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Jüdische Zeitung · 1909-10-29 · 44 (29.10.1909) · page 1

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
44 (29.10.1909)
Date
1909-10-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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JLEDI5CHE ZEI nfitidnfil-jledi5C!he5 drern mT'muuu ■■■■■■■■■■■■«■■■■■■■■■! Erscheint wöchentlich. — Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: IX., LiechtensteinstraBe 11, Telephon 12.299. — Sprechstunden täglich von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurückgestellt. — Abonnementspreise: Für Oesterreich-Ungarn: Ganzjähr. K 10.—, halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr. Mk. 3.—. Für das übrige *•*■**• *********** Ausland ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplare 20 h. Postsparkassenkonto 104.067. ***************** Nr. 44. Wien, Freitag den 29. Oktober 1909. III. Jahrgang. AUS DEM INHALTE: Die jüdische Kurie in Bosnien. Von R.-Abg. Dr. Benno St rauch er. Der neunte Kongreß. Von Adolf Böhm. Budapester Brief. Vom Goldenen Horn. Von M. J. Cohen. Das aktive Wahlrecht im Wiener Kultusstatut. Von Dr. J. Reiß. Aus dem jüdischen Leben. Das jüdische Diama. Von David Pinski. Parteinachrichten. Westjuden. Novelle von Ben David. Vereinsnachrichten. Lichtbildrtrvortran über jüdische Kunst. Die jüd.-ak. Verb. „Makkabäa“, veranstaltet Sonntag den 31. Oktober im Festsaale des Ingenieuru. Architektenvereines I., Eschenbachgasse 9 einen LicllBrrotradMriilscMist Vortragender: Prof. Dr. Max Eisler. Karten zu K5, 4, 3 und ^erhältlich im Kartenbureau Kehlendorfer, L, Krügerstraße 3 und im Cafe Gartenbau, I., Parkring 10. Die jüdische Kurie in Bosnien. Vom Reichsratsabgeordneten Dr. Benno Straucher. Ueber die Aktion des Jüdischen Klub“ in der Frage der jüdischen Vertretung in der Landesverfassung von Bosnien und Herzegowina, teilt uns der Obmann des Jüdischen Klubs“, Herr Reichsratsabgeordneter Dr. Straucher, folgendes mit: Schon im Monat November des Jahres 1908 hat sich der reichsrätliche Jüdische Klub“ eingehend mit dieser Frage Das jüdische Drama. Ein Ueberblick über seine Entwicklung. Von David Pinski, New-York.*) Autorisierte Uebersetzung von N. J a a r i. (Nachdruck verboten.) (Schluß.) V. Die Anderen. Das sind diejenigen, welche weder in Goldfadens noch Gordins Fußstapfen treten, das meiste Gewicht auf den Inhalt legen und nur mit dichterischem Drange schaffen. Das sind die, welche sich -nicht von den Schauspielern anregen und am Gängelband führen lassen, sondern nur gestalten, was ihnen unbeeinflußt vor ihrem Dichterauge erscheint. Sie haben außerdem das gemeinschaftlich, daß sie als Bühnenschriftsteller nicht Erfüllung sind, sondern nur zur Hoffnungen berechtigen, denn sie haben noch nicht das jüdische Drama geschaffen, aber man kann es von ihnen mit mehr oder weniger Recht erwarten. *) Siehe das Feuilleton der „Jüdischen Zeitung“ vom 6. und 20. August; 15. u. 20. September und 22. Oktober 1909. befaßt und der Abgeordnete Dr. Straucher intervenierte damals beim Minister des Aeußern. Er verlangte die politische Gleichstellung der bosnischen Judenschaft sowie die Einräumung einer spezifisch jüdischen Vertretung. Graf Aehrenthal zeigte sich entgegenkommend, verwies jedoch darauf, daß für die Lösung dieser Frage der Reichsfinanzminister maßgebend sei. Abg. Dr. Straucher überreichte diesem namens des Jüdischen Klubs“ ein Memorandum und der hiezu delegierte Abg. Dr. M a h 1 e r intervenierte öfters im Reichsfinanzmisterium. Auch beim Baron Bienerth hat eine Abordnung des Jüdischen Klubs“ bestehend ausden Herren Dr. Straucher, Stand und Dr. M a h 1 e r wiederholt vorgesprochen und überdies ein ausführliches Memorandum überreicht, in welchem in überzeugender Weise die Berechtigung der Forderung der bosnischen Judenschaft nicht nur nach einer konfessionellen Vertretung durch den Oberrabbiner von Sarajevo sondern auch auf Einräumung eines Volksmandates nachgewiesen wurde. In diesem Memorandum wurde auch geltend gemacht, daß schon Midhat Pascha in seiner Verfassung für das „türkische Reich im sJahre 1874 der bosnischen Judenschaft zwei Mandate für die türkische Reichsvertretung eingeräumt hatte. Baron Bienerth nahm diese Wünsche mit der Erklärung entgegen, den Inhalt dieses Memorandums dem Reichsfinanzminister bekanntgeben und die Sache fördern zu wollen. So hat der Jüdische Klub“ durch mehrere Monate in wirksamer, wenn auch wenig ostentativer Weise, diese wichtige Angelegenheit der bosnischen Judenschaft pflichtgemäß wahrgenommen und das Resultat ist denn auch, daß, verläßlichem Vernehmen nach, in der bosnischen Landesverfassung der Judenschaft Bosniens zwei Mandate, ein Virilistenmandat ausgeübt durch den jeweiligen Oberrabbiner von Zu den „anderen“ gehören J.L. Perez, Schaloni Asch und Perez Hirschbei n**. Die ganze russisch-jüdische Literatur der achtziger und neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts war episch und lyrisch. Die dramatische Kunst fehlte noch. Nicht nur weil sich jede Literatur im Anfang nur in den beiden ersten Formen bewegt und erst in ihrer Weiterentwicklung zum Drama gelangt. Die Ursache ist noch darin zu suchen, daß man in dem unnormalen jüdischen Leben nicht mit einer .regemäßigen Entwicklung rechnen darf. Die größte Sprunghaftigkeit kann uns nicht überraschen. Wir sind unselbständig und richten uns nach dem Leben der Völker, in deren Mitte wir wohnen. So kommt es, daß wir schon viel früher von ihnen jüdische Stücke wie „Der Verkauf Josefs“, „Die Weisheit Salomos“ und „Ahasver und Esther“ übernommen haben, die innig mit unserem Leben und unserer Literatur verwuchsen. In dem siebziger Jahren beginnt Goldfaden seine Stücke zu schreiben, aber lange Zeit vor ihm im Jahre 1861 erscheint Dr. Salomon Ettingers Theaterstück „Serke 1 e“.AuchAbramowitsch schreibt im Anfang seiner literarischen Tätigkeit **) Desgleichen der..Verfasser David Pi n s k i, der sich erst am Schluß nennt. Anm. d. Uebers. Sarajevo und überdies ein Volksmandat eingeräumt wordeu sind. Durch diese gesetzliche Sicherstellung ist aber auch die bosnische Judenschaft von dem Dilemma befreit, bei Wahlen zwischen Moslims und der andern Landesbewohnern durch eine Parteinahme das Odium der einen oder der anderen Partei auf sich zu laden und so in eine in ihren Konsequenzen unabsehbare mißliche Situation zu geraten. Es sei auch bei diesem Anlasse betont, daß die ganz gleichen Erwägungeu auch anderwärts für eine eigene Vertretung der Judenschaft in jüdischen Wahlkurien sprechen. Der Vollständigkeit halber wollen wir noch als bezeichnende Tatsache registrieren, daß von den bosnischen Landesbewohnern es namentlich die serbische Partei gewesen ist, welche bei dem Reichsfinanzminister Schritte gegen die Vertretung der Judenschaft im bosnischen Landtag unternommen hatte, daß aber das Reichsfinanzministerium glücklicherweise auf diese gehässige Intervention nicht eingegangen ist. Der neunte Kongreß.*) Von Adolf Böhm, Wien. Die Organisationsfrage. Vor jedem Kongreß tauchen Entwürfe zu einem neuen Organisationsstatut auf. Namentlich sind es die deutschen Gesinnungsgenossen, welche — aufgewachsen in einem Lande formaler Korrektheit und strammer Organisationsformen — sich immer wieder die Mühe machen, unser Statut den geänderten Bedürfnissen unserer Bewegung anzupassen. Auch diesmal liegt ein mehrfach umgearbeiteter Organisationsentwurf von Dr. Bodenheimer vor. *) Siehe Artikel in Nr. 40. Werke, wie „die Taxe“ und „der|Pries>'.v, (die militärische Untersuchungskommission“). Zu einer Entwicklung dieser Kunstrichtung konnte es aber damals nicht kommen, jüdische Theateraufführungen wurden im Anfang der achtziger Jahre verboten und Dramen zn schreiben ohne Absicht und Möglichkeit, sie aufgeführt zu sehen, hatte niemand Lust. Außerdem war der damalige Zustand der russischen Literatur, unter deren Einfluß die jüdische stand, für das Drama nicht günstig. In ihr nahm das Drama den letzten Platz ein. Trotz der hohen Stufe, welche das russische Theater mit seinen glänzenden Künstlern erreicht hatte, gab sich keiner der großen russischen Dichter mit dem Theater ab. Die großen russischen Schriftsteller waren hauptsächlich Romanciers und Lyriker, es war eine Seltenheit, wenn sie einmal Dramen schrieben und diese gehörten nicht immer zu ihren besten Erzeugnissen. In den fünfziger Jahren tritt als einziger von Bedeutung Ostrowski auf, der ausschließlich für die Bühne schreibt Alle übrigen aber die S p a - sch in skis, Krilows, Nieweschins, Pedotows und, wie sie sonst heißen, konnten nur von der dramatischen Literatur abschrecken. Und während Graf Tolstois Drama „D i e Macht der Finsternis“ für die deutschen Naturalisten zum Schulbuch wurde, durch weiches

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