Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 4 (1910)
- Issue
- 26 (1.7.1910)
- Date
- 1910-07-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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3383S .N.n.T.™^ .D.R.™ 5S8S JDEDEZETUNG Erscheint wöchentlich. — Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: IX., Liechtensteinstraße 11, Telephon 12.299. — Sprechstunden täglich von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werdeh nicht zurückgestellt. — Abonnementspreise: Für Oesterreich-Ungarn: Ganzjähr. K 10.—, halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Für Deutschland: Gaüzjähr. Mk. 10.-, halbjähr. Mk. 5.-, Vierteljahr. Mk.3.-. Für das übrige ■jf"»********* Ausland ganzjähr. Frcs. 15.—. EinzelexemplAre20 h. Postsparkassenkonto 104.067. ****■*■#•*••*■***•**** Nr. 26.Wien, Freitag deA 1. Juli 1910. IV. Jahrgang. AUS DEM INHALTE: Illoyale Gegner. Die russische Gefahr und die Juden. Die zionistische jahreskonferenz. Die jüdischen Schanker. Von Dr. Max Diamant, Czernowitz. Die Resolution Adler-Stand. Von der Woche. Aus dem jüdischen Leben. Parteinachrichten. Vereinsnachrichten. Ueberläufer. An unsere Abonnenten! Unsere Abonnenten, die mit dem Abonnement im Rückstände sind, werden dringend ersucht, die schuldenden Beträge sofort zu überweisen. Die neu eintrefehdfe'n“' ÄBbnnen'fen' werden aufmerksam gemacht, daß das Abonnement im Vorhinein zu bezahlen ist. Die Empfänger von Probenummern werden um gefl. Mitteilung ersucht, ob sie auf weitere Zusendung reflektieren. Illoyale Gegner. Die vor wenigen Wochen durch die Parteikonferenz in Krakau geschaffene jüdischnationale politische Reichsorganisation bildet den Gegenstand erbitterter Angriffe seitens einiger Organe und Gruppen in Galizien und der Bukowina. Einerseits wird der Einwand erhoben, die Beschickung der Konferenz sei illegal gewesen und viele zur Teilnahme berechtigte Faktoren seien willkürlich ferngehalten worden. Anderseits wird behauptet, die Organisation selbst sei den heute an der Spitze stehenden „Machern“ bedingungslos ausgeliefert worden. Im Zusammenhänge werden auch gegen den reichsratlichen „Jüdischen Klub“ heftige Vorwürfe erhoben, die nur zum geringen Teil in das Gebiet sachlicher Kritik fallen. Die Parteikonferenz in Krakau wurde über Antrag des „Jüdischen Nationalvereines für Oesterreich“ einberufen. Sämtliche in Oesterreich derzeit existierende politische Vereinigungen, welche auf dem Boden des vor vier Jahren auf dem Parteitage in Krakau durchberatenen Programms stehen, wurden rechtzeitig von der Tagung verständigt und auf gefordert, ihre Vertreter zu entsenden. Mit Ausnahme des jüdisch-politischen Volksvereines in Prag, der aus unbekannnten GründeflVnicht reagierte, haben alle der Einladung Folge geleistet. Von „illegaler“ Einberufung der Konferenz und mangelnder Legitimation zu sprechet! ist daher absurd. Wohl wurde seitens einiger Personen, die keinem der in Frage kommenden politischen Vereine angehören, an die Einberufer direkt das Verlangen gestellt, der Konferenz als Delegierte beigezogen zu werden. Den Herren wurde aber natürlich der Bescheid zuteil, daß lediglich deh politischen Organisationen das Recht der Delegierung zustehe und ein Abweichen von diesem Standpunkte unter irgend welchen Titeln und zugunsten irgend welcher Personen, unstatthaft sei. Ebenso unbegründet und frivol ist der Vorwurf, daß die Organisation einer kleinen Gruppe von offiziellen „Machern“ dienstbar sei. Die geschaffene Organisation dankt ihr Entstehen in. erster Linie der Initiative und energischen Vorarbeit der Wiener Parteigenossen, resp. der Leitung des „Jüdischen Nationalvereines“. Diese Konstatierung geschieht nicht den genannten Leuten zu Ehren und Gefallen, sondern ist im Interesse der Klärung der Situation notwendig. Es ist hinlänglich ^bekannt_1_daß gai}z speziell die Wiener jlen ^sogenannten" „ ra di kalsterT“" Flü ge f bl Iden, immer in schärfter Weise für die Freiheit jeglicher Kritik eingetreten und darin so weit gegangen sind, daß ihnen nicht selten Rücksichtslosigkeit und Mangel an Gefühl für Autorität und dergleichen mehr von mancher Seite vorgeworfen wurde. Sie haben, wennsie es im Interesse der Wahrheit und der Wahrung der Reinheit des Gedankens für notwendig erachteten, vor keiner noch so großen „anerkannten Autorität“ Halt gemacht Wieweit sie im Rechte waren, sei hier weiter nicht erörtert, aber eine Folgerung ergibt sich: von solchen Leuten, welche Fehler ihnen auch anhaften mögen, vorauszusetzen, daß sie sich für die Errichtung eines absolutistischen Parteiregimentes einsetzen, sich als Leibgarde in den Dienst irgend eines Klubs oder einer Ciique stellen werden, ist einfach lächerlich. Der im Statut vorgesehene Modus für die Wahl der Leitung schließt jede Vergewaltigung einzelner noch so kleiner Gruppen aus. Jedem Vereine ist der Beitritt ermöglicht, sofern er das Programm anerkennt, jedem national gesinnten organisierten Juden das Recht auf Mitarbeit gewahrt und Gelegenheit zur Kritik gegeben. Voraussetzung ist und bleibt allerdings: Anerkennung des Programmes und Zugehörigkeit zur Organisation! Und das ist der Punkt, der so manchem höchst unangenehm ist. Leute, die sich, frei von jedem Parteizwange, immer dort herumtreiben, wo gerade etwas zu holen ist, die sich bald „Zionisten“, bald „Nationaljuden“,bald „ Alljuden“ nennen, geraten natürlich in hellste Wut darüber, daß eine straffe Ordnung geschaffen werden soll. Sie haben eben bisher von der herrschenden Unordnung politisch gelebt! Wenn die Herren von diesem Schlage ihre Angriffe fortsetzen wollen, mögen sie es immerhin tun. Viel Erfolg werden sie nicht haben. Die organisierten Nationaljuden sind nun einmal entschlossen, fest zusammenzustehen und die Macht und das Ansehen ihrer Gruppe zu wahren. Sie nehmen jeden, der es ehrlich meint, in ihre Mitte auf, sie lassen jedenzu Worte kommen,sindabernicht gewillt, sich dem Kommando Außenstehender zu fügen oder sich durch Hetzereien einschüchtern zu lassen. Gleichzeitig mit der Kampagne gegen die Reichsorganisation wird auch eine solche gegen den reichsratlichen „Jüdischen Klub“ betrieben, insbesondere gegen den Obmann Dr. Strauche r. Wir sind die letzten, welche eine sachliche und energische Kritik der Tätigkeit des Klubs und seines Obmannes unterdrückt sehen wollen. Wir sind die letzten, die alles bedingungslos akzeptieren, was von dieser Seite bis nun geschehen ist. Wir sehen im Klub ein wertvolles Werkzeug unserer Organisation, sind uns aber der Mängel und Fehler, die diesem Werkzeuge anhaften, vollauf bewußt und setzen, wo es notwendig ist, mit der Kritik ein. Wir müssen aber gegen die von persönlichen Motiven diktierte und aller sachlichen Momente baren Schimpferei energisch Stellung nehmen. Dr. Strauch er gehört zu den" erfolgreichsten und energischesten Verfechtern des nationalen Gedankens in Oesterreich, er hat in vieler Beziehung bahnbrechend gewirkt. Er war jahrelang der einzige wahrhaft jüdische Vertreter im Parlamente und hat dort wahrhaft seinen Mann gestellt Wenn nun ein solcher Jude von jüdischer, sogar von „national“ sich nennender Seite mit den unflätigsten Beschimpfungen überhäuft wird, so muß dieses Vorgehen als perfid bezeichnet werden. Wir sind nicht seine blinden Nachbeter. Wir leihen jeder sachlichen Kritik, sei sie auch gegen ihn gerichtet, unser Ohr und prüfen sie. Wer aber glaubt, durch persönliche Hetzereien und Verleumdungen diesen Mann in unseren Augen herabsetzen zu können, müht sich vergeblich. Für uns ist Dr. Straucher der wackerste Mitarbeiter am nationalen Werke, der hochgeschätzte Führer unserer parlamentarischen Vertretung. Niedrige Schmähungen und böswillige Verleumdung werden unser Urteil über ihn nie und nimmer beeinflußen. Die russische Gefahr und die Juden. Die heurige Budgetdebatte im österreichischen Abgeordnetenhause bot außer den beiden Reden der Abgeordneten des „jüdischen Klubs“ auch noch zwei andere bemerkenswerte Momente für die österreichischen und besonders die galizischen Juden: Die Demaskierung der Ziele und Taktik der ruthenischen Russopbilen einerseits und der Allpolen anderseits. DerruthenischeAbgeordnete Dr. Lahodynsk y j, der erste Kontraredner gegen das Budget, beleuchtete den Zusammenhang dieser beiden auch im Punkte Antisemitismus einigen Bewegungen und lenkte die Aufmerksamkeit der Allgemeinheit auf die Wühlarbeit der Handlanger des Zarismus im allpolnischen und russophilen Lager mit folgenden Worten: