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Jüdische Zeitung · 1910-04-15 · 15 (15.4.1910) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
4 (1910)
Issue
15 (15.4.1910)
Date
1910-04-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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JÜDISCHE ZDTUHG was Erscheint wöchentlich. — Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: IX., Liechtensteinstraße 11, Telephon 12.299. — Sprechstunden täglich von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurückgestellt. — Abonnementspreise: Für Oesterreich-Ungarn: Ganzjähr. K 10.—, halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr. Mk. 3.—. Für das übrig» *••»•*••»-:.-**•***■»*•»•** Ausland ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplaj-e20 h. Postsparkassenkonto 104.067. **• ******-■»•»***•■**■ Nr. 15. Wien, Freitag den 15. April 1910. IV. Jahrgang. AUS DEM INHALTE: Zur Parlamentseröffnung. Nationalfonds und Kulturfonds. Galizische Zionistenkonferenz. Kandidatenliste I. Gedicht von Beda. Zu den Gemeinderatswahlen. Landtagswahlen in der Bukowina. Antisemitismus in Kroatien. Volkswirtschaft: Judaismus und Kapitalismus. Ueberläufer. Sport. Jüdischer Nationalverein für Oesterreich Montag den 18. April, 8 Uhr abends findet im HOTEL POST I. Fleischmarkt 's eine öffentliche TAGESORDNUNG : Die Juden und die Gemeinderatswahlen im ersten Bezirk. Referenten: Reichsrats-Abg. Dr. Benno Straucher, Ingenieur Robert Stricker. JEDERMANN HAT ZUTRITT. An unsere Abonnenten! Unsere Abonnenten, die mit dem Abonnement im Rückstände sind, werden dringend ersucht, die schuldenden Beträge sofort zu überweisen. Die neu eintretenden Abonnenten werden aufmerksam gemacht, daß das Abonnement im Vorhinein zu bezahlen ist. Die Empfänger von Probenummern werden um gefl. Mitteilung ersucht, ob sie auf weitere Zusendung reflektieren. Zur bevorstehenden Parlamentstagung. Am 14. April tritt dss österreichische Abgeordnetenhaus zu einer kurzen Tagung zusammen. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, wird sich die schon lapge latente Krise sehr bald akut gestalten und entweder das österreichische Abgeordnetenhaus aufgelöst werden oder das Ministerium Bienerth vom politischen Schauplatz verschwinden. Das Trostlose dabei ist, daß weder das Erstere noch das Letztere unsere politische Lage zu klären vermag. Wohl ist es richtig, daß das Ministerium Bienerth über keine verläßliche Mehrheit verfügt; anderseits ist aber ebenso sicher, daß bei der täglich zunehmenden Zersetzung ausnahmslos aller parlamentarischen Parteien auch das kommende Ministerium auf keine dauernde parlamentarische Mehrheit in dem gegenwärtigen arbeitsunfähigen Abgeordnetenhause rechnen kann. Aber auch seine eventuelle Auflösung wird an dem traurigen Status quo nicht viel ändern, weil die alten Parteien mit ihren überlebten Programmen in das Haus am Franzensring zurückkehren werden, um die bekannte Komödie wieder von neuem zu beginnen. Die einzige Aenderung dürfte darin bestehen, daß im deutschen wie im slawischen Lager die Christlichsozialen den nationalen Parteien einige Mandate entreißen. Sicher ist es, daß die Situation, und speziell für die Juden, immer trostloser wird, daß die zunehmende Erwerbslosigkeit und allgemeine Teuerung gerade für die besitzlosen jüdischen Volksschichten sich immer fühlbarer macht. So notwendig es daher auch wäre, daß das erste Parlament des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechtes, nachdem es die Hälfte seiner Legislaturperiode mit nichtigem Parteigezänke totgeschlagen hat, sich endlich der sozialreformatorischen Tätigkeit zuwende, so sind alle diesbezüglichen Hoffnungen Illusionen. Angesichts dieser Erkenntnis und der Tatsache, daß die Fortsetzung des Nationalitätenhaders für die Juden auch die Ausbreitung des Antisemitismus bedeutet, haben gerade sie ein Interesse daran, daß endlich einmal nationale Ordnung in Oesterreich geschaffen wird. Wir halten es daher für sehr zeitgemäß, daß der „Jüdische Klub“ im österreichischen Abgeordnetenhause einen Antrag auf national - autonomistische Verfassungsrevisionbei gleichzeitiger Anerkennung der Juden als gleichberechtigte Nation einbringe. Damit würde der Klub nicht nur eine programmatische Pflicht erfüllen, sondern auch seinem jüdischen Volke sowie dem österreichischen Gesamtreiche einen ungeheuren Dienst erweisen. Nationalfonds und Kulturfonds. Ein Vorschlag zur Leistung „realer Palästinaarbeit“. Von Dr. Aron Sandler- Breslau. Der IX. Kongreß hat einmütig die Notwendigkeit der Begründung eines Instituts für Agrarkredit bekundet. So lange die Bodengesetzgebung der Türkei, insbesondere die Bestimmungen über das Hypothekenwesen und die Rechte der juristischen. Person noch nicht die zu erwartende Aenderung erfahren haben und die Anlegung eines modernen Grundkatasters noch nicht Tatsache geworden ist, wird eine Agrarbank keine ersprießliche Tätigkeit entfalten können. Gleichwohl ist es notwendig, nicht nur die Vorbereitungen zur Schaffung dieser Bank sofort in Angriff zu nehmen, sondern auch frühzeitig mit der Geldbeschaffung für die Agrarbank zu beginnen, damit wir stets en vedette seien, stets bereit, die durch die Reformierung der Gesetzgebung entstehenden Chancen möglichst als die ersten auszunützen. Denn nur darin liegt die Möglichkeit des Erfolges für uns, daß wir den an Kapitalkraft uns weit überlegenen Konkurrenten zeitlich zuvorkommen. Auch die Sammlungen für den Nationalfonds sind ja bereits zu einer Zeit begonnen worden, zu der nach dem damaligen Parteistandpunkt von einem Bodenkauf in größerem Stile nicht die Rede sein sollte. Nun ist es aber der Wunsch der überwiegenden Mehrheit der Zionisten, mit der kolonisierenden Tätigkeit in. Palästina möglichst sofort zu beginnen. Dieser Wunsch ist in den durch die neue politische Lage geschaffenen Umständen, bngründet. Gegen dieses Verlangen sind im wesentlichere zwei Bedenken geäußert worden. Das eine, dem insbesondere Herr Dr. N o r d a u Ausdruck gegeben hat, stützt sich auf die sachverständige Aeußerung unserer Bankdirektoren in Palästina, die einen weiteren Zufluß von Kapital in die Kassen unseier Banken nicht für ratsam halten, da bei der beträchtlichen Steigerung der Depositen nicht einmal die von dem Mutteriustitut in London gegebenen Darlehen ausreichende Verwendung hätten finden können. Dieser Einwand beruht aut einem Mißverständnis. Die nach Ansicht der Bankdirektoren gegebene Begrenzung der Möglichkeit, weiterhin Kapital in Palästina anzulegen, bezieht sich natürlich nur auf den Tätigkeitsbereich der Banken, der aber seinerseits durchaus beschränk ist. Uni ihre Mittel nach Möglichkeit flüssig halten zu können, düifen diese Banken ihr Kapital nicht in Bodenwerten anlegen. Sie unterstützen Handel und Industrie, geben auch den Kolonisten — mit Hilfe eines ihnen vom Nationalfonds gewährten Darlehens — Agrarkredit, beschränken diesen Kredit aber auf kleine, kurzfristige Darlehen, die nach der Ernte zurückgezahlt werden müssen. Wie ich höre, werden auch kleinere Darlehen zur Vergrößerung der Pflanzungen gewährt. Jedenfalls steht fest, daß bedeutende Vergrößerungen der Pflanzungen, insbesondere aber der Bau von Häusern oder gar der Ankauf von Land von der Bank durch Kredit nicht unterstützt wird. Es scheidet somit ein bedeutsamer Teil der Kreditmöglichkeiten für diese Banken überhaupt aus. Die oben angegebene Begrenzung in der Anlegung von Kapitalien hat also mit der Frage des Agrarkredits nichts .u schaffen. Ein zweites Bedenken stützt sich auf die durch das türkische Bodenrecht gesetzten Schwierigkeiten für ein geregeltes Kreditwesen. Auf diese Frage hat Herr Dr. Ruppin schon vor Monaten in der „Welt“ geantwortet. Wenn Darlehensgenossenschaften mit gegenseitiger Haftung der Mitglieder gebildet werden, so besteht bei sorgfältiger Auswahl der Personen und unter Benutzung des jüdischen Grundbuches die Möglichkeit, Kolonisten, die einen eigenen Kuschan benützen, Agrarkredit zu gewähren. Es ist zuzugeben, daß gewisse Schwierigkeiten bestehen bleiben, die denjenigen abschrecken werden, der nur die Schwierigkeiten, nicht den, der nur die Möglichkeiten sucht, und zweitens, daß der Kreis der hierfür in Betracht kommenden Kolonisten nicht eben groß ist. Dagegen fallen diese Bedenken zum größten Teil gerade bei jener Form des Agrarkredits fort, die für uns hauptsächlich in Betracht kommen: bei

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