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Jüdische Zeitung · 1910-07-08 · 27 (8.7.1910) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
4 (1910)
Issue
27 (8.7.1910)
Date
1910-07-08
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 lÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 27 Darum müssen wir in unserer Siedlungsgenossenschaft auch die zweite, die psychologische Bedingung der Rentabilität schaffen. Wir müssen die Kraft des Selbstinteresses als Motor einfügen und haben nach allen Erfahrungen der Wirtschaftsgeschichte dann die gegründete Aussicht, durch den guten Willen der Arbeiter reichlich zu ersetzen, was ihnen an technische Schulung abgeht. Das heisst: Unser technisch raffinierter Grossbetn'eb muss gleichzeitig landwirtschaftliche Arbeiterproduktivgenossenschaft sein, d. h. ein Betrieb, dessen Voller Reinertrag allen Arbeitern im weitesten Sinne inklusive des leitenden Beamten unverkürzt zuiliesst. Nur lässt sich dieses Ziel nicht mit einem Sprunge erreichen. Es bedarf noch einer Vorbereitungsperiode des der Form nach kapitalistischen Grossbetriebes, der aber seinem ökonomischen Inhalt nach bereits Genossenschaft ist, nämlidi des Grossbetriebes mit starker Gewinnbeteiligung der Arbeiter Der jüdische Sozialismus und seine Strömungen. Von Maxim Anin. (Sonderabdruck aus dem ßar-Kochba-Almanach, Wien 1910.) In leichtfasslicher und übersichtlicher Weise stellt Maxim Atiin in dieser Arbeit die Entwicklung des jüdischen Sozialismus dar. Man könnte als Motto der Arbeit «Je n’impose rien, je ne suppose rien, j’expose« sdireiben. Ohne Voreingenommenheit wird gesagt, worin das Wesen des jüdischen Sozialismus besteht, wie die versdiiedenen jüdisch-sozialistischen Parteien entstanden sind, wie sie sich entwickelt haben und was dem jüdischen Proletariat nottut Die Schlussfolgerung der Arbeit gipfelt in folgendem Satze: «Aus dem Golus durch den Territoriale smus — zum Sozialismus», wobei hinzugefugt werden muss, dass der Autor unter Territörialismus auch den Zionismus begreift. Die Arbeit ist lesenswert und gibt über den jüdischen Sozialismus bessere und unparteiischere Auskunft als ein mächtiges, aber von lendenz durdisetztes Werk. Vereinsu. Versammlungs- Nachrichten. Voranzeigen. Wien. Verein der jüdisdien Handels- und Privatangestellten „Achwah“. II. Taborstrasse 20. Samstag, den 9. d. M. präzise 9 Uhr abends anlässlich der Lokaleinweihung: Geselliger Abend: Akademie mit'Tanz. Gäste herzlich willkommen. — Sonntag, dep ■ 10. d. M. Ausflug: Führung Kollege Samuel Strauss. Zusammenkunft präzise */43 Uhr bei der Stadtbahnstation Schottenring. Stockerau. Am 29 Juni a. c. hielt der Verein «Zion» Slockerau - Korneuburg seine diesjährige Generalversammlung ab. Der stell vertretende Obmann H. Greipl begrüsste die zahlreich erschienenen Mitglieder und Gäste und erstattete den Rechenschaftsbericht, worauf dem scheidenden Vorstande per aedamationem das Absolutorium und der Dank ausgesprochen wurde. Daran schlossen sich die Neuwahlen, die folgendes Resultat hatten: Josef Greipl, Obmann; ferner in den Vorstand: H. Schneider, Ing. P o 11 a c k, pliil. Alfred Stern und Scheuer; in den Beirat die Herren: Josef S o f e r, Kultusvorsteher Wilhelm J e 11 i n e k und Dr. Robert Beer. Zum Schlüsse sprach das zur Versammlung erschienene D.-K.-Mitglied Doktor Beer über: «Die gegenwärtige Lage im Zionismus.» Wiznitz. (H e r z 1 - F e i e r.) Aus Anlass des SO. Geburtstages Herzls veranstalteten die hiesigen Zionisten eine Gedenkfeier, bei der Gg. Universitätsrofessor Dr. Kellner vor einem tausendköpfigen ublikum, das in der grossen Synagoge versammelt war, die Gedenkrede hielt. Redner sprach in tiefinniger Art über Herzls Eltern, seine Erziehung, seine erste Laufbahn als Schriftsteller und widmete den Schlussteil seiner Ausführungen der Bedeutung Herzls für das Judentum. Als er sc. loss, brach ein wahrer Beifallssturm los. Am Abende fand ein vom Vereine «Deborah» in Gemeinschaft mit der zionistischen Studentenschaft veranstalteter Kommers statt, bei dem mehrere Redner auf Prof. Kellner toastierten. Zur Verbreitung des zionistischen Gedankens trug die Feier sehr viel bei. Bemerkenswert ist noch die Tatsache, dass sich am Bahnhofe zur Begrüssung Prof. Kellners neben den Vertretern Zionistischer Vereine aus Wiznitz und den benachbarten Städtchen Kuty und Kossdw auch noch eingefunden hatten : Bürgermeister V o g h e 1 mit mehreren Stadt- und Gemeinderäten, Kultusvorsteher Sal. Löb 1, Stadtarzt Dr. Zellermayer, Advokat Dr. R e i c h m a n n u. v. a. Man sieht, dass auch schon in unseren offiziellen Kreisen die Sdieu vor allem, was zionistisch ist, zu weichen beginnt Jägerndorf. Den Bemühungen unserer unermüdlichen Vorkämpfer, der Herren Max G oldbergerund Max Konstandt in Freudenthal, sowie der Troppauer Gesinnungsgenossen ist es gelungen, in Jägerndorf, einer Hochburg der Assimilation, eine Ortsgruppe «Zion» ins Leben zu rufen. Bei der konstituierenden Generalversammlung ani 2S. Mai d. J., bei der unter anderem Herr Doktor Fritz Eckstein aus Troppau in gewohnt trefflicher Weise ein Referat über die Lage unserer Volksgenossen und die Notwendigkeit der Organisation erstattete, wurde Herr Salomon Bock zum Obmann, Herr Emil Katz zum Obmannstellvertreter, Herr Rabbiner Dr. Adolf Rudolf er zum Schriftführer, Herr Nntionalfondskommissär Siegniund Cohn zum Kassier und die Herren Samuel N e 11 e 1, Eduard Weiss, Kultusvorsteber Julius Krämer, Bertold Markus, Moritz J o k 1 und Dr. Bertold Singer in den Ausschuss gewählt. Der Verein zählt bereits gegen 60 Mitglieder und es ist zu hoffen, dass er dazu beitragen wird, die Propaganda für unsere erhabenen Ideen auch in diesem bisher abseits liegenden Landesteile zu wecken und zu fördern. Am 19. Juni d. ]. fand ein gemeinsamer Ausflug der Jägerndorfer, Troppauer und Freudenthaler Gesinnungsgenossen nach der Sommerfrische Erbersdorf statt, der sehr animiert verlief und bei dem unter der Patronanz Sr. Ehrwürden Herrn Doktor Fried mann aus Troppau flcissig für den Nationalfonds gesammelt wurde. Rendezvous aller Gesinnungsgenossen ist das Restaurant der Frau Erna Spitzer in Jägerndorf, Franz Josefsplatz, wo die 'jüdische Zeitung», -Jüdische Volksslimme», «Well» aufliegen. Radautz. Am 19. Juni veranstaltete der Verein „Dorsche Zion“ eine Herzl-Gedenkfeier Nach Absingung eines Chorals des hiesigen Tempelchors unter Leitung des Oberkaniois Bernstein begrüsste der Obmann des Vereines Herr Dr. Josef Bi e rer die gesinmiiigsgenössisclien Vereine und die zahlreich erschienenen Gäste, worauf der Obniann unseres Landeskomitees Herr Prof. Dr. Kellner in geradezu meisterhafter’Wcise über den Werdegang unseres grossen Führers sprach. Trotzdem wir aus demselben beredten Munde bei einer früheren Gelegenheit schon vieles über Herzl hörten, war das am Abend Gebotene uns gänzlich unbekannt und neu, woraus mau scliliessen konnte, wieviel opferfreudige Arbeit und Mühe der Vortragende dein Studium des Hcrzlsclicn Nachlasses widmete; ebenso originell wie der ganze Vortrag war auch die Schlussaposlrophe an die Anwesenden, nicht nach Palästina zu gehen, da durch die Masseneinwanderung der Boden sich ungeheuer verteuern würde, sondern im Sinne des Propheten Jesaias die Wege zu ebnen für unsere zur Auswanderung gezwungenen armen Brüder durch Förderung. der zionistischen Institutionen. Frenetischer Beifall folgte auf diese Rede, und fand die Begeisterung, die diese Worte entfachten, auch in einem Kommerse durch so manchen schönen Toast den würdigen Abschluss. Verein „Jüdisches Schülerheim“ (Gurahumora). Das jüdische Schülerheim wird mit Beginn des Schuljahres 1910/11 eröffnet. Gesuche um Aufnahme und sonstige Anfragen sind an den Obmann Dr. Chomed in Gurahnmora zu richten. Gleichzeitig erlaubt sich der Verein, allen Spendern auf diesem Wege den tiefgefühlten Dank zum Ausdrucke zu bringen und schliesst daran die Bitte, den Verein, der edle Zwecke verfolgt, auch fernerhin durch Spenden und Beitrittserklärungen zu fördern. Bureau des Jüdischen Nationalvereines für politischen Rechtsschutz. Der Jüdische Nationalverein für Oesterreich hat in der Erkenntnis der Notwendigkeit des Schutzes der politischen Rechte der Juden Oesterreichs beschlossen, ein Bureau für diesen Zweck ins Leben zu rufen. Folgende Herren haben ihre Mitwirkung zugesagt: Dr. Oskar Marian, Dr. Michal Feuerstein, Dr. Wilhelm Klein, Dr. Egon Zweig, Dr. Alfred Lanzer, Dr. Leopold Meisei, Dr. Jakob Kommer, Dr. Leo Blum, Dr. Jakob Kohn, Dr. David Rothblum, Dr. Emil Krasny, Dr. Max Bernhardt, Dr. Arthur Immerglück, Dr. Isidor Margulies, Dr. Jakob Ehrlich, Dr. Heinrich Gabel, Dr. Maximilian Piekarsky. Dr. Armin Fischl. Auskünfte werden im Redaktionslokal der .Jüdischen Z ei t u n g“, Wien, IX/, 1 Li echten st e i n st ra s s e 11, erteilt. Aufruf! Jüdische Mädchen Wiens! Ein Komitee hat sich gebildet, das es sich zum Ziele gesetzt hat, einen zionistischen Mädchenverein in Wien zu gründen. hi allen Siädten und Städtchen blühen und entstehen neue jüdische Mädchenvereine; überall versammeln sich die Frauen unter der blau-weissen Fahne, gedrängt von der Liebe zu ihrem unterdrückten Volke und dem Bewusstsein ihrer Pflichten gegen dasselbe. Gemeinsam erheben sie sich an dem Beispiele unserer grossen Vergangenheit, gemeinsam lesen sie die Werke unserer Dichter und schöpfen aus ihnen Hoffnung auf eine schöne Zukunft und Kraft, für dieselbe zu arbeiten. Und hier in Wien, wo uns der Schatten unseres grossen Führers umschwebt, wo seine ersten Prophetenworte erschallten und begeistertes Echo in der ganzen Welt fanden, soll kein geeigneter Boden für zionistische Bestrebungen sein? Jüdische Mädchen! Verbindet Euch mit uns zu gemeinsamer ernster Arbeit. Wir wollen unsere Geschichte kennen lernen, uns in die Werke unserer Dichter und Denker vertiefen und uns so selbst erziehen zur Mitarbeit an der jüdischen Zukunft. , Dazu rufen wir Euch und hoffen, dass unser Ruf nicht ungehört bleiben wird. Anmeldungen und Anfragen sind an den Verein „Moria“, Kongressbureau, IX.Türkenstrasse 9, zu richten. Das vorbereitende Komitee. * * * Aufruf! Der Verein zionistischer Hochschüler „Tecliijah“ in Brody plant auf Anregung der A. H. A. U. Dr. Abraham Schenker, Dr. Isidor Tennenbaum, Dr. Markus Olesker und Dr. Chaini Tartakower für den 26., 27. und 2S. August a. c. anlässlich des Beitrittes der jüngsten Gymnasialabiturienten zu unserem Vereine die Veranstaltung einer grosszügigen Feier (Kollegcntag). Zur persönlichen Teilnahme an derselben werden höflichst eingeladen alle jene Herren, die das hiesige Gymnasium absolviert haben und irgend einer zionistischen Organisation Brodys angehörten oder derselben nahestanden oder sich auf andere W eise irgendwie um die Ausbreitung der zionistischen Idee in unserer Stadt verdient gemacht haben. Betreffende Herren werden auch, insofern sie noch heute der zionistischen Bewegung zumindest sympathisch gegenüberstellen, soweitunsere Kenntnis von ihnen reicht, schriftlich eingeladen werden. — Sie werden für jeden Fall höflichst gebeten, uns ihre Adresse mitzuteilen sowie sich über die fragliche Feier zu äussern. - Mit Zionsgruss für den Verein zionistischer Hochschüler „Techijah“ in Brody: Leon Komrower. Josef Schweig. PS. Sämtliche Zuschriften sind zu richten an den geschäftsführenden Ausschuss der „Techijah“ per Adresse Josef Schweig, Brody. Liste der Ueberläufer. Margaretha Fried, 1890, Wien, ledig, Private, 1. Graben 27. Alice Fried, 18S8. Vöslau, ledig. Private. I. Graben 27. Ida Weiner, 1864, Pirnitz (Mähren), ledig, Beamtin, V. Schönbrunnerstrasse 110. Stephan Kiss, 1891, Szegedin (Ungarn), ledig, VI. Webgasse 11. Karl Zentner, 1884, Wien, verh., k. k. Maschineningenieur, VII. Stuckgasse 13. Ottilie Bauer, geb. Heinisch, IS85, Bergstadt (Mähren), Private, VIII. Josefstädterstrasse 85. Wilhelmine Schäfer, 18S8, Wien, ledig. Klavierlehrerin, VI. Kaunitzgasse 12. Alfred Wahringer, 1891, Wien, ledig, Pressvergoldergehilfe, VI. Fockygasse 36. Verzeichnis getaufter jüdischer Kurärzte. ln Ergänzung der in der letzten Nummer veröffentlichten Liste werden uns noch folgende getauften Aerzte genannt: Bad Ischl: Dr. Stefan Isor Stein. G a s t e i n: Dr. Josef Herzka. A b b a z i a: Dr. Stefan Isor Stein. Dr. Karl L ö w. Gräfenberg: Sanitätsrat H a s z e k. Aktienkapital K 40,000.000. Reserveuni Sictierstellungsfonds rund 112,90010 Zentrale in Prag, gegr. 1868. Filialen: Brünn, Budweis, Iglau, Krakau, Lemberg, Mähr.-Ostrau, Olmütz, Pardubitz, Pilsen, Proßnitz, Tabor und Triest. Wechselstuben, 1., Herrengasse 12, II., Praterstr. 42, VII., Mariahilf erstraße 84, X., Favoritenstraße 95. Einlagen auf Büchel 4% An- und Verkauf von Wertpapieren. Börsenordres. Darlehen auf Wertpapiere. Wechsel-Eskompte. Versicherung gegen Kursverlust. Safes der besten Konstruktion. WIENER FILIALE DER ZIVN0STENSKA BANKA PRO CECHY A MORAVU WIEN, I., HERRENGASSE Nr. 12.

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