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Jüdische Zeitung · 1910-06-10 · 23 (10.6.1910) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
4 (1910)
Issue
23 (10.6.1910)
Date
1910-06-10
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 22 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5. besorgt allein die Geschäfte der Ito. Den Anhängern bleibt nicht einmal die Arbeit zur Vorbereitung ihrer Aktionen übrig, so daß beim Zustandekommen der Ito-Siedlung außer einigen Kleidersammlungen, die für die Auswanderer nach Galveston bereit liegen, kaum nennenswertes von der Masse der Hoisten gerüstet wäre. Deshalb kann der einzelne Territorialist an der wichtigen Arbeit in Palästina (Kleinarbeit sagen wireinmal mit ihnen) teilnehmen. Ermuß es sogar, will er nicht das Odium auf sich laden, daß er als warmer Freund unseres Volkes sich einer Aufgabe unterzieht, deren Vollzug er so warm begrüßt. — Es ist nicht meine Aufgabe auf den Widerspruch der Schweizer Itoisten zu den englischen hinzuweisen, den das offizielle Organ selbst richtig mit den Worten charakterisiert: „Nachdem der erste Rausch vergangen war, fielen sie (die westeuropäischen Itoisten) bald genug in die patronenhafte Rachinones-Politik zurück“. (15. März 1910, lto). Auch sonst hört man von Zangwill sogar nichts mehr von dem nationalen Moment und Zangwill ist in Ermanglung einer leistungsfähigen Organisation, die einzige Auskunftsquelle (ebendort). Er ist nach Krenbergers Artikel „Leiter, Fürsprecher, Diplomat, Agitator, Sekretär, Schatzmeister“. Er ist die Ito. Krenberger sagt weiter. Nie war von den Anhängern ein Beitrag gefordert; sie haben keine Aufgaben, keine Pflichten; man teilt ihnen nur mit, was der Präsident1, geredet, getan, gewirkt oder geschaffen hat etc. Zangwill, die Verkörperung der lto und ihr Programm hat das nationale Moment der Millionäre wegen zurückgestellt, was aber machte er, der die Inkonsequenz der Zionisten so geißelt, selbst für konsequente Unternehmungen, wie verhält er sich in der Frage der Autonomie? Darüber schreibt S. Rubinstein in dem Leiborgan (II. Jahrgang, Nr. 9): „Vor einem Jahre erschien eine Rede, welche Zangwill hielt. In dieser Rede, die ja jedem Territorialisten bekannt ist, vertritt Zangwill durch Dick und Dünn das Prinzip der Autonomie. In seiner letzten Rede anläßlich der Konferenz ist er nichts weniger als Autonomist; er ist heute auf dem Standpunkte wie die „Chowewe Zion“. Die Motive, die Zangwill gegen eine jüdische Autonomie anführt, sind die nämlichen, welche einst die „Chowewe Zion“ gegen den politischen Zionismus Herzls angeführt haben. Der Unterschied ist nur der: die „Chowewe Zion“ sind — um mich eines Zangwilischen Bildes zu bedienen — koscher, Zangwill hingegen vegetarisch.“ Der Artikel fährt fort (zwar spricht Zangwill von einer autonomen Basis, seine Erklärung jedoch macht dieses Wort zu einer leeren Phrase. Denn in Wirklichkeit kann in unserem Falle unter autonomer Basis nur die Autonomie als Grundlage zu kolonisatorischer und kultureller Entwicklung des Itolandes verstanden sein, etc.): Wenn die Herren Itoisten in diesem Tohuwabohu sich zurechtfinden, so ist das ihre Sache. Sehr imponierend wirkt ja ihre Arbeit, ihre Pläne und die Reden ihres Londoner Häuptlings nicht. Aber das ist schließlich Privatsache der Nachläufer Zangwills (denn außer ihm, Herrn Wunderlich in Oppeln und einigen anderen wenigen dürfen die übrigen absolut nichts tun, nichts mithelfen, etc.). Die Territorialisten sind für die Immigration nach Galveston eingetreten. Wir wollen hier nicht feilschen, ob dort so viel mehr Juden ihr Fortkommen fänden, als in Palästina. Ein Dutzend mehr oder weniger ist egal. Aber unsere Palästinaimmigranten leisteten das, was die Schweizer Itoisten so hoch einschätzen. Menn nicht die Herren auch nur lauter Phrasen dreschen, so wäre die einzige Konsequenz, daß sie sich an der Palästina-Kleinarbeit beteiligen, ihr Wort einlösen und mit am Guten schaffen. Deshalb mögen sie ruhig ihre Hoffnungen auf Zangwill, den Politiker, setzen, der ein neues Erez Israel suchen geht. Aber von den ehrlichen Männern unter den Territorialisten erwarten wir, daß sie nicht mit den Protestrabbinern unsere kolonisatorische Tätigkeit begrüßen, sich selbst aber tapfer hüten, dieselbe gar irgendwie zu unterstützen. In diesem Falle kämen mir die Herren, wie die Protestrabbiner — um mich auch des Zangwilischen Bildes zu bedienen — so vor, als ob sie die Palästinaarbeit für koscher erklärten, aber selbst lieber die trete (-Galveston) vorzögen. — Hic Zion, hic salta! Aus dem jüdischen Leben. Die Judenverfolgungen und eine Intervention Amerikas. Francis Burton Harrison, ein jüdischer Deputierter des amerikanischen Parlamentes, brachte im Parlamente eine Resolution ein, der Präsident der Vereinigten Staaten möge seinen Einfluß auf die russische Regierung dahin geltend machen, daß den Judenverfolgungen und den Pogromen in Rußland ein Ende gemacht werde. Die Resolution betont, es seien deutliche Anzeichen vorhanden, daß den Juden in Rußland ein neuer Ausbruch von Fanatismus des Pöbels droht. Der Kongreß müsse daher mit aller Entschiedenheit aussprechen, daß er die Judenverfolgung und die Beschränkung ihrer natürlichen Menschenrechte als barbarisch und als eine Beleidigung für das Gewissen der zivilisierten Menschen betrachte. Einige jüdische Deputierte hielten es aber für zweckmäßiger, daß die Resolution nicht von jüdischer Seite ausgehe. Die Resolution wurde der Kommission für ausländische Angelegenheiten überwiesen. Judenexzesse in Galizien. Seit einigen Wochen machte sich in der Dorfgemeinde Futoma, beim Städtchen Blazowa (politischer Bezirk Rzeszow), eine Bauernbewegung bemerkbar, die immer deutlicher einen judenfeindlichen Charakter annahm und bereits zu argen Exzessen geführt hat. Vor wenigen Tagen überfielen vier Bauernjungen das Haus des Trafikanten Abe Tag in Futoma. Die Scheiben wurden eingeschlagen, der Fußboden in seiner Wohnung ausgerissen, der Eigentümer Abe Tag wurde zu einem in seinem Hause mit Schweinefett angestrichenen Faß hingeführt und unter Androhung von Knüttelschlägen gezwungen, davon Wasser zu trinken. Die vier Bauernjungen Maciolek, Kruczek, Peter und Franz Kustra wurden von der Gemeindegendarmerie verhaftet, jedoch infolge Intervention des Geistlichen vom Gericht auf freien Fuß gesetzt. Die Exzesse fanden dann ihre Fortsetzung. Gegen Mitternacht umzingelten unbekannte Täter das Haus des Lazar Blau in Futoma und bewarfen es mit Steinen, und am nächsten Tage fand man am Eingangstor des Hauses einen Zettel folgenden Inhaltes: „Pack’ dich von dannen, sonst wirst du erschossen!“ Nächsten Tag wurde der Jude Markus Läufer mit Heugabeln blutig geschlagen und sein Haus umzingelt. Der Gemeindevorstand verweigerte den Juden jede Intervention und ebenso wollte die Gendarmerie vom Augenblicke, da das Gericht die ergriffenen Täter freigelassen hatte, nicht mehr eingreifen. Unoicht-Abend. Das Wiener jüdische Publikum hatte zwar oft Gelegenheit, jüdische Volksdichter und -Erzähler in seiner Mitte zu sehen. Noch nie aber hörte man in Wien einen solch ausgezeichneten Dichtervorleser wie den bekannten jüdischen Schriftsteller U n o i c h i, welcher am 28. Mai vor einem zahlreichen Publikum aus seinen eigenen Schriften vorlas. Herr Unoichi hat noch ziemlich wenig geschrieben, aber er hat das Verdienst einen eigenartigen Typus in die jüdische Literatur eingeführt zu haben. — Der alte R’abe ist der letzte Vertreter der vergangenen jüdischen Generation, der letzte Bürge der untergegangenen jüdischen Welt. Ein Einsamer, ragt er in die Welt hinein, die ihn nicht versteht, deren Freuden und Leiden er weder zu begreifen, noch mitzuerleben vermag. R’abe lebt in seinen Erinnerungen, von denen er in seinen Monologen erzähl. Die Monologe des R’abe, die Unoichi geschaffen hat, sind dichterisch verklärte Stimmen aus dem Jenseits. Sind die Monologe schon an sich ein Kunstwerk, so verlieh ihnen die große Rezitationskunst des Dichters einen besonderen Reiz. Man sah die alte Zeit leibhaftig auferstehen, man schaute sie in ihrer ganzen Echtheit und Plastik. Der Erfolg blieb auch nicht aus. Die Vorlesung wurde mit stürmischem Beifall aufgenommen. Die einleitende Rede hielt Dr. A. C o r a 1 n i k, der die Stellung Unoichis in der jüdischen Literatur schilderte und auf die Psychologie des R’abe des tieferen einging. Jüdische Abgeordnete im ungarischen Parlamente. Bei den letzten ungarischen Abgeordnetenwahlen wurden 11 Juden gewählt. Selbstverständlich sind alle gewählten Juden Magyaren strengster Observanz und haben mit dem Judentum so wenig als möglich zu schaffen. An ihren Namen, die sie fürsorglich und mit dem Kostenaufwand eines Kronenstempels landesüblich gemacht haben, könnte man diese Herren natürlich nicht bemerken. V ereinsu .V ersammlungs- Nachrichten. Voranzeigen. Wien. (Klub zionistischer Arbeiter.) Samstag den 11. Juni, 8 Uhr abends, findet im Cafe „Jägerhof“, IX., Porzellangasse 22, ein Vortrag des Herrn Kurt Wachs!er statt. Thema: „Was will der Zionismus?“ Gäste willkommen. — Anmeldungen zum Beitritt in den Klub zionischerArbeiter werden jeden Samstag im Cafe „Jägerhof“ entgegengenommen. — Sonntag den 12. Juni findet ein vom Klub zionistischer Arbeiter veranstalteter Ausflug nach Mauer statt. Zusammenkunft: 2 Uhr nachmittags vor der Stadtbahnstation Schottenring. Wien. (Allgemeiner jüdischer Arbeiterverein „Poale Zion“.) Samstag den 11. d. M. Vortrag des Genossen Heinrich Fränkel. Thema: Unsere Stellung zur Gewerkschaftsfrage. Vollzähliges Erscheinen der Mitglieder Pflicht. Gäste willkommen. Wien. (Humanitärer Geselligkeitsverein „Bnei Zion“.) Sonntag den 19. d. M. veranstaltet der Verein gemeinsam mit dem Vergnügungskomitee des Vereines der j. H. u. P.-A. „Achwah“ ein Somrnerf e i t im Prachtsaale zum „Felsenkeller“, Sieveringerstraße 171. Abfahrt der Teilnehmer um 'A3 Uhr nachmittags von der Haltestelle Schottenthor (beim Cafe Ronacher). Teilnehmerkarten ä 40 Heller sind im Cafe „Stephanie“, II., Stephaniestraße 2 und bei den meisten Mitgliedern zu haben. Wien. (Verein der jüdischen Handels- und Privatangestellten „Achwah“.) Sonntag den 12. d. M. Ausflug nach Hütteldorf, Kordon, Steinbruch, Rieglerhütte, Neuwaidegg. Führer ist der Kollege Samuel Strauß. Zusammenkunft 'A3 Uhr bei der Stadtbahnstation Schottenring. Gäste herzlichst willkommen. — Mittwoch den 15. d. M. spricht Redakteur Siegfried Wahr über „Der Jude als Weltbürger“. Lokal: Cafe Stephanie, 11., Stephaniestraße 2. Beginn 7*9 Uhr. Gäste herzlichst willkommen. Wien. Die Generalversammlung des Vereines „Achwah“ findet am Dienstag den 21. Juni 1. J. um 8 Uhr abends im Vereinslokal, II., Herminengasse 8, statt. Tagesordnung: Bericht des Komitees; Wahl des Vorstandes; Aenderung der Statuten; Eventuelles. Berichte. Wien. (Jüdische akademische Verbindung „Unitas“.) Am 17. Mai fand auf der Vorbindungsbude eine interne Herzlfeier statt. Neben den Alten Herren und ihren Frauen waren zahlreiche Gäste erschienen. Nach der Begrüßung durch den Präses, JUC. Max Bandler, wurde von dem seinerzeitigen Beschlüsse, den Geburtstag Theodor Herzls durch Pflanzung eines Unitengartens zu feiern, Mitteilung gemacht und mit Freuden konstatiert, daß bereits über 100 Bäume zu diesem Zwecke eingezahlt wurden. Hierauf folgten interessante Referate, welche das Leben und Wirken Herzls beleuchteten. MUC. Theodor Kohn sprach über die Biographie Herzls, anschließend daran rezitierte er die „Menorah“. A. H. E. B. Dr. Karl Pollak sprach über „Herzl und die Unitas“, A. H. Dr. S. H. Löbl über „Herzls zionistische Gründungen“, JUC. Ernst Skutetzky über „Die zionistische Bewegung nach Herzl“. Mit Absingung des Bundesliedes schloß die erhebende Feier. Wien. Jüdisch-akademische Verbindung „Unitas* Wir teilen mit, daß unser lb. i. a. B. JUC. Bernhard Markus am 3. Juni a. c. an der k. k. Universität Wien zum Doktor der Rechte promoviert wurde. Oderberg. Am 26. April 1. J. veranstaltete der hiesige Volksverein „Zion“ einen Diskussionsabend, welcher einen glänzenden Besuch aufwies. Herr cand. phil. Gustav Kohn aus M.-Ostrau referierte in 2'Astündiger Rede über das Thema „Judenfrage“. Er erzielte mit seinem populärwissenschaftlichen Referate, welches sowohl von kritischem Studium, wie auch von hervorragender Rednergabe zeugte, einen außergewöhnlichen Eindruck. Die Vereinsleitung, wie auch der als Gast anwesende Bürgermeister und Kultusvorsteher unserer Gemeinde, Herr Viktor Lustig, sprachen dem Referenten Dank und Anerkennung aus. Teschen. Am 25. Mai 1. J. fand hier die konstituierende Generalversammlung des Jüdischen Volksvereines, des ersten auf zionistischer Basis gegründeten Bürgervereines, statt. Namens des vorbereitenden Ausschußes begrüßte Herr Dr. Teller die überaus zahlreich erschienenen Mitglieder und Gäste, worauf Herr Dr. Fritz Eckstein-Troppau in einer wirkungsvollen, in Form und Inhalt gleich vollendeten und mit Temperament vorgetragenen Rede die jüdische Frage im allgemeinen und die Ziele der zionistischen Bewegung im Besonderen erörterte. Nach Verlesung der Statuten erfolgte die Konstituierung des Vereines durch Anmeldung der Mitglieder (die ursprüngliche Zahl von 48 ist seither auf 60 gestiegen) und Wahl des ersten Vereinsausschusses, dem folgende Herren angehören: Dr. D. Teller, Advokat, als Obmann, G. Zuckermandel, Kaufmann, als Obmannstellvertreter,Fabriksdirektor K. Stein als Kassier und NF.-Komissär, Geschäftsführer M. M ü 11 e r als Schriftführer, sowie

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