jüdischer Abkunft, die zum griechischkatholischen Glauben ühergclrcfen sind, bei der Aufnahme in die Universität gewissen Einschränkungen zu unterwerfen wäien. Der Herr Minister unterließ cs nicht, diese Frage einem „eingehenden Studium“ zu unterziehen, und gelangte zum Ergebnis, daß die Anwendung der Prozentnorm auf die hoffnungsvollen Neophyten dergriecbisch-katholischen Kirche angebracht sei. Demgemäß ging der Herr Minister daran, ein neues, spezielles Reglement für diese Kategorie jüdisch-christlicher Abiturienten auszuarbeiten. Im wesentlichen gipfelt das neue Projekt darin, daß zum griechisch-katholischen Glauben übergetretene jüdische Abiturienten diesbezüglich in zwei Kategorien zerfallen: in Personen, die vor Eintritt in die Mittelschule getauft wurden, und solche, die erst nach Absolvierung derselben das neue Religionsbekenntnis annahmen. Die ersten sollen ihren christlichen Kommilitonen ganz gleichgestellt werden, wählend für die letztem die jüdische Prozentnorm zur Anwendung gelangen soll. Damit wird offenbar der Zweck verfolgt, einen Teil der jüdischen Jugend in Rußland zur Taufe in frühem Alter zu verleiten. Wie soll es nun mit denjenigen sein, die das Licht der neuen Lehre auf der Gymnasialschulbank erblickt haben — darüber herrscht vorläufig Unklarheit Die Frage wird wohl Anlaß und Stoff für so manche Erläuterungen, Verordnungen und Zirkulare geben. Uns mag das Geschick der bildungsdurstigen Ueberläufer kalt lassen. Wir haben absolut keinen Anlaß zur Klage, wenn die Prämie auf nationalen Veirat und religiöse Lüge nicht mehr so leicht ausgezahlt wird. Für die allgemeine Lage in Rußland ist aber dieses neue Produkt bereaukratischer Schöpfungskraft überaus charakteristisch. Ein Gesetzentwurf wegen Regelung der Emigration. Das russische Handelsministerium hat eine Gesetzvorlage wegen Regelung der Emigration ausgeai beitet. Nach dieser Vorlage soll ein wichtiges Hemmnis der Auswanderung, wie es in der Notwendigkeit, einen überaus teuern Auslandspaß zu lösen, gegeben w'ar, beseiligt werden. Di.ses Privilegium soll jedoch nur denjenigen Emigranten eingeräunit werden, die ein russisches Schiff benutzen. Im Falle der Rückkehr muß ein derartig privilegierter Emigrant gleichfalls ein russisches Schiff benutzen, sonst geht er seines Vorrechts vei lustig und muß für die ganze Zeit seines Aufenthalts im Auslande die übliche Paßabgabe (30,bezw. 40 Rubel pro Jahr) entrichten. Man sieht also, was es für eine Bewandtnis mit dieser Vorlage hat und wessen Interessen das geplante Gesetz wahrnehmen will, der armen Emigranten oder die der russischen Schiffahrtsgesellschaften. Ein neuer jüdischer Senator. Aus Konstantinopel wird berichtet: Daud Effendi Molcho, ehemaliger erster Uebersetzer des Kaiserlichen Diwans, ist die Ernennung zum Senator erteilt worden. Die oitomanischen Juden werden also künftig durch zwei Sitze im Senate vei treten sein. Die Karäer in Konstantinopel. Der Besuch, den Nahum Sokulow im vergangenen Jahre der Synagoge der Karäer abgestattet, und die Worte, die er damals in hebräischer Sprache an sie gerichtet hatte, scheinen von dauernder Wirkung geblieben zu sein. Die Karäer scheinen seitdem ein immersteigendes Interesse für unsere nationalen Angelegenheiten und speziell für unsere Sprache zu hegen. So übte auf sie, fleißige Leser des hier erscheinenden „Hamewasser“, ein in dieser Zeitschrift . erschienener Artikel über Assimilationsbestrebungen -unter den Karäern Rußlands einen tiefen, erregen-;j den Eindruck aus. Sie hielten vor kurzem eine' Versammlung ab, um gegen solche Tendenzen zu protestieren. Außerdem gehen sie damit um, sich; an die Karäer Aegyptens zu wenden zum Zwecke ’ der Organisierung eines gemeinsamen Protestes,: den sie an die Häupter der russischen Karaiten ge- ' langen lassen wollen. Sie wollen es mit Macht zum; Ausdruck bringen, daß sie sich mit ganzer Seele als nationale Juden fühlen und sich um keinen Preis der Welt vom jüdischen Volke trennen wollen. Das Grab Davids. Baron Edmund von Rothschild soll bei der osmanischen Regierung Schritte unternommen haben, die darauf abzielen, die Auforisierung zur Anstellung von Nachforschungen nach der Lage.. des Grabes Davids in Palästina zu erhalten. Zum Andenken des Königs Eduard VII. Aus London wird der „N. J. K.“ berichtet: Das von den Juden Londons zum Andenken des Königs Eduard VII. geplante Denkmal soll in Gestalt eines Hospitales erstehen, das in Stepney Green errichtet wird. Die Kosten des Baues, der mit 50 Betten ausgestattet werden soll, werden sich auf 300.000 bis 400.000 Mark belaufen. Der Bauplatz ist bereits lür 100.000 Mark angekauft. Paul Nathan in Amerika. Der Vorsitzende des Hilfsverein der deutschen Juden, Herr Paul Nathan, ist in Newyork eingetroffen. Man wird nicht fehl gehen, wenn man seine Reise mit der Galvestonangelegenheit in Verbindung bringt. — ln derselben Frage hat auch eine Konferenz zwischen den Herren Paul Schiff und Karl Steltauer aus London stattgefunden. Herr Stettauer ist inzwischen nach Philadelphia weitergereist. Von der Ito. Aus London wird gemeldet: Herr Karl Stettauer, der sich jetzt in Amerika in Sachen der Ito aufhält, teilt telegraphisch dem hiesigen Hauptbureau dieser Gesellschaft mit, daß die Schritte, die seitens des amerikanischen Komitees der Ito zur Beseitigung der Einwanderungsbeschränkungen in Galveston unternommen wurden, erfolgreich waren, und, wie cs, scheint, die gesetzlichen Bedenken, die vor kurzem in Amerika mit Bezug auf das Werk der Ito erhoben wurden, zugunsten derselben beseitigt werden. Die Zahl der Immigranten, die mit Hilfe der Ito bis jetzt in Galveston Einlaß gefunden haben, beläuft sich auf 2500. Die Unterhandlungen dieser Gesellschaft mit Australien bezüglich einer jüdischen Kolonie im Westen Australiens scheinen in der letzten Zeit zu einem Stillstand gekommen zu sein. Die Ursache soll die Demission des Premier Sir Newton Moore sein, der für den Plan eingenommen gewesen sein soll. Die australische Presse scheint der Angelegenheit keine Bedeutung mehr zu verleihen und hat in ihren Angriffen auf das „New Scheme“ stark nachgelassen. Die Ito behauptet jedoch, daß die Verhandlungen mit der australischen Regierung noch nicht abgeschlossen seien. Pränumerationseinladimg. Mit 1. Oktober begann ein neues Quartalsabonnement auf die „Jüdische Zeitung“. Die P.T. Abonnenten werden ersucht, das Abonnement rechtzeitig zu erneuern, damit in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung eintrete. Abonnementbedingungen: Ganzjährig K 10.—, halbjährig K 5.—, vierteljährig K 3.—. Postsparkassenkonto 104.0Ö7. | Vereins-u .Versammlungs- Nachrichten. Voranzeigen. Wien. Die diesjährige ordentliche Generalversammlung des „Kaiser Franz Josefs-Ferienheim“ findet Donnerstag, den 20. Oktober d. J., um. 6 Uhr abends, im Vereinsbureau, IX., Türkenstraße. 17, mit iolgender Tagesordnung statt: 1. Tätigkeit und Kassabericht für die Vereinsjahre 190S und 1900. 2. Revisionsbericht. 3. Neu- und Ersatzwahlen. Hievon werden die Mitglieder und Gönner des Vereines mit dem Bemerken in Kenntnis gesetzt, daß eine' gesonderte Einladung n ich t erfolgt. Wien. Gründung eines jüdischen Gesangvereines. Damen und Herren mit guten Stimmitteln werden zu einem im 5. Bezirk zu gründenden jüdischen Gesangverein, welcher ein Nebenverein des Tempelvereines Wieden und Margareten sein wird, eingeladen, als Milglieder beizutreten. Gefällige Anfragen und Zuschriften an Herrn Rudolf Kraus, V/l, Pilgranigasse 22. Wien. Jüdischer Handlungsgell ilfen-Verband, II., Taborstrasse 20 (Souterrain). Samstag, den 15. d. M., im Vereinsheim Veisammlung der Frauensektion. Referate, Frl. Geller und Meier. Beginn 8 Uhr abends. Gäste willkommen. — Sonntag, den 16. d. M., öffentliche Versammlung im Cafe Werter, XX., Mathildenplatz 2. Referenten die Kollegen Kessler und Mandl. Beginn 10 Uhr vormittags. Mittwoch, den 19. d. M., Plenarversammlung im Vereinsheim. 1. Referat des Herrn Dr. Oskar Rosenfeld über „Jüdische Kung t“. 2. Vereinsangelegenheiten. Beginn 8 Uhr abends. Gäste willkommen. Wien. Humanitärer Geselligkeitsverein „Ideal“ (Bnei-Zion.) Sonntag, den 16. d. M. findet im Souterrainsaal des Wiener Ringcafe, I. Stubenring 18, eine Vortragsakademie statt. Mitwiikung beliebter Kunstkräfte, Preiskegelschieben, Tanzkränzchen etc. Beginn präzise 4 Uhr nachmittags. Regiebeitrag 60 Heller, für Mitglieder 40 Heller. Gäste herzlich willkommen. Berichte. Wien. (Israelitische Allianz.) Das Bureau der „Israelitischen Allianz zu Wien“ beiindet sich ab 14. Oktober, II., Untere Donaustraße 33, 2. Stock. Sport. Sportklub „Hakoah“, Wien. Sonnlag, 16. Oktober, spielt der Sportklub „Hakoah“ in Oedenburg gegen Soproni Football-es Athletikaiclub. Reisemarschall: Emil Fuchs. Sombathely—„Hakoah“ 2:0. Vor einer Zuschauermenge von mehr als 3000 Personen fand Sonntag, 9. Oktober, in Steinamanger das Wettspiel statt, ln raschem Tempo gespielt, war das Match reich an aufregenden Szenen und das Publikum gab nach Schluß des Spieles durch lauten Beifall seine Befriedigung kund. .Weniger tüchtig als die Mannschaften war der sogenannte Unparteiische, der einen vollständigen Mangel an Befähigung mit einer solchen Parteinahme für die Ungarn verband, daß er sich sogar zu Drohungen und Beschimpfungen von Wiener Spielern hinreißen ließ. Hoffentlich wird der Szombathely-Sportklub sein Renommee durch derartige Unparteiische nicht schädigen lassen. Der Verlauf des Spieles war anregend und zeigte beiderseits schöne Leistungen und beide Mannschaften konnten zwei Goals erzielen, doch versagte der Schiedsrichter den regelrecht erzielten Erfolgen der Wiener die Anerkennung. „Hakoah II“ — Simmeringer Sportvereinigung 4:3. Am gleichen Tage siegten die Hakoahreserven über Simmeringer Sportvereinigung 1 4:3. Bei Halbzeit führte „Hakoah“ bereits 4:1 und erst in der zweiten Spielhälfte vermochten die physisch stark überlegenen Simmeringer das Resultat durch zwei Goals zu verbessern. Gansl, Jellinek und Schwarz waren die Besten im Felde. Die Hakoahreserven haben in dieser Saison noch kein Match verloren. Ein schönes Spiel zeigte die III. Mannschaft, welche gegen die Simmeringer Reserven 2:1 unterlag. Isi und Max taten:sich besonders hervor. Die Böhmische Industrial-Bank-Fiiiale Wien, .1, Neuer Markt 8 verzinst Geldeinlagen ' auf Einlagsbüehel mit 4 Wo Telephon 7734 n. 10.000 — AMMapltal K 30,000 OOP,— EXPORT-ABTEILUNG*

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