Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitung · 1910-02-11 · 6 (11.2.1910) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
4 (1910)
Issue
6 (11.2.1910)
Date
1910-02-11
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2438141-2438273-2438279--1698-2441309
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 6 Zeitschriften und Bücherschau. Sozialistische Monatshefte. Einem Artikel über den IX. Zionistenkongreß entnehmen wir folgende Stelle.: .. .„Wesentlich wichtiger alsdiepolitischeDebatte ist der Beschluß der auf Anregung und unter Leitung Dr. Oppenheimers gefaßt wurde, eine jüdische :Siedlüngsgenossenschaft inPalästina ins Leben zu rufen. Wenn diesesExperimentgelingt, so wird Dr. Oppenheimer zum erstenmal Gelegenheit haben, seinen agrarßozialistischen Plan auf neuem Boden, mit neuem Menschenmaterial und mit genügendem Kapital in großem Stil zu verwirklichen. Und das wird ein Experiment sein, das für die ganze Kulturweit von Interesse ist, gleichviel wie •.sie sonst den zionistischen Bestrebungengegenübersteht. „Häjnt“. Einen sehr lebendig geschriebenen -Kongreßartikel David Frischmanns entnehmen wir folgende Stellen: „— Ah, endlich sind Sie zu uns gekommen, ■endlich werden wir in Ihnen einen Zionisten haben! — sagte zu mir einer der Führer, der soeben eine mehr als einstündige Rede gehalten hatte. — Noch -nicht erwiderte ich — aber an jenem Tage, an dem ich erfahren werde, daß die Tagesordnung des Kongresses um eine Stunde früher als zu der ursprünglich bestimmten Zeit aus Mangel an Rednern .geschlossen worden sei — dann, sehen Sie, werden Sie in mir einen Zionisten haben. Und um dies zu erleben, werde ich wohl recht lange leben müssen! O, das Reden, das Reden! Bei jeder Kleinigkeit, jedem minderwertigen Zufall melden sich gleich zehn, zwanzig, dreißig Redner. Eine Art Sprech-Epidemie beherrscht und steckt alle an. Ich habe den Verdacht, daß jemand bei .irgend einem Antrag eigentlich eine Nein-Rede halten wollte — es war aber gerade der Ja-Zug, und so schloß er sich ihm an. Schließlich sind doch all diese Reden Zeitungsartikel, die in der Presse erscheinen könnten — ein Kongreß aber sollte doch .von ihnen verschont bleiben!“ In seiner geistreichen Art kritisiert Frischmann ■dann Nordaus Ausspruch: „Warten ist ein Kummer, aber keine Schande“. Das gemarterte jüdische Volk sei des alten, in der 13. Dogmenlehre formulierten Messiaswartens müde. Könnte uns ein Nor- ■dau nicht besser mit einer neuen 14. Lehre bereichern? Die Opposition hätte ihre Sache schlecht gemacht. „Kratzen ohne Nägel“ genüge nicht. Pasmanik wäre der beste Advokat für Wolffsohn gewesen. Es sei an der Organisation vieles zu kritisieren — aber das müsse mit ganz anderem Temperament gemacht werden. — Im allgemeinen zeigen F.rischmanns Ausführungen, .daß der Zionismus durch positive nationale Arbeit auch’ die skeptischen Geister im Judentum zu gewinnen imstande ist. Aufruf. Jüdische Handels- und Privatangestellte! Kollegen und Kolleginnen! Immer offener und schärfer, immer gefährlicher und verderblicher wird das Wüten des Antisemitismus. Es gibt keinen unter Euch, der das nicht täglich sieht, keinen, der es nicht irgendwie zu fühlen bekommt. Die jüdischen Angestellten sind es, die physisch und seelisch dem Judenhasse am meisten preisgegeben sind. Nicht ihre jüdische, ihre Menschen- -ehre, ihr Stück Brot müssen sie dem Antisemitismus gegenüber verteidigen. Die jüdischen Angestellten stößt der jüdische und nichtjüdische Unternehmer nur allzu oft zurück, den jüdischen Angestellten verweigert man den Posten. Nicht das Fach, nicht die Arbeit, der Jude wird boykottiert. Nun denn, ihr jüdischen Angestellten, wenn ihr als Juden zurückgesetzt, wenn ihr als Juden getroffen werdet, so verteidigt Euch auch als Juden! Nichts ist logischer, nichts ehrenvoller, nichts klüger. Heraus aus Eurer Lethargie, heraus -aus Vereinen, die Euch fremd sind, die von der speziellen Notlage der jüdischen Angestellten nichts wissen wollen! Als . jüdische Angestellte schließet Euch zusammen zur Abwehr der wirtschaftlichen und antisemitischen Gefahr! Es nützt nichts, über die traurigen Zeiten zu klagen und müßig dreinzuschauen. Ebensowenig nützt es Euch, fremdnationalen Vereinen nachzulaufen und sie um ihre Hilfe anzuwinseln. Wer sich uns nichi - anschließt, begeht ein Unrecht an sich JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 7 selbst, eine Sünde an sei n<en Berufsgenossen, ein Verbrechen an seinem Volke. Da wir in allen wirtschaftlichen Fragen gemeinsam mit den anderen gewerkschaftlichen Organisationen vorgehen wollen, so kann von einer Schädigung der Angestellteninteressen durch unsere Vereinigung keine Rede sein. Nur aus Dummheit oder Böswilligkeit kann eine solche Behauptung aufgestellt werden! Die Verhältnisse unter den Angestellten sind eben derart, daß sich jeder nach seiner Art organisieren , muß. Die Anstrengungen, die der sogenannte Zentralverein gemacht hat, um eine „internationale“ Handlungsgehilfenorganisation zu schaffen, waren nicht von Erfolg gekrönt, denn 99% der Mitglieder dieses „internationalen“ Vereines sind Juden, an vielen Orten sogar 100%. Diejenigen jüdischen Angestellten, welche die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse in Oesterreich mit klarem Auge betrachten, die sich ihr Selbstbevyußtsein, ihre Ehre erhalten möchten und im schweren Kampfe als wirtschaftlich Schwächere und Juden zugleich brüderliche Unterstützung und Kräftigung suchen müssen und werden sich unserer Organisation anschließen. Dieser Organisation kann jeder jüdsche Angestellte männlichen oder weiblichen Geschlechtes beitreten. (Monatsbeitrag 30 Heller). Der Verein erstreckt seine Tätigkeit auf ganz Oesterreich und wird die geistigen und materiellen Interessen der Mitglieder jederzeit mit Entschiedenheit wahren. Insbesondere will er dem Boykott, der vielfach durch prinzipiellen Ausschluß von Juden bei vielen Unternehmungen besteht, entgegenwirken, sowie eine gut funktionierende kostenlose Stellenvermittlung seinen Mitgliedern bieten. Zuschriften und Beitrittserklärungen sind zu richten an Kollegen Max Weiß mann, Wien IX., Liechtensteinstraße 11. Statuten werden auf Wunsch gratis und franko ztigesendet. Verein der jüdischen Handels- und Pri vat-Ang es teilten „Achw a h“ in W-i e n. V ereinsu .V ersammlungs- Nachrichten. Voranzeigen. Wien. Mittwoch den 16. d. findet im Saale des Wissenschaftlichen Klub, I., Eschenbachgasse 9, auf Veranlassung des Vereines „Emunah“ ein Vortrag des Herrn Emanuel R e i s z : „Das Elementare im Judentum“ statt. Anfang 8 Uhr abends. Der „Zionistische Einzelverein für die östlichen Bezirke Wiens“ macht seine Mitglieder auf diesen Vortrag ihres bewährten Gesinnungsgenossen besonders aufmerksam. Wien. (Verein der jüd. Handels- und Privatangestellten „Achwah“). Mittwoch den 16. d. M. findet im Cafe Stefanie, H., Stefaniestraße 2, ein Vereinsabend mit Vortrag des Kollegen Samuel Strauß statt. Thema: „Zwecksgenossenschaften“. Anschließend Diskussion. Beginn präzise 8 Uhr abends. Gäste (auch Damen) sind willkommen. Wien. (Vortrag aus jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur). Donnerstag den 17. Februar 1910 präz. '/- 8 Uhr abends findet im Festsaale des Ingenieur- und Architekten-Vereines, Wien I., Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. J. M. Bach statt. Thema: „Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen und die Juden.“ Eintritt frei ohne Karten. Wien. (Neß Zionah). Dienstag den 15. Februar a. c. findet um 8 Uhr abends im Klubiokaie, Cafe Mocca,!., Schottenring 12, ein Vortrag des Herrn M. Waldmann über „Heinrich Heine“ statt. Die Gg. Gg. werden um pünktlichen Erscheinen gebeten. Gäste herzlich willkommen! Wien. (Allgemeiner jüdischer Arbeiterverein). Samstag den 12. Februar 1910 findet in den Krystallsälen, I., Aspernlatz, ein Unterhaltungsabend zu Gunsten der jüdischen Arbeiter-Lesehalle statt. Ihre freundliche Mitwirkung haben zugesagt die Damen Frl. Camilla Herz er, Mitglied der Neuen Wiener-Bühne; Frl. Ida Rebsil, Mitglied des Ostrauer Stadttheaters; Frl. Isabella Weiser, Pianistin; Frl. W e i n s t e i n, Mitglied des jüd. Theaters. Die Herren Carlo Böhm, Mitglied des Johann Strauß-Theaters; Michael S t r i k s, Mitglied der k. k. Hofoper; Theo W e r n e r, Mitglied des Raimundtheaters; A. K o r n f e 1 d, Violinvirtuose; S. M e i s e 1, Bariton. Das jugendliche Gesangsduett: Meist u. Scherry, Mitglieder des Theaters a. d. Wien und des Deutschen Volkstheaters. Nach Schluß der Vorträge Tanzkränzchen. Salonkapelle Josef Goldner. Tanzarrangeur Herr Arzt. Beginn präzise 'j* 9 Uhr. Entree im Vorverkauf 80 Heller. An der Abenkassa K 1.—. Karten im Vorverkauf sind zu haben: Vereinslokal II., Stefaniestraße 2 (Cafe Stefanie), Cafe Brauner, IX., Liechtensteinstraße, Cafe Krystall, I., Aspernplatz, sowie bei sämtlichen Mitgliedern des Vereines. Wien. (Erster zionistischer Frauenvereiu.) Dienstag den 15. Februar findet im Cafe City, IX., Porzellangasse, ein Vortrag der Frau Dr. Kahn über „Revue der neun Kongresse“ statt. Anfang präzise 5 Uhr nachmittags. Gäste willkommen. Wien. (Hebräischer Konversationsklub „Ivriuh“.) Samstag den 12. d. M. findet um 7'/- Uhr abends im Cafe Brammer, IX., Liechtensteinstraße 1, eine Vereinsversammlung statt, bei welcher die Diskussion über die weitere Tätigkeit des Klubs fortgesetzt werden wird. Wien. (Arbeitsausschuß der mährisch-schlesischen Ferialverbindungen.) Samstag den 12. Februar, Cafe Jägerhof, Referat des Delegierten Gg. Gustav Kohn, über „Mähr.-schles. Distriktstag“. Beginn 8 Uhr abends. — Mittwoch den 23. Februar, Cafe Jägerhof, Vortrag des Herrn Dr. Karl Hahn über „Siedlungsgenossenschaft“. Beginn 7'/.■ Uhr abends. Zuschriften den Arbeitsausschuß betreffend sind an H. Mandl, Universität, zu richten. Wien. (Erster zionistischer Frauenverein.) Mittwoch 23. Februar 1910 um halb 8 Uhr abends im Kleinen Musikvereinssaale Wohltätigkeitskonzert unter gefälliger Mitwirkung der Frau Winternitz- Dorda, Raimundtheater, der Herren Hugo Viktor Heermann, Volksoper, Rudolf Weinwurm, Violinvirtuose, Juliusz Wolfson, Klavierviertuose. Am Klavier: Herr Kapellmeister Felix Günther. Karten ä 10, 6, 4, 3 und 2 Kronen sind zu haben im Kleinen Musikvereinssaal, bei Frau Dr. S. Kahn, VII., Neubaugasse 11, Telephon 6589, bei Frau Norbert Rappaport, II., Rotensterngasse 6, Telephon 21082, im Kongreßbureau, IX., Türkenstraßc 9, Telephon Nr. 14193 und im „Cafe City“, IX., Porzellangasse, Telephon 14328, sowie auch an der Abendkasse. Wien. Die 32. ordentliche Plenarversammlung der „Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler in Wien“ findet Samstag den 19. Februar 1910 statt. Ort und Zeit wird den Mitgliedern noch bekannt gegeben. Wien. („Achwah“, Verein jüdischer Handels¬ und Privatangestellter.) Vereinsabend jeden Mittwoch 8 Uhr abends. Lokal bis auf weiteres Cafe Stephan ie,. II., S tepba n ies t rafie 2, M i 11w o c h den 16 d. Referent Kollege Samuel Strauß „Ueber Zweckgenossenschaften“. Wien. (Ball der jüdisch-akademischen Verbindung „Kadimah“.) Dienstag den 22. Februar findet der Ball der „Kadimah“ in den Sophiensälen statt. Der Reinertrag fällt dem jüdischen Studentenheim in Wien zu. Beginn 9'/* Uhr. Balltoilette (Frack). Musik des k. k. Infanterieregimentes Nr. 99. Tanzarrangement Prof. Julius Singer. Familienkarte (3 Personen) K 15, Einzelkarte K 6, Herrenkarte K 4. Wien. Der „Humanitäre Unterstützungsverein der Kolomeaer und Umgebung in Wien“ veranstaltet wie alljährlich eine Wohltätigkeitsakademie mit anschließendem Ball, welche Donnerstag den 17. Februar iin Prachtsaale des Hotel „Bayrischer Hof“, II., Taborstraße 39, stattfindet. Zu dieser Akademie haben unter anderen folgende Kunstkräfte ihre freundliche Mitwirkung auf das bestimmteste zugesagt: Die Damen Frau Viktoria Pobl-Meiser, Mitglied des Bürgertheaters, Frl. Lene Schwarz, Konzertsängerin, Frl. Elise Lucelle, Opernsängerin, Frl. Kriß, Klaviervirtuosin. Die Herren: Theodor Weiß, Mitglied des Deutschen Volkstheaters, Oberkantor Don Fuchs, Kantor Josef Grob. Die Tanzmusik besorgt die Musikkapelle des Xolomeaer Infanterieregimentes Nr. 24. Das Tanzarrangement liegt in den Händen des Herrn Jacques Lövv. Nach den Vorbereitungen des überaus eifrigen Komitees zu schließen, verspricht der Abend einer der gelungensten der Saison zu werden. Karten zum Preise von K 2 im Vorverkauf sind im Cafe „Marienbrücke“ (Herz), Cafe Stefanie, II., Stefaniestraße 2, und bei den Komiteemitgliedern zu haben. Wien. (Jüdische Toynbee-Halle, Wien XX., Othmargasse 46.) Die nächstwöchentlichen Programme wurden wie folgt festgesetzt: Freitag den 11.: Bibelvortrag. Lehrer Leopold Weiß. Samstag den 12.: Konzert. Arrangement Professor M. Storch. Sonntag den 13.: Experimentalvortrag. „Ueber Kohlensäure und deren Anwendung in der Technik.“ Prof. Sigmund Feitier. Montag den 14.: Rechtswissenschaftlicher Zyklus. Dr. M. Reiß. Dienstag den 15.: Aus der jüdischen Geschichte und Philosophie. (Zyklus.) Rabbinatskand. B.Fischer. Mittwoch den 16.: Lichtbildervortrag. „Der Ureuropäer und seine Kultur.“ Prof. Dr. E. Kohn. Donnerstag den 17.: Ueber Geschlechtskrankheiten. Univ. - Dozent Dr. M. Oppenheim. Nur Männer haben Zutritt. Freitag den 18. Bibelvortrag. Samstag den 19.: Kammermusikabend. Arrangement Herr Bettelheim.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.