Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 4 (1910)
- Issue
- 34 (26.8.1910)
- Date
- 1910-08-26
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 34 Vereinsu .V ersammlungs- Nachrichten. Voranzeigen. Wien. VereinderjüdischenHandels- und Privatangestellten „Achwah“. Mit- . woch, den 31. d. M., acht Uhr abends, findet im Vereinslokal, II. Taborstrasse 20 (Souterrain), ein Vortrag des Herrn Moses Waldmann statt. Thema: Jüdischer Sozialismus. Die Kollegen und Kolleginnen werden um pünktliches Erscheinen gebeten. Gäste willkommen. Wien. Das Gründungskomitee des jüd. Turnvereines Favoriten gibt bekannt, daß die konstituierende Versammlung am Dienstag, den 30. August, 8 Uhr abends in Hoffmanns Rosensälen, X., Favoritenstraße 89, stattfindet. Das Turnen beginnt am 3. September und wird wie folgt abgehalten: Herrentumeri: Dienstag' und Samstag von 8—’jalO Uhr Abends: Damenturnen: Sonntag von ‘*11 — *;*l Uhr Mittags. Zöglingsturnen: Dienstag und Samstag von 6—* 28 Uhr Abends. Turnlokal: X. Senefeldergasse 15: Anmeldungen sind in das Klubcafe, Favoriten, X.i, Favoritenstraße 67, zu richten. Das Komitee. Kremsier. Die Jüd. akad. Ferialverb. „Ossid“ veranstaltet Sonntag, den 4. September 1910, zur Feier ihres zwanzigsten Semesterbestandes einen Festkommers mit anschließendem Tanzkränzchen, zu dem alle Gesinnungsgenossen hiermit höflichst eingeladen werden. Holleschau. Die jüd. akad. Ferialverbindung „Zephyra“ in Holleschau veranstaltet am 28. August l.J. ihren Gründungskommers. Anfang 8 Uhr abends. Gäste herzlich willkommen. Berichte. Sarajevo. Anläßlich des IV. Kongresses der jüdischen Hochschüler und Abiturienten aus den südslavischen Ländern in Sarajevo fand im festlich dekorierten Festsaale des Vereinshauses am ■ 20. August eine große Bürgerversammlung statt. Es war dies eine imposante Manifestation der jüdischen Nation, wie sie die Stadt Sarajevo noch nicht gesehen hat. Schon lange vor Beginn der Versammlung war der Saal überfüllt und bei der Eröffnung desselben konnte mehr kein Einlaß gewährt werden. Die Zahl der Besucher kann auf ungefähr 2000 Personen geschätzt werden. Von den Gästen, die aus; der Feme der Einladung gerne Folge geleistet haben,; ' seien nur erwähnt: Seine Ehrwürden Dr. N. Ehrenpreis, Groß-. rabbiner von Bulgarien (Sofia), Dr. N. Margel Rabbiner aus Pozega (Slavonien), Dr. D. Alkalay, Advokat (Belgrad), und sehr viels Hoch- und Mittelschüler aus Serbien, Kroatien, Slavonien, Bosnien und Dalmatien. Der große Saal war ganz mit weißbiauen Tuch ausgeschlagen und einen wunder-, schönen Anblick bot das prachtvoll dekorierte Bild! unseres unsterblichen Führers Dr. Theodor Herz!.! Im Namen der Bürger der Stadt Sarajevo er-j griff das Wort Herr Ingenieur Isidor Sumbul, um . für den außerordentlichen zahlreichen Besuch zu danken. In kurzen Worten schilderte er die Notwendigkeit des Erwachens der Nationalidee der Juden im allgemeinen, speziell aber da in Bosnien und Hercegovina, wo der Antagonismus zwischen den Sepharden und Askenasen so groß ist. Die Hochschüler, die Träger aller Kultur, haben es unternommen nach Sarajevo zu kommen, um die jüdischen Bürger aus ihrer Lethargie zu wecken, was ihnen gewiß nicht allzu schwer sein wird, da in diesen der Funke des Nationaljudentums gewiß nicht erloschen ist. Redner meint weiter, daß der erste Schritt zum Ausgleiche der Sepharden und Aschkenasen in diesen Tagen erfolge, da es Gelegenheiten geben wird, einander besser kennen zu lernen, und daß nur der Zionismus imstande ist, diese Eintracht durchzuführen. Er begrüßt die Hochschüler vom Herzen und heißt sie alle willkommen in der schönen Hauptstadt Bosniens. Hierauf werden per acclamationem folgende Herren in das Präsidialbureau gewählt: Leon F i n z i, Präses, Bemardo Klein und Avram Isak Papo, Vizepräsidenten, Silvio Danon, Rafael Salom und Ziga Basch, Schriftführer. Präses Leo Finzi betont in seiner Begrüßungsrede, yon welch’ eminenter Bedeutung dieserTagfürdieJudenBosniens und der Herzegowina ist, und er hegt die Hoffnung, daß er alle in dem zionistischen Lager vereinigen wird. Hierauf folgte das Referat des Herrn Rabbiner Dr. Ehrenpreis über Zionismus. In seiner mit Schwung und Kraft, teilweise in spaniolischer, teilweise in deutscher Sprache gehaltenen Rede erläuterte er das Wesen des Zionismus, wiederlegt in geistreicher Weise die Angriffe gegen denselben und betont die Notwendigkeit der gemeinschaftlichen Arbeit der Sepharden und Aschkenasen, alle unter einer Fahne, unter der zionistischen. Schon die Tatsache, daß er in einer jüdischen Versammlung zwei Sprachen sprechen muß, um verstanden zu werden, zeigt, welche Zerrissenheit unter den Juden herrscht Daher müsse auch eine einheitliche Sprache eingeführt werden, die Sprache unserer Vorfahren, die Hebräische. In seinen Ausführungen berührt er auch die Assimilation, welche er ein totgeborenes Kind nennt, dessenJExistenz nur kurze Zeit, nur einige Augenblicke dauern kann. Darf man den Zionismus, weil er in 13 Jahren nicht realisiert wurde, eine Utopie nennen? Die Assimilation ist schon ein Prozeß von beinahe 2000 Jahren und konnte bis heute auch nicht realisiert werden. Den Ausführungen folgte ein nicht endenwollender Beifall. Der zweite Redner Dr. Alkalay besprach in seiner Rede die materiellen, kulturellen und moralischen Erfolge des Zionismus. Es sprach noch Dr. Moritz Lewy (Sarajevo) über die allgemeine Lage der Juden in Bosnien und Herzegovina. In später Abendstunde endete die überaus gelungene Versammlung unter Absingen der zionistischen Hymne. Mähr.-Ostrau. Der jüdische Volksverein „Zion“ für M.-Ostrau und Umgebung veranstaltete am 18. d. M. in Witkowitz eine Agitationsversammlung, welche sehr gut besucht war. Nach der Begrüßung durch den Vereinsobmann erstattete Herr Gg. cand. phil. Gustav Kohn ein interessantes Referat über „Die gegenwärtige Lage im Zionismus“. Gg. Kohn erläuterte in anschaulicher Weise die Grundzüge und Zukunftspläne der zionistischen Bewegung mit besonderem Hinweise auf die Siedlungsgenossenschaft, befaßte sich auch mit der Situation der Juden vom lokalen Standpunkte aus betrachtet und forderte die uns noch fernestehenden Juden zur Mitarbeit auf. Stürmischer Beifall lohnte die'temperamentvollen Ausführungen des bewährten Redners, die sichtlich tiefen Eindruck machten. Hierauf sprach noch Gg. c*and. phil. S. Schmitz, der in interessanter Weise Oppenheimers Projekt der Siedlungsgenossenschaft erläutert und den Versammelten die Unterstützung dieses Projektes ans Herz legte. Der Obmann dankte nochmals allen Erschienenen sowie den Rednern, forderte zum Eintritte in den Verein auf, welcher Einladung gleich eine größere Anzahl Witkowitzer'Juden Folge leistete. Für die Siedlungsgenossenschaft wurdegesammelt. Der schöne Erfolg der Versammlung, ermunterte den Verein, auch in den anderen Orten ‘ der Umgebung Agitationsversammlungen zu veranstalten Stanislau. Am 7. August wurde hier eine Andacht zu Ehren unseres“ freuen, verblichenen Dr. Gabel abgehalten. Der- Kantor Schkolnik trug mit seinem Chore sehr trefflich das, „El mole rachmim“ vor, welchem das Publikum tief erschüttert lauschte. Die Versammlung war zahlreich besucht. Es sprach Herr Calatnikus, dessen temperamentvolle Rede auf das versammelte Publikum tiefen Eindruck machte. Redner schilderte die Wirksamkeit unseres gottseligen Dr. Gabel,, beleuchtete seine trefflichen Eigenschalten, wies auf sein jüdisches Denken und Fühlen, auf seine heldenmütige Verteidigung jüdischer Interessen hin,. warf dann einen Rückblick auf den Kampf, den yvir seinetwegen anläßlich der Reichsratswahlen unternommen hatten und schilderte schließlich, welch’’ enormen Verlust wir in dem treuen, in der Blüte der Jahre so jäh hingerafften Dr. Gabel erlitten haben. Es sprach dann Herr Aron Silber, dankte dem Redner für seine trefflichen Ausführungen und hierauf verließ das Publikum tiefergriffen den Saal. Mährisch-Ostrau. Die Chargenwahlen in der jüd. akad. Ferialverbindung „Hessiana“ ergaben folgendes Resultat: ■ Cand. jur. Ernst Hornung X, cand. ing. Josef i Krieger XX, cand. jür. Alfred Bachrach XXX- Bielitz. Die jüJ. akad. Ferialverbindung „Emunah“ veranstaltete am 30. Juli einen .gemütlichen Abend mit anschließendem Tanzkränzchen, der einen schönen' Verlauf nahm. Am 3. August folgte ein zionistischer Vortragsabend in E:nsdort. bei dem ■ Bb. Wechsberg das Referat hielt. Nach Deklamationen der Bb. Bb. Fink und Morgenstern folgte der Tanz. Die fastvollzählig erschienenen Kurgäste folgten aufmerksam den Darbietungen und beteiligten sich rege an der eingeleiteten NF-Sammlung. Die dritte Veranstaltung der „Emunah“ war ein am 15. August im Hotel „Schwarzer Adler“ veranstalteter „Jungjüdischer Abend“, bei dem Bb. A. Feiner einen glänzenden Vortrag über „Jüdische Renaissance“ hielt. Hierauf folgten Deklamationen aus Werken jüdischer Dichter und eine gelungene Akademie. Der Saal war bis auf das letzte Plätzchen gefüllt. Eine für die Oppenheimersche Siedlungsgenossenschaft cingeleitete Sammlung ergab 20 K. Wien. „Achwah“, Verein jüdischer Handels- und Privatangeste 111er. Die durch das Ausscheiden des Herr Strauß notwendige Präsidentenwahr findet in den nächsten Tagen statt und wird rechtzeitig ausgeschrieben werden. . Samstag, den 20. d. M., fand im Vereinslokale, II. Taborstraße 20, ein gut besuchter Vortragsabend statt. Gg. Beda gab einige Proben aus seinem in nächster Zeit erscheinenden dritten Gedichtebande zum Besten und erzielte große Wirkung. Hierauf folgte ein Tanzkränzchen. Teschen. Am 3. August 1910 veranstaltete der jüd.-akad. Ferialklub Teschen im Saale des „Hotel Zentralbahnhof“ seinen ersten Disküssionsabend. Nach den einleitenden Begrüßungsworten seitens des Präses des Klubs Herrncand.med. Isidor Müller (Libanoniae), welcher gleichzeitig bei dieser ersten Veranstaltung des Klubs in der Oeffentlichkeit dessen Tendenzen zum Ausdruck brachte, ergriff Herr jur. Heinrich Starnberger das Wort und erörterte in einem längeren Referat das Diskussionsthema: „Die poetische und wirtschaftliche. Lage der Juden in .Ostschlesien“. Er suchte dem zumeist aus. Kaufleuten bestehenden Auditorium klar zu machen, daß für die Juden Ostschlesiens, dem von Deutschen und Polen heißumstrittenen Boden, politische Neutralität das Zweckmäßigste sei, um nicht dem wirtschaftlichen Boykott ausgesetzt zu werden, der schon seitens der slavischen Bevölkerung sich bemerkbar macht. Die wirtschaftliche Seite des Referates hatte eine äußerst lebhafte Diskussion zur Folge, da auch auf die Schädigung der sozialdemokratischen Konsumgenossenschaften für den kleinen Kaufmann im Kohlenrevier hingewiesen worden war und auch Sozialdemokraten dem Diskussionsabend beiwohnten. In agitatorischer Beziehung hatte der Abend den Erfolg, daß dem neubestehenden Volksverein einige Herren beizutreten versprachen. Mitteilungen der N. F. Sammelstelle, Wien, IX,, Türkenstraße 9. Das Haup.tbure.au des J.N.F. in Köln, macht allen Gg. Gg. folgende Mitteilung: Landspende: Aus der letzten Nummer der „Welt“ ist zu entnehmen, daß das N. F. Direktorium beschlossen hat, Ratenzahlungen für die Land spende in Empfang zu nehmen, jedoch nicht in kleineren Teilzahlungen als von ein Zehntel Dunam, das sind .5 K. Nach der Berechnung des Palästinaamtes stellt sich nämlich der Kaufpreis für ein Dunam Boden inkl. Ueberträgungs- und sonstiger Spesen auf zirka 50 K. Wie bei den Ratenzahlungen für das Goldene Buch richten wir auch für die Landspende besondere Konti ein. Sobald K 50.— für ein Dunam voll eingezahit sind, soll auf den Namen des Spenders bezw. desjenigen, dem die Ehrung zugedacht ist, ein künstlerisch ausgestattetes Diplom ausgestellt werden. Für jede Ratenzahlung ä Frcs. 5.— erhält der Spender wie bei der Spende von einem Oelbaum eine Bestätigungskarte, die eine Verkleinerung des Diploms darstellt. Wir bitten Sie vorstehende Mitteilung gefl. weiterzugeben und hoffen wir, daß Sie sich bemühen werden, diesen neuen Spendenzweig, der nach den Beschlüssen des letzten Kongresses dazu bestimmt ist, jüdische Arbeiter zu koloniesieren ebenso populär zu machen wie die übrigen Spendenarten des Nationalfonds. Personalnachrichten. Unser bekannter Gg. Dr. Emil Margulies, der Obmann des zionist.'D. 'K.'für' Böhrrten, häf'seinen Wohnsitz von Prag nach Leitmeritz verlegt, um sich -dort als Advokat niedergelassen. Liste der Ueberläufer. (Vom 10. bis 24. August 1910.) Helene' König, geb. Pöllak, 1842, Budapest, Tonkünstlerswitwe, VIII. Josefstädterstr. 29. Dr. Julius Haas, 1883, Wien, ledig, Lehramtskandidat, VIII. Laudong. 46. Fritz Honigsberg, 1888, Wien, ledig, Privatier, VI. Gumpendorferstr. 22. Adolf Prager, 1879, Wien, ledig, Privatbeamter, IX. Säuleng. 17. : Jakob Lehner, 1872, Wien, ledig, III. Trubelg. 5. Rudolf Klamper, 1889, Wien, ledig, Steindruckaufleger, XIV. Scbwenderg. 9. Paula Ernst, 1883, Graz, ledig, Schauspielerin, V. Wehrg. 23. - Paulina Bock, 1882, Wien, ledig, Privat, V. Pilgramg. 8. , Melanie Czerwenka, 1890, Iglau, ledig, Handarbeiterin, Xll. Wilhelmstr. 50. Josef Heichler, 1884, CzeVnowitz, IX. Hahng. 12. Regina Pawel, geb. Mahler, 1881, Wien, verh., Schneiderin, X. Qelleng. 209. Hilda Frisch, 1889, Kanitz, ledig, IX. Alserkaserne. Bianca Schlesinger, 1880, Trautenau, ledig, Private, XX. Jörgerstr. 20. Johanna Fries, 1885, Schönhof, ledig, IX. Marktgasse 8. Rachel Menkes, geb. Gussenbauer, 1881, Wien, verh., Kaufmannsgattin, II. Obermüllerg. 4. Karl Kraus, 1883, Treboratie (Böhmen), ledig, Privatbeamter, II. Ennsg. 18. Gisela Stern, 1882, Wien, ledig, III. Heumarkt 3. Regina Friedmann (Ferenczi), 1868, Budapest, ledig, III. Salesianerg. 8. Hilda Heinner, 1889, Wien, ledig, III. Löweng. 6. Samuel Josef Melinger, 1887, Tarnow (Galizien), ledig, Schauspieler, IX. Simon Denkg. 6. Justina Pewny, 1886, Wien, Vermischtwarenhändlerstochter, Horn.