Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 4 (1910)
- Issue
- 18 (6.5.1910)
- Date
- 1910-05-06
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 18 Seite 7 JÜDISCHE ZEITUNG. Wien. Der Verein zionistischer Hochschüier .Theodor Herzl“ veranstaltet anläßlich des 50. Geburtstages Theodor Herzls am 15. d. M. im jüdischen Bildungsverein in Mödling, am 19. d. M. in der Sektion Ottakring des zionistischen Zentralvereines Herzlgedenkfeiern. * * * Berichte. Wien. (Zionistischer Losverein Leopoldstadt- Praterstraße.) Die am 14. April d. J. stattgehabte Generalversammlung hat die statutarischen Funktionäre (Obmann Isidor Ge witsch) gewählt und beginnt der im Jahre 1902 gegründete Losverein seine vierte Einzahlungsepoche. Sitz des Vereines: Cafe „Orient“, II., Praterstraße 66. Einzahiungstag der erste Donnerstag im Monat. Zionistische Sprechabende jeden dritten Donnerstag im Monat. Mit Ende April wurde die Aufnahme neuer Mitglieder geschlossen. Wien. Am 29. April d. J. fand in den Sälen des Cafe Prückl eine Akademie statt, die einen erhebenden Verlauf nahm. Die Eröffnungsrede des Gg. Herrn Jakob Landau machte auf alle Anwesenden tiefen Eindruck. Hierauf hielt Reichsratsabgeordneter Prof. Dr. Arthur Mahler eine großzügige Rede. Tosender Beifall belohnte die Ausführungen, an die sich noch Violinvorträge des Herrn Sa 1 dinger, Rezitationen und Gesangsvorträge des Herrn Kantor Fischer schlossen. Die Feier brachte auch einen namhaften Reingewinn, der den verschiedenen zionistischen Institutionen zufließt. Wien. („Achwah“, Verein der jüd. Handels¬ und Privatangestellten.) Das am 2. April d. J. im großen Saale des „Bayrischen Hof“ stattgefundene Gründungsfest nahm einen sehr schönen Verlauf. Besonders hervorzuheben wäre die Festrede des Obmannes Herrn Strauß, worin Zweck und Ziel dieser Organisation wirkungsvoll zum Ausdruck kamen. Beifälligst aufgenommen wurden die Rezitationen des Herrn Jaro Fürth (Mitglied des Deutschen Volkstheaters), das Violinsolo des Herrn Konzertmeisters Steiner, die Liedervorträge des Fräuleins Weintraub (Deutschjüd. Gesellschaft) und die humoristischen Darbietungen des Fräuleins Grete Finkler. Nach Schluß der Vorträge folgte ein animiertes Tanzkränzchen. Das Gründungsfest bedeutet einen großen moralischen Erfolg für den Verein, da eine ziemlich große Anzahl neuer Mitglieder dadurch gewonnen wurde. Wien. (Jüd.-akad. Verbindung „Ivria“.) Am 21. April d. J. hielt Herr Adolf Böhm, Präsident des Zionistischen Zentralkomitees, auf der Bude der Verbindung einen Vortrag über „Die Siedlungsgenossenschaft in Palästina“. Die glänzenden Ausführungen des Redners lohnte andauernder Beifall der zahlreich erschienenen Gäste. An den Vortrag schloß sich eine interessante Debatte an. Die Verbindung genügt nur einer gerne erfüllten Pflicht, wenn sie Herrn Böhm für sein Entgegenkommen mit dem er sich bereit zeigte, seine reichen Kenntnisse auf diesem Gebiete einer größeren Oeffentlichkeit zu übermitteln, den schuldigen Dank ausspricht. Wien.(Humanitärer Geselligkeitsverein „B n e i Z i o n“). Die am 27. März stattgefundene P ur i m f e i e r nahm einen überaus gelungenen Verlauf. Nach einer kurzen Begrüßung seitens des Herrn Grün hu t, folgte ein von Herrn Samuel Strauß vorgetragener Prolog, der stürmischen Beifall fand. Hierauf folgte die Festrede des Herrn Dr. Kupfer, welche großen Applaus erzielte. Es folgten Gesangsvorträge des Herrn Kantor Josef Grob, die das Publikum entzückten. Beifällig aufgenommen wurden auch die von Fr. Schön mit warmen Empfinden zum Vortrag gebrachte „Zionide“ von Jehuda ben Halewy, sowie das von Herrn K o 11 m a n n rezitierte Gedicht „Umkehr“. Herr Dr. Lehner hielt an die ■Gäste eine kurze Ansprache, in der er die Ziele des Vereines darlegte und blieb diese Rede sicherlich nicht ohne Wirkung. Für den Nationalfonds wurde gesammelt. Ein Tanzkränzchen beschloß die schöne Feier. B. G. Wien. (Zionistischer Zentralverein Wien, Sektion Ottakring-Hernals.) Dienstag den 19. v. M. sprach in Goldmanns Restaurant Gg. Weiner über die Taufbewegung. Der Vortragende legte in eingehender Weise die Ursachen der Austrittsbewegung dar, zitierte zahlreiche Aussprüche hervorragender Nichtjuden über die Taufe, brachte auch sehr interessante statistische Daten über die speziell in Wien grassierende Taufseuche und besprach zum Schluss die Mittel zur Bekämpfung dieser, das Judentum schwächenden Bewegung. Die zahlreich Versammelten spendeten Herrn Weiner für seine treffenden Ausführungen lebhaften Beifall. Nachdem noch die Herren Dr. Zuckermann, Schmitz, Politzer, Trnka und Weiner gesprochen, wurde durch den Vortrag jüdischer Melodien dem geselligen Teil des Abends Rechnung getragen. Auch für den Nationalfonds wurde gesammelt. — (Sektion Alser- - grund.) Im Cafe City fand am Mittwoch den 20. v. M. die konstituierende Versammlung der Ortsgruppe Alsergrund statt. Nachdem Gg. Ingenieur Löwenbein als Einberufer die Anwesenden begrüßte, ergriff der Obmann des Zentralvereines Dr. jakob K o h n das Wort, der für einen engeren Zusammen- : schluß der jüdischen Bürgerschaft eintrat. Nach den beifällig aufgenommenen Ausführungen des Redners, bildete sich ein aus den Herren Geiger, Dr. Klein, Ingenieur Löwenbein und Mühlstock bestehendes Komitee, welches nunmehr durch Abhaltung von Vorträgen eine regere Parteitätigkeit im IX. Bezirke entfalten wird. Wien, (jüdische akademische Verbindung „Unitas“). An Stelle des bisherigen Präses, Herr J. U. C. Jakob Herzbaum, der plötzlich verreisen mußte, wurde Herr J. U. C. Max B a n d 1 e r zum Erstchargierten gewählt. Wien. (N e s s Z i o n a h). Die Statuten dieser rührigen Vereinigung, die sich als Einzelverein konstituiert hat, wurde vor kurzem von der hohen k. k. nied.-öst. Statthalterei genehmigt. In der Generalversammlung erstattete Herr Emil Kafka den Kassabericht des abgelaufenen Vereinjahres, der an Einnahmen K 139.66 aufwies, für Oelbäume im Herzlwald wurden K 35.—, an Unterstützungen K 17.—, Parteisteuer K 12.— verausgabt. Für zionistische Zwecke wurden vom Vereine und dessen Mitgliedern insgesamt K 363.58 aufgebracht, davon Selbstbesteuerung K114.71, Oelbaumspenden K126.—, Schekel K 49.20 etc. Der Tätigkeitsbericht brachte die eifrige Agitation, die Veranstaltung von wöchentlichen, sehr interessanten Vorträgen über zionistische und literarische Themen und das ernste Wirken des Vereines in jeder Hinsicht zur Kenntnis der Mitglieder. Die hierauf erfolgten Neuwahlen ergaben: Jakob Hammer, Obmann; Schriftführer Friedrich Porges, Obmannstellvertreter; Emil Kafka, Kassier; Josef Krämer, Schriftführer; Eduard Mahler und J. Ritter, Revisoren; Leopold Federmann, David Nebenzahl, Benno Maier und Zaitschek, Ausschußmitglieder. Bielitz. Der zionistische Mädchenverein „Esther“ veranstaltete Sonntag den 17. April 1910 einen Vortragsabend mit Herrn Dr. Bulwa aus Krakau als Referenten, welcher über Ost und West, Betrachtungen über das frisch aufgeworfene jüdische Kulturproblem sprach. Redner erklärte zunächst näher den Begriff des jüdischen Kulturproblems betonte besonders das jüdische Stammes- und Volksbewußtsein und das spezifisch jüdische in unserer Kunst, indem er auf einzelne Erzeugnisse der jungjüdischen Dichtung hinwies, und bezeichnet das 19. Jahrhundert als die Zeit der jüdischen Renaissance, die viele neue Werte schafft. Er vervollständigte seine Ausführungen mit dem Rezitieren einiger Gedichte im Jargon, wofür ihm die Zuhörer reichen Beifall zollten. Oer Abend, der sehr anregend verlief, brachte auch dem Nationalfonds eine kleine Summe ein. Iglau. Der JüdischerVolksverein „Theodor Herzl“ für Iglau und Umgebung veranstaltete am 27. März d. J. nachmittags eine solenne Purimfeier für Kinder. Um 2 Uhr nachmittags waren ca. 80 Kinder im Maximsaale des Grandhotels versammelt. Jedes der Kinder erhielt gleich bei seinem Eintritte eine breite blau-weiße Stoffschärpe. Bald war der Saal so gefüllt, daß viele Erwachsene ihn wieder verlassen mußten. Die eine Längswand zierte ein großes mit Tannenreisig geschmücktes Herzlbild. Blau-weiße Fahnen wechselten mit Herzl-und Nordaubildern an den Wänden ab. Zuerst erzählte der Kreisobmann den Kindern die Purimgeschichte, die mit großer Aufmerksamkeit angehört wurde. Hierauf spielte Frau Klotilde Reich ein Potpourri von Kinderliedern, die von den Kindern fröhlich mitgesungen wurden. Dann las Fräulein Grete Pollak ein schönes Märchen vor. Darnach kamen Lichtbilder von Prof. Dr. Max Eisler vorgeführt. Es waren die schönsten Bilder berühmter Maler, die biblische Motive behandelten. Nach diesen Vorführungen wurde den Kindern eine Jause geboten. Die Vereinsdamen hatten ein Komitee gebildet, dessen überaus tätige Exekutive Frau Schwarzkopf, Frau Reich und Frau Dr. Werner von einem Dutzend hübscher Mädchen unterstützt, die Bewirtung der Kinder tadellos durchführte. Für die kleinen Gäste war durch Spenden der Vereinsdamen und ihrer Bekannten gesorgt worden. Nach der Jause erweckte ein Zauberkünstler durch seine verblüffenden Kunststücke den hellen Jubel der Kleinen. Nachdem den Kindern das Purimflugblatt vorgelesen worden war und sie versprochen hatten, fleißig zu samm.'ln, wurde die Verteilung der Purimgeschenke vorgenommen. Eine geschmackvolle Bonbonniere mit Herzlbild, eine große Düte mit Landesfrüchten Erez Jisroels wurde beim Verlassen jedem Kinde überreicht. Die Veranstaltung gelang über alle Erwartung und machte auf Kinder und Erwachsene tiefen Eindruck. Dem Damen- und Herrenkomitee sei hiemit nochmals öffentlich Dank gesagt. — Am Abend versammelten sich die Mitglieder und Freunde im Restaurant Löwinger zu einer Purimfeier für Erwachsene. Nach einer kräftigen Ansprache des Vereinspräsidenten Herrn Richard Weißenstein trat die Fröhlichkeit in ihr Recht. Eine Musikkapelle ließ unermüdlich ihre Weisen ertönen. In den Zwischenpausen sorgte eine Juxpost, deren Stücke nur befördert wurden, wenn sie mit einer Nationalfondmarke versehen waren, lustige Vorträge und schließlich die amerikanische Versteigerung eines Herzlbildes für die Unterhaltung. Den Schluß des Abends bildete ein Tanzkränzchen. Dem Komitee der Veranstaltung, speziell dem NFK. Singer und seinem Adlatus ing. ehern. Alfred Sommer, sowie den Fräuleins Zimmer und Wengraf gebührt aufrichtiger Dank für ihre Bemühungen. Trautenau. Der Zionistische Volksverein „Theodor Herzl“ veranstaltete Sonntag den 10. v. M. eine überaus gelungene Purimfeier, eingeleitet durch eine geistreiche und humorvolle Rede des Herrn Ingenieurs Hermann Polaczek über Assimilantentum und jüdische Feinde des Zionismus, welcher sich heitere und ernste, musikalische und rhetorische Vorträge der Damen Frau Jackersohn, Frau Nettei, Fräulein Lauer, Novak und Schwarz, der Herren Rabb. Bader, Natscheradetz, Katz, Willner und Winternitz anschlosssen. Ein Tanzkränzchen machte den Beschluß. Lundenburg. Hier fand am 28. März ein von der Tischgesellschaft „Gemütlichkeit“ veranstalteter Purimball statt, der glänzend besucht war. Von den Verbindungen waren vertreten: „Veritas“, „Hatikwah“, „Hasmoneah“. Für den Nationalfond wurde eifrig gesammelt (über 40 Kronen). Üng.-Hradisch. In unserer Stadt hat sich in den letzten Tagen ein Bürgerverein konstituiert: „Zionistische Vereinigung in Ung.-Hradisch“, die bereits 43 Mitglieder zählt. Zum Obmann wurde Herr Dr. A. Brauner gewählt. In der ersten Generalversammlung hielt unser Gg. Dr. F. Winterstein ein fesselndes und zugleich instruktives Referat über die Schekelinstitution, durch den viele Schekelzahler gewonnen wurden. Der Verein gedenkt, in kurzer Zeit mit einer größeren Veranstaltung in die Oeffentlichkeit zu treten. Jaroslau. Die Chargenwahlen für das X. Semester der jüdisch-akademischen Verbindung „Swit“ ergaben folgendes Resultat: Präses: cand. iur. Moses Schwarz, Vizepräses: stud. iur. Osias Sternhell, Sekretär: stud. iur. Josef Abend. Sonntag 3. v. M. fand hier auf Veranlassung des Vereines „Safah Berura“ eine imposante Versammlung statt, in der besonders die hiesige Intelligenz sehr stark vertreten war. Es sprachen Dr. Blumenfeld, D. Haendel, Dr. Roßberger, H. Spiegel und betonten die Notwendigkeit einer intensiven Arbeit und Agitation für die hebräische Schule. Es wurde ein Komitee eingesetzt und beschlossen Gg. Herrn Salomon Schiller aus Lemberg einzuladen. Wir hoffen, daß jetzt die Arbeit für die hiesige „Safah Berura“ die anfangs einige hundert Schüler zählte, den richtigen Weg eingeschlagen, und daß unsere Intelligenz weiter mit Rat und Tat beistehen wird. Am selben Tage fand in dem von Jaroslau nicht weit entfernten Städtchen Radymno ein Purim- Abend statt. Es wurde das Stück „Chanele die Näherin“ gespielt. Die Eröffnungsrede hielt Herr stud. iur. Natan Mannheim. Der große Sokol-Saal war überfüllt und es gab großen Beifall. Die Veranstaltung hat sehr viel zur Aufklärung und Hebung der jüdisch-nationalen Idee beigetragen. Prag. Ein Diskussionsabend über den zweiten west-österreichischen Parteitag veranstalteten am 12. v. M. die beiden Prager Korporationen „Freie zionistische Vereinigung“ und die jüdischnationale ac.-tech. Verbindung „'Barissia“. Herr chem. Kopetzky begrüßte vor allem die Vertreter des ZK. Herrn Gustav F i n z i (Troppau), Herrn Dr. Emil Margulies, die Vertreter des Böhmischen DK. und die Mitglieder der Prager zionistischen Korporationen. Das Referat erstattete Herr JUC. Herbert Birnbaum, der vor allem zu den Thesen des Herrn Dr. Emil Margulies und zu dem zionistischen Kultusgemeindeprogramm, besonders zur Haltung der böhmischen Delegierten auf dem Parteitag Stellung nahm. Das Korreferat erstattete der Delegierte der FZV. Herr Redakteur Franz Steiner. An die beiden Referate schloß sich eine rege instruktive Debatte, an der sich vor allem die Herren Prof. Dr. Engel, Finzi und Dr. Margulies beteiligten. Ersterer besprach besonders unser Kultusgemeindeprogramm, während letzterer eingehend die anschließend an seine Thesen in der Diskussion behandelten Fragen erörterte. An der Diskussion beteiligten sich noch die Herren: med. Gersuny, Goldstein, Otto Stern, Kaminsky und Walter Kohner. Aus allen Reden ging deutlich der Wille hervor, die Propaganda zu vertiefen, die großen Palästinaaufgaben zu fördern und durch das neu geschaffene Kultusgemeindeprogramm auch außenstehende Kreise für unsere Sache zu gewinnen. Prag. (P o a 1 e Z i o n). Am 9. April fand ein gut arrangierter Vortragsabend mit anschließendem Tanze, der einen äußerst gelungenen Verlauf nahm. Den Reigen der Vorträge eröffnete Frl. A. P o 11 a k, die tschechische und slovakische Lieder sang. Hierauf brachte Herr Willy Reichmann Bruch’s „Kol- Nidre, in glänzender Weise zum Vortrage. Nach ihm rezitierte Herr Alpner Gedichte von Morris Rosenfeld und Beda. Als letzter sang Herr | e r a 1 Lieder und Opernarien. Alle Darbietungen fanden ungeteilte Aufmerksamkeit und wohlverdienten Beifall. Für die Oppenheimer’sche Siedlungsgenossenschaft wurde fleißig gesammelt, Zagreb (Agram). (Jüdischer akademischer Unterstützungsverein). Resultat der Ausschußwahlen für das Sommermester: Präses: A. Singer, stud. iur. Vizepräses: H. Neumann, stud. iur. I. Sekretär: A. Szemnitz, stud. phit. II. Sekretär: L. Schein, stud. iur. Ausschußmitglieder: J. Baran, stud. iur. und G. Zvijezdic, stud. iur. Revisoren: F. Kohn, stud. iur. und A. F. Bruck, stud. iur. Böhmische Industrialbank. Ende April betrugen die Einlagen K 51,014.96203. Außerdem waren K 19,130.100 eigene 4’ *7»ige Bankschuldverschreibungen im Umlauf.