Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 4 (1910)
- Issue
- 28 (15.7.1910)
- Date
- 1910-07-15
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 28 JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 5 Vertreter des Aktionskomitees in Jaffa gewisse Repräsentationspflichten zu erfüllen hat, so kann der Etat nicht als übermässig hoch gelten. Die Frage, ob eine Behörde für den Zionismus zu teuer ist, lässt sich überhaupt nur beantworten, wenn man zugleich in Betracht zieht, welche Arbeit die Behörde leistet. Ein Palästinaamt, das viel Arbeit tut, kann mit 19.000 M. sehr billig, und es kann, wenn es wenig Arbeit tut, bei demselben Betrage sehr teuer sein. Bisher hatte das Palästinaamt viel Arbeit, denn wir hatten hauptsächlich mit Neueinrichtungen zu tun. Aber die Erhaltung des einmal Eingerichteten erfordert viel weniger Arbeit, und ich sage es offen: wenn das Palästinaamt nicht bald neue grosse Arbeit erhält, dann kann wirklich bald der Zeitpunkt eintreten, wo das Palästinaamt für seine Kosten kein genügendes Aequivalent mehr leistet, und dann werde ich der erste sein, der Ihnen sagt, dass das Palästinaamt in seiner jetzigen Gestalt keine Existenzberechtigung mehr hat. Als ich das Palästinaamt übernahm, sah ich es voraus und erklärte mit aller Entschiedenheit, dass das Palästinaamt auf die Dauer nur dann eine grosse Tätigkeit entfalten könne, wenn es das Parzellierungsgeschäft übernimmt. Ich habe darum für die Uebernahme des Palästinaamtes die Bedingung gestellt, dass die P. L. D. C. gegründet wird. Sie hat aber leider nicht das nötige Kapital aufbringen können, wenigstens nicht auf dem Wege des Verkaufes von Aktien. Wir wandten uns darauf an die Kolonialbank um Gewährung eines Darlehens. Die Verhandlungen haben jedoch zu keinem Resultat geführt. Wir haben uns schliesslich an den Nationalfonds gewandt und ich will hoffen, dass der angesuchte Betrag uns jetzt endlich bewilligt ist. Ohne die Parzellierungstätigkeit der P. L. D. C. fehlt unserer ganzen Palästinaarbeit das Rückgrat. Es gibt in Palästina für Zionisten, sie mögen sich politische oder praktische nennen, nur zwei Dinge: den Boden zu erwerben und Leute hinzubringen. Ich kann Ihnen sagen, dass jetzt eine grosse Menge Leute in Rumänien, Russland und Amerika bereit sind, mit Geld nach Palästina auszuwandern, sobald ihnen die Möglichkeit geboten ist, in Palästina Boden zu erwerben und eventuell vorher bepflanzen zu lassen. Ich kann Ihnen sagen, dass die Aufträge> die ich in dieser Beziehung habe, sehr bedeutend sind. Wir haben leider in den letzten Jahren die Gelegenheit versäumt, Land zu kaufen. Jetzt, wo es keiner Einsicht mehr verborgen bleiben kann, dass es Käufer en masse gibt, ist es schwierig geworden, Land zu kaufen. Darüber hier zu sprechen, ist nicht der Platz. Ich möchte nur darauf hinweisen, dass man, sobald es möglich ist, Land zu kaufen, mit aller Macht kaufen muss. Aber wir haben nicht nur mit bemittelten, wir haben auch mit unbemittelten Juden zu tun. Ueber die Siedlungsgenossenschaft, die unbemittelte Juden landwirtschaftlich ansässig machen will, will ich nicht weiter sprechen. Ich kann nur sagen, dass die Versuche, die wir im kleinen in Um-Dschuni jenseits des Jordans gemacht haben, bisher sehr günstig verlaufen sind. Aber worüber ich jetzt sprechen möchte, das ist die Lage des jüdischen Arbeiters, der als Lohnarbeiter in den jüdischen Kolonien tätig ist. Dieser Arbeiter kann mit dem arabischen deshalb nicht konkurrieren, weil der arabische Arbeiter in dem nächsten Dorf wohnt und dort sein Haus und sein Land hat. Für ihn ist der Lohn, den er in der jüdischen Kolonie verdient, nur ein Nebenverdienst, den er bar nach Hause trägt, während der jüdische Arbeiter ganz und gar von dem leben muss, was er als Lohn erhält. Man hat bisher noch keine Vorsorge getroffen, den jüdischen Arbeitern in den jüdischen Kolonien das Leben durch Schaffung gesunder Wohnungen leichter zu machen. Hier muss etwas geschehen, damit die Arbeiter nicht glauben, dass der Zionismus nur für die bemittelten Juden sorge; es muss sofort zur Schaffung eines Fonds für den Bau von Arbeiterhäusern geschritten werden. Ich möchte Sie dringend bitten, in der Palästinaarbeit jetzt ein schnelleres Tempo einzuschlagen. Es gibt keine Verschiedenheit in den Prinzipien mehr. Ich wollte besonders auch feststellen, dass es unrichtig ist, wenn von manchen Seiten die Meinung ausgesprochen wird, das Palästinaamt könne deshalb nicht erfolgreich arbeiten, weil es in Köln oder Berlin Widerstand fände. Widerstände hat es von den Institutionen, mit denen es arbeitet, nicht gehabt, aber es gibt Verschiedenheiten des Temperaments und des Tempos. Wenn wir in Palästina die vielen Arbeitsnotwendigkeiten sehen, geht es uns sehr hart ans Herz, wenn wir eine Gelegenheit, etwas zu tun, nicht sofort ausnützen. Es kommt vor, dass ein Brief, der in Jaffa sehr warm geschrieben wird, in Köln und Berlin viel kälter gelesen wird. Es kann ja sein, dass man unseren Anregungen bisher deshalb nicht so rasch gefolgt ist, weil man geglaubt hat, wir seien neue Leute in Palästina und könnten Dummheiten gemacht werden. Nun sind wir ja schon 2'/- Jahre dort. Wir hatten also Zeit genug, Dummheiten zu machen oder Dummheiten vorzuschlagen. Wir haben das nicht getan. Wir haben unsere Geschäfte vorsichtig geführt und nichts befürwortet, was man als phantastisch oder utopisch bezeichnen könnte. Die Prüfungszeit sollte deshalb jetzt als beendigt angesehen werden. Und wenn wir in Zukunft von Palästina aus Vorschläge machen, bitten wir Sie, diesen mit Vertrauen entgegenzukommen und versichert zu sein, dass wir die Sache gründlich geprüft haben. Wir bitten Sie um ein schnelleres Tempo. Wir, die wir täglich die Notlage vor Augen haben, in der sich die Kolonisationsarbeit befindet, wir, die wir sehen, dass uns Fuss um Fuss verloren geht, haben das Recht, etwas Temperament zu haben. Und es muss sich bei Ihnen der Gedanke durchsetzen, dass jeder Tag, den wir jetzt verstreichen lassen, für die Ewigkeit verloren ist. Zeitschriften und Bücherschau. Unser Zentralorgan «Die Welt» bespricht die Resultate der zionistischen Jahreskonferenz in einem längeren Artikel und fasst die Ergebnisse, wie folgt, zusammen: «Die Jahreskonferenz hat den Frieden geschaffen, der für die Vorbereitung des Kongresses nötig ist und allein ein gedeihliches ruhiges Behandeln der wichtigen prinzipiellen Fragen verbürgt. Es ist weiter ein für uns alle sehr erfreuliches Ergebnis, dass gerade diese Jahreskonferenz, für die soviel Zündstoff angehäuft war, diejenige geworden ist, auf welcher zum erstenmal ein . Budget vorgelegt und bewilligt worden ist. Die Verhandlung dieses Voranschlages wie auch seine Annahme sind ein ganz besonders beredtes Anzeichen für den sachlichen Ernst, mit dem die Jahreskonferenz ihre Aufgabe auffasste und durchführte, nicht nur Beruhigung zu schaffen, sondern auch gemeinsame Arbeit, an der sich alle Zionisten beteiligen sollen, zu ermöglichen. Durch die Misshelligkeiten der letzten Monate ist vieles versäumt worden. Die Agitation für die zionistische Idee hat vielfach geruht, die Sammlung der Schekelgelder, die das engere Aktionskomitee zur regelmässigen Abwicklung der Geschäfte unbedingt nötig hat, ist vernachlässigt worden. Das sind gleich zwei Gebiete, auf denen sich der heilsame Einfluss der vollzogenen Einigung vor allem deutlich und augenfällig zu erweisen haben wird. Die Referate Franz Oppenheimers und Dr. Ruppins haben weitere Angelpunkte gezeigt, in denen die ungesäumte Arbeit aller Gesinnungsgenossen sofort und intensiv einsetzen muss, wenn Resultate von bleibendem Werte erzielt werden sollen. Kurz, diese Konferenz hat für jedermann, in welchem Berufe er immer stehen, in welchem Lande er immer leben mag, soviel Möglichkeit der Mitarbeit gebracht, dass zu Streitigkeiten und Auslegungen wohl wenig Zeit und Gelegenheit übrig bleiben kann. Jeder, der es ernst mit unserer Sache meint — und das sind wohl alle, die sich zum Baseler Programm bekennen — muss von nun an wieder, wie in den ersten Tagen unserer Bewegung, seine beste Kraft, sein freudigstes Wollen der gemeinsamen Sache widmen. Keiner darf mehr abseits stehen, weil jeder wissen muss, dass sein Können und Denken nicht ihm gehört, sondern unserm Volk, das nicht so reich an Kräften ist, als dass es nur eines seiner Kinder entbehren könnte. Jeder muss seine Pflicht kennen und üben um Zions willen.» Die Jüdische Rundschau, Berlin, bespricht in ihrem Leitartikel „Bildersturm in München“ die von uns in der jüngsten Nummer mitgeteilte unerhörte Massnahme der Münchner Ausstellungsdirektion, die über Intervention des russischen Gesandten anordnete, dass das Ge-! mälde Fabian skis, welches den Ki e wer Pogrom darstellt, aus den Ausstellungsräumen entfernt werde. Wir haben als Juden u n d als deutsche Staatsbürger das Recht festzustellen, dass das Bild, um das es sich hier handelt, wenn es auch in der Ausführung noch so krass wäre, und wenn es die — im Sinne | eines russischen Beamten — schlimmsten Deutungen zuliesse, doch nur ein schwacher Widerschein der Wahrheit wäre. W enn diese roh und brutal ist, wenn sie mit der Majestät des Zaren nicht verträglich erscheint, so ist das jedenfalls nicht die Schuld des Malers. Und wir haben die Pflicht zu protestieren, dass eine deutsche freie Behörde dem russischen Gesandten so bereitwillig ihre Dienste anbietet — denn zu befehlen hat der Herr in diesem Falle ja nichts — wenn es sich darum handelt, zugunsten des Zaren und seiner Regierung ein bisschen Geschichte fälschen zu helfen und Väterchens Schande zu verstecken. Das ist umso dümmer und unzweckmässiger, als es da doch wirklich nichts mehr zu verstecken gibt . . . Und für unseren Protest erwarten wir die lebhafte Unterstützung aller derjenigen — Juden und Christen — die sonst so rasch bei der Hand sind, Deutschlands nationale Würde zu wahren, wenn es sich um Marokko und die Gebrüder Mannesmann handelt oder um einen in der Türkei verhafteten deutschen Landstreicher . . . Jüdische Turnzeitung, Berlin. Aus dem Inhalte des Mai-Juni-Heftes: Galiläa von Franz Oppenheimer. Das Kaffeehausjudentum von E. Burin, Brief aus Konstantinopel von J. Hirsch, Die demokratische GrundlagederjüdischenTurnvereine von Th. Scholem, Ferienkolonien und Ferienausflüge von Lina Wagner-Tauber, Sport als Schutz vor Erkältung von Prof. Dr. G. Unna, Mitteilungen u. s. w. Vereinsu. Versammlungs- Nachrichten. Voranzeigen. Wien. Allgemeiner jüdischer Arbeiterverein. Samstag, den 16. d. M., präzise 8 Uhr abends, findet im Vereinslokale: «Cafe Stefanie», II. Stefaniestrasse 2 (separierter Raum) ein Vortrag des Gen. I s a k Z a 11 e 1 aus Wadi elChanin (Palästina) über: «Die Lage der jüdischen Arbeiter in Palästina» statt. Erscheinen der Mitglieder Pflicht; Gäste willkommen. Wien. Die jüd.-ak. Verbindung «Unitas > schloss am 8. d. M. das Sommersemester. Zum Ferialleiter wurde Bb. Leo Schick gewählt. Zuschriften an die Verbindungsadresse: VIII. Auerspergstrasse 21 oder ins Couleur-Cafe, I. Wipplingerstrasse 27, Cafe Louvre. Wien. Der Verein zionistischer Hochschüler «Theodor Herzl> gibt bekannt, dass sein lieber A. H. Josef G r e h e r am Samstag, den 16. d. zum Doktor der Philosophie promoviert wird. Karlsbad. Der Jüdisch-akad. Klub in Karlsbad hat dieser Tage sein siebentes Semester eröffnet. Dem Rechenschaftsberichte ist zu entnehmen, dass der Klub im abgelaufenen Halbjahr eine erspriessliche Tätigkeit und Arbeitsfreudigkeit seiner Mitglieder an den Tag legte. Fast allwöchentlich hielten Mitglieder während der Ferialmonate Seminare ab, in denen jüdische Themen behandelt wurden Besondere Erwähnung verdient auch der Agitationsabend, den der Klub in Verbindung mit dem Einzelverein «Zion» in Karlsbad veranstaltete. Als Redner waren die Herren Prof. Dr. A. Engel aus Prag und E. Bechert aus Teplitz geladen. Der Abend, zu dem sich die vornehmsten Kreise unserer Stadt, die uns sonst noch fernestehen, eingefunden hatten, nahm einen glänzenden Verlauf. Ferner war der Klub korporativ bei einer Agitationsfahrt nach Eger beteiligt, die einen schönen Erfolg zeitigte. Auch sonst war er überall in der Provinz und in Prag vertreten, wo es galt, jüdische Interessen zu wahren. Es wurden mehrere Unterhaltungen veranstaltet, unter denen der im Winter veranstaltete Kommers, an dem sich die gesamte Aktivitas der jüd -nat.-akad. Verbindung Barissia in Prag beteiligte, hervorzuheben ist. Die Chargenwahlen für das laufende Semester hatten folgendes Ergebnis: jur. A. Löwenstein X. jur. E. Seligmann XX, jur. M. Pfeffer XXX- Alle Zuschriften sind zu richten an: jur. M. Pfeffer, Karlsbad, «Roland». Kremsier. Chargenwahlen der jüd. - akad. Ferialverbindung «Ossid ■. J. U. C. Adolf Brand X> cand. med. Edmund Reichard XX, jur. Paul KnöpfelmacherXXX, exp. Emst Kien, Bibliothekar, med. Ernst Steiner, Kassier. Prag. (Abschiedsfeier für Dr. E. Margulies.) Mittwoch, den 6. d. M. veranstaltete ein aus Vertretern der zionistischen Vereine gebildetes Komitee einen Abschiedsabend für Dr. Emil Margulies, der, nachdem er ein Jahr lang in Prag als Präsident des Distriktskomitees gewirkt hat, nunmehr seinen Wohnsitz nach Leitmeritz verlegt. Die Redner der verschiedenen Korporationen suchten den Verdiensten des Dr. Margulies gerecht zu werden, eine schwierige Aufgabe, da seine Leistung nicht sowohl in ein paar Aktionen bestanden hat, als vielmehr in einer mit seiner seltenen Energie durchgeführten Anregung und Anfeuerung aller zionistischen Arbeit in Böhmen und sein grösstes Verdienst in seiner grossen Auffassung des Zionismus liegt, die den so wertvollen und erfreulichen Beweis geliefert hat, dass auch in den Kreisen der bürgerlichen Zionisten der Idealismus unserer Bestrebung wirken kann, ohne zur hohlen Pose zu werden, wirken kann im engen Verein mit klar erkannter, ernster, unermüdlicher und darum in dem oder jenem Sinn praktischer Arbeit. Wenn gerade in diesem Jahre das Distriktskomitee aus mancherlei Gründen, nicht zuletzt infolge