Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 3 (1909)
- Issue
- 45 (5.11.1909)
- Date
- 1909-11-05
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Herders Konversations-Lexikon. Der Besitz eines zuverlässigen Nachschlagewerkes ist nachgerade für jeden Gebildeten und nach Bildung strebenden unerläßlich geworden. Es war indes in weiteren Kreisen längst als dringendes Bedürfnis empfunden worden» ein Lexikon zu erhalten, das den Anspruch auf Vollständigkeit machen kann, ohne in die Schwerfälligkeit von bänderreichen Enzyklopädien zu verfallen, andererseits die Lückenhaftigkeit der „kleinen“ Lexika zu vermeiden, die begreiflicherweise häufig versagen. Dem neuen „Herder“ ist das schwierige Problem in ganz vortrefflicher Weise gelungen, indem er Veraltestes ausgeschieden und die Darstellung in die knappste, doch leichtverständliche Form gegossen hat So hat „Herder“ von allen Seiten volle Anerkennung gefunden und viele Tausende schöpfen bereits aus ihn Rat und Fortbildung. Die Ausstattung ist höchst lobenswert: sehr viele Textbilder, schöne Tafeln, ausgezeichnete Karten. Die Spezialvertiebsstelle von Robert Mattem in Wien XIV/2, Sechshauserstraße 104, liefert das Werk gegen bequeme Teilzahlungen (monatlich nur 4 K); auf solche Weise kann sich auch der Mann mit kleinerer Börse dieses ausgezeichnete Bildungsmittei bequem verschaffen. Der nächsten Nummer der „Jüdischen Zeitung“ wird die Rede des Abg. Dr. Straucher, die er anläßlich der Beratung der Wahlreform im Bukowinaer Landtag gehalten hat, beiliegen. Wir ersuchen um Angabe von Adressen, an welche wir diese Nummer mit Aussicht auf Erfolg senden könnten. Austritte aus dem Judentum. (Vom 28. Oktober bis 4. November 1909.) Julius Schick, 1862, Nimburg (Böhmen), ledig, Klavierhändler, I. Tuchlauben 19. Siegfried Sterk, 1883, Wien, ledig, XXI. Leopoldauerstraße 79. Josef Otto Parolla, 1889, Wien, verheiratet, VI. Kasemengasse 13. Julius Marcus, 1860, Berlin, verheiratet, Bankbeamter, VIII. Schlösselgasse 3. Dora Papier, 1880, ledig, Varietesängerin, II. Zirkusgasse 1 Paul Rosenbaum, 1877, Wien, ledig, Lithograph, II. Kastellezgasse 33. Berta, geb. Ehrlich, Goldschmidt, 1870, Wien, gerichtl. gesch.. Private, VIII. Laudongasse 3. Anna Dubs, 1884, Czurin (Bukowina), ledig, Kontoristin, VIII. Zeltgasse 11.- Edwin Nikolaus Bächcr, 1862, Wien, ledig, Ingenieur, IV. Paulanergasse 9. Fritz Bab, 1872, Wien, ledig, Fabrikant, XIX. Haser.auerstraße 12. JÜDISCHE ZEITUNG. . Nr. 45 “““ 7 ’ : :raiv ‘jL/ut-T!tu Dr. Wilhelm Roth, 1878, Walterhausen (Sachsen- Koburg-Gotha), ledig, Adv.-Kandidat, II. Untere Augartenstraße 32. Berthold Fränkel, 1873, . Engels (Schlesien), ledig, Buchhalter, II. Untere Augartenstraße 26. Katharina Bretisch, 1885, Wien, ledig, Private, V. Diehlgasse 52.; Dr. Emst Kurth, Wien, Barmen. Vereinsu. Versammlungs- Nachrichten. Wien.(Hebräischer Konversations- Klub „I v r i ä h“.) Samstag den 6. d., 7 Uhr abends, findet im Cafe Stefanie, Stefaniestr. 2, ein Vortrag des-Herrn J. Loubetzky über „Berdiczewskt“ statt; Gäste herzlichst willkommen. Wien. (Zionistischer Zentralverein.) Dienstag den 9. Nov. 1909 findet im' zionistischen Zentralverein, IX.,.-Türkenstraße 9, ein Vortrag des Gg. Dr. M argu 1 i e s über „Die österreichischen Zionisten und der neunte Kongreß“ statt. Anfang 8 Uhr. Wien. (Vereinigung „Neß Zionah“) Mittwoch den 10. Nov. d. J. findet im Kiublokal, „Cafe Concordia“, I., Concordiaplatz, präzise 8 Uhr abends ein Vortrag unseres Gg. Herrn Dr. M e i s e 1 statt. Thema „Die Bodenreform“. Die Gesinnungsgenossen werden ersucht pünktlich und zahlreich zu erscheinen. - — Gäste herzlich willkommen. Wien.(A11 g. jüd.Arbeitervein „Poale Z i o n“) Samstag den 6. November spricht Gen. Sokal aus Czernowitz im Cafe Stefanie, II., Stefaniestraße 2, um 8 Uhr' abends über „Kampf um den nationalen Wahlkataster in der Bukowina“. Samstag den 13. November finden die Delegiertenwahlen für den IX. Zionistenkongreß statt. Referent Gen. Kaplansky. ' . Wien.(Akad. Ve rbi n d un g „Kadimah“). Das Ergebnis der Chargenwahlen für das laufende Wintersemester war folgendes: cand. ehern. Erwin - Reichmann x, cand. Ing. Mich Schindlerxx, J.U.C. Hugo Pick xxx Budenbesuch täglich von 6 bis 8 Uhr, IX., Porzellangasse 36. Couleurcafe: Cafe Marienbrücke, I., Rotenturmstraße (Mezzanin), Wien. (Jüd. Handels- und Privatangestelltenverein.) Die Statuten des Vereines, der seine Tätigkeit auf ganz Oesterreich erstrecken soll, wurden bereits beim Ministerium des Innern überreicht nnd dürfte die Konstituierung des Vereines in einigen Wochen erfolgen. Bis dahin finden Zusammenkünfte der Mitglieder jeden Dienstag - im Cafe Bristol (Fritz P o 1 la k) Wien, II., Gr. Stadtgutgasse 26, ab 8 Uhr abends statt, woselbst auch Auskünfte jeder Art erteilt werden. M Wien. (Sportklub „Ha ko ah“.) Montag den 1. Nov. standen sich auf dem Kricketerplatz „Hakoah“ (I. und II. komb.) u. Kricketer-Jungmannscliävt gegenüber. Es wurde sofort ein flottes Tempo eingeschlagen. Ein prächtiger Vorstoß des Zenterstürmers Fritzl Weinberger wurde zwar durch unfaires Spiel der Kricketer aufgehalten, doch brachte „Fritzl“ in dem darauf folgenden Strafstoß den Ball sicher ins Netz. Den' zweiten Treffer erzielte Sträußler jun. (Centre-Half) Halbzeit: 2 : 0. Die Kricketer, die ausgleichen wollten, kamen nun zwar wiederholt vor das Goal der „Hakoah“, in weknem Fuchs glänzte, doch gelang ihnen nichts. Aber auch „Hakoah“ glückie es nicht mehr einen besseien Stand zu erzielen. Wien. (Leseu. Redehalle jud. Hochschüler, IX., Hörigasse 11.) Bei der am 23. Okt. 1909 stattgefundenen Plenarversammlung wurden lolgende Herren in den Ausschuß für das Wintersemester 1909/10 gewählt: J. U. C. Fritz Oberländer, Präses; phil. Berthold Hirschl, I. Vize- Präses; J. U. C. Max Körner, II. Vize-Präses; J.U.C. Heinrich Schiff mann, I. Schriftführer; phil. Isidor Goldberger, II. Schriftführer; J. U. C. Fritz Engel, I. Kassier; iur. Rudolf Wiener, II. Kassier; cand. phil. Theodor R e i k, Bibliothekar; cand. phil. Isak Barbag, Zeitungsverweser; ing. Eugen Knebel, Hausverweser. Wien. („Espe ran za“ akademischer Verein der spanischen Juden in Wien.) Das Ergebnis der Ausschußwahlen für das Wintersemester 19C9/10 war folgendes: cand. mech. Cesar Davon, Präses; cand. med. Nisim Testa, Vize-Präses; cand. iur. Sumbul A11 i a s, Schriftführer; stud. mech. Samuel S u m b u 1, Kassier; stud. med. A v ra m o v, Bibliothekar. Wien. (Jüd. akad. Philosophenvere i n.) Die Ausschußwahlcn des „Jüd.-akad. Philosophenverein an der Wiener Universität“ für das Wintersemester 1909-10 haben ergeben: Friedrich Fra n k 1, Obmann; Berthold H i rsc h 1, Obmann^ Stellvertreter; Adolf Löwy, Emanuel J ed 1 i nsky Schriftführer; Frl. Agatha Tochten, Viktor Spitzer, Kassiere; Frl. Mela Riesenfeld, MaL xintilian Löw, Bibliothekare. Brünn. (Jüd.-akad. Verbindung „Veri^ tas“)‘ Die Chargenwahlen für das Wintersemester 1909/10, hatten folgendes Ergebnis: cand. ing. Ernst Frischer, x cand. ing. Josef Krieger xx, Fx; ing. Fritz'Engelm a n n, xxx. •' Zagreb. (Agram). Am 17. ds. M. fand hier die konstituierende Versammlung des; zionistischen Bürgervereins „Achdus“ statt. Zum Präsidentent wurde der angesehene Advokat Dr. Hans J a c o b i gewählt, der auch seitens des Landeskomitees für den Hamburger Kongreß kandidiert wird. Prag. Donnerstag den 21. Okt. sprach Gg. Herr Adolf Böhm aus Wien im internen Kreise des Studentenvereines „BarKochba“ über 1 a n dwirtschaftlicheKolonisationsmethod e n, mit besonderer Berücksichtigung der päläs- Westjuden. (Novelle von Ben David). (4. Fortsetzung.) Wien, 20. Dezember 1907. Lieber Karl! Ich habe Dir keine Sünde vorzuwerfen. Sünde ist nur der schemenhafte Begriff einer unfreien, ungesunden Moraltheologie, " die ich mißachte. Ich habe Dich nur gewarnt. Mein Dasein hat nunmehr ein solides Gefüge erhalten; ich erwache fast automatisch um 7 Uhr morgens und freue mich an dem frischen Licht, das über die schwarzbraunen, viel- verschnörkelten Möbel rieselt, in Glas und Porzellan jauchzend ' aufblitzt und das Spieglein an der Wand wie eitles Silber leuchten läßt. Und dann pilgere ich durch die morgenfrohen Straßen, in denen das Leben in tausenden Flammen züngelt, prasselt und knallt, auf die hallende Aula, in die gelahrten Hör- säle; sehr feine, kluge Mädchengesichter, gutgelaunte Freunde, vornehme Gelehrtenphysognomien. Und dabei zwinge ich mich; nicht; kommt ein anregender Zwischenfall, eine fesselnde Gerichtsverhandlung, ein seltsames Spetakulum, eine freundschaftliche Plauderei, so wird eben das Kolleg „geschnapst“, wie mein Hausmeister sich ausdrückt Das Mittagmahl — es ließ sich nicht umgehn — nehme ich bei Tante Sophie, die mich regelmäßig über den Stand meiner Taschentücher fragt und mich wegen „den gewißen Büchern“ bedauert, sonst aber für gutjüdische Verköstigung sorgt. Schier wird es mir begreiflich, wie der Sänger der Lotosblume dem Scholet und dem Pfefferfisch dichterische Würdigung geben konnte. — Und nachmittags sitze ich mit wohliger Ruhe in dem gemütlichen Cafe Horn, lese eine Unmenge Zeitungen und fühle mich behaglich und angeregt. Du hast wohl keine Ahnung, welch weiten, erkennenden Blick der Mensch durch 1 eine ausgiebige Zeitungslektüre bekommt; vielleicht ist die Lebenskenntnis ein wenig papieren, nicht blutvoll. Immerhin; aber umfassend, modern und intelligent. Von den kleinsten Schulen an sollten die Leute zum Zeitunglesen, erzogen werden, auf daß sie aus der verkümmerten Enge ihres Winkeldaseins ] einen Blick in die breite, tausendkräftige Welt bekommen und nicht den Stand der Menschheit an den schmutzigen Ereignissen ihrer Gasse bemessen. Ja, die Ereignisse der Gasse! Gestern bekam ich einen Brief von zu haus, der mir so recht die lächerliche Winzigkeit unserer, Landsleute zeigt. Die Judenschaft ist in verzweifelter Stimmung da der Sokolverein beschlossen hat, bei einem Fest mit Militärmusik — sakra, to bude Cepraze! — die Juden nicht einzuladen. Und unsere teuren Stern, Popper, Heller und die übrigen Cesky zidy sitzen wie ihre Ahnen an den Wassern zu Babel- und ihre Frauen spielen die diesfälligen Trauerweiden. „Lieber Papa,“ habe ich geschrieben „ist es nicht vollkommen berechtigt, daß Euch die Falkenfedermänner boikottieren? Den ganzen Tag sprechet ihr zu ihrem völkischen Verdruß deutsch. Eure Söhne steigen mit den tauschen Kappen in den Straßen Prags herum, vom Judentum wollt Ihr kaum den Zipfel zeigen — und dann seit ihr Cesky zidy. Um bei einem Fest mitzutun, bei einem Ausflug Euch an arischer Freundschaft zu sonnen —?“ Und in der Lage weiter. Ich erwarte nach diesem aufklärenden, etwas frechen Schreiben eine geharnische Response meines guten Papas, der übrigens,-wie er mir schreibt, ein wenig unwohl ist. Apropos! Deine Emmy befaßt sich angelegentlich mit einem gutgekleideten, dicken Herrn, der ohne verwandtschaftlichen Grund bei Mayers zu Besuch ist. Videant consules. Und jetzt, nach den Kaffeehaus, gehe ich mit Lilly zu den Philharmonikern. Du, die Eroika! Fritz. * * * ■ Prag, 12. Januar. Li eb er Fritz! Kann Dir nur wenig schreiben. Ein Auge total verdunkelt. Mensur. Habe meinen Milt beweisen müssen und verlor bei diesem Anlaß einen halben Liter Blut. Mein Gegner hat sich die Nasenspitze neu befestigen lassen müssen. Das nennt man: ritterlich. Hat aber auch sein Gutes. Frau Julie sagt, sie rieche sehr gerne Karbol und Jodoform. Ueberhaupt alles Männliche — Sie meint natürlich „Mannhafte“; übrigens „kenn man’s wissen?“, wie man bei den Prager deutschen Burschenschaften sagt. Von zu hause habe ich Brief. Leider liegt Dein Papa noch immer. Verlier nicht den Kopf, so was kommt vor! Er ist ja ein bissei Dialetiker. Meine Braut Emmy hat die Korrespondenz abgebrochen. Wahrscheinlich Chancen. Gott gebe ihr eine baldige Brautnacht! Das arme Mädel freut sich schon so darauf. Carl.