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Jüdische Zeitung · 1910-02-18 · 7 (18.2.1910) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
4 (1910)
Issue
7 (18.2.1910)
Date
1910-02-18
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 7 Zeitschriften und Bficherschau. Das »Echo“ vom 3. Februar. 1910 veröffentlicht einen ursprünglich in der »Berliner Post* erschienenen Artikel über »Die Schulen der Alliance Israelite im Orient*. In diesem Artikel heißt es bezeichnenderweise: „... Den Schulen der „Alliance Israelite“ kann eine gewisse politische Bedeutung nicht äbgesprochen werden.' Wenn sie auch in erster Linie der Stärkung und inneren Festigung des Judentums dienen, so wirken sie auch als Hilfsmittel politischer Pläne einzelner e u rbjjäi scher Sia a t e n. In -Marokko wäre Frankreich nicht so rasch mit der friedlichen Durchdringung vorgeschritten, wenn es sich nicht auf das in französischem Geiste erzogene jüdische Element hätte stützen können. . . .“ Im weiteren'Verlaufe der Ausführungen werden die Beziehungen zwischen der Alliance-Schule in Bagdad und der englischen Politik nachgewiesen. Aus diesen, von vollständig objektiver und neutraler Seite stammenden Aeußerungen folgt die von uns längst erkannte Wahrheit, daß die Alliance mit jüdischen Mitteln und auf Rosten des jüdischen Volkes die Geschäfte fremder Staaten besorgt. Die Benützung der jüdischen Bevölkerung als Sturmbock für französische, englische oder deutsche Expansionsgelüste birgt aber eine große Schädigung der jüdischen Interessen in sich. Neues jüdisches Vereinsliederbuch. Nachdem die zweite Auflage des einzigen jüdischen Vereinsliederbuches, welches wir besitzen, nämlich des vom jüdischen T.-V. Bar-Kochba, Berlin, herausgegebenen, fast vollständig vergriffen ist, bereitet der Ausschuß der jüdischen Tumerschaft, dem das Urheber- und Verlagsrecht an diesem Liederbuch übertragen worden ist, die Herausgabe einer dritten Auflage vor. Die neue Auflage wird sich wesentlich von den bisherigen sowohl an Umfang wie an Inhalt unterscheiden. Es werden nicht nur die allbeliebten Kommers-, Studenten-, Turner- und Wanderlieder in größerer Anzahl Aufnahme finden, sondern es wird vor allem auch Sorge getragen werden, daß der jüdische, insbesondere der hebräische Teil des Liederbuches eine erhebliche Verstärkung erfährt. Der jüdischen Tumerschaft liegt daran, ein Liederbuch herauszubringen, welches sich nicht nur für den Gebrauch von Turnvereinen, sondern für alle jüdischen Vereine, seien es Studenten-, Händlungsgehilfenvereine oder zionistische Ortsgruppen etc. eignet. Auch für die Vermehrung der Noten wird gesoigt werden. Das Unternehmen ist umso freudiger zu begrüßen, als in der Tat das Bedürfnis nach einem allgemeinen jüdischen Liederbuch ein ganz außerordentliches ist. Die Pflege edler Geselligkeit und guter jüdischer Gesinnung kann gerade durch ein solches Liederbuch außerordentlich gefördert werden. Um das Liederbuch möglichst für alle Vereine brauchbar zu machen, wird die Redaktion des Liederbuches, an deren Spitze sich eine in der jüdischen Literatur wohlbekannte Persönlichkeit befindet, um die Aufnahme möglichst vieler Vereins¬ und Farbenlieder bemüht sein. Die Vereinsvorstände werden daher gebeten, möglichst umgehend ihre Vereinslieder zur Aufnahme in dieses Liederbuch an das Bureau der jüdischen Tumerschaft, Berlin, Alexanderstraße 39, zu senden. Audi alle Privatpersonen, welche besondere Wünsche für die Gestaltung des Liederbuches haben, mögen sich ungesäumt an die obige Adresse wenden. Walter Bloem. Der krasse Fuchs. (Vita Berlin). Der Autor schildert mit Schwung und Verve das erste Semester eines Marburger Korpsstudenten, und zwar mannigfaches, inneres Erlebnis. Also: Becherklang und Pistolenknall, Küsse und Verzweiflungstränen, Zechgelage und Waldescinsamkeiten, Genießen und Entsagen, Lust und Weh. Wie schon daraus zu ersehen ist, blieb Bloem nicht an den Aeußeriichkeiten haften, sondern vertiefte sich in die Seelen der Füchse und Burschen. In ihnen fand er ein ohnmächtiges Aufbäumen gegen die studentische Konvention, die Auswüchse des Kneipkomments und die Ausartungen des Korpsgeistes. Und doch scheint er den mutstählenden Wert der Mensuren und Leibesübungen nicht zu verkennen. Auch ein jüdischer Student wird hier vorgeführt, allerdings als ein Außenstehender, Simon Markus, der Sohn einer Delikatessenwarenhändierin, die an Studenten Zimmer vermietet, leidet schwer darunter, daß die akademische deutsche Jugend den Juden aus dem Kreise der gleichberechtigten Kommilitonen äusschied. Und noch schwerer leidet er unter der Angst um seine schöne, lebenslustige Schwester Rosalia, die den kerndeutschen Studenten gut genug ist. Die Angst wird zum quälenden Verdacht, dann zur aufpeitschenden Gewißheit, tm Pistolenduell erschießt er den Verführer und harrt gebrochen des Richterspruebes. Dieser düstere Simon ist eine glaubhafte jugendgestalt, was man von Rosalia nicht behaupten kann. Dr. M. Scherlag. Büchereinlauf. Pauline Wengeroff, Memoiren einer Großmutter. Bilder aus der Kulturgeschichte der Juden Rußlands im 19. jahrhundet. Band H. Berlin 1910, Verlag von M. Poppelauer. Dr. J. J. Niemirower, „Eine moderne Jabneh- Akademie“, Wien 1909. Preisausschreiben. Die jüdische Turnerschaft wird in allernächster Zeit zu Propagandazwecken eine Tendehzschrift, welche sich mit den! Zielen der jüdischriationalen Turnsache und der jüdischen Turnbewegung befaßt) herausgegeben. Der Ausschuß der jüdischen Turnerschaft hat mehrere Preise (50 und 20 Mark) für die Einsender der besten dieses Thema behandelnden Schriften ausgesetzt. Dje näheren Bedingungen dieses Preisausschreibens sind aus dem demnächst erscheinenden Februarheft der „Jüdischen Turnzeitung“ (Berlin, Alexanderstraße 39) zu ersehen. Die betreffende Turnzeitungsnummer ist gegen Voreinsendung von 20 Pfg. erhältlich. * * * Sportklub ,;Hakoah“, Wien. (Der Verein, der jede politische Tendenz ausschließt, bezweckt die körperliche Ausbildung der jüdischen Jugend. Klublökal: Cafe „Jägerhof“, IX., Porzellangasse 22. Ausschußsitzung jeden Donnerstag 8—9 Uhr abends. Telephon Nr. 13.763. Postsparkassenkonto 106.037.) Am 12. März wird der Sportklub „Hakoah“ Gelegenheit haben, über die Anhänger seiner Bestrebungen Heerschau zu halten. An diesem Tage veranstaltet er im Hotel „Bayrischer Hof“ sein erstes Gründungsfest, zu welchem unbeschadet der sportlichen Aufgaben mit allem Eifer gerüstet wird. Der Reingewinn dieser Veranstaltung wird vornehmlich dem Zwecke der Errichtung eines eigenen Sportplatzes gewidmet werden. Hervorragende Kunstkräffe haben sich in liebenswürdiger Weise bereit erklärt, an der Akademie mitzuwirken, die durch ihr reichhaltiges Programm einen überaus interessanten Verlauf zu nehmen verspricht. Ein darauf folgendes Tanzkränzchen wird das Fest beschließen. Karten-ä 2 Kronen per Person sind im Cafe „Jägerhof“, Cafe „Marienbrücke“, bei sämtlichen Vereinsmitgliedern, sowie an der Abendkassa erhältlich. * * » Fußball. Dank der Besserung der Witterungsverhältnisse konnte bereits Sonntag die Fußballsektion mit dem Training beginnen.. Es wurde ein Uebungsspiel zweier yollstäpdiger Mannschaften abgehalten, das,Unter der Lötung ae&Xapitain Eisler flott durch-- geführt, Gelegenheit zur Qualifizierung der Spieler für die Aufstellung der ersten und zweiten Mannschaft bot. Bei günstigem Wetter wird auch an Wochentagen nachmittags trainiert werden. Auskünfte werden in der Ausschußsitzung der Fußballsektion erteilt, weiche jeden Dienstag um ’/i9 Uhr abends im Cafe „Jägerhof“ stattfindet. Dort werden auch Beitrittserklärungen entgegengenommen. * - * * Schwimmen. Die S c h w i m m 4 e k t i o n veranstaltet demnächst einen Vortragsabend, an welchem Prof. Dr. Hochermann über die , Bedeutung und den Nutzen des Schwimmsportes sprechen wird. Ort und Zeit des Vortrages werden poch näher bekanntgegeben werden. Bei dem anfangs März stattfindenden Schwimm-Meeting wird der Sportklub „Hakoah“ mit acht Mann am Neulingsschwimmen teilnehmen. Nachdem eine Jugendciege gebildet worden ist, arbeitet die Schwimmsektion auch an der Gründung einer Damenriege, deren Bestand durch den Beitritt mehrerer hervorragender Schwimmerinnen bereits gesichert ist. f * * * Fechten. Auf dem zweiten Fechtboden, den die Verbindung „Unitas“ zur Verfügung gestellt hat, sind die Fechtabende in vollem Gange. Die Fechtsektion, die eine Zeitlang hinter den anderen Abteilungen zurückblieb, nimmt nun einen erfreulichen Aufschwung, der sowohl in der Steigerung der Zahl der Sektionsmitglieder als auch in der Verbesserung der Leitung zum Ausdruck kommt. Liste der Ueberiäufer. (Vom 10. bis 17. Februar 1910.) Alfred Schwarz, 1879, Wien, verh., Beamter, III., Kübeckgasse 3. Stefan Hönigsberg, 1886, Wien, ledig, VI., Gumpendorferstraße 22. Dr. Jakob Leon Ebermann, 1863, Draganowka, Galizien, ledig, Schriftsteller, VII., Neubaugasse 58. Oskar Wozasek, 1880, Prag, ledig, Privatbeamter, XV., Klementinengasse 26. Siegfried Schwarz, 1884, Wien, ledig, XVII., Hauptstraße 30. Arpad Szekulla, 1874, Fiume, Kommis, X., Keplerplätz 9 Felix Bury, 1883, Wien, ledig, Bankbeamter, XVIII., Währingerstraße 117. Julie Brunner, 1886, Wien, ledig, Komptoiristin, XX., Wolfsaugasse 9. Hermine Lembach, 1884, Nikolsburg, ledig, Hutstaffiererin, XX., Karajangasse 25. V er eins^ u.Versammlungs-; Nachrichten. Voranzeigen. Wien. (Akademischer Verband Kadimah). Der am 22. d. M. in den Sophiensälen stattfindende Bail verspricht nach den Vorbereitungen einen glänzenden Verlauf zu nehmen und es ist zu hoffen, daß die rege Teilnahme aller bewußt jüdischen Kreise den Ball zur Eliteveranstaltung des Wiener Judentums machen werde. Dem Patronessenkomitee gehören an dieDamen: Marie Äbrahämer, Dr. Sabine Brüll, Prof. Dr. Anna Ehrmann, Dozent Sofie Grünfeld, Dr. Marie Gabel, Dozent öisa Hayek, Dr. Frieda Kreisling, Dr. Gusta Liltmann. Leontine Löwy, Dr. Erna Mahler, Dr. Adele Mayer, Dr. Helene Piekarski, Klara Reich, Dr. Elsa Rosental, Otti Salten, Dr. Toni Schaiif, Dr. Ernestine Silberberg, Dr. Laura Schnirer, Dr. Charlotte Weisl, Gisela Zirner-Zwieback. Dem Ehrenkomitee gehören an die Herren: Fabrikant Adolf Böhm, Lucian Brunner, Generalmayor Ritter, v. Eiss, Prof. Dr. Salomon Ehrmann, Max Frank, Prof. Dr. Siegmund Freud, Reichsratsabgeordneter Dr. Heinrich Gabel, Dozent Dr. Markus Hayek, kais. Rat Karl Hirsch, Prof. Dr. Leon Kellner, Prof. Dr. Salomon Klein, kais. Rat Siegmund Kauders, Prof. Dr. Leopold Königstein, Reichsratsabgeordneter Dozent Dr. Arthur Mahler, Prof. Dr. Josef Pollak, Felix Salten, Prof. Dr. Julius Schnitzler, Reichsratsabgeordnefer Adolf Stand, Reichsratsabgeordneter Dr. Benno Straucher, Präsident der ö.-u. Kolonialgeseilschaft Dr. Ernst Franz Wetsl, Präsident des A. C. David Wolffsohn (Köln). Die Musik besorgt die Kapelle des k. u. k. Infanterieregimentes Nr. 99, das Tanzarrangement Prof. Julius Singer. Karten sind erhältlich im Komiteelokal Cafe Marienbrücke, I., Rotenturmstraße. Wien. (Verein der jüdischen Handels- und Privatangestellten „Achwah“). Mittwoch den 23. Februar, präzise 8 Uhr abends, im Cafe Stefanie, 11., Stefaniestraße 2, Mitgliederversammlung mit. Vorfrag. Gäste willkommen. Wien. (Vortrag aus jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur). Donnerstag den 24. Februar 1910, präzise ’/i8 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architekten - Vereines, 1., Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. M. Rosen mann statt. Thema: „J. N. Mannheimer“. Mit Vorführung von Lichtbildern. Eintritt frei, ohne Karten. Wien. (Anmeldungen für die Ferienkolonien und das Seehospiz.) Die Ansuchen um Aufnahme von Schützlingen für die Kolonien des Kaiser Franz Josef-„Ferienheim“ und für das Oesterr. Kaiser Franz Josef Jubiläums-Seehoszpiz beginnen am 23.'d. M. und werden allwöchentlich Mittwoch und Freitag von 3 Uhr nachmittags ab im Vereinsbureau, IX., Türkenstraße 17, entgegengenommen. Hierzu haben Vater, Mutter oder Pflegeeltern mit dem betreffenden Kinde unter Mitbringung eines Mittellosigkeitszeugnisses sich persönlich einzufinden. Die Anmeldungen werden Ende April geschlossen und können später vorgebrachte Ansuchen keinesfalls Berücksichtigung finden. Wien. („Allgemeiner jüdischer Arbeiterverein“.) Samstag den 19. d. M., präzise 8 Uhr abends, findet im Vereinslokal, II., Stefaniestraße 2, (Cafe „Stefanie“, separierter Saal) ein Vortrag des Koll. Ernst Kohnberger über; „Die Grundlage des Marxismus“ mit anschließender Diskussion statt. Vollzähliges Erscheinen der Mitglieder Pflicht. Gäste jeder Parteirichtung willkommen. Wien. (Verein der Sabbathfreunde.) Herr Rabb. Jakob Hoffmann, aus Kostei, durch sein Wirken in Wien bekannt, wird am Donnerstag den 24. Februar, 8 Uhr abends im Festsaale des Hotel Zentral 11., Taborstraße 8, über das Thema: „Die Bedeutung des Sabbath im jüdisch-religiösen Leben“, einen Vortrag halten. Gäste, Damen undHerren willkommen. Wien. (Neß Zionah.) Dienstag den 22. Februar 8 Uhr abends findet im Klublokale: Cafe Mocca, 1., Schottenring 12, ein Vortrag des Herrn Gg. Dr. GoIdhammer über: „Bezalel“ (Die Kunstgewerbeschule in Jerusalem) statt. Die Gg. werden um pünktliches Erscheinen gebeten. Gäste (auch Damen) herzlich willkommen. Wien. (Klub zionistischer Arbeiter.) Das dritte Referat des veranstalteten Zyklus von zehn Vorträgen über den Zionismus „Die ökonomischen Bedingungen des jüdischen Lebens und der Antisemitismus“, gelangt Sonntag den 20. Februar 1. J. zum Vortrage: Referent: Wilhelm Einig. Nach dem Referate wird Herr Hans Roth mann Dichtungen aus Herz'l’s „Zionistische Schriften“ vorlesen. Lokal: VIII., Langegasse 5—7, Tiefparterre Tür 1, 2 Uhr nachmittags. Wien. Der Verein jüdischer Mochschuler „Cheiruth“ veranstaltet Samstag den 19. d. M. um '/i3 Uhr abends einen Vortrag des Herrn B. Borochow über: „Die jüdische Sprache, ihre soziale Bedeutung und Zukunft“ im Zentralverein, IX., Türkenstraße 9. Regiebeitrag 40 h. Sonntag ., um 3 Uhr veranstaltet der obige Verein einen Vortrag des Herrn Lubecki über: „Die moderne jüdische Literatur“ im Vereinslokale, VIII., Langegasse 11. Entree frei, Gäste willkommen.

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