Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 4 (1910)
- Issue
- 25 (24.6.1910)
- Date
- 1910-06-24
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 25 Ausweisung von jüdischen Handwerkern aus Petersburg. Auf Anordnung des Petersburger Stadthauptmannes wurden 37 jüdische Handwerker, die angeblich ihr Handwerk nicht ausübten, aus Petersburg ausgewiesen. Eine Senatserklärung. Eine Senatserklärung bestimmt, daß auf das Verlangen der Grenzzollbehörden ohne Hinzuziehung der Gerichtsbehörde die Ausweisung von Juden aus dem Umkreise von 50 Werst um den Grenzstrich erfolgen kann. Sckikanierung jüdischer Akademiker. Im Gegensatz zu den bisherigen Gepflogenheiten werden an der Moskauer Universität jüdische Mediziner, die im Besitze eines ausländischen Aerztediplöms sind, nicht mehr zum Staatsexamen zugelassen. Voraussichtlich wird diese Neuerung sehr bald für sämtliche russische Universitäten gelten. Von der Prozentnorm. Der Petersburger Korrespondent der „N.J.K.“ berichtet: Die jüngste Verfügung des Ministers für die Volksaufklärung, Schwarz, bestimmt, daß die Prozentnorm bei der Aufnahme von Juden in die Hochschulen von nun an nicht nach der Zahl der neuen Immatrikulanten, sondern nach der Gesamtzahl der Studierenden berechnet werden solle. Da zurzeit infolge der Erleichterungen bei der Aufnahme jüdischer Abiturienten in den Jahren 1905 — 1907 die Prozentnorm noch nicht wieder erreicht ist, so bedeutet diese neue Ministerialverfügung die tatsächliche Schließung der Hochschulen für die Juden auf mehrere Jahre hinaus. Die Nachsaison der Pogromagitation. Aus Moskau wird geschrieben: In diesem Jahre hat die Pogromagitation der echlrussischen Preßorgane, die in der Regel um die Osterzeit'ihre Saison hat, eine dauernde Nachsaison erhalten. Die „Rußkoje Snamja“ wird nicht müde, alltäglich „beglaubigte“ Berichte aus allen Ecken und Enden Rußlands über verschwundene christliche Kinder zu bringen, die merkwürdigerweise samt und sonders in entlegenen Sümpfen mit aufgeschnittenen Hälsen aufgefunden worden seien. Dieses ehrwürdige Parteiorgan des Verbandes des russischen Volkes hat es natürlich auch nicht unterlassen, aus der rätselhaften Kirchhofschändung zu Sambrow in seiner Weise Kapital zu schlagen. In rührender Eintracht mit dem polnischen „Göniec“, wußte die „Rußkoje Snamja“ zu berichten, daß die Kirchhofschändungen von der Sombrower jüdischen Gemeinde begangen worden seien. Im Anschluß daran wurden die Polen in spaltenlangen Artikeln aufgefordert, sich an den Juden zu rächen und einen regelrechten Pogrom zu veranstalten. Die Polen hätten bereits in Bjelostok gezeigt, daß auch sie zu einem unmittelbaren gesunden Ausbruch des beleidigten Volksgefühls gegen die Niedertracht der Juden fähig seien; dies habe seine guten Folgen gezeitigt, indem in Bjelostok die Unterdrückung durch Juden ein Ende genommen habe. Zum größten Leidwesen der „Rußkoje Snamja“ haben sich aber die Polen nicht beeilt, seinen weisen Rat zu folgen. Inzwischen ist man nun auf die Spur der echten Missetäter gekommen, und diese sind — Polen. Zeitschriften und Bücherschau. Zeitschrift „Palästina“. Vor uns liegt das Heft 6-7 der Zeitschrift „Palästina“, das bekanntlich schon vom Zionistischen Zentralkomitee Wien ausgegeben wurde. Das Heft ist mit einem wunder¬ Eittlageti auf Büchel 4 % An- und Verkauf von Wertpapieren. Börsenordres. Darlehen auf Wertpapiere. Wechsel-Eskompte. Versicherung; gegen Kursverlust. Safes der besten Konstruktion. schönen Titelkopf geschmückt, der von stud. med. Osias Herschdörfer entworfen wurde. Der Inhalt ist sehr reichhaltig: A. B.-Wien bespricht kurz die Siedlungsgenossenschaft und veröffentlicht einen Brief Oppenheimers. Dr. A. S a n d i e r- Breslau schreibt in einem vorzüglichen Artikel: Zeugen wider Palästina über jene Reisende, welche zu ungünstiger Jahreszeit, mit ungenügenden Informationen etc. nach Palästina kommen und dann zu Hause Märchen über die Unfruchtbarkeit des Landes, die Zustände unter den Juden daselbst etc. erzählen, und zeigt, woher solche Fehlurteile stammen und wie sie zu vermeiden wären. Davis Trietsch-Berlin schreibt über Frauenarbeit für Palästina und schildert in dem ersten Teil seines Aufsatzes in klarer und übersichtlicher Weise die Zustände in der jüdischen Bevölkerung Palästinas. Dr. Alexander Hausmann-Lemberg, Palästinareferent des galizischen Z.-K., veröffentlicht einen Reisebericht, der sich über mehrere Nummern erstrecken wird. Derselbe ist so lebendig und anschaulich geschrieben und von so warmem Interesse durchglüht, daß man bei der Lektüre das Gefühl hat, selbst die Reise zu tun. Das Heft enthält weiters einen Artikel über den:H e r z 1 w a I d, ferner Besprechungen der Bilanzen von APC. und Deutsche Palästinaabank, der „E s r a“ von D r. Felix Teilhaber, dem bisherigen Herausgeber der der Zeitschrift, Nachrichtenschau, Anzeiger über freie Stellen, Mitteilungen des Paj.-lnformationsbureaus Wien über Reisen nach Palästina etc., ferner einen Aufruf der Redaktion zur Veranstaltung von Studentenreisen nach Palästina. Bei dem ungemein billigen Preis der Zeitschrift — K 3'— pro Jahr — ist wohl anzunehmen, daß sie im Hause keines Zionisten fehlen wird. Vereins-u. Versammlungs- Nachrichten. Voranzeigen. Wir erhalten folgende Zuschrift: „Es wird hiermit allen Gesinnungsgenossen mitgeteilt, daß die akademischen Vereinigungen „Bar-üiora“, „Esperanza“-Wien und -, „Juc1äa"-Agrani am 14. und 15. August 1. J. in Sarajevo den IV. zionistischen Hochschüler- und Abituriententag mit anschließender Bürgerversammlung veranstalten werden. Für „Bar-Giora“: Adolf Wiesler cand. iur. m. p. Für „Esperanza“: Nisim -Tesla cand. med. m. p. Für „Judea“: Felix Kohn cand. iur. m. p. Wien. Die jüdisch-akademische Verbindung „Ivria“ gibt bekannt, daß die Promotion ihres A. H. Leopold Leschner zum Doktor der Rechte, Montag, den 27. d. M., im Festsaale der Wiener Universität stattfindet. Berichte. Wien. (Verein jüdischer Hörer der Hochschule für Bodenkultur.) Ergebnis der Ausschußwahl in der Vollversammlung vom 28. Mai I. J.: H. Bauer, slud. agr., Präses; J. Zinn, stud. agr., Vizepräses; J. Sußmann, stud. agr., Schriftführer; A. Leiner, kult. techn.,'Kassier; H. Gelbtuch, kult. techn., Bibliothekar. Wien. Der humanitäre Geselligkeitsverein „Wohltätige jüdische Jugend“ zur unentgeltlichen Ausspeisung armer Juden in Wien, H. Augartenstraße 10, hat mit seiner statutarischen Wirksamkeit begonnen und werden Gesuche der Petenten täglich zwischen 3—4 Uhr übernommen. Gleichzeitig sieht der Verein Ueberreichung von Offerten derjenigen Reflektanten entgegen, welche die Ausspeisung für seine Rechnung zu übernehmen ber reit sind. Trantenau. (Herzlfeier). Eine überaus gelungene Veranstaltung des jungen rührigen Vereines, die sowohl in den Darbietungen, als auch in dem Erfolge — es wurden über 30 Oeibäume gezeichnet — alle Anerkennung verdient. Die einleitende Rede hielt Herr Baukommissar P o 11 a c z e k. Nebst einem kurzen Lebensabriß Herzls schilderte er dessen Wirken und Streben in überaus ansprechender Weise und mit starker- Wirkung. Sehr passend schloß sich hieran die Vorlesung des „Mauschel“ durch Herrn Rudolf Kohn. Herr Winternitz rezitierte mit fesselnden Pathos zwei glücklich gewählte Gedichte von Morris Rosenfeld, und Herr Natscheradetz erheiterte die Versammlung mit dem gelungenen Vortrage mehrerer Beda-Gedichte. Den Beschluß machte ein Theaterstück, für dessen Darstellung den Damen Frau Rosa Nowak und Fräulein Hanna Schwarz und dem Herrn Paul Sommernitz das gleiche Lob gebührt, wie Heirn Natscheradetz, der es als geübter Regisseur verstanden hat, mit den geringsten Bühnemnittein sehr Anerkennenswertes zu erreichen. Zagreb. Am 22. Mai veranstalteten der bürgerliche zionistische Verein „A c h d u s“ und der akademische Verein „Judea“ im Saale der israelitischen Kultüsgemeinde eine gut besuchte „Herl- Feier“. Der Präsident des „Achdus“ Advokat Dr. Hans J a c o b i begrüßte die erschienenen Damen und Herren, indem er auf die Tatsache hinwies, daß die Idee unseres verewigten Führers im jüdischen Volke Anklang fand. Die Festrede hielt Advokaturskonzipient Dr. Alexander Licht, welche einen mächtigen Eindruck auf die Anwesenden machte. Zahnarzt Dr. S. Bogad las mit großem Erfolge jenen Passus aus Herzls „Altneuland“, worin anläßlich eines Mahles die assimilierte Judengeseüschaft im richtigen Lichte gewürdigt wird. Beide Redner, als auch der Vorleser, ernteten großen Beifall. Turka am Stryj. Donnerstag am 26. Mai LJ. veianstaltete der Verein „Misrachi“ in Turka im Saale des Sokol eine Amateurvorstellung. Zur Aufführung gelangte „Kuni-Lemel“, Operette in 4 Akten von A. Goldfaden, wobei die Damen Brawer, Rothenberg und Süßwein, sowie die Herren Brawer, Brenes, Fromm, Leblang, Oppermann und Rothenberg mitwirkten. Die Vorstellung wurde mit Beifall aufgenommen. Der Reinertrag wurde dem Fonde zuin Bau eines jüdischen Nalionalhauses ziigeführt. Graz. (Jüdisch-akadem. Verbindung „Charitas“.) Anfangs dieses Monates fand auf der festlich geschmückten Bude eine Herzlfeier statt, der außer den A.H.A.H. die Vertreter sämtlicher Grazer zionistischen Korporationen beiwohnten. A. F. arch. Moses Hauser hielt die tiefempfundene Festrede, der alle Anwesenden sichtlich ergriffen lauschteu. Mit der Absingung des Liedes „Unsere Hoffnung“ schloß die würdige-Feier. Die „Charitas“ spendete 3 Oeibäume. Wien. (Verein der jüdischen Handels- und Privatangesteltten „Achwah“, Wien.) Der am 23. Jänner 1. J. gegründete Verein zählt nunmehr 110 zahlende Mitglieder. Nachdem die schwersten Anfangsarbeiten bewältigt sind und der Verein vollständig konsolidiert erscheint, wurde in erster Linie an die Schaffung eines Privatlokales ' geschritten, welches in der nächsten Zeit bereits bezogen werden kann. Damit hoffen wir einen großen Schritt nach vorwärts getan zu hahen, weil uns ein Privatlokal, durch welches eine Zentralstelle geschaffen erscheint, die Möglichkeit gibt, mit der Arbeit auf wirtschaftlichem Gebiete zu beginnen. Ab 1. Juni haben wir im Vereine die Versicherung gegen Konditionslosigkeit vorläufig fakultativ durchgerührt, und zwar hat jedes Mitglied nach Ablauf einer einjährigen Karenzfrist bei Postenlosigkeit das Anrecht auf eine Unterstützung im Höchstausmaße von 28 Tagen, diese Unterstützung steigt jährlich um eine Woche bis zur Maximaldauer von 56 Tagen. Es bestehen drei Klassen und beträgt bei einer Monatseinzahlung von K 1.—, 2. oder 4. die tägliche Unterstützung ebenfalls K 1.-—, 2.— oder 4. . Sofort nach Bezug des neuen Vereinsheimes wird mit der Schaffung einer Stellenvermittlung begonnen werden. Auch mit der Kreierung von Genossenschaften unter unseren Mitgliedern soll ein Versuch gemacht weroen und so harren noch eine große Menge anderer wichtiger wirtschaftlicher Fragen ihrer Lösung. Wenn unsere Arbeit aber von Erfolg gekrönt sein soll, ist es nötig, daß sich uns alle bewußt jüdisch fühlenden Angestellten und Beamten anschließen, damit wir über den Rahmen eines kleinen Vereines hinauswachsen, und zur großen mächtigen Organisation werden, die nicht nur die Befugnis sondern auch die Macht hat, die Interessen der jüdischen Angestellten zu vertreten. Die „Achwah“ soll eine reine, gänzlich unpolitische jüdische Gewerkschaft haben, in der Raum für alle jüdischen Angestellten und Beamten ist, die unsere spezielle Judennot fühlen und anerkennen, ihr aber auch durch organisierte Selbsthilfe steuern wollen. Zuschriften an den Obmann Samuel Strauß, Wien, XVIII. Theresiengasse 10. WIENER FILIALE DER ZIVN0STENSKA BANKA PRO CECHY A MORAVU WIEN, I., HERRENGASSE Nr. 12. Aktienkapital K 40,000.000. Reserveuni SicMIlppMs runi 112.QÖ0.000 Zentrale in Prag, gegr. 1868. Filialen: Brünn, Budweis, Iglau, Krakau, Lemberg, Mähr.-Ostrau, Olmütz, Pardubitz, Pilsen, Proßnitz, Tabor und Triest. Wechselstuben, 1., Herrengasse 12, II., Praterstr. 42, VII., Mariahilferstraße 84, X., Favoritenstraße 95,