Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 4 (1910)
- Issue
- 32 (12.8.1910)
- Date
- 1910-08-12
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 32 den Auftrag gegeben, für ihre Rechnung einen Olivenwald am Tiberiassee anzulegen. Es ist vereinbart worden, daß für die Zeit von 98 Jahren die israelitische Kultusgemeinde zu Dessau die alleinige Nutznießerin dieser Pflanzung sein soll, während nach Ablauf von 98 Jahren die Pflanzung dem jüdischen Nationalfonds anheimfallen soll. Die Dessauer Gemeinde, die den Anregungen unserer dortigen Gesinnungsgenossen und ganz besonders des Herrn Kantor Blitz Folge gab, hat sich hierbei von dem Wunsche leiten lassen, zur Aufforstung des Landes der Väter beizutragen und gleichzeitig den Juden neue Erwerbsgelegenheit in Palästina zu verschaffen. Neben dieser Erwägung dürfte für den Entschluß der Dessauer Gemeinde gewiß auch der Umstand maßgebend gewesen sein, daß der Olivenwald seiner Nußnießerin erhebliche Erträgnisse abwerfen wird. Das Vorgehen der israelitischen Kultusgemeinde zu Dessau wird voraussichtlich auch andere Gemeinden innerhalb und außerhalb Deutschlands zur Nachahmung anspornen und dadurch der Kolonisation palästinas neue Kräfte zuführen. Parteinachrichten. Mährisch-schlesischer Studententag. Der vierte Studententag der mähr.-schles.- zion. Studentenschaft findet am 8. September in F r i e d e k statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Arbeitsausschusses, 2. Kultur- und Palästinaarbeit (Ref. Gg. Arthur Reik) 3. Der zion. Student und die innerpolitische Bewegung (Ref. Gg. Fritz Spitzer), 4. der zion. Student und die Forderungen der Moderne (Ref. Gg. Gustav Kohn, Gg. Eduard Lipner), 5. Allfälliges. Die p. t. Ferialverbindungen werden dringend gebeten, ihre Delegierten der Ferialverbindung „Hasmonäa“, Friedek, bekanntzugeben. Für den Arbeitsausschuß: Jur. Heinrich Mandl. * * * Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland in Frankfurt am Main am 11. und 12. September 1910, im Saale des Neuen Kaufmännischen Vereinshauses, Eschenheimer Anlage. Die Tagesordnung des Delegiertentages ist wie folgt festgesetzt: Sonntag, den 11. September 1910. Vormittagssitzung: 1. Eröffnungsansprache des Präsidenten, Herrn Dr. Bodenheimer-Cöln, 2. Ansprache des Präsidenten des A.-K., Herrn David Wolffsohn, 3. Wahl des Bureaus. 4. Bericht des Geschäftsführenden Ausschusses, 5. Referate der Herren a) Professor Dr. Otto Warburg-Berlin, b) Dr. Franz Oppenheimer- Berlin. Nachmittagssitzung: 1. Generaldebatte. Montag, den 12. September 1910. Vormittagssitzung: 1. Agitation (Referat des Herrn Parteisekretärs Kurt Blumenfeld), 2. Organisation und Finanzen, 3. Anträge. Nnchmittagssitzung: 1. Wahl des neuen Zentralkomitees. Die Frankfurter Ortsgruppe hat das Promenaden-Cafe im Kaufmännischen Vereinshause, Eschenheimer Anlage, als Treffpunkt für die Delegierten und Gäste für den Vorabend des Delegiertentages, Spnnabend, den 10. September 1910 bestimmt Wir machen schon jetzt darauf aufmerksam, daß im Kaufmännischen Vereinshausc selbst ein Auskunftsbureau für die Delegierten und Gäste eingerichtet werden wird. Aus dem jüdischen Leben. Fabijanskis Bild in Frankfurt. Das Gemälde von Stanislaus de Fabijanski „Pogrom in Kiew“, das bekanntlich auf Anordnung des bayerischen Ministeriums, das sich russischen Wünschen gefügig zeigte, aus der Glaspalastausstellung in München entfernt wurde, ist seit einiger Zeit in Frankfurt im Kunstsalon Baum, Neue Mainzerstraße 25, ausgestellt. Nun hat es auch das Mißachten der Frankfurter Polizei erregt. Der Polizeipräsident hat durch einen besonderen Abgesandten den Inhaber des Salons ersucht, das Bild mit Rücksicht auf den bevorstehenden Zarenbesuch in Friedberg zu entfernen. Der Besitzer hat dieses „vorläufige“ Ersuchen höflich, aber entschieden abgelehnt. „Vorläufig“ kann also das Gemälde, das die Schrecken der Judenverfolgung in Kiew am 18. Oktober 1905 in erschütternder Darstellung bringt, noch besichtigt werden. Bei dieser Gelegenheit sei mitgeteilt,, daß die Meldung einiger Blätter, das Bild sei nach Amerika verkauft, nicht zutrifft. “ Die russische Regierung über die erstrebte Aufhebung des Ansiedlungsrayons. Im Gegensatz zu ihrer Gewohnheit, jju jeder Initiativvorlage der Duma gleich von vornherein Stellung zu nehmen, zog es die Regierung vor, diesmal, wo es sich um die auch das Ausland interessierende Judenfrage handelte, sich in tiefes Schweigen zu hüllen. Dieser Tage ist sie jedoch ein wenig aus ihrer Reserve getreten. Zwar wurde'keine offizielle Kundgebung veröffentlicht; die Oeffentlichkeit wurde indes beschieden, daß die Regierung den Gesetzentwurf in der oktobristischen Leseart annehmbar finde. Danach soll der Ansiedlungsrayon zwar nicht aufgehoben, jedoch erweitert werden, die Einräumung des Wohnrechts soll nur auf $tädte, keineswegs aber auf Dörfer und Landflecken ausgedehnt werden. Indes, ohne weiteres versteht; sich die Regierung auch zu einer bescheidenen Konzession in der Judenfrage nicht. Und so sollen denn die Regierung und ihre Freunde vom rechten Flügel der Duma ihre Kompensation erhalten. Zu Beginn der Herbstsaison will nämlich die Regierung der Duma einen Gesetzentwurf vorlegen, wonach die berüchtigten „provisorischen“ Mairegeln, die seit dreißig Jahren die russischen Juden in den eisernen Klammern der Rechtlosigkeit halten und sie sozial und wirtschaftlich in hoffnungslose Parias verwandeln, endgültige gesetzliche Sanktion erhalten sollen. Ein literarisches Riesenunternehmen. Dr. Isidor Singer, der Herausgeber des „Jewish Encyclopedia“, veröffentlicht! einen Prospekt über ein von ihm in Angriff genonlmenes literarisches Unternehmen größten Stils. Dr. Singer plant nämlich die Herausgabe einer Bibliothek der „hebräischen nachbiblischen Literatur“, die. Iji 25 Bänden eine Auswahl der hebräischen Literatur, mit dem Talmud und Midrasch beginnend und mit den Erzählungen Smolenskys und den Gedichten Bialiks abschließend enthalten soll. * Vereinsu .Versammlungs- Nachrichten. Festgottesdienst.' der Wiener israelitischen Kultusgemeinde. Anläßlich des 80. Allerhöchsten Geburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers finden Donnerstag den 18. August d. J. in den Gemeindebethäusem der israel. Kultusgemeinde Wien feierliche Gottesdienste statt und zwar: im Stadt Tempel, I. Seitenstettengasse um 9 Uhr vorm., im Leopoldstädter Tempel, II. Tempelgasse um 3/«l0 Uhr vorm., im Fünfhauser Tempel, XV. Turnergasse 22 um 9'Uhr vorm., im Ottakringer Tempel, XVI. Hubergasse 8 um 7 Uhr früh, im Währinger Tempel, XVIII.Schoppenhauerstraße 39 um 7=8 Uhr früh, im Floridsdorfer Tempel, XXI. Schindlergasse 4 um 5 Uhr nachm. Wien (Klub zionist. Arbeiter). Gg. Flitz Weisz wird am 17. August 1910 um '/i8 Uhr im Cafe Jägerhof einen Vortrag über das „Kaffeehaus- Judentum“ halten. Um'recht zahlreiches Erscheinen bittet der Ausschuß. Wien. Verein der jüdischen Handels- und Privatangestellten II. Taborstraße 20, Souterrain (Privatlokal). Mittwoch, den 17. August 1910, Vereinsabend mit Vortrag des Kollegen G r ü n h u t Thema: Amerikanische E in dr ück e. Beginn 8 Uhr abends (Gäste willkommen). Berichte. Wien. (Vereinigung jüdischer Hochschüler aus Galizien „Bar-Kochba“.) Die bei der Palästinaausstellung nachbestellten Filigran- und Damaskusärbeiten sind nicht — wie in der vorigen Nummer angegeben — IX. Lazarethgasse 29/11, sondern bei Herrn A. Besen, IX. Kinderspitalgasse 10, Hochparterre links, abzuholen. Krummau. Die jüd. Abiturienten veranstalteten am 26. Juli anl. des Todestages Theodor Herzls eine imposante Gedenkfeier. Fast die ganze jüdische Gemeinde Krummaus mit ihrem Kultuspräsidenten, Großindustriellen Herrn Ludwig Spiro, war vertreten. Es war die erste jüdische Veranstaltung Krummaus. Nach der feierlichen Eröffnung durch Abiturienten Herrn Ernst Epstein (Barissia) sprach Herr phil. Oskar Epstein (Bar Kochba) über das Thema „Große Jüdische Männer“. Hierauf folgte die Herzlgedenkrede gehalten von Herrn JUC. Otto Stern (Barissia). Die weihevolle Stimmung, in. welche die Versammlung durch diese Gedenkrede versetzt wurde, wurde noch verstärkt durch die verständnisvollen Rezitationen einiger Dichtungen von Rosenfeld und Frug durch Abiturienten Herrn Jaques-Schwarz, welche den Anwesenden einen Einblick in die jüdische Moderne darbieten sollten. Herr techn. Willy Fischer spielte Kol Nidrei von Bruch meisterhaft; Herr phil. Alfred Kraus (Bär Kochba) las die „Menorah“ von Herzl. Den Schluß des Abends, der für die jungjüdische Bewegung in Krummau von weittragender Bedeutung ist, bildeten Rezitationen von Gedichten von Zlocisti und Matthias Acher, welche von Herrn JUC. Otto Stern (Barissia) voll Temperament vorgetragen, reichen Beilall ernteten. Der Abend bedeutete finanziell und moralisch, einen großen Erfolg. Sauerbrunn. Am'31. v. M. wurde in Sauerbrunn bei Wr.-Neustadt von den dort anwesenden Wiener Gesinnungsgenossen eine Herzlgedenkfeier, die mit einer Sammlung für den Herzlwald verbunden war, veranstaltet, zu welcher, sich auch Gesinnungsgenossen aus Nagymarton einfanden. Ing. Köppl begrüßte die Erschienenen und wies in kurzen Worten darauf hin, wie lebendig der Geist Herzls in uns ist. Vorher widmete er dem so plötzlich dahingeschiedenen Mitgliede des Jüdischen Klubs, Gg. Dr. Heinrich Gabel einen warmen Nachruf. Es wurde beschlossen, dem Jüdischen Klub, sowie der Witwe des so früh Verstorbenen das Beileid der Versammelten zur Kenntnis zu bringen. Hierauf hielt Gg. Glan_ die Gedenkrede..Er schilderte Herzls Werdegang, seine Tätigkeit als Journalist und schließlich sein Werk als Organisator der zionistischen Bewegung. Er -zählte ferner die Schöpfungen Herzls auf, von dem Augenblicke, als er seinen „Judenstaat“ schrieb bis zu jenem Moment, wo Herzls müder Körper nicht mehr weiter konnte und er Franzensbad, später Edlach aufsuchte, um Genesung von seinem Leiden zu finden. „Wir werden“, schloß Redner, „weiter arbeiten, Herzls Werk weiter verkünden allen Juden! Und was wir vermögen, vermögen wir durch Herzl!“ Die Ausführungen machten auf die Anwesenden, die sich nur zum geringen Teile aus Zionisten zusammensetzten, großen Eindruck. Sodann trug Herr Schwarz (Hyrkania) die „Menohra“, sowie Gedichte von Mosenthal und Nordau vor, wofür ihn reicher Applaus belohnte. Nachdem noch Frl. Silberstein die Anwesenden durch den Vortrag Rosenfeld’scher Gedichte erfreut hatte, forderte Gg. Ing. Köppl zu Sammlungen für den Herzlwald auf. Das bisnerige Ergebnis beträgt ca. 70 Kronen. Für das Zustandekommen der Feier muß namentlich den eifrigen Mitgliedern des vorbereitenden Komitees, den beiden Gesinnungsgenossen Heinrich und Rudolf Glanz Dank gezollt werden, die unermüdlich tätig waren, um die Feier zu einer würdigen zionistischen Kundgebung zu gestalten. Ung. Hradisch. (Jüdisch-akademische Ferialverbindung „Achiwah“.) Ergebnis der diesjährigen Chargenwahlen: chem. Rudolf B ramm er x, ing. Erwin Schön xx, phil. Oskar Brand Statt jeder Verständigung an die befreundeten Verbindungen und Vereine spendet die Verbindung 2 K dem Nationalfond. Przemysl. (Jüd.-akad. Verbindung „Agudath Herzl“.) Die Chargenwahlen für das Wintersemester (XIII) 1910/11 ergaben folgendes Resultat: JUC. Leon Duldig (x) x, JUC. Josef Rosenfeld (xxx) JUC. Natan Halpem im verflossenen Semester wurden 52 Seminarabende über die Geschichte des Zionismus und Kolonisationsverhältnisse Palästinas abgehalten. Außerdem wurden in einer Reihe von Diskussionsabenden die wichtigsten Probleme der jüdisch-kulturellen und politischen Bewegungen besprochen. Nach außen hin veranstaltete die Verbindung eine ganze Reihe von Vorträgen, welche zahlreich besucht waren. Unter anderem sprachen Prof. Boris Schatz aus Jerusalem „Ueber die Bedeuiung einer jüdischen Gewerbeschule für die ■jüdische Kunst“ und R.-Abg. Adolf Stand „Ueber die jüdische Moderne“. Im laufenden Semester werden die Seminararbeiten weiter fortgesetzt und eihe Tonbeehälle ins Leben gerufen werden. Kulikow. Dienstag den 26. v. M. fand in unserer Stadt eine Trauerandacht zu Ehren unseres verstorbenen Führers Dr. Th. Herzl statt, welcher