Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 4 (1910)
- Issue
- 12 (25.3.1910)
- Date
- 1910-03-25
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 JÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 12 eine Widmung von K 200 zugewendet, wofür derselben der Dank der Generalversammlung ausgesprochen wurde. Zur Erhaltung und dringend nötigen Erweiterung der Lehranstalt bedarf der Verein größerer Mittel. Alle wohltätigen Stammesgenossen werden gebeten, denselben zu unterstützen. Wien. Der Abend, den die akademische Verbindung „K a d i m a h“ am 25. v. AL im Cafe Marienbrücke veranstaltete, und der dazu dienen sollte, die heutige jüdische Studentenschaft über ihre „Neuen Aufgaben“ aufzuklären, war sehr schwach besucht Und diesen schwachen Besuch führte der Redner des Abends, Herr Dr. Hermann Kadi sch, zu Beginn seiner Ausführungen als genügenden Beweis für die in der jüdischen Studentenschaft immer weitere Kreise erfassende Interesselosigkeit an. Er verlangt von den jüdischen Studenten die Erfütlung dreier Punkte: t. Daß sie sich genügend mit jüdischem und zionistischem Wissen ausrüste, 2. so vorbereitet die Arbeit der Bürger fördere, und 3. sich vorbereite für die Erbschaft, die sie einst von den jetzigen bürgerlichen Zionisten empfangen werde. Keine dieser drei so wichtigen Aufgaben aber werde die jüdische Studenschaft gerecht. Im Gegenteil, sie stehe heute auf dem Standpunkte einer völligen Versumpfung und lasse es bei dem einmal mit Begeisterung Erarbeiteten bewenden. Und das sei ein haltloser Zustand, insbesondere wenn man die heutige zionistische Bewegung näher betrachtet. So habe die jüdische Studentenschaft noch nicht einmal Stellung genommen zu dem wichtigen Wendepunkt, den unsere Bewegung eben durchgemacht und der den letzten Kongreß beherrschte. Dr. Kadisch spricht nun eingehender über die Reformen im türkischen Reiche, verlangt eine unbedingte sofortige Kolonisation, indem er behauptet, daß die Juden insolange von der türkischen Regierung nicht respektiert werden können, so lange sie nicht gegenüber den Arabern die Majorität im Lande bilden. Das alles, betont der Redner, gehe an der jüdischen Studentenschaft ohne jegliche Anteilnahme vorüber und man könne am deutlichsten die Interesselosigkeit und Entnüchterung der Studenten daraus ersehen, daß auch kein einziger Student sozialpolitische Zirkel besuche, selbst wenn daselbst sozialvölkische Themen von hervorragenden Gesinnungsgenossen behandelt werden. Die Verbindungen und Vereine brüskieren diese Zirkel, indem sie sie trotz wiederholter Einladung nicht beschicken. Und auch in der Landespolitik, die gerade in Oesterreich sehr wichtig und nur in einem derartigen Völkerstaate auch für die Juden möglich sei, arbeiten die Studenten so viel wie nichts. Dagegen aber könne er in den letzten Jahren ein bedauerliches Zeichen an den zionistischen Studenten bemerken, die mit Stolz ihre demokratische Gesinnung hervorheben: das Kriechen vor der Bourgeoisie. (Lebhafte Zustimmung.) In seinem Resümee fordert nun der Redner die jüdischen Studenten auf, selbst wieder an die Arbeit zu gehen, die Verbindungen und Vereine mögen Bibliotheken anlegen zur lieferen zionistischen Bildung ihrer- Mitglieder, die sozialpolitischen Vorträge mögen beschickt werden, jeder einzelne solle arbeiten und nur so könne man den Standpunkt erreichen, daß die jungen anfangen. Nachdem lebhafter Beifall die Ausführungen des Herrn Dr. Kadisch belohnt hatten, eröffnet Herr cand. ing. Schindler, der Präses der Verbindung „Kadimah“, die Diskussion, in welcher sich als erster Herr Dr. W e i ß e n g r ü n zum Woit meldet, dessen Ausführungen hier kurz folgen mögen. Anknüpfend an die Ausführungen des Dr. Kadisch und diese vollauf bestätigend, geht Redner auf den Oppenheimerschen Artikel über, dem gegenüber seine Stellung klarlegt, über den Unterschied zwischen deutschen und österreichischen Juden spricht und vor allem der jüdischen Studenten schaft ans Herz legt, ihre jüdische Eigenart zu bewahren. Herr phil. Kohn, der über den Zwiespalt der West- und Ostjuden spricht, erklärt dann die Schlaffheit der jüdischen Studentenschaft mit einer schädlichen Vereins- und Verbindungspolitik und berührt schließlich den Zusammenhang von Religion und Nation. Von der Aktivitas der „Kadimah“ sprach Herr iur. Bruno Singer m a n n, der, Herrn Dr. Kadisch entgegentretend, wohl von der Arbeit und Bildung jedes einzelnen etwas hält, jedoch auf ein Moment hinweist, das insbesondere den Grund zu einer allgemeinen Zersetzung in der jüdischen Studentenschaft bilde: er behauptet, daß die jüdischen Studenten heute über keinen Führer verfügen, der selbst von zionistischen Idealen durchdrungen, auf die Jugend begeisternd wirken könnte. Nach ihm spricht Herr Hüttner, der eine strenge Scheidung zwischen Nation und Religion verlangt, ferner Herr Leopold S i t z m a n n, der daran erinnert, den jüdischen Nationalverein zu fördern, worauf Herr Dr. Kadisch nochmals das Wort ergreift, indem er sich insbesondere gegen die Ansicht des jungen Kadimahners Singermann wendet und erklärt, daß die jüdische Studentenschaft nicht auf einen Führer warten dürfe, sondern selbst arbeiten möge. Herr cand. ing. Schindler, der in seinem Schlußwort einen einigenden Mittelweg herbeiführt, erklärt sich im Namen der „Kadimah“ bereit, dafür zu sorgen, daß eine Form der Aussprache gefunden werde, zwischen den zionistischen Bürgern und der esamtenjüdischenStudentenschaft.In vorgeschrittener tunde schloß diese äußerst anregende und nur leider zu wenig besuchte Versammlung. Wien. (Kadimah-Ball.) Mit besonderer Genugtuung können wir seit den letzten Jahren wahrnebmen, daß es der jüdischen Studentenschaft gelungen ist, zu ihren Bällen und Festlichkeiten die sonst so prüde Judenschaft Wiens heranzuziehen und unsere jüdischen Frauen und Mädchen zu gewöhnen, rein jüdische Veranstaltungen zu besuchen. So gestaltete sich auch dieses Jahr der am 22. Februar in den Sofiensälen abgehaltene Ball der akademischen Verbindung „Kadimah“ zu einem hervorragenden Eliteball der jüdischen Gesellschaft. Das Ehrenkomitee, bestehend aus den Paaren: Univerr/m 'SSS1 Projekt für das Jiisclß SMentenleim in Wien. Ansichtskarten in Preifarbetv druck ä 20 h. Zu beziehen durch: „Jüdische Zeitung“, Wien IX. Liechtensteinstraße 11. Nur gegen Voreinseindung. sitätsprofessor Dr. Ehrmann-Frau Dr. Schalit, Dr„ Schalit-Frau Prof. Ehrmann, Kaiserl. Rat Zirner- Frau Dr.Littmann, Leopold Sitzmann-Frau Dr. Silberberg, Dr. Silberberg-Frau Zirner, Regimentsarzt Dr. Mayer-Frau Abrahamer, Oberstabsarzt Dr. Kolischer— Frau Dr. Mayer, Prof. Königstein-Frau Fischer eröffneten den Ball. Sodann erfolgte der Aufzug desgroßartigen Komitees, das aus mehr als 100 Paaren bestand, an der Spitze die Chargierten der „Kadimah“, die Herren cand. ing. Michel Schindler, JUC. Leo Stern, JUC. Hugo Pick. Der Ball, der sehr starken Besuch aufwies, nahm einen äußerst angeregten und schönen Verlauf und dauerte bis in die frühen Morgenstunden. Eine originelle Damenspende bot ein Briefbeschwerer mit dem wohlgelungenen Medaillon Theodor Herzls. Und nebst diesem moralischen Erfolg, soll, wie wir hören,, auch ein ansehnlicher Reingewinn, der nationalen Zwecken gewidmet ist, die großen und umfangreichen Vorarbeiten belohnen. Dem jungen Ehepaare M. Schärf und Frau in Wiznitz gratulieren herzlichst G. E. Fried & Co.,. Wien, V/i, Margaretenplafz 3. Mitteilung der Redaktion! Den Einsendern von Manuskripten dienezur Kenntnis, daß unverlangte Manuskripte nur dann zurückgestellt werden, wenn ein mit der Adresse des Einsenders versehenes Kuvert, genügend frankiert, beiliegt. Jüdisches Theater Regie: M. Siegler. Hotel „Stefanie“, II., Taborstraße 12. Ab Sonntag, 27. März Neu! Großer Schlager. Neu! * Der Ger. Von Zalatarowsky. Sonntag nachmittag halb 4 Uhr, zu halbe Preise: Die goldene Chasene. Mittwoch, 30. März: Benefizvoretellung des beliebten Duettenpaares M. und P. W e i n b e r g. Zur Aufführung gelangt: Das X. Gebot. Von A. Goldfaden. JÜDISCHER NATIONALFOiS Sammelstelle für Oesterreich Wien IX., Türkenstrasse 9. ^Telephon 14.199. — Postspark.-Konto 100.208 ) Der Jüdische Nationalfonds bezweckt, Palästina- Boden als unveräußerliches Eigentum des jüdischen Volkes zu erwerben. Vom V. Zionistenkongreß 1901 gegründet, beträgt der JNF. schon 2,480.000 Kronen. Allgemeine Spenden. Jeder Jude soll bei allen Anlässen des J. N. F.. gedenken. Betz OG Tolkes: Slg. J. Tolkes: R. Falk ab Pto. 0.05 5.80' Biala WG NFK Huppert: Fr). Helene Michnik anst. e. Tel. z. Hochz. Saper-Stelman 1.—, Lehrer Leon Kellner-Biel. 8.50„Haschachar“-Biel. 9.50- Brünn M Jüd.-akad. Leseu. Redehalle statt Bekanntgabe der Chargenwahl an d. befreundeten Korporationen 2.— Brzezany P Slg. ChaskerFeld a. Verl. Schaffer- Glinert-Skomorowsky 3.30, a. Hochz. Schulmann- Czerniow 2.— 5.30- Czernowitz Bu „Emunah“ als Ablösung f. d. übliche Verständigung der Chargenwahlen: phil.. Chaim Rim x, phil. Julian Silberbusch iur. Isr. Taubes a. d. befr. Couleurs, Hebronia, Hygiea- Czernowitz, Tikwah-Suczawa, Chermonia-Radautz, Tikwah-Kolomea, Bar-Kochba, Giskalah-Stanislau, Emunah, Judäa, Hasmonäa, Makkabäa-Lemberg,. Oie Wien, I, Neuer Markt 8 TelejM 7734 fl. 10.000 — . K 20,000 000,- verzinst Geldeinlagen auf Einlagsbüchel mit emittiert .4l/*%lge Bank-Schuldverschreibungen, in welchem sich das angelegte Kapital mit mehr als verzinst. Die Rentensteuer trägt die Bank aus Eigenem^ EXPORT-ABTEILUNG. D6^D