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Jüdische Zeitung · 1910-04-01 · 13 (1.4.1910) · p. Seite 9

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
4 (1910)
Issue
13 (1.4.1910)
Date
1910-04-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 13 IÜDISCHE ZEITUNG. Seite 9 letztere teils mit ihren Männern reisten oder aus Palästina mit ihren Kindern zwecks Heilung derselben nach Wien gekommen sind, und 6 Palästina- Chalukajuden. Die Betätigung in den einzelnen Berufen stellt sich folgendermaßen dar: Handwerker.67 hievon: 12 Schuster 11 Schneider 9 Holzarbeiter (Tischler, Böttcher) -8 Schlosser und Mechaniker 4 Setzer 23 diverse Kaufleute.51 Handelsangestellte.. 32 Landwirte...21 Angehörige freier Berufe.20 Talmudisten u. hebräische Lehrer. 14 Studenten.12 8 waren den Eltern in der Ausübung ihres Berufes behilflich. Von diesen 238 beabsichtigen als ihren künftigen Beruf in Palästina zu wählen: Landwirtschaft. 91 Handwerk.39 hievon: Schneider.11 Holzarbeiter.8 Mechaniker und Schlosser 6 Schuster.3 Setzer.3 Diverse.8 Kaufmännischer Beruf.18 'Freie Be'rufe.16 Handelsangestellte. 3 34 waren unentschlossen, jedoch neigten die meisten zur Landwirtschaft, und 10 begaben sich dahin, um die Schulen, wie Bezalel, Hebräisches Gymnasium oder die Lemelschule zu besuchen. Von 27 Juden in vorgerücktem Alter, die aus religiösen Motiven ins heilige Land fuhren, beabsichtigten 21 ■aus Chalukageldern ihr Dasein zu fristen, 6 aber werden von ihren Kindern unterstützt. Es ist nicht uninteressant, zu untersuchen, in welchen Berufen die 91 Personen, die sich in Palästina der Landwirtschaft zu widmen beabsichtigten, früher tätig waren. Von diesen waren früher nur 19 Landwirte, ferner 27 Handelsangestellte, 20 Handwerker, 12 Angehörige der freien Berufe oder hebräische Lehrer, 9 Kaufleute und 4 Studenten. Die meisten Handelsangesteilten, die sich der Landwirtschaft widmen, kommen aus Galizien. Meist sind es Jünglinge, die ihren Eltern im Geschäfte behilflich waren, die. aber angesichts der trostlosen Lage ■ oder aus idealen Motiven auswanderten. Die aus anderen Berufen kommenden, der Landwirtschaft sich widmenden Personen waren durchwegs aus Rq^larid- ,, 4. Kairfleute,. von denen, 2 mitJhren Familien auswanderten, waren materiell die kräftigsten und verfügten jeder über ein Kapital von 80.000 bis 100.000 Kronen, waren auch aus Rußland. Ueberbaupt bemerkt man, daß, während aus Rußland relativ reiche Leute nach Palästina fahren, starke Arbeiter, endlich auch Studenten und hebräische Lehrer, die entweder auf dem heimatlichen Boden ihr Kapital fruchttragend anlegen oder ihre Träume als Arbeiter in den Kolonien verwirklichen wollen, so ist das Gros der Auswanderer aus Galizien — wie gesagt — Handelsangestellte und Leute, die Bis nun im Elternhause keine Beschäftigung ausübten, oder Personen im vorgerückten Alter, die nach Palästina reisen, um dort die letzten Jahre zu verbringen. Als Reiseziel gaben an: Jaffa und die jüd. Kolonien (Judäa).164 Haiffa„ „ „ „ (Galiläa) .... 66 Jerusalem.•.72 Saffed.25 Beyruth. 6 •: Auch hier läßt sich in der letzten Zeit ein gewisser Umschwung kosnfatieren. Während früher die meisten produktiven Arbeitskräfte nach Jaffa (Judäp) sich begaben, so fahren jetzt viele infolge der leichteren Landungsmöglichkeiten und der Hoffnung in Galiläa eher kolonisiert zu werden, nach Haiffa.;Den Beweggrund zur Auswanderung gaben 201 Personen an, und zwar 24 die Not oder sonst eine Zwangslage und 63 das Streben ihre Lage zu verbessern, 37 den Wunsch, die letzten Lebensjahre in Palästina zu verbringen und 77 andere ideelle Motive an. Sämtliche Auswanderer beherrschten jüdisch, (hievon 203 auch noch die Landessprachen) 32 mehr als 3 Spsachen. 127 waren der hebräischen Sprach ei n Wort und Schrift mächtig. Von 201 Personen, die diesbezügliche Angaben machten, besaßen 132 Informationen über Erwerbsmöglichkeiten und Verhältnisse in Palästina und zwar 69 von Bekannten, die in Palästina wohnen, 32 aus der Lektüre zionistischer Blätter und verschiedener Broschüren, 28 vom Odessaer Komitee, 10 von unserem und 6 von pal. Informationsbureau, endlich 8 aus eigener Anschauung; 48 hatten keinerlei Information. Wir haben schon früher erwähnt, •daß ein Uebel, welches in der-, Emigration zu Tage kommt, der Mangel an Informierung über Palästina und die Reise ist. Aus dieser Tatsache ist leicht zu begreifen, daß in der Berichtzeit 48 Auswanderer nur über einen Teilbetrag der Reisespesen verfügten. Von den anderen Auswanderern hatten nicht :mehr als die Reisespesen 233, weiters verfügten 2 über 1000 Kronen, 8 über 50CO Kronen, 2 über 20.000 Kronen, 2 über 50.000 Kronen, 2 über 100.000 Kronen, 38 verweigerten die Angabe ihres Vermögens. Bekannte in Palästina hatten 74, Verwandte 44. Der physische Zustand der Emigranten war nach ihren Angaben und dem äußeren Aussehen im allgemeinen recht zufriedenstellend: gut.238 (69 77») schwach . . 95 (30 37») ln den einzelnen Monaten stellte sich die Zahl der Auswanderer folgendermaßen dar: Im Monat März 22, April 13, Mai 47, Juni 34, uli 35, August 68, September 24, Oktober 37, November 22, Dezember 31. Die relativ große Zahl der Auswanderer im August läßt sich durch die auf September fallenden hohen Feiertage erklären, da zu dieser Zeit die frommen Juden nach Palästina wandern. So zeigt sich, daß unter den 68 Personen im August 32 das 50 Lebensjahr überschritten haben und 34 als Beweggrund der Auswanderung religiöses Motiv angaben. Personalnachrichten. Unser Gesinnungsgenosse Herr Norbert Rappaport ladet Verwandte, Freunde und. Bekannte zu der m 2. April stattfindenden Barmizwafeier (Tempel Beth-Israel, II., Leopoldsgasse 29 7* 10 Uhr vormittags) seines Sohnes Friedrich herzlich ein. Aus zionistischen Gründen ist es erwünscht, daß usuelle Aufmerksamkeiten dem Nationalfonds zugeführt werden. Ein jüdisches Speisehaus in Wien. Durch das Bemühen einiger energischer Männer aus Galizien und der Bukowina wurde ein Speisehaus in Wien, II. Herminengasse 8, „Achwah“, neueröffnet. Dasselbe ist in großem Stile angelegt und zeichnet sich vor den Volksküchen dadurch aus, daß es in aller Form eines Restaurants angelegt ist. Es verfügt über weite lichte Räume. Es umfaßt sechs Speiseräume und erfreut sich bereits einer täglichen Besucherzahl von 200 bis 300 Personen. Auch eine größere Zahl von Studenten ist darunter. Die anheimelnde Umgebung, der billige Preis (40 bis 60 Heller) und die Sorgfalt der Küche und der Bewirtung machen, die Gründung schon jetzt sehr beliebt. Auch hat diese dadurch einen großen Wert, daß sie durch die hervorstechende peinliche Sauberkeit einen günstigen Einfluß ausüben kann. Es ist nur zu wünschen, daß dem Verein zur dauernden, Erhaltung der Kücjte ein größerer Kreis von Mitgliedern beitrete, zumal das Lokal auch zu anderen volkstümlichen Zwecken geeignet erscheint. V ereinsu .V ersammlungs- Nachrichten. Voranzeigen. Allgemeiner Jüdischer Arbeiterverein, Wien. Sonntag den 3. April d. J., präzise 10 Uhr vormittags, findet im großen Saale des Restaurant „Zum goldenen Widder“, II. Taborstraße Nr. 36, eine große, allgemein zugängliche Vereinsversammlung statt. Tagesordnung: 1. Die jüdische Emigrationsfrage. Referent: Dr. Leo Goldhammer. 2. Unsere Stellung zum bevorstehenden Emigrationskongreß. Referent: S. Kaplansky-Kaplan. 3. Diskussion. Jüdische Volksgenossen! Erscheinet in Massen! Wien. („Neß-Zionah“.) Dienstag den 5. April d. J., 8 Uhr abends, findet im Klublokale, Cafe Mokka, I. Schottenring 12, ein Vortrag des Herrn Dr. Hermann K a d i s c h über „Z e i tu n d S t reitfragen“ statt. Die Gg. werden gebeten, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Gäste (auch Damen) herzlich willkommen! Wien. (Frug-Feier.) Samstag den 2.April veranstaltet der akad. Verein „Jüdische Kultur“ im Vereinslokale (II. Blumauergasge 20) anläßlich des 50. Geburtstages des berühmten jüdischen Dichters S. F r u g eine interne Feier mit nachstehendem Programm: 1. Bb. Josef Weismann: S. Frug. 2. Bb. A. Wassermann: Rezitation von Gedichten Frugs. 3. Vereinschor: Vortrag von vertonten Liedern Frugs. 4. Bb. M. Rath: Rezitation von Gedichten Frugs. Beginn präzise 8 Uhr. Gäste willkommen. Entree nur gegen Vorweisung von Entreekarten, die Samstag den 2. April, 2—3 Uhr nachmittags, im Vereinslokale unentgeltlich erhältlich sind. * * * Berichte. Wien. (Jüdischer Turnverein für den IX. Bezirk, IX/t, Grüne Torgasse 19. — IX. Yereinsjahr.) Die Aufnahme für den Bar-Mizwah-Kurs findet Montag und Mittwoch von halb 5 bis 7 Uhr, Dienstag und Donnerstag von halb 5 bis halb 6 Uhr und Sonntag von 10 bis 12 Uhr statt. Wien. (Jüdischer Turnverein Fünfhaus.) Samstag den 19. d. M. fand in Weigls Katbarinenhalle das zehnjährige Gründungsfest verbunden mit einem Schauturnen statt. Nach dem Aufmarsch, der bei der Begleitung einer Militäkapelle von 42 strammen Turnern und 27 anmutigen Damen ausgeführt wurde, hielt der Obmann, Herr Elkan, eine kurze Ansprache, in welcher er die Ziele unserer gemeinsamen Bestrebungen auseinandersetzte. Die Freiübungen, ausgeführt unter der strammen Leitung des ersten Turnwarts Herrn Ing. Theodor Steinherz, der sich in uneigennützigster Weise hingebungsvoll dem Verein widmet, boten dem Zuschauer ein erhebendes Bild. Reicher Beifall lohnte die Bemühungen. Das Riegenturnen an fünf Geräten mußte selbst von scharfen Kritikern für gut bezeichnet werden. Eine Musterriege am Doppelbarren zeigte noch sehr schöne, exakt ausgeführte Leitungen, deren Schluß sechs Handstände an den Enden der Barren, sowie eine hohe Pyramide mit dem Mögen David als Spitze, bildeten. Ein sehr animierter Tanz hielt sämtliche Festteilnehmer bis zum frühen Morgen beisammen. Nachdem auch der Besuch ein sehr starker war — der Erste Wiener Jüdische Turnverein war durch über 100 Mann vertreten—mußte der Abend als in jeder Beziehung gelungen bezeichnet werden. A. D Wien. Am 16. d. M. fand zur Feier des 70jährigen Bestandes des Vereines zur Förderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten unter dem Vorsitze des Kommerzialrates Leopold Simon eine Generalversammlung statt, welcher eine Anzahl Delegierter von Behörden und Korporationen anwohnten. Nachdem er die als Vertreter verschiedener Körperschaften erschienenen Herren namentlich begrüßt hatte, erstattete der Schriftführer Magistratssekretär i. R. Herr Dr. Wilhelm Loewy den Bericht über die Tätigkeit des Vereines im Dezennium 1900—1909, dem wir unter anderem entnehmen, daß seit dem Bestände des Vereines 5848 Zöglinge zu Gehilfen freigesprochen wurden. Hierauf ergriffen die Herren Oberrabbiner Dr. Güdein an n, der Präsident der Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern, Hofrat Franz Migerka, Karl Re isenlei tn er als Vertreter der Niederösterreichischen Handels- und Gewerbekammer, Karl Reichert als Vertreter des Niederösterreichischen Gewerbevereines, ferner der Gemeinderat Dr. von Dorn und Sekretär der Oesterr. isr. Union Herr Siegfried Fleischer das Wort, um das segensreiche Wirken des Vereines hervorzuheben und ihm weiteres Gedeihen zu wünschen. Der ehemalige Vereinszögling Herr S. Friedmann sprach der Vereinsleuung seinen Dank aus und richtete an die anwesenden Zöglinge den Appell, dem Vereine stets Ehre zu machen. Auf Antrag des Herrn Dr. Wechsberg wurde der gegenwärtige Vorstand wieder gewählt, der sich folgendermaßen zusammensetzt: Präsident Leopold Simon, Vizepräsident Dr. Richard Reis, Schriftführer Dr.Wilhelm Löwy. Vorstandsmitglieder: Albert Brandeis, Wilhelm Hirsch, Leopold Langer, Edmund Melcher, Adolf Neumann, Felix Reifer, Leopold Sachs, Adolf Straßmann und Julius Stern. Zum Schluß erhielten 10 Zöglinge wegen guter Aufiührung in der Lehre und in der Schule Prämien. Freudenthal. (Verein „Zion“). Bei der am 13. Februar a. c. stattgehabten Generalversammlung des Vereines wurden die folgenden Herren gewählt: Max Konstandt, Obmann; Fritz Marburg, Stellvertreter: Max Goldberger, Kassier; Karl Goldberger, Schriftführer. Als Beiräte fungieren die Frauen Aurelie Goldberger und Angela Berl. Iglau. Das heurige Vereinsjahr des Jüdischen Volksvereines „Theodor Herzl“ für Iglau und Umgebung läßt sich als ein äußerst arbeitsreiches an, sowohl in Bezug auf die äußere als auch auf die innere Tätigkeit. Nachdem in der Plenarversammlung anfangs Dezember der neue Ausschuß gewählt worden war, dem fast alle früheren Mitglieder wieder angehören, trat der Verein sofort in die Vorarbeiten für die Kultuswahl ein, die durch ein Kompromiß insoferne ihren Abschluß fanden, als die drei vom Vereine aufgestellten Kandidaten, die Herren Moritz Schwarzkopf, Jakob Taussig und Richard Weißenstein in den Kultusausschuß gewählt wurden. Bei der Wahl in die Chewra-Kadischa wurden zwei vom Vereine aufgestellte Kandidaten gewählt, zwei andere blieben in der Minorität. Von größeren Veranstaltungen sind namentlich derSmolensky- und der Lilienblum-Abend zu erwähnen, an denen Herr Prof. Dr. Michael Berkovicz das Lebensbild der zwei gefeierten hebräischen Schriftsteller entwarf. Der Vortragende fand bei dem zahlreich erschienenen Publikum außerordentlichen Beifall. Die Ernennung des Herrn Prof. Dr. Berkovicz zum Religionslehrer der hiesigen Mittelschulen wird hier allgemein als eine außerordentlich glückliche Wahl bezeichnet. Dr. Berkovicz erfreut sich sowohl bei den hiesigen Gemeindeangehörigen als auch seiner Vorgesetzten Schulbehörde hoher Achtung und hat sich auch die Liebe seiner Schüler rasch zu erwerben gewußt. In überraschend - kurzer Zeit hat sich denn auch das Bild des Religionsunterrichtes an den hiesigen Mittelschulen entsprechend geändert. Die Religionsstunde gehört jetzt zu den beliebtesten Unterrichtsstunden und es ist nicht zu bezweifeln, daß die günstigen Folgen dieses Umschwunges in Wissen und in der Charakterfestigung der Schüler zum entsprechenden Ausdruck kommen werden. Am 27. d. M. veranstaltete der Verein eine Kinder-Purimfeier, die außeiordentlichen Anklang in der hiesigen jüdischen Bevölkerung gefunden hat. Ueber den Verlauf der Feier werden wir nächstens berichten.

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