Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 4 (1910)
- Issue
- 24 (17.6.1910)
- Date
- 1910-06-17
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 24 1. Die Vereinigung Eller Bureaus für dieTzionistische Tätigkeit in Palästina zu einem Bureau, das unter Kontrolle und kollegialer Leitung der in Palästina wohnenden Mitglieder des AC. stehen soll. 2. Die Aufgabe des Bureaus zerfällt in 5 Teile: a) Auskunft und Hilfe bei Landankäufen in Palästina, auf Wunsch auch Parzellierung; b) Informationen jeder Art zum Zwecke der Ansiedlung; c) ein Vermittlungs- und Auskunftsbureau für Arbeiter und Kolonisten; d) Inspektion und Registratur derKulturaufgaben; e) Organisation der palästinensischen Juden. 3. Es wird vom Kongreß aus das Recht einer palästinensischen Landsmannschaft mit einem entsprechenden Landescomite anerkannt. 4. Es ist wünschenswert, auch aus Palästina ein Mitglied des E. A. C. zu wählen. . 5. Bei der A. P. C.-Leitung in Jaffa soll zur Beratung aller geplanten neuen Unternehmungen in Palästina das Landescomite hinzugezogen werden. d) Antrag Dr. Rappaport. (Vom Kongreß dem A. C. überwiesen.) 1. Der Kongreß hält es für wünschenswert, daß das Palästinaamt, sowie das Informationsbureau in Jaffa zu einem Amte vereinigt werden. 2. Ein Mitglied des E. A. C. hat seinen Wohnsitz in Palästina zu nehmen, dem die oberste Aufsicht über sämtliche zionistische Institutionen in Palästina obliegt. Dasselbe hat auf jedem zionistischen Kongreß Bericht über die Tätigkeit in Palästina zu erstatten, und ist demselben verantwortlich. 3. Dem in Palästina ansässigen Mitgliede des E. A. C. steht eine vom E. A. C. ernannten Palästinarat zur Seite, von dem die Initiative zur Tätigkeit in Palästina ausgehen soll. 4. Das EAC. hat Agronomen und Veterinäre in Palästina anzustellen, die ' teils in den Schulen, teils als Wanderredner Vorträge über Landwirtwirtschaft (speziell Garten-, Gemüse- und Viehzucht) zu halten haben). 5. Die Leitung der PLDC., resp. das EAC. wird aufgefordert, die Parzellierungstätigkcit der PLDC. im Sinne ihrer Statuten so schnell wie möglich aufzunehmen. 4. Bericht der Agrarkreditbank-Kommission. 5. Zionistische Institutionen: a) Jüdische Nationalfonds; bl Siedlungsgenossenschaft; c) die Banken; d) das Palästinaamt; e) die „Welt“; f) der Jüdische Verlag. 6. Finanzlage der Organisation. - 7. Zeit und Ort des nächsten Kongresses. 8. Verschiedenes. Aus dem Parlamente. Am 15. d. hielt Gg. Abg. Dr. Gabel im Abgeordnetenhause zum I. Kapitel des Budgets eine Rede, in welcher er die oppositionelle Haltung des Jüdischen Klubs“ begründete und erklärte, daß die jüdisch-nationalen Abgeordneten gegen das Budget stimmen werden. Wir werden die Rede in der nächsten Nummer veröffentlichen. * * * Die Sozialdemokraten haben zum Kapitel „Unterrichtsministerium“ die Resolution eingebracht, daß in das Unterrichts-Budget ein Betrag von jährlich 3 Millionen Kronen für die Unterstützung der Minoritätsschulen einzustellen ist. Dieser Betrag soll auf die acht Nationen des Reiches aufgeteilt werden. Die Juden sind natürlich nicht genannt. Gg. Abg. Stand hat nun zu dieser Resolution einen Zusatzantrag gestellt, daß der Betrag nicht unter acht, sondern unter neun Nationen — als die neunte sind die Juden zu betrachten — verteilt werde. Die „Neue Freie Presse“ und die „Arbeiterzeitung“ haben diesen Zusatzantrag unterschlagen. ■ * * Der Gewerbeausschuß hat das Hausiergesetz zu Ende beraten. Er hat den ohnehin schon reaktionären Regierungsentwurf durch die Annahme einer Reihe von Bestimmungen derart verschlechtert, Einlagen auf Büchel 4 % — An- und Verkauf von Wertpapieren. Börsenordres. Darlehen auf Wertpapiere. Wechsel-Eskompte. Versicherung gegen Kursverlust. Safes der besten Konstruktion. daß dieses Gesetz den direkten Ruin der Hausierer bedeutet. Gg. Abg. Dr. Gabel hat zu diesem Gesetz Atinoritälsvofa eingebracht, welche die allergrößten Härten beseitigen sollen. Wir kommen darauf noch zurück. * * * Interpellation. Abg. Dr. Heinrich Gabel hat an den Landesverteidigungsministcr eine Interpellation eingcbracht, welche sich neuerdings mit der Art der Durchführung der Untersuchung gegen den Gendarmei ic-Postenkommandanten Schmidt in Obertyn befaßt. Die Gefertigten haben in der Eurer Exzellenz zu Anfang des vorigen Monates unterbreiteten Interpellation das Vorgehen des Gendarmeriekommandanten Schmidt in Obertyn, sowie die Art, in welcher der Bezirkswachtmeister J a s i e w i c s aus Horodenka die ihm in dieser Angelegenheit übertragene Untersuchung führte, zur Kenntnis gebracht und; haben der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß Eure Exzellenz den Gendarmerie-Postenkommandanten Schmidt für die Zeit, während welcher die Untersuchung gegen denselben geführt wird, aus Obertyn entfernen werde, damit von seiner Seite eine Beeinflussung der zu vernehmenden Zeugen nicht stittfinde. Die Gefertigten haben mit Rücksicht auf das geschilderte Verhalten des Bezirkswachtmeisters J a s i e w i c z anläßlich der von ihm gegen Schmidt geführten Untersuchung' erwartet, daß Eure Exzellenz die Verfügung treffen werde, daß nicht mehr Jasiewicz, welcher zu Schmidt in einem freundschaftlichem Verhältnisse steht, die Untersuchung durchführe, sondern ein Geudarmerieoffizier, dessen Objektivität außer Frage ‘steht. Diese unsere Erwartungen sind jedoch nicht erfüllt worden. Schmidt ist in Amt und Würden auf seinem Posten in Ohertyn verblieben und Jasiewicz hat die Untersuchung gegen Schmidt weitergeführt und die von ihm vernommenen Zeugen sogar dahin zu beeinflussen gewußt, daß dieselben für den Fall, als sie von einem Gendarmerieoffizier vernommen werden sollten, nichts Ungünstiges gegen Schmidt aussagen. Zwar haben manpjie der vernommenen Zeugen ungeachtet der Drohungen des Jasiewicz der Wahrheit entsprechende Aussagen abgegeben. Es muß aber doch erwogen werden, daß die Mehrzahl der vernommenen Zeugen des Schreibens und Lesens unkundig sind und daher die von Jasiewicz abgefaßten Protokolle zu kontrollieren nicht in der Lage waren. Es ist daher mit Rücksicht auf das von Seiten des Jasiewicz dem Schmidt gegenüber bekundete freundschaftliche Benehmen sehr fraglich, ob Jasiewicz die vor ihm abgelegten Aussagen, insoweit sie gegen Schmidt Ungünstiges enthalten, wirklich und den Aussagen entsprechend zu Protokoll gebracht hat. Die Gefertigten stellen daher die Anfrage: 1. Ist Eure Exzellenz angesichts der sowohl in der früheren als auch in der gegenwärtigen Interpellation geschilderten krassen Unzukömmlichkeiten gewillt, mit der gegen Schmidt durchzuführenden Untersuchung einen Gendarmerieoffizier zu betrauen, von welchem zu erwarten ist, daß er die Untersuchung in einwandfreier, objektiver Weise führen werde. 2. Ist Eure Exzellenz gewillt, die Entferung des Gendarmerie-Wachkommandanten Schmidt aus seinem gegenwärtigen Dienstorte für die Zeit, während welcher gegen ihn in Obertyn die Untersuchung geführt wird, zu verfügen? Aus dem jüdischen Leben. Im Kampfe um die Anerkennung der jüd. Nationalität. Die Hörer der technischen Hochschule in Lemberg führen seit vielen Jahren einen Kampf um die Anerkennung ihrer Nationalität. Nach vielen Episoden ist es ihnen gelungen, daß man sie nicht mehr widerrechtich den Polen oder Ruthenen zuzählt. Sie figurieren indessen in der Statistik der Hochschule unter dem Namen „anderer Nationalitäten“. Vor einigen Tagen begab sich eine Deputation jüdischer Techniker zum Rektor Pavl i ko ws ki, um darüber Beschwerde zu führen um die Ueberlassung eines Saales zur Abhaltung einer Versammlung anzusuchen. Der Rektor empfing die Deputation in höhnischer Weise, sagte, die jüdischen Studenten mögen lernen und keine Versammlungen veranstalten, verweigerte die Ueberlassung eines Saales und wies die Deputation an, im „Jüdischen Studentenheim“, Versammlungen abzuhalten. Gegen das Vorgehen des Rektors protestierten nun vorige Woche die jüdischen und ruthenischen Techniker in einer großen Versammlung, die außerhalb der technischen Hochschule abgehalten wurde. In mehreren einstimmig gefaßten Resolutionen wurde das Vorgehen des Rektors gebührend zurückgewiesen und dagegen protestiert, daß man die jüdischen Techniker nicht als besondere Nationalität anerkenne. Hebräisch und Jiddisch. Das „Frankfurter Isr. Fremdenblatt“ berichtet aus New-York: Das Hebräische ist zum vollwertigen Unterrichtsgegenstand für die Mittel- und Hochschulen erhoben und damit den jüdischen Bürgern gegenüber eine Forderung der Gleichberechtigung erfüllt worden. Die Anhänglichkeit der jüdischen Bevölkerung an die hebräische Sprache hat sich in Brooklyn in besonders deutlicher Weise gezeigt. Ein Philanthrop errichtete dort einige Volkschulen für jüdische Mädchen und glaubte den Bedürfnissen der jüdischen Volksmassen damit zu entsprechen, indem er als Unterrichtssprache in diesen Schulen das sogenannte Jiddisch, den von den Juden in den osteuropäischen Ländern gebrauchten „Jargon“, bestimmte. Der gutmeinende Wohltäter mußte sich jedoch bald von seinem Irrtum überzeugen, denn die von ihm begründeten Schulen blieben leer. Darauf führte er Hebräisch als Unterrichts- und Umgangssprache in den Schulen ein, — und da haben sich in kurzer Zeit über zwölfhundert Mädchen zum Besuch der Schulen gemeldet. Vereinsu. Versarn m lu ngs- Nachrichten. Voranzeigen. Wien. Die Generalversammlung des Vereines „Achwah“ findet am Samstag den 25. Juni 1. J. um 8 Uhr abends im Verdinslokai, II., Herminengasse 8, statt. Tagesordnung: Bericht des Komitees; Wahl des Vorstandes; Eventuelles. Berichte. Lundenburg. Am 12. Juni fand hier eine Versammlung des jüdischen Nationalvereines statt. Wär hätte noch vor kurzem nur daran gedacht, daß einst in Lundenburgs Ecken und Enden die roten Plakate des jüd. Nationalvereines prangen würden? Trotzdem der Tag ein Sonntag war, an welchem zwei Ausflüge staitfanden und die Zeit sehr unglücklich gewählt war, war der große Saal der „Krone“ fast ganz gefüllt. Nach der Eröffnung der Versammlung durch jur. Leopold Czuczka, x der „Hatikwah“, hörte das Publikum den Ausführungen des Dr. K a d i s c h mit gespannnter Aufmerksamkeit zu. Dr. K a d i s c h sprach über die politischen Zustände und erwähnte treffend, daß alle Nationen, Tschechen, Deutsche etc. einig sind, sobald es gegen den Juden geht. Jede nationale Arbeit sei aber nur Stückwerk, wenn nicht gleichzeitig den Juden ihre wohlverdienten Rechte eingeräumt würden. Daraufhin skizzierte Reichsratsabgeordneter Dr. Gabel die historische Entwicklung des Liberalismus, besprach auch die neuesten Gesetze der Industrie, die sich leider meist gegen die Juden wenden, allein er verspricht sich viel vom heutigem Parlamentarismus, zumal die Fehden derNationalitäten bereits abflachen. Beide Redner ernteten stürmischen Beifall. Zwanzig Mitglieder traten dem Nationalverein bei Aktienkapital K 40,000.000. Reserveui SiMelliingMs rund 1 12,900.000 Zentrale in Prag, gegr. 1868. Filialen: Brünn, ßudweis, Iglau, Krakau, Lemberg, Mähr.-Ostrau, Olmütz, Pardubitz, Pilsen, Proßnitz, Tabor und Triest. Wechselstuben, 1., Herrengasse 12, II., Praterstr. 42, VII., Mariahilferstraße 84, X., Favoritenstraße 95, WIENER FILIALE DER ZIVNOSTENSKÄ BANKA PRO Cechy a moravu WIEN, I., HERßEN&ASSE Nr. 12.