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Jüdische Zeitung · 1910-05-20 · 20 (20.5.1910) · p. Seite 9

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Nr. 20 JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 9 wandern. Hier fällt der Statistik im Dienste der jüdischen Gemeinde eine wichtige Aufgabe zu, welche der Gemeinde von großem Segen sein kann, nämlich die schnelle Feststellung aller Zu wandernden im Interesse der Besteuerung. Weiter ist von Bedeutung eine Statistik der Austritte aus dem Judentum und der jüdischen Gemeinde, wie sie z. B. in Wien geführt wird, und ferner eine genaue Statistik der einzelnen Religionsvereine als Grundlage für ihre Subventionierung. Für die Wohlfahrtspflege gewinnt die Statistik ebenfalls große Bedeutung. Sie bildet die Grundlage, wenn es sich um Neugründungen von Altersversorgungsanstalten, Fürsorgeheimen, Blindenheimen, Säuglingsheimen u. dgl. handelt. Schließlich sind noch die besonderen Aufgaben der jüdischen Gemeinden zu behandeln, welche in •der Kultusverwaltung liegen. In der darauffolgenden Diskussion regte Dr. med. Arthur Kahn, anknüpfend an das Segall’sche Referat, zunächst die Frage der Verwendung der Statistik zur Erfassung jener Mißstände an, die die Taufbewegung unter den Juden befördern. Die Uebertritte hängen zum großen Teile mit der Vernachlässigung des jüdischen Religionsunterrichtes und dem Besuche des christlichen Religionsunterrichtes durch jüdische Kinder zusammen. Hier, an der Wurzel der Bewegung, könnten statistische Aufschlüsse von Nutzen für die jüdischen Gemeinden sind. Hierauf sprechen die Herren: Professor Dr. Blaschke, Prof. Rosin, Dr. Lamm, M. A. Klausner und Dr. H. G. Heymann. Die anregenden Erörterungen, welche sich an das Referat von Dr. Segall knüpften, hinterließen den Eindruck, daß für die Betätigung der Statistik im Dienste der jüdischen Gemeinden ein weites Feld sich eröffne und daß im Interesse einer ersprießlicheren Erledigung mancher wichtigen Funktionen die Anbahnung näherer Beziehungen zwischen den jüdischen Großgemeinden und dem Bureau für : Statistik der Juden erwünscht sei. Zum Schlüsse erstattete Herr Rechtsanwalt 'Dr. Blau an Stelle des abwesenden Schatzmeisters Herrn Bankier Benno Stern den Kassenbericht für die Zeit vom 1. März bis 31. Dezember 1909. Der Bericht bezieht sich nur auf diese 10 Monate. Während der genannten Zeit betrugen die Ein- . nahmen 6865 Mark und die Ausgaben 6256 Mark. Aus den Wahlen gingen sowohl die Mitglieder des Vorstandes als auch die von der Hauptversammlung zu wählenden Mitglieder des Kuratoriums in ihrer bisherigen Zusammensetzung hervor. Aus dem jüdischen Leben. Judenhetze in Bulgarien. Das Volk der Bulgaren symphatisiert bekanntlich mit dem mächtigen Rußland und sucht sich augenscheinlich beim hohen Gönner in Gunst zu setzen. Getreu nach russischem Muster sollten also in Bulgarien Pogroms stattfinden. Doch kam die Polizei dahinter und beschlagnahmte in Sofia Hunderte von Proklamationen, in denen :zu Judenpogroms aufgefordert wurde. Zahlreiche Proklamationen waren bereits an Mauern und Häusern angeklebt und wurden von der Polizei entfernt. Durch die Beschlagnahme der Proklamationen wurde man auf die Spur einer geheimen Organisation geführt, die nach dem Muster der berüchtigten russischen schwarzen Hundert arbeitet. Ausweisungen von Juden. (K i e w). Aus Demijewka, einem Vorort von Kiew, sind jüdische Bewohner in großer Zahl ausgewiesen worden ohne Rücksicht darauf, daß sie bereits seit Jahrzehnten •dort wohnen. In Kiew ist bei der Kanzlei des Gouverneurs eine Kommission gebildet worden, die sich mit der Prüfung über das Wohnrecht der Juden befaßt. Durch diese Kommission haben viele Juden sich neues Wohnrecht verschaffen können, andere hatten nicht die Möglichkeit, verlorenes Wohnrecht wiederzugewinnen. Diesen gegenüber wird die Ausweisung durchgeführt. Hebräisch in Amerika. Aus New-York wird der „N. J. K.“ geschrieben: Die aus dem Osten Europas herübergekommenen Juden dringen zwar mit seltener Anpassungsfähigkeit in die hohe Kultur dieses Landes ein; sie bewahren jedoch auch in der neuen Welt ihre Anhänglichkeit zur hebräischen Sprache und deren Schrifttum, die sie in ihren Herkunftsländern hochgehalten. Fast in allen großen Judenzentren Amerikas existieren hebräische Sprach- und Literaturvereine, die ihre eigenen Bibliotheken und Lesehallen haben, öffentliche Versammlungen und Vorträge in hebräischer Sprache veranstalten und eine rege Agitationstätigkeit auf diesem Gebiete entfalten. In New-York bestehen zwei solche Vereine, „Mephizei Sphat Eber“ und „Achieber“, die sich eines großen Zuspruches erfreuen. Besonderes Interesse erregten hier unter der jüdischen Bevölkerung die Referate undVoriesungen des bekannten hebräischen Literaturkritikers Rüben Brainin, der soeben eine längere Vortragstournee durch Amerika abgeschlossen hat. Die amerikanischen Behörden haben vor kurzem dem Hebräischen eine offizielle Anerkennung zuteil werden lassen und es zum vollwertigen Unterrichtsgegenstand für die Mittel- und Hochschulen erhoben. Sie haben damit den jüdischen Bürgern gegenüber eine Forderung der Gleichberechtigung erfüllt. Die Anhänglicheit der jüdischen Bevölkerung in diesem Lande an die hebräische Sprache hat sich in Brooklyn in besonders deutlicher Weise gezeigt. Ein jüdischer Philanthrop errichtete dort einige Volksschulen für jüdische Mädchen und glaubte den Bedürfnissen der jüdischen Volksmassen damit zu entsprechen, indem er als Unterrichtssprache in diesen Schulen das sogenannte Jiddisch, den von den Juden in den osteuropäischen Ländern gebrauchten „Jargon“ bestimmte. Der gutmeinende Wohltäter mußte sich jedoch bald von seinem Irrtum überzeugen, denn die von ihm begründeten Schulen blieben leer. Darauf führte er Hebräisch als Unterrichts- und Umgangssprache in den Schulen ein — und da haben sich in kurzer Zeit über zwölfhundert Mädchen zum Besuch der Schulen gemeldet, die jetzt auf dem Gebiete des jüdischen Erziehungswesens in Brooklyn tätig sind. Zeitschriften und Bücherschau. Die Herzl-Gedenknummer der „Welt“ ist soeben zur Ausgabe gelangt. Sie enthält Originalbeiträge von Adolf Agai-Porzo, Raoul Auernheimer, Dr. B. Beck, Dr. H. I. Bodenheimer, Martin Buber, Dr. Josef Chazanowitz. A. Coralnik, Josef Cowen, Rabb. Dr. M Ehrenpreis, Dr. A. Eliascheff, Dr. A. Friedemann, B. Goldberg, G. Hecht, Richard Huldschiner, Dr. A. lricz, Dr. I. Katzeneisohn, Leon Kellner, loh. Kremenetzky, Dr. Heinrich Löwe, Dr. M. Mandelstamm, Tobias Markus, A. Hecrowitsch, Dr. Jul Moses, Max Nordau, Franz Oppenheimer, Dr Scherlag, A. Schmitz, H. v. Schultern, Adolf Stand, Berta von Suttner, Ra’ b. Dr. O Thon, Prof. H. Vambery, Dr S Werner, David Wolffsohn, H. York-Steiner, ferner eine große Anzahl bisher unveröffentlichter Bilder Herzls und seiner Familie, sowie Faksimiles unveröffentlichter Briefe Die Nummer ist durch die Expeditinn der „Welt“, Köln. Karolingerring 31, zum Preise von 50 Pfg pro Exemplai (in feiner Ausführung auf Kunstdruckpapier zum Preise von Alk. l'ZO) zu beziehen. Am 19. d. M. erschien die „Herzl-Gedenknummer“ von „Unsere Hoffnung“. Diese Nummer enthält außer Originaliliustrationen und einer Musikbeilage unter anderem: Th. Herzl: „Reisesegen“: Dr. D. Pasmanik: „Der ewig Junge“; Dr. D. Rothblum: „Herzi-Erinnerungen“; Dr. F. Roitenstieich: „Theodor Herzl“: Dr. J Rebberg: „Laschon-ha-kadosch“; Dr. E. Müller: „Gedicht“; Dr. H. Zuckermann: „Rhapsodie“; S. SmeJiansky: „Herzltag in Rechoboth“; S Niger: „Cb. N. Bialik“; Dr. L. Goldhammer: „Die Nationalitätenfrage“; S. Schmitz: „L. Schapiro"; Sch. Asch: „Palästinareise“ und mehrere andere Beiträge. Preis 5U Heller. Bestellungen sind zu richten an F. Sternberg, Wien, IX., Währingerstraße 26. Vereinsu .Versammlungs- Nachrichten. Voranzeigen. Wien. (Neß Zionah.) Dienstag, den 24. d. M., 8 Uhr abends, wird im Klublokal „Cafe Mokka“, I., Schottenring 12, die I. ordentliche Generalversammlung abgehalten. Tagesordnung: 1. Statutenbericht; 2. Tätigkeitsbericht des bisherigen Komitees; 3. Wahlen; 4. Eventualia. — An die Generalversammlung schließt sich ein Vortrag des Herrn Erwin Hüttner über Palästina. — Zum Besuche des Herzlgrabes finden sich die P. T. Mitglieder Sonntag, den 22. d. M. um 9 Uhr vormittags im Klublokal ein, worauf der korporative Abmarsch auf den Döblinger Friedhof erfolgt. Wien. (U n o i c h i - A b e n d.) Der jüdischliterarische Abend, an dem der berühmte jüdische Dichter U n o i c h i auf Einladung des akademischen Vereines „Jüdische Kultur“ (II., Blumauergasse 20/8) eigene Werke zum Vortrage bringen wird, findet am Samstag den 28. Mai 1910 um 8 Uhr abends im Festsaale des Hotel Guth (II., Stefaniestraße) statt. Der Dichter, der als glänzender Vorleser gilt, wird seine berühmten „Reb-Abe-Monologe“ vorlesen. Karten ä I K und 60 h sind im Vereinslokale sowie auch im „Cafe Stefanie“ (II., Stefaniestraße), „Cafe Mokka“ (I., Schottenring) erhältlich. Wien. Die Sektion Döbling des zionistischen Zentralvereines veranstaltet Sonntag den 22. d. M. 9 Uhr vormittags, gemeinsam mit der jüdischen akad. Verbindung Unitas im israelischen Tempel, XIX., Dollinergasse 3, eine Herzl-Gedenkfeier mit folgendem Programm: 1. Halleluja (Psalm 111) mit Kantor-Soli, gesungen vom Döblinger Tempelchor; 2. Ansprache des Herrn Rabb. Dr. Feuchtwang; 3. Bundeslied, gesungen von der jüd.-akadem. Verbindung Unitas; 4. Festrede des Herrn Dr. Jakob Kohn; 5. Hacikwa, Schlußgesang. Anschließend Besuch am Grabe Theodor Herzls. Wien. Der von galizischen und bukowinaisehen Juden ins Leben gerufene Verein „Achwah“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, die rituelle Speisehalle, welche zu ungewöhnlich billigen Preisen sehr schmackhaft zubereitete Speisen verabreicht, zu erhalten. Der Verein hat erst vor kurzem ein geräumiges freundliches Lokal, II. Herminengasse 8, gemietet und entsprechend adaptieren lassen. Die feierliche Einweihung dieser mit großen Opfern errichteten Speisehalle findet am Donnerstag den 26. Mai 1910, vormittags 10 Uhr, statt. Abgeordneter Straucher wird hiebei die Festrede halten. Alle Freunde dieser Institution werden zu dieser Einweihung freundlichst eingeladen. Wien. (Verein „A c h w a“, Jüdische Brüder.) Die konstituierende Generalversammlung dieses von galizischen und bukowinaischen Juden zur Erhaltung der rituellen Speisehalle gegründete Vereines findet am Donnerstag den 2. Juni 1910, abends 8 Uhr, im Vereinslokale II. Herminengasse 8 statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Komitees, 2. Verlesung der Statuten, 3. Wahl der Vereinsleitung, 4. Eventualia. Wien. („Achwah“, Verein der jüdischen Handels- und Privatangestellten.) Mittwoch den 25. d., 8 Uhr abends, im Cafe Stefanie, II. Stefaniestraße 2, Vereinsabend mit Vortrag von Herrn Maxim Anin. Gäste willkommen. Wien. („Hasomir“, Verein zur Forderung jüdischerLiteratur undKunst.) Dienstag den 24. d. M. findet ein literarischer Abend im Cafe Neptun, XX. Mathildenplatz, statt. Entree frei, ohne Karten. Gäste sind herzlicbst willkommen. Beginn präzise '/?.9 Uhr abends. Wien. (Bnei-Zion.) Samstag den 28. Mai 1910 findet im Souterrainsaale des Cafe Concordia, I. Concordiaplatz 4, ein jungjüdischer Autorenabend statt. Programm: Vorlesung aus eigenen Werken (gedrucktes und ungedrucktes): Herr Doktor Fritz Löhner, Herr Viktor Mandl, Herr Friedrich Porges, Herr Dr. Hugo Zuckermann. Nach Schluß des Programms gesellige Unterhaltung mit Tanzkränzchen. Beginn präzise 9 Uhr abends. Regiebeitrag im Vorverkauf K —.60, an der Abendkasse K -.80. Berichte. Wien. Die zionistischen Absolventen der Handelsakademien (Neure Jehuda) veranstalteten Samstag den 9. April 1910 im Hotel Zentral einen Festabend mit anschließendem Tanze. Nach der Begrüßungsansprache hielt Herr Gg. Dr. Jakob Kohn die Festrede, in der er die idealen Bestrebungen der zionistischen Jugend besprach. Den begeistert aufgenommenen Ausführungen folgte ein ausgezeichneter Vioiinvortrag des Herrn Lackenbach, begleitet von Frl. Frischmann. Hierauf brachte Herr Torcziner eine Skizze von J. L. Perez und Gedichte von M. Rosenfeld zum Vortrag, die das Publikum ergötzten. Herr Max Oesterreicher sang einige Lieder in meisterhafter Weise. Nachdem die Herren Mony Oesterreicher und W. Goldschmidt durch ihre humoristischen Vorträge großen Beifall fanden, beschlossen das jugendliche Gesangsduett Meisl undScherry vom Theater a. d. Wien die Akademie. In animiertester Stimmung begann sodann unter Leitung des Tanzmeisters Herrn R. Haimann der Tanz. Das Reinerträgnis ist dem jüdischen Nationalfonds gewidmet. Ung.-Brod. Am 3. April d. J. fand hier im Hotel „Smetana“ eine von der jüd.-akad. Ferialverbindung „Achivah“ einberufene Schekeiversammlung statt. Im Namen der Verbindung begrüßte Bb. cand. ing. Markus Winterstein die Erschienen. Von lebhaftem Beifall begrüßt, besprach hierauf Gg. Herr Prof. Oskar Lieben in schwungvollen Worten die Bedeutung des Zionismus und des Schekels. Nach einer kurzen Debatte und einer Schekelsammlung von befriedigendem Erfolg wurde die Versammlung geschlossen. Wien. (Akademischer Verein jüdischer Veterinärmediziner.) Bei der am 5. l.M. stattgefundenen Plenarversammlung wurden folgende Mitglieder in den Ausschuß gewählt. Josef Lampl, Obmann; Karl Paclawer, Obmannstellvertreter; Ernst Hoffenreich, Schriftführer; Dawid Weitzkorn, Kassier. Stockeraa. Sämtliche Zuschriften die den Verein „Zion“, Stockerau-Korneuburg, betreffen, sind bis auf Wiederruf an folgende Adresse zu senden: Deutsch Otto, Wien, VI. Gumpendorferstraße 14, Bahnindustriegesellschaft (Telephon Nr. 10.711). * * * Die Berichte über die Herzlfeiern mußten wegen Raummangels für die nächste Nummer zurückgestellt werden.

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