Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 4 (1910)
- Issue
- 26 (1.7.1910)
- Date
- 1910-07-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 26 JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 5 Im Namen des Komitees das ich hier vertrete, will ich Herrn Professor Schatz für die große mühevolle Arbeit, der er sich im Dienste dieses schönen Werkes unterzogen hat, herzlichst -danken, gleichfalls danke ich im Namen desselben Komitees allen meinen Mitarbeitern, welche zum Erfolge beigetragen haben und weiter beitragen werden. Meine Damen und Herren, es kann nicht mein Zweck sein, hier eine große Rede zu halten! Ein altes Volkswort sagt: „Das Werk lobt den Meister.“ Besichtigen sie unsere kleine Ausstellung und Sie werden sich selbst von den erzielten Fortschritten überzeugen können. Ehe Sie aber von uns scheiden, möchte ich Sie noch herzlichst bitten, uns Ihren materiellen und moralischen Beistand auch fernerhin leihen zu wollen, wir haben denselben auch weiter nötig. Und jetzt gestatte ich mir, den Herrn Konsul des Deutschen Reiches zu bitten, unsere Ausstellung in offizieller Weise eröffnen zu wollen. V ereinsu .Versammlungs- Nachrichten. Voranzeigen. Wien. (N c ß - Z i o n a h.) Dienstag den 5. Juli a. c., 8 Uhr abeds, findetindet im Klublokal Cafe Mocca, 1. Schottenring 12, ein Vortrag des Gg. Herrn Sigmund Jonas mit dem Thema: „Der Standpunkt der Bibel inder sozialen Frage“ statt. Die Gg. werden ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Gäste (auch Damen) herzlich willkommen. Berichte. Wien. (Erster österreichischer Hilfsverein für kranke zugereiste Juden.) Am 9. Juni 1910 fand unter Vorsitz des PräsidentenSalo Rappaport die erste ordentliche Generalversammlung des ersten österreichischen Hilfsvereines für kränke zugereiste Juden in Wien statt. Dem Jahresbericht ist zu entnehmen, daß der Verein schon im ersten Jahre seines Bestandes trotz mancher mit jeder Anfangsarbeit verbundenen Schwierigkeiten und Hindernisse, dieselben bereits überwunden und alles aufgeboten hat, um seinen eminent humanitären Aufgaben gerecht zu werden. Zahlreiche zugereiste kranke Juden, die ohne der Hilfe des Vereines den Widerwärtigkeiten der Großstadt ausgesetzt gewesen wären, wurden infolge Intervention der Vereinsleitung und des in aufopfernder Weise tätigen ärztlichen Beirates ihrer Heilung zugeführt und mit Hilfe verwandter Vereine wieder in ihre Heimat befördert. Ins Spital und dann mit Kost versorgt wurden 140 Personen, ambulatorisch behandelt und während dieser Zeit ebenfalls mit Kost und Quartier versorgt wurden 62 Personen. In die Irrenanstalt wurden untergebracht 2 Personen. Mit Geld und Bahnkarten wurden unterstützt 52 Personen. Es wurden sohin insgesamt von dem jungen Vereine bereits 262 Personen teils mit Geld, Unterbringung ins Spital oder ambulatorischer Behandlung versorgt. Was den Agitationsdienst betrifft, wurde beschlossen, im Wege der Presse festzustellen, daß Herr Brodaty in keinem wie immer gearteten Verhältnisse zu dem Vereine steht, demnach auch nicht bevollmächtigt ist, für den Verein Gelder in Empfang zu nehmen oder sonstwie im Namen des Vereines aufzutreten. Herr Kann war überhaupt nie in Diensten oder sonstwie beim Vereine. Die Vereinsleitung lehnt daher auch die Verantwortung für die von genannten Herren gemachten Versprechungen etc. ab. Nach Erteilung des Absolutoriums wurden die nachstehenden Herren in den Vorstand, beziehungsweise in den ärztlichen Beirat gewählt: Ins Präsidium die Herren: Dr. Salo Rappaport, Dr. Julius Flesch, Dr. Leo Sokolowsky. In den Vorstand die Herren: Jakob Krausz, Oskar Thiemann, Dr. Karl Natansohn, Dr. Rudolf Landesberg, Dr. Leo Brodsky, Sigmund Kornmehl, Bernhard Bernstein, J. Silber, Dr. Otto Grünwald, Max Wachstein. In dem ärztlichen Beirat die Herren: Dr. Prof. Mor. Benedikt, Dr. Leopold Knopf, Dr. Hermann Algyogy, Dr. Sam. Goldstern, Dr. Sima Goldstern, Dr. Armin Kohn, Dr. Robert Kohn, Dr. Robert Liechtenstern, Dr. Hugo Abeies, Dr. M. Salz, Dr. Viktor Frommer, Dr. Artur Horner, Dr. M. Weil und Frau Dr. Rosa Kerschbauer. Nachdem noch den Herren Professoren und Assistenten für ihre ersprießliche Dienste im Interesse des Vereines per Dank votiert und die Schaffung eines Damenkomitees beschlossen wurde, schloß der Präsident die Generalversammlung. Troppau. Am 19. Mai veranstaltete der hiesige zion. Verein „Jaschurun“ in dem mit zion. Enblemen und Herzlbild geschmackvoll dekorierten Promenadesaal eine Herzlgedcnkfeier, welche durch zahlreichen Besuch der Gg. ausgezeichnet war. Die Feier nahm dank des wirkungsvollen Programnies einen äußerst würdigen und imposanten Verlauf. Als Einleitung trug Fräulein Erna Hankam eine Prolog „Theodor Herzl“ vor. Ihre gefühlvolle Vortragsweise fand vielen Beilall. Hierauf hielt Herr Gg. Rabbiner Dr. S. Friedmann die Gedenkrede und feierte Herzl als den bedeutendsten Juden der letzten Jahrhunderte. In überzeugender Weise und mit heller Begeisterung besprach der Redner die Verdienste Herzls um das jüdische Volk und zeichnete mit viel Wärme und Poesie das Lebensbild unseres unvergeßlichen Führers. Seine begeisternden und zu Herzen dringenden Worte verfehlten nicht ihre Wirkung; nicht endenwollender Beifall belohnte den Redner, der schon unzähligemal in unserer Stadt und auch auswärts durch seine inhaltsreiche und formvollendete Reden die größten Erfolge für unsere heilige Sache erzielte. Nach der Gedenkrede trug Fräulein Gina Länderer aus B i e 1 i t z die Lieder „War ein kleines stilles Haus“, die „Allmacht“ von Schubert und das Cedernlied in wahrhaft künstlerischer Weise vor. Reicher Beifall lohnte die junge talentierte Künstlerin. Nun las Herr Gg. Dr. Fritz Ekstein aus Herzlswerken die „Menorah“ und Herzls Rede im Makkabäerklub Diese gemütvolle Erzählung und die von flammender Begeisterung getragene Rede fanden in dem Vortragenden den besten Interpreten. Er hat es verstanden, durch seine glänzende Vortragsweise einen nachhaltigen Eindruck hervorzurufen, und begeisterter Beifall wurde ihm als Dank zuteil. Die erhebende Feier beschloß Herr Gg. Albert Schlesinger mit einem Lied „Jeschurun’s Erwachen“, dessen Text von unserem Gg. Chaim ben Jehudo eigens für diese Feier geschrieben wurde. Sowohl Text als Melodie fanden begeisterte Aufnahme. Herr Schlesinger erzielte mit diesem Liede großen Erfolg, welches ausklingend in die Hatikwoh von den Gästen stehend angehört wurde. Auch dem Herzlwald brachte diese Feier einen schönen Erfolg, da der Reinertrag zur Pflanzung von fünf Oelbäumen bestimmt wurde. Antisemitische Sommerfrischen und Hotels. Zur Reisesaison veröffentlichen wir nachstehende Liste, die jedoch keineswegs vollständig ist. Ergänzungen sind erwünscht. Bansin: Villa: Gertrud,Seewarte, Büchner, Strandklause, Pensionat Concordia und Haus Kehrwieder. Binz: Villen: Glückspilz, Haus Gaebel, Seeblick Quisisana, Hotel Potenberg, Restaurant Imperial (Besitzer Staub). Borkum. Braunlage, O.-Harz: Die frühere antisemitische Notiz in dem Prospekt erscheint jetzt in der etwas milderen Fassung: „B. wird fast ausschließlich von Kurgästen christlichen Glaubens besucht.“ Nur dem Besitzer der Villa „Germania“ sind jüdische Gäste willkommen. Buckow: Christi. Erholungshaus Wilhelmshöhe. Cuxhaven: Hotel Kaiserhof, Seepavillon (Besitzer Piller). E i n ö d b. Friesenin Ober-Steiermark. Finsterbergen b. Friedrichroda: Kurhaus Felsenstein. Verwaltung versendet Prospekte: „Nur für christliche Familien.“ Fl insberg: Pensionate Boaring und Hasse. Frankfurt a. M.: Bahnhofhotel Köln, Hof (Besitzer Laaß). Freudenstadt i. Schwarzwald: Palmenwald. Gaisenstein. Gehlberger Mühle b. Oberhof. Groß-Tabarz i. Thür. Hahnenklee i. Harz: Pension Burgfriede. Hain i. Riesengebirge: Villa Idylle, christliche Pension. Harzburg: Villa Ladhuse, Haus Waldfried (Besitzer Hagelberg), Villa Winterberg, Nordhäuserstrasse. Hasserode b. Wernigerode: Kurhaus Dr.Kurbel. Herlingenhafen. Herzberg a. Harz. Juist. Karlsbad: Elisabethhaus, Hotel Morgenstern, Hotel National, Hotel de Russie, Hotel Residenz, Hotel Grillparzer, Hotel Römischer Feldherr, Hotel Italia, Hotel Florenz, Hotel Stadt Warschau, Hotel Insel Malta, Hotel Rosenstock, Kaiserstr., Hotel Brandenburger Tor, Hotel Preußische Krone, Hotel Egeria, Hotel Diamant, Hotel Englische Krone, Haus Lerchenthal, Haus Abbazia (Otto Löw), Schützenhalle (Thomas), Buchhandlung Herrn. Jacob. Kitzbühel: Fremdenverkehrsverein versendet Reklamebücher mit Stempel: Beschluß der Generalversammlung 1897: Anfragen von Juden bleiben unberücksichtigt. K ö n i g s f e 1 d, Schwarzwald: Prospekt: „Der christliche Charakter des Ortes bedingt christliche Hausordnung in den meisten Häusern, weshalb Israeliten ihn nicht aufsuchen.“ Kudowa: Villa v. Wunsch. Kufstein: Gasthof zu den 3 Königen. Mitterndorf (Salzkammergut). Langeoog. L a k o 1 k (Nordsee). Langkampe n. Landck: Elysium. L e b a: Nitschkes Hotel. Mezzolombardo: Rest, Gröbner. Mölln i. Lauenburg: Kurhaus. Neuenahr: Villa Orania (Schnitker). Oberlauchringen i. Bad.: Gasth. z. Wutachtal (Besitzer: Albiez.) Pyrmont: Pension Storch, Richters Pension „Kein Jüdischer Besuch“), Villa Heimburg Bes.: Frl. Montua: „Israeliten werden nicht aufgenommen“). Rentsch b. Bozen. Rengsdorf i. Westerwald: Hotel Richtmann und Hotel zum Stern. Salzbrunn: Villa Anna, Dachroedens Hof. Sielbeck, Holst. Schweiz: Hotel Kellersee. Sachsa, Bad, am Harz: Villa Buchenhöhe (Frieda v. Lüpka und Anna Hermann versenden Prospekte mit der Bemerkung: „Israeliten werden nicht aufgenommen“.) St. Johann i. Appenzell. Schierke i. Harz: Hoppe, Haus Tannenheim u. a. m. Schliersee: Hofhaus. Schreiberhau i. Riesengebirge: Landhaus „Marie Elisabeth“. Schwarzbach i. Wicgandstal. Seis i. Tirol: Hotel Dolomitenhof. Sirmione a. Gardasee: Hotel Promessisposi. Swine münde: Slrandschloß (christliches Haus), Seeschloß (christliches Pensionat). Travemünde: Villa Miramare. Volderbad b. Hall. Wangerooge. Warnemünde: Villa Seeblick. Wernigerode: Harzfriede (christl. Erholungsheim). Wenningsted t-Sylt. Westerland-Sylt: Pension Lambeck. Wildbad: Pens. Reuß und Waldeck, Montebello. Zinnowitz: Mit Ausnahme vom Kinderh. Hubertusburg. Im Anschluß daran veröffentlichen wir ein: Verzeichnis getaufter jüdischer Kurärzte. Karlsbad: Die Herren Dr. Gustav Aranyi, Dr. Adolf Charmatz, Dr. Franz Fokschaner, Dr. Edgar Ganz, Dr. Emil Goldschneider, Dr. Hugo Guth, Dr. Stefan Kelen, Dr. Rudolf Kolisch. Dr. Alexander Krontaromy, Dr. Friedrich Kraus, Dr. Arnold Lorand, Dr. Heinrich Munk, Dr. Gustav Töpfer, Dr. Wermer, Dr. Leo Zupnik. Herr Dr. Eugen Frank ist konfessions- und hat seine Kinder taufen lassen. Herr Dr. Desiderius Sipos ist konfessionslos. Marienbad: Dr. Emil Loewy, Dr. Leo Martens, Zahnarzt. Dr. Julius Schuetz Ebensee: Dr. Nobel. Bad Ischl: Kais. Rat Dr. Herzka. Meran: Dr. Binder, Besitzer des Sanatoriums Stefanie, Meran-Obermais. Dr. Träger, Zahnarzt. Franzensbad: Dr. Josef Steinbach, Dr. Gustav Egger, Dr. Bruno Fellner, Sohn des in Franzensbad praktizierenden kais. Rates Dr. Leo Fellner. Bad Nauheim: Die Söhne des Herrn Professor Dr. Isidor Grödel: Dr. med. Theo Grödel, Dr. med. Franz Grödel, Prof. Dr. Schott. K o 1 b e r g: Medizinalrat Dr. Behrend, Dr. Margulies, Dr. Fabian. Personalnachrichten. Allen Freunden und Gesinnungsgenossen danke ich auf diesem Wege für die mir anläßlich meiner Vermählung übermittelten Glückwünsche. Dr. Michael Ringel. * , * Herr S. Kraus, Inhaber eines Möbelwarenhauses, Wien V/i, Pilgramgasse 22, wurde zum k. k. Sachverständigen und Schätzmeister für Mobilieneffekten und Trödlerwaren ernannt. Liste der Ueberlätifer. (Vom 10. bis 26. Juni 1910.) Irene Bernstein, Private, 1886, Wien, I. Singerstraße 8. Therese Bernstein, Private, 1862, Wien, I. Singerstraße 8.