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Jüdische Zeitung · 1910-02-25 · 8 (25.2.1910) · page 1

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
4 (1910)
Issue
8 (25.2.1910)
Date
1910-02-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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JÜDISCHE ZEITUNG Erscheint wöchentlich. — Redaktion, Administration und Jnseratenaufnahme: IJL, Liechtensteinstraße 11, Telephon 12.299. — Sprechstunden täglich von'lt—J2 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurückgestellt. — Abonnementspreise: Für Oesterreich-Ungarn: Ganzjähr. K 10.—, halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjfhr. Alk. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr. Mk. 3.—. Für das übrige .***■********* Ausland ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplare20 h. Postsparkassenkonto 104.067. ****•*•»****■*•■»*-*•» Nf/ 8. Wien, Freitag den 25. Februar 1910. IV. Jahrgang. AUS DEM INHALTE: „Eine schmierige Gesellschaft.“ Freies zionistisches Seminar in Wien. „Das:Recht“. Gedicht von Beda. Ihr müsset wollen! Von Maxim An in. Von’, der. Woche. Parfeinachrichteri. Die5 Gemeinderatswahlen in der Leopoldstadt. Aus -dem jüdischen Leben. Volkswirtschaft. Vereinsnachrichten. Sport. Ueberläufer. Jüdischer Nationalverein für Oesterreich Wien IX., Liechtensteinstraße 11. Einladung zu der am Mittwoch den 2. März 1910 im Hotel Guth, U., Stefaniestraße 14. s ■ .stattfindenden; /. .. öffentlichen Tagesordnung: 1. Die parlamentarische Situation. Referent: Reichsratsabgeordneter Dr. Benno Straucher. 2. Die Gemeinderatswahlen in der Leopoldstadt. Referenten: Dr. A. Lanzer, Obering. Emil Fried. Beginn. 8 Uhr. abends. — Jedermann hat .. v Zutritt. Ihr müsset wollen! ’: " Von Maxim A n i n.' . 1- - „Wenn ihr wollt, ist es kein Märchen“ . . .- Und das große, schöpferische Wollen zu erzeugen, denmächtigen Willen zur Tat bei den Trägen, VerzagendeH, Müden zu erwecken, — das ist eine der wichtigsten und zugleich kompliziertesten sozialpsychologischen Voraussetzungen unserer nationalen Renaissance. Machtlos verhallt hier die Stimme der Logik, das „Sollen“, auch das „Können“ bleibt in der Regel wirkungslos. Wenn aber einmal die zwingende Not des „Nicht-anders-könnens“ dicht an die Gemüter herantritt, dann erst kann die innerste Stabilität: des grauen Zwielicht-Lebens überwunden wer.dett.Nur das „Müssen“ kann den sozialen Organismus in seinen Grundlagen aufrütteln, nur das „Müssen“ ist sozial-schöpferisch. , - Daher begrüßen wir, alles, was unserem Volke scharf und klar das Problem seines historischen Seins veranschaulicht, relief und einleuchtend seine große innere Tragik aufdeckt .und ihm.mit kraftvoll schallender-.Stimme zuruft:;„WolIet,. denn ihr. müssdt^wollen 1“ •:. Un<j rifeses .Buch, das vor mirHegt, dieses wissenschaftlich. und objektiv gehaltene. Buch über »Eine schmierige Gesellschaft“. „Das Recht, volkstümliche Zeitschrift für österreichisches Rechtsleben“ ist, wie man glauben sollte, ein juristisches Fachblatt. Da seine Herausgeber aber, Dr. I. (lies: Isidor) Ingwer und Dr. I. (lies ebenfalls: Isidor) Rosner heißet), sich Sozialisten nennen., jüdischer Herkunft sind und aus Gatüien stammen, braucht man sich nicht zu wundern, wenn dieses Fachblatt mit Vergnügen selbst die. unpassendste Gelegenheit ergreift, um das galizische Judentum und insbesonders die galizischen Zionisten zu besudeln. In der am 15. Februar 1. J. erschienenen Nummer dieser Zeitschrift erschien ein Aufsatz „Das freie Wort und die freie Anwaltschaft“, in dem es heißt: „In einem Wohltätigkeitsverein,, der sich die - Unterstützung jüdischer Akademiker. als Ziel, gesetzt hat, haben die Zionisten alle Mandate, an sich gerissen. Der Qemeinderat der Stadt' Lemberg hat infolgedessen dem Verein eine früher regelmäßig bewilligte Subvention entzogen, gleichzeitig aber ein Stipendium für einen jüdischen - Akademiker ausgeworfen, um damit zu , demonstrieren, daß der Beschluß eben nur durch die zionistische Wirtscr,aft provoziert wor-. den sei. Als der Verein nunmehr die Erklärung abgab, er wolle jede Art von politischer Betätigung strenge vermeiden, lehnte der Gemeinderat trotzdem ein neuerliches Gesuch um Subventionierung ab. Nun fand eine Versammlung statt, in der über die Verweigerung der Subvention gesprochen werden sollte. An dieser Versammlung nahmen einige Advokaten teil. Einer von ihnen, der Häuptling der Zionisten, hielt in dem ordinärsten Jargon eine heftige 1 Rede, in der es von alttestamentarischen Flüchen und Verwünschungen wider jeden Gegner strotzte. In Europa ahnt man ja kaum, welch ekelhafte Blüten der tolle-Zionismus zeitigt. Plötzlich meldeten die Tageszeitungen, daß der Disziplinarrat die Verfolgung der mit vollem Namen genannten Advokaten, die an der Versammlung teilgenommen haben sollen, eingeleitet habe. Upd nun geschah das Wunderbare: eine Reihe, von Anwälten überwand den natürlichen Widerwillen vor der schmierig gen Gesellschaft, um ohne Rücksicht auf persönliche Nebenfragen den Angriff auf die freie Meinungsäußerung abzuschlagen. ‘ Auf Verlanget! ■ von 150 Kammermitgliedemmußte eine Plenarversammlung einberufen werden, die darüber entscheiden sollte, ob der Disziplinarrat berechtigt sei, Anwälte wegen der außerberuflichen Betätigung ihrer Ueberzeugung zu verfolgen ..... Ein Wiener Anwalt wird von Neid erfüllt, wenn er von diesem Vorgang liest. Dort, wohin er mit einem verächtlichen Blick zu sehen gewohnt ist, bringen die Advokaten noch für die Interessen ihres Standes eine Kampflust auf, die von der allgemeinen Apathie der sogenannten ersten Kammer des Reiches in beschämender Weise absticht. Gerade weil die; Leute,” die in Betracht kommen, persönlich, nur abstoßen können, gestaltet sich der - Fall zu einem rein prinzipiellen. Nicht die anti- - pa thisehe. Sache,’ für die sich die beteiligten: Advokaten, -ursprünglich eingesetzt haben, sondern, die Meinungsfreiheit der Advokaten steht auf der Tagesordnung.“ Man müßte von diesem Aufsatz keine Notiz nehmen, wenn er nicht wieder ein krasses Beispiel für die perverse Neigung gewisser jüdischer Kreise zur Beschmutzung des eigenen Nestes gäbe und wenn er nicht noch obendrein lügenhaft wäre und, die Tatsachen zugunsten der polnischen, Gewalthaber des Lemberger Gemeinderates derart entstellen und verdrehen würde, daß, er selbst” einem Häüsitttfeti"1fis PoIenktub3zur Ehre gereichen müßte. Die jüdischen Hochschüler in Lemberg sind bis auf wenige Ausnahmen gleich der bewußt-jüdischen Jugend der übrigen Universitätsstädte zionistisch gesinnt. Es ist daher natürlich, daß in den Ausschuß des in Rede stehenden Unterstiitzungsvereines schon vor mehreren Jahren ausschließlich Zionisten gewählt wurden, oder wie, es im „Recht“ heißt: „Die Zionisten rissen alle Mandate an sich.“ Nichtsdestoweniger gewährte der Lemberger Gemeinderat diesem Verein einige Jahre eine Unterstützung.,! was ihm hoffentlich die Herausgeber des! „Recht“ nicht weiter verübeln werden : Erst im Vorjahre verlangte der Gemeinde das „Rassenproblem“*) ruft mit allen seinen sachlichen Ausführungen — und muß bei einem jeden denkenden und fühlenden Juden Emotionen der Zerstörung des Abgelebten, Alten und der Errichtung des Aufstrebenden, Neuen hervorrufen. Darin ist der große, vielleicht der größte Wert dieses Buches enthalten. Wir können hier selbstredend nicht den gesamten, äußerst reichen Inhalt des Zollschan’schen Buches besprechen, nicht einmal berühren. So werden wir hier die beiden ersten Teile des Werkes über die anthropologischen, historischen und physiologischen Grundlagen des Rassenproblems überhaupt und der Judenfrage insbesondere gänzlich übergehen müssen, um uns desto eingehender mit dem, vom erwähnten Gesichtspunkte aus besonders interessanten III. Teile - über den Kulturwert der Juden — befassen zu können. Ich nenne auch deshalb diesen Teil den interessantesten, weil der Autor hier den rein rassentheoretisefien Standpunkt verläßt und ihn zum großen Teile durch die unvergleichlich fruchtbarere sozial-! ökonomische Betrachtungsweise ersetzt. Und in der j *- . i .*).Dt? Ignaz Z o 11 s c h a n: Das Rassenproblem turiter besonderer - Berücksichtigung der jüdrschen- Rassenfrage. Wien-und Leipzig 1909. - Tat entrollt sich hier unserem Blicke, das harte Schicksal des jüdischen Volkes in seiner immensen Tiefe und Breite. Wir sehen hier sonnenklar, wie äußere, der organischen Evolution des jüdischen Lebens fremde Faktoren im Laufe von Jahrhunderten das Los unseres Volkes bestimmten. Mit besonders anschaulicher Folgerichtigkeit ist hier der sukzessive Prozeß der Isolierung und Ausstoßung der jüdischen Nation aus dem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben der sie umgebenden Völker in seiner historischen Entfaltung dargestellt. II. Bis zum XII. Jahrhundert erfreuten sich die Juden als überall privilegierter und angesehener Kaufmannstand, der ein Jahrtausend lang in fast ausschließlichem Besitze des gesamten europäischen Handels war, des Wohlstandes und standen auf ziemlich hoher sozialer Stiife. Da entstand im XII. Jahrhundert in den germanischen Staaten infolge der Kreuzzüge ein heimischer nationaler Handelsstand und — die positive sozial-ökonomische Funktion der Juden als Handeiskiasse war ausgespielt., Der Mohr hatte seine Schuldigkeit getan, jetzt konnte, drh. also jetzt mußte er gehen. Und er ging .... |„Aus der Achtung-ist die-Xechtung, aus dem* ‘Vtehlstand ein drückender Notstand -ge^5

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