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Jüdische Zeitung · 1909-11-26 · 48 (26.11.1909) · p. Seite 9

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
48 (26.11.1909)
Date
1909-11-26
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 9 Nr, 48 Przemysl. Die „Zionistische Vereinigung“ hielt am 30. Okt. ihre dritte Generalversammlung ab. Aus dem-Berichte des Ausschusses ist zu erwähnen, daß der Verein 166 Mitglieder und 175 Schekelzahler zählt.- Die Ausgaben betrugen'K'827, die Einnahmen K 924. Es wurden1 gesammelt für den N.-F K 1036, Herzlwald K147, Bezalel ca. K 150. Dem Ausschüsse wurde nach lebhafter, zum Teile in hebräischer Sprache geführten Diskussion, das Absolutorium erteilt. In den neuen Ausschuß wurden gewählt: Gg. Klemens Robinsohn,'Obmann; Dr. Michael Buxbaum, Stellvertreter; Kupfer, Duldig, Fried, Adolf, Nagel und die Damen iHaber, Löwenthal als Ausschußmitglieder. Der Versammlung wohnte der von der Bezirkshauptmannschaft delegierte Regierungskommissär Rappe bei. Teplitz-Schönau. (Jüd. Volksverein „Zion“). Am 30. Oktober war Dr. Heinrich Löwe—Berlin der Gast unseres Vereines. Er sprach ‘über das interessante Thema „Der ewige Jude in Sage und Wirklichkeit“. Redner ging von der Sage aus, die erzählt, daß der jüdische Schuhmacher, der Christo auf seinem Leidenswege kein Ruhplätzchen gönnen wollte, unstet durch die Welt wandern muß. Aber die Gestalt des ewigen Juden machte eine Wandlung durch: aus der Gestalt, die für den Beweis geschaffen worden war, daß der Glaube an Christus begründet sei, wurde eine symbolische Gestalt: ein Symbol für das jüdische Volk. Das war, zu der Zeit,, da das jüdische Volk zum Wandervolke würde. Dieses Flüchtig-Werden stand nicht mit dem Tiefstand der Kultur, sondern gerade) umgekehrt: mit dem Fortschreiten der sozialen Struktur Deutschlands in Causalnexus. Denn erst das Entstehen des deutschen Bürgertum drängte die Juden nach Polen und Rußland hinaus. Dieses historische Gesetz wirft heute wieder die Juden aus Rußland, Polen und Rumänien hinaus. Im Westen ist aber kein Platz mehr. Dieses Gesetz hat auch einen großen Teil des jüdischen Volkes zum Fatalismus geführt. Aber das jüdische Volk hat mit dem ewigen Juden nicht die Unlust am Leben gemein, es w i 11 leben, die anderen aber wollen es nicht leben lassen. Auch das jüdtsche Volk sehnt sich nach einer Ruhe, aber nicht nach der Ruhe des Todes, sondern des Lebens im eigenen Lande. Auch in Aussig und Brüx sprach Gg. Dr. Löwe über dasselbe Thema. Herders Konversations-Lexikon. Der Besitz eines zuverlässigen Nachschlagewerkes ist nachgerade für jeden Gebildeten und nach Bildung strebenden unerläßlich geworden. Es war indes in weiteren Kreisen längst als dringendes Bedürfnis empfunden worden, ein Lexikon zu erhalten, das den Anspruch auf Vollständigkeit machen;Jjann, ohne, in die Schwerfälligkeit .von bändereichert ‘ Enzyklopädien zu verfallen, andererseits die Lückenhaftigkeit der „kleinen“ Lexika zu vermeiden, die begreiflicherweise häufig versagen. Dem neuen „Herder“ ist das schwierige Problem in ganz vortrefflicher Weise gelungen, indem er Veraltetes ausgeschieden und die Darstellung in die knappste, doch leicht'verständliche Form gegossen hat. So hat „Herder“ von allen Seiten volle Anerkennung gefunden und viele Tausende schöpfen bereits aus ihm Rat und Fortbildung. Die Ausstattung ist höchst lobenswert: sehr viele Textbilder, schöne Tafeln, ausgezeichnete Karten. war es, den Wissensstoff eines großen Nachschlagewerkes in (den Raum von acht Bänden unterzubringen, ohne dadurch der Genauigkeit und Vollständigkeit Einbuße %\i tun. Diese geniale Leistung hat Herders Konv.-Lexikon ) vollbracht, das kürzlich in dritter Auflage, reich illustr. idurch Textabbildungen, Tafeln und Karten, in acht Bänden zum Preise von K 120 erschienen ist. Für Bücherliebhaber besteht eine Prachtausgabe in Halbsaffian für K 153.60.;Ich liefere das Werk an jedermann ohne Preiserhöhung gegen monatf. Teilzahlungen von K 4. ROBERT MATTERN Buctiliaad.lußg, Wien X1V/2, Sfclistoserstrasse 104 A. JÜDISCHER NATIONALFONDS Sammelstelle für Oesterreich Czernowitz Bu Slg. Org. „Makkabi“ per Altheim d. (fc Damen: Regina Altheim, Toni Reisch, Sidi Siiberbusch, Netti Rudich, Berta Weidenfeld u. d. d. Herren: Moses Altheim (M), Samuel Fehl, Michael Gast (M), Josef Hamburg (M), Joachim Kessel, Jakob Hirschsohn (M), Selig Hochstädt (M), Rudolf Katz (M), Srul Pauka, Samuel Rubin (M), Josef Weidenfeld E i n t r. v o r b e h. 30.— Debica WG NFK Dintenfaß: Mendel Willner anl. d. Verlob, s. Freundes Joel Schuldenfrei 0.50, Slg. a. Hochz. Elster d. Frl. Sala Goldmann, Herrn Willner u. Preker: Die Damen: Thau, Krieger, Willner, M. Elster ä 0.20, 14 ä 0.10, Die Herren: Willner 0.60, Preker, Grünhut, Recht, M. Recht ä 0.20 4.10 Drohobycz SG Wilhelm Rosenfeld st. e. telegr. Grat. a. Hochz. Dr. Tannenbaum m. Frl. Lichtenstein 0.50 NFK Meiseis: Aba Spitzmann 15.—, Horowitz 3.—, Brüx Dr. Kreppei, Löwenthal, Steuermann per Kreisberg ä 2.—, Limmer 1.54, Saul Suchestow f. geliehene Karten d. Dr. Aberbach 1.70, Dr. Sußmann, Oberländer, Siegmann ä 1.—, Repper 0.90, Suchestow 0.50, Kurmann 0.72, Dr. Kleinberg 0.36, zus. 34.72. Slg. Sala Herzig: Herzig, Schrift a 1.—, Herzig 0.60, Friedländer, Sternbach, Borgmann ä 0.40, Zalki 0.30, J. T., Oher, Lilien, Omstein ä 0.20, Div. 0.10, zus. 5.—. Slg. Klara Horowitz: Stern 0.90, Spitzmann, Kammermann ä 0.30, Schorr 0.50, Horschowska, Mendelsohn ä 0.40, Oppermann, Kupferberg, Wechselberg ä 0.30, Fastmann 0.20, Div. 0.10, zus. 5.- „T h. H e r z 1“ 44.72 45.22 Graz IO Gg. Isak Brings gratul. herzl. z. Vermählung Tannenbaum-Lichtenstein Maracinca 1.— Jaroslau OG NFK Spiegel: Karotslg. in d. großen Syn. d. Spiegel-Rage-i: Freudenheim 2.—, Schußheim, Kurzweil, Allerhand, Tindel, Mohrenberg, Eil— berg ä 1.—, Fast 0.80, Sandig 0.50, Div. 3.80, zus. 13.10, i. Bethamidr. d. Sternhell, Spatz: Suri 2.—, Gelernter, Goldschmiedt, Halpern, Sternhell, Silbermann, Rauch, Margulies, Schäffer, Reder ä 1.—, Klang, Spiegel, Dampf, Straßberg ä 0.60, Div. 4.10, zus. 17 50, Minjan „Bnei Zion“ d. Krug, Abend sen.: Ebersohn 0.60, Div. 2.20, zus. 2.80, Minjan „Ivri“ d. Schwarzer, Eilberg 2.70, Minjan „Jad. Chajryzym“ d. Beer-Poleiner: Metzger 0.60, Div. 2.40, zus. 3.—, Min. „Berustein“ d. Deiches, Kurzmann: Sabel, Bernstein ä 2.—, Bernstein, Schneeweiß, Ettinger ä 1.—, Div. 2.40, zus. 9.40, Min. „Holler“ d. Schwarz, Kreitsch: 1.90, Minj. Rauch d. Bergthal-Abend jun.: 3.50, Minj. „Lampel“ d. Abend, Kaiser d. Chaim Bach 2.60, Slg. Krieger 0.80 Dr. Izaak Rabinow i t z 57.30 Wien IX., Türkeristrasse 9. Telephon Nr. 14.199. — Postspark.-Konto 100.208 Allgemeine Spenden. |eder Jude soll bei allen Anlässen des J- N. F gedenken. Baranow OG * Slg. a. ifocfiz. Haar, Sußmann, Hauser ä 0.50, Birnhag, Kirschbaum ä 0.30, Künstlich, Nußbaum ä 0.20 2.50 Belgrad Slg. Rab. Dr. Alcalay anl. d Barmizwa Samuel Dawitscho 9.50 Boskowitz M NFK Ultmann: Tempelsp. Fritz, Utes, Spitzer, Ultmann ä 1.—, .Ticho 0.36 3.36 Czekay WG Kanarek: Kanarek 1.—, Siegel 0.50 f 1.50 Jaslo WG NFK Heia Berner: Dr. S:ein Gewinst b. Kartenspiel 2.—, Slg. Morgunowsky b. e. Unterhaltung 11.—, Slg. d. Synagoge 14.—, Slg. „Jod. Charuzim“>8.12, Slg. b. d. Enthüllung e. Tafel z. Andenken d. sei. Rubel 5.—, bei Thoraaufruf „Jod. Charuzim“: Dr. Kornhäuser 9.—, Krebs 6.—, Rosenblaatt, Kornfeld ä 5.—, Berner 4.—, Bruck 2.50, Springer 2.—, Haber 1.25, Brück, Polaner, Haleman, Korzenik ä 1.—, Spirer, Stern ä 0.50, Baldengrim 0.29, Rottenmann 0.24 80.40. Kalusz SG * Karotslg. Neue Klaus d. He._m Mandel 3.40, Synagoge d. Isr. Spindel 2.08, Einmalige Spende 1.67, Gr. Bethamidr. d. Kurz 0.82 „Tusch ij ah“ 7.97 Kimpolung Bu Siegel: Holdengräber als Ent- I Schädigung f. beschädigte NF-Büchse OU5607 1.—, Westjuden. (Novelle von Ben David). (7. Fortsetzung.) Prag, 25. März. Lieber Fritz, Kopf hoch 1 Meine kaffeebraune Emmy, die mondscheinmilde Silphide, hat mir einmal eine Karte geschickt, auf der ein verschneites Dorf jämmerlich fror; und darunter standen die Worte: „Und dräut der Winter noch so sehr mit trotzigen Geberden, und streut er Eis und Schnee umher — es muß doch Frühling werden!“ Und diese Kindergartenverse sind mir nachgerade ein Lebenselixier geworden, wie überhaupt unser verdorbener lntellektmagen gerne zu der soliden, aber nahrhaften Hausmannskost der naiven „Lehrbücher für die Mittelschulen, I. Stufe“ zurückkehrt. So etwas wie „Hoch klingt das Lied vom braven Mann!“ oder „O lieb’, so lang du lieben kannst!“ heimeln einen in den Stunden skeptischer Niedergeschlagenheit geradezu wie ein gut-biederes Großelternwort an. (Allerdings, unsere Großeltern haben weniger den Gottfried August Bürger als irgend einen Reb Soundso oder die Enzyklopädie „Gemorah“ zitiert!) Es muß doch Frühling werden, Fritz! Dein Vater hat eine feste Konstitution und wird das körperliche wie das seelische Leiden siegreich übersteh’n. — Aber eines muß ich Dir gestehen: Diese Ritualmordgeschichte bei Euch zuhaus, die ich mit maßloser Entrüstung in der „Bohemia“ gelesen habe, hat mich noch mehr in meinem Haß gegen das tschechische Gesindel bestärkt. Früher war er nur äußerlich, anerzogen in der „traidaitschen“ Burschenschaft Cimbria; jetzt aber quillt mir die Galle, wenn ich so eine brutale Stumpfnase und die rohen Lefzen sehe. Sag’ was Du willst, bei Deutschen könnte eine so saublöde, blutrünstige Idee nicht aufkommen! Brennt da irgendeine verluderte Magd von Euch durch, Ostern zeigt der Kalender, und schon hat der tschechische Dreckschädel eine superbe Idee: „Na zidy!“ Aber nicht ,nur der Windäpfel fressende Mob! Auch „pan pulmistr“, der Herr Kaplan, sogar der Herr Schullehrer beginnen eine Judenhätz zu wittern. Und die Gemütsmenschen wissen doch, daß die stinkende Lüge die größten Gefahren über dem Haupt eines kranken Menschen zusammenzieht, der obendrein alle ihre böhmakelnden Geschichten gefördert, ihrer Gemeinde genützt und zeitlebens ein kreuzbraver Mensch gewesen ist! Ich sage Dir, die Tschechen können neue Rafaels, Paganinis, Billroths hervorbringen, Luftschiffe erfinden und Berlin entnationalisieren, die Ritualmordschande macht sie vor der Weltgeschichte zu einem schmutzigen, widrigen Volk! Trotzdem — Kopf hoch! Man wird bald irgendwo das läufige Weib finden und dann kann Dein Vater die Inspiratoren der Hetze bei der Gurgel nehmen! Hoffentlich wird sich auch sein Gesundheitszustand bald wiederherstellen; ich als Mediziner kenne hundert solche Fälle, die ganz glatt ablaufen. Mußt halt schauen, daß er sich nicht aufregt und du mußt vor allem selbst wie ein Mann dastehen! Du kannst mir glauben, altes Haus, daß auch bei mir der Himmel nicht immer blitzblank lacht. Da habe ich jetzt eine schiefe Sache mit der leider zu empfänglichen Hedwicka, die mich zu dicken Schulden treibt. Kannst Dir ja denken! Und auch die Affäre mit Fraujuliabeginntzu schwären; das Weib ist wie eine klebrige Klette und unlängst ist mir vor ihr mit einemmal ein Gefühl des unbeschreiblichen Ekels aufgestiegen; ganz plötzlich habe ich eine Bewegung, irgendeine Kleinigkeit in der Miene bemerkt, die mich gailbitter gestimmt hat. Und dabei muß ich weiter den glückstrahlenden Pagen spielen, weil man mich sonst hinauswirft und ich meine zerrissenen Sohlen nicht flicken lassen kann! Und so wird das jubilierendeScholarentum langsam eine jämmerliche Farce, die Lieder der Kneipe mit ihren stumpfsinnigen „Lump- Pump-Versen“ singt man mit wie ein aufgezogenes Grammophon und zum Schluß' fühlt^ man sich verbummelt, leer und verlassen — — Der ganze Rummel mag ja so einem arischen Nerven-Stahl Geschöpf eine dauernde Freude sein, der Rausch eine stets sich verjüngende Emotion; einem Juden aber wird das mit der Zeit zu öd, mir wenigstens — — Doch — das ist wieder echt jüdisch! Ich komme Dich trösten und bin plötzlich mitten drinn’, Dich mit meinen „Leiden“ anzuraunzen! Na ja! Grüß’ mir, wenn Du nachhause kommst, die kaffeebraune Emmy, Braut des Herrn Samuel Gans, Manufaktur. Meiner Seel, es hat mir einen Stich gegeben! Karl o. C:3A

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