Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 4 (1910)
- Issue
- 24 (17.6.1910)
- Date
- 1910-06-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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KMC NflTIDNflL -JUDI5CHE5 DRERN WK ■ ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■ ■** Erscheint wöchentlich. — Redaktion, Administration und Inseratenauf nahmt: IX., Liechtensteinstraße 11, Telephon 12.299. — Sprechstunden täglich; von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurückgestellt. — Abonnementspreise: Für Oesterreich-Ungarn Ganzjähr. K 10.—, halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr. Mk.3.—. Für das übrig *.*****45.#***#*** Ausland ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplare20 h. Postsparkassenkonto 104.067. *************** Nr. 24. Wien, Freitag den 17. Juni 1910. IV. Jahrgang. AUS DEM INHÄTE Die Schwestern Kluger. Budgetrede des Abg. Dr. Mah 1 er. Kultuswahlkämpfe. Der Römer von Salzgries. Gedicht von Beda. Der Jüdische Nationalfonds. Die Anerkennung der Jüdischen Nationalität. Montefiore in Rußland. Die Jahreskonferenz in Berlin. Parteinachrichten. Vereinsnachrichten. Sport. Die „Jüdische Zeitung“ kostet: vierteljährlich . . . K 3.— halbjährlich .... „ 5.— für 1 Jahr . , . . . „ 10 — Es ist Pflicht eines jeden Gesinnungsgenossen die „Jüdische Zeitung“ zu abonnieren und für ihre Verbreitung unablässig tätig zu sein. Adressen von Personen, an die mit Aussicht auf Erfolg Probenummern gesendet werden können, sind stets erwünscht. An unsere Abonnenten! Unsere Abonnenten, die mit dem Abonnement im Rückstände sind, werden dringend ersucht, die schuldenden Beträge sofort zu überweisen. Die neu eintretenden Abonnenten werden aufmerksam gemacht, daß das Abonnement im Vorhinein zu bezahlen ist. Die Empfänger von Prober.ummern werden um gefl. Mitteilung ersucht, ob sie auf weitere Zusendung reflektieren. Jüdische Volksgenossen! Der Jüdische Nationalverein in Oesterreich“, welcher ein Sammelpunkt volkstreuer Juden ist, fordert hiermit alle modern-jüdisch und demokratisch gesinnten Volksgenossen in ganz Oesterreich zum Beitritt auf. Das Programm des Vereines betont auf das Entschiedenste die Einheitlichkeit des jüdischen Stammes in Oesterreich, trotz aller lokalen Unterschiede. Das Programm ist durchtränkt von modern demokratischem Geiste. Hiedurch setzen wir Nationaljuden uns in bewußtem Gegensätze zur Politik des Kahals, des Kultusjudentums. Die alte ursprüngliche Demokratie, die so bezeichnend war für den Staat, ist im Ghetto längst verloren gegangen. „Der reichste Jude soll herrschen“, dieser Parole des Ghettojudentums setzen wir gegenüber: „Erziehung aller Juden zur politischen Selbstherrschaft durch die allmähliche Teilnahme aller Volksgenossen an den jüdischen Einzelorganisationen.“ Der „N ational verein“ kennt nur eine Politik, die modern-demokratische, nur ein Interesse, nämlich das Gesamtinteresse des jüdischen Stammes in Oesterreich. Auszug aus dem Programme. Allgemeine und politische Grundsätze. Der Verein anerkennt die nationale Einheit aller Juden der Welt, sowie das unzerreißbare Band, welches das jüdische Volk mit seiner uralten historischen Heimat Palästina verbindet. Die Betonung der nationalen Einheit aller Juden steht jedoch in keinerlei Widerspruch zur Staatsidee und zu den Staatsinteressen der einzelnen von Juden bewohnten Länder, berührt keineswegs die Rechte und Pflichten der Juden gegenüber diesen Ländern und vermindern nicht das Gefühl des Anhänglichkeit, welches die Juden für sie empfinden. Insbesondere gilt das von Oesterreich. Dieses, von verschiedenen Völkern bewohnt, kann seine politische Existenz nimmer auf die Idee des einheitlichen Nationalstaates aufbauen, sondern muß seine Aufgabe gegenüber seinen Völkern darin suchen, deren Rechte und Freiheiten im Rahmen der Reichseinheit gleichmäßig anzuerkennen und zu fördern. In Oesterreich haben daher auch die Staatsbürger jüdischer Nationalität ein unantastbares Recht auf den Schutz und Ausbau ihres nationalen Lebens. Der Verein erstrebt die Erhaltung und Stärkung eines Völkerstaates Oesterreich und im Rahmen dieser Staatsidee eine politische Organisation der österreich i sehen J ude n zum Schutze ihrer nationalen Selbständigkeit und zur Förderung ihrer kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Interessen. Die ungleichmäßige Verteilung der einzelnen Nationen in den Kronländem Oesterreichs und die daraus resultierende Vergewaltigung nationaler Minderheiten erfordern im Interesse des für das Staatswohl unerläßlichen nationalen Friedens die Schaffung einer vollen nationalen Autonomie der einzelnen Völker. Der Verein erstrebt die Erlangung der nationalen Autonomie für die Juden in Oesterreich und unterstützt daher jede Bemühung, welche auf die Verwirklichung der Idee einer nationalen Autonomie für alle Völker Oesterreichs hinzielt. Der Verein steht im Sinne jüdischer Tradition treu zu freiheitlichen und demokratischen Grundsätzen und erstrebt die Ausgestaltung des Staatslebens in der Richtung gleicher Rechte und Freiheiten für alle Volksschichten. So fordert der Verein insbesondere: a) Volle Glaubens- und Gewissensfreiheit und Zugänglichkeit aller öffentlichen Aemter und Dienste auch für Bewerber jüdischer Nationalität. b) Volle Vereins-, Versammlungs-, Preß- und Koalitionsfreiheit. c) Freizügigkeit für In- und Ausländer. d) Das allgemeine gleiche, geheime und direkte Wahlrecht in alle Vertretungskörper unter Wahrung des Grundsatzes der nationalen Autonomie, bezw. des Schutzes der Minderheiten durch Proportionalwahlrecht. Wirtschaftliches Programm: Der Verein fordert in Vertretung der allen Juden Oesterreichs gemeinsamen Interessen und unbeschadet der wirtschaftlichen theoretischen Ueberzeugungen und Sonderbestrebungen einzelner Juden und jüdischer Gruppen demnach insbesondere: Volle Gewerbefreiheit, inbesondere Aufhebung des Befähigungsnachweises; Beseitigung der zünftlerischen Beschränkungen des Handels mit gewerblichen Erzeugnissen. Errichtung von Staatshandels¬ und Vermehrung der Staatsgewerbeschulen, kaufmännische Erziehung der Handwerker. Vermehrung und Verbilligung der Verkehrsmittel, wirtschaftliche, nicht bureaukratische Verwaltung der Staatsbetriebe. Förderung von Industrie und Export, namentlich Industrialisierung Galiziens und der Bukowina mit Reichshilfe. Gesunde kommunale Boden- und Wohnungspolitik. Weitgehenden Arbeiterschutz, auch bei Heimarbeit, insbesondere durch Verkürzung der Maximal-Arbeitszeit, grundsätzliches Verbot der Nachtarbeit, Ausbau des Gewerbeinspektorats und des sozialen Versicherungswesens. Vermehrung der öffentlichen Arbeitsnachweise. Gerechte Verteilung der Steuerlasten mit möglichster Verminderung der indirekten Abgaben. Hebung der Volkshygiene, namentlich durch Schulärzte, kommunale Tätigkeit für Volkswohnungen, Wohnungsinspektion und Vermehrung des Sanitätspersonales. Modernisierung der Armenpflege nach den Grundsätzen der Dezentralisation und Individualisierung. Schutz der Auswanderer, Ausbau des Heimatsgesetzes zwecks Verhinderung der gegen die Aufnahme von Juden gerichteten Gemeindepraxis insbesondere durch reichsgesetzliche Fixierung der Aufnahmstaxen und Beseitigung des Ausweisungsrechtes der Gemeinden. Jahresbeitrag 4 Kronen. Beitrittserklärungen sind zu richten an das Sekretariat, Wien. IX. Bezirk, Liechtensteinstraße II.