Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 3 (1909)
- Issue
- 41 (8.10.1909)
- Date
- 1909-10-08
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2438141-2438220-2438260--1439-2441033- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 10 JÜDISCHE ZEITUNG, Nr. 41 Aufruf. - JaMitternacht des Mozei-Jöm-Kipur brach ein Feiier im Zentrum üiiseresarmen Sitädtchens(Lopatyn) aus; blitzschnell verbreitete sich die Flamme, ergriff die umstehenden Holzhäuser, und 'binnen ."kurzer Zeitdauer war alles was jüdisch da war, unaufhaltsam .niedergebrannt. Ueber 50 jüdische Familien sind mittel-und obdachlos zurückgeblieben, dem 'Hunger, und der heranrückeriden Kälte preisgegeben. Es blutet das Herz, wenn man diese förmlich nackten, verzweifelten Menschen sieht Wir appelieren an Euere warmen, jüdischfühlenden Herzen und bitten Euch um mögliche Unterstützung für die doppelt Heimatlosen. Für das Komitee: Mendel N e u m a n n, Sam. Eichenholz, Mechel Gasthalter, Ascher Barasch. Spenden sind an folgenee Adresse zu richten: Mendel N e u m a n n für „Abgebrannte“ Lopatyn (Galizien). Zionistischer Zentralverein Wien IX., Türkenstraße 9. Lesesaal von 9—12 und 3—7 Uhr geöffnet. - — "B Oeffentl. Vortragsabende im Festsaale des Hotel „Bayrischer Hof“ II., Taborstraße 39. Dienstag 12. Oktober 1909: Doz. Dr. Franz Oppenheimer (Berlin). „Jüdische Agrarpolitik“. Dienstag 26. Oktober 1909: köngl. Bibliothekar Dr. Heinrich Löwe: „Palästina“ ein Vortrag mit Lichtbildern. Beginn präz. 8 Uhr abends. Regiebeitrag! per Person 60 Heller. Kartenverkauf im Vereinslokal und an den Vortragsabenden an der Kassa. Vereinsu. Versammlungs- Nachrichten. . Wien. Allg. Jüdischer Arbeiter-', verein (Poale Zion) II., Sefaniestraße 2, Cafe Stefanie. Samstag, d en 9. d. gemütlicher Simchas-Thora-Abend mit reichhaltigem Programm. Beginn 8 Uhr Abends. Gäste willkommen. Sonntag, den 10. d., vormittags ‘/i 11 Uhr, Begipn des Tanzkursesiür Anfänger. Der Unterricht findet jeden" Sonntag von 7*11—'/: 1 Uhr im Lokale der Tanzschule Löw, II., Rotenstern- .gasse 15.: unter persönlicher Leitung des Herrn; Tanzlehrer Jaques Löw statt. Regiebeitrag pro Per-!söh 60 Heller Wöchentlich. Anmeldungen werden im Unterrichtslokale zur angegebenen Zeit entgegen-' genommen. f Wien. (Unterstütüungsverein jüdischer Hochschüler ..aus.„der Bukowina), Das Proponenten— kömifee des zu gründenden „Unterstützungvereines ■ .- jüdischer Hochschüler aus der Bukowina“, erlaubt! sich allen Herrn Kollegen mitzuteilen, daß die ein- 4 gereichten Statuten von der k. k. niederösterr. ‘ Statthalterei bestätigt und die Gründung dieses Vereines, bewilligt wurde. Die konstituierende Generalversammlung dürfte im Laufe des Monates; .Oktober stattfinden. Jene Herren die dem Vereine; beitreten und zur Generalversammlung eingeladen; werden möchten, mögen ihre Adresse dem Obmanne -des - Propönentenkomitee: ,ing. Michael Schindler,! -Wien IV., Phorusgasse79/jII/31, mitteilen. Wien. (Jüdisch-akademische Verbindung „Makkabäa“.) Das Ergebnis der am: 30. 9. 1909 yorgenom'menen Chargenwahl für das Wintersemester 1909/10 lautet: cand. arch. Max! Pol 1-a k,"x, stud. ing. Franz K a p o s i, xx, F x, . cand. jur, Ernst Sommer, x'-x. Budenbesuch täglich von 6—8 Uhr abends. Zuschriften wie bisher auf die Bude, 111. Reisnerstraße 23, oder in das Cöuleurcafe, Cafe Gertenbau, 1., Parkring 10, erbeten. Wien. („Kaiser Franz Josefs Ferien-, h e i m“). Knapp vor Schulbeginn sind in der Vorwoche die Sckützlinge des „Kaiser Franz Josefs. Ferienheim“ aus den Kolonien Betrau und Tischnowitz am Nordbahnhof eingetroffen. Deren blühendes Aussehen und die ansehnliche Gewichtszunahme gaben Zeugnis von der umfassenden Fürsorge, ' welcher dieser Verein den Kindern angedeihen läßt. Fast 600 Schützlinge, waren in diesem Jahre in den Rekonvaleszenten- und Erholungskolonien des Ferienheims untergebracht, woselbst nicht nur in hygienischer, sondern auch pädagogischer Beziehung mustergütige Einrichtungen bestehen. In besonders feierlicher Weise ist das Geburtsfest Seiner Majestät in den Kolonien begangen worden und es wurden Huldigungstelegramme an das Allerhöchste Hoflager abgeschickt, welche "huldvollst .beantwortet worden sind. Während* "des nun 17jährigen Bestandes hat 1 der Verein insgesamt bei 8000 Kinder mit einem Kostenaufwande von K 600.000 in seine Institution entsendet.'. Sitz des Vereines TX.-, Tütkenstrase 17. Budapest. Der -Verein jüdischer Hochschüler „Makkabäa“ in Budapest ‘ konstituierte am 18. v. M. fölgendemaßen die Leitung: Präsident: Cand. med. Viktor J ordan; Vizepräs.: Cand. nied. Simpn Issak; Sekretär; Xand. med. L. Kohn; Sclniuführer: Stud. jur. Albert" Pöllak; NationalfonQcverweser: Stud.jur.Bela Preis; Kontrollore; Stud. med. Mark. Tomaschoff, Stud. med. Samu Frankl; Majordomus: Stud. jur. Mar Mayer. Der Verein steht im XII1. Semester und entfaltet eine rege zionistische Propaganda. Jeden Samstag Abend werden allgemein zugängliche Vorträge abgehalten. Der erste Eröffnungsabend findet am 2. "Oktober a. c. statt.' Graz. (Verein „Zion“.) Samstag den 11. Sept., eröffnete unser Verein seine alljährlichen Vortragsabende, Herr Max Strauß aus Wien sprach als Referent über das Programm der poale-zionistischen Bewegung. Die Versammlung war gut besucht und wurde vom Obmann-rStellvertreter Freudmann geleitet. Nach dem Referate des Herrn Strauß entwickelte sich über das Thema eine lebhafte Debatte, an der sich die Herren Teller, jur S p ieg e 1 und med. Schwarz beteiligten; außerdem sprach von den Anwesenden jüd. Sozialdemokraten ein Herr Graf. Nach der üblichen Nationalfondssammlung, schloß der Vorsitzende die Versammlung, welche auf manchen Teilnehmer aufklärend wirkte. Karlsbad. „Üer jüd. akad. Klub“ veranstaltete Samstag, den 11. ’v. im Etablissement Sanssouci einen Unterhaltungsabend, der einen animierten Verlauf nahm. Eröffnet wurde das Programm" durch Liedervorträge des cand. iur. Alfred Loewens t e i n, die ebenso wie die vortrefflichen Rezitationen des Frl. Lola Kohn er sehr beifällig aufgenommen wurden. Es folgte der Einakter „Der Unverschämte“, von Raoul Auernheimer, glänzend gespielt von Frl. Lola K o h n e r, M. U. C. Walther K o h n e r und cand. iur. Alfred Loewenstein. Frl. Helene .Grünbaum und jur. Paul Lenk brachten eine musikalische Szene „Max und Moritz“ und einige Duette zum Vortrag. Herr Erwin H i r s c h _ fand als Humorist großen Beifall. Der Abschluß bildete eine improvisierte Antialkoholikerversammlung, die ganz köstlich gelang. RadaUtz. (Jiid.-akad. Ferialvereinigung „Chermonia“.) Sonntag den 12. September 1. J. veran-; staltete die „Chermonia“ im" Schützensaale eine! Nordau-Feier mit anschließendem Komerse zu Ehren; ihres Ehrenburschen Reichsratsabgeordneter Dr. Arthur Mahler. Schon der festliche Empfang: am Radautzer Bahnhofe, bei dem fast die gesamte jüdische Bevölkerung versammelt war, zeigte, welcher Sympathien sich Abg. Dr. Mahler bei der Radautzer ■ Bevölkerung erfreut. Um 8 Uhr abends fand hierauf ■ die angekündigte Feier statt. Nach Begrüßung der; überaus zahlreich Erschienenen und insbondere des; Herrn Bürgermeisters K. Zukowski, des Kultus-; präsident-Stcllvertreters Nathan Harth, sowie der Verbindungen und Vereine „Hasmonäa“, „Hebronia“,; „Zephira“, „Ivria“, „Jordania“, „Kadimah“, „Dorsche; Zion“, „Ivria“ (Radautz), „Poale und Poabos Zion“; (Sereth), der vereinigten jüdischen Jugend“ (Ober-.1 wikow), begann üer musikalisch-deklamatorische ■ Teil, der von Frau«. Sabine Ebner (Klavier), Herrn; Dr. M. Fischer (Violine), Herrn Dr. Lucian Dauber; (Rezitation) und Frl. Etka Kohn (Gesang) trefflich: besorgt wurde. Das Wort ergriff hierauf zur Fest-: rede Abg. Dr. Mahler. In seiner Einleitung verglich; er das jüdische Volk mit dem Golem des Rabbi - Löw. Während der ganzen Woche ein fühlender und: .denkender Mensch, wird er am Sabbath nach Ent-' fernung des „Schein“ wieder ein lebloser Lehm-' klumpen. Für das jüd. Volk aber sei der Sabbath noch nicht gekommen. Noch besitzt es den „Schern“,; noch kann es, noch muß es arbeiten. Der Redner1 kam hierauf auf Nordau zu sprechen und meinte: „Nicht nur aus seinen Werken, sondern ganz be-; sonders aus dem, was Nordau mir selbst von . ich erzählte, will ich es versuchen, ein Bild von Nordau zu malen“. Und er erzählte, von dem Dilemma, in dem sich Nordau infolge seiner Geburt in Ungarn bei deutschsprechenden Eltern und infolge seines dauernden Aufenthaltes in Paris befand. Aus diesem. Dilemma half sich nun Nordau, der nicht wußte, als ■ was er sich ansehen solle, indem er Kosmopolit wurde. Aber auch das befriedigte ihn nicht und er kam vom Kosmopolitismus zum Nationalismus. Der' Referent feierte dann Nordau als bedeutenden Philo-; sophen, der mit iseinen „konventionellen Lügen“ ganz Europa erschütterte. Abg. Mahler sprach dann über Nordau, den Dichter und zuletzt über Nordau: den Juden. Ist Pinsker der Seher, Herzl der Organisator gewesen, so sei Nordau der Verkünder im Zionismus. Nordau wars, der unsere Ideen in die Massen getragen hat und daher als ein bedeutender Kämpfer und Verfechter des Zionismus gefeiert zu werden verdient. Reicher Beifall folgte diesen Ausführungen. " Storozynetz. (Volksversammlung). Sonntag den 26. d. fand eine überaus stark besuchte Volksversammlung statt, in der Herr Dr. Markus Schapira (Czernowitz) über „die Stellungnahme der Juden zur Landtagswahlreform“ in sachlicherWeise referierte. DergroßeTempel unserer Stadt, in dem dieVersammlung abgehalten wurde, war bis aufs letzte Plätzchen, besetzt. Nach einem einstündigen Referate gelangte nachstehende Resolution von der Ministerpräsident Baron Bienerth und Minister des Innern Dl Härdtl auf telegrafischem Wege verständigt wurden, einstimmig zur Annahme.; - - ... > „Die am. 26. September in Storpzynetz tagende öffentliche jüdische Volksversammlung erhebt entschiedenen" Protest gegen das über Einflußnahme von volksverräterischen Elementen anläßlich der bevorstehenden Reformierung des Wahlrechtes für den Bukowinaer Landtag geplante Attentat auf das politische Selbstbestimmungsrecht'und die nationale Ehre des jüdischen Volkes in der Bukowina. Die Bukowinaer Judenheit erklärt mit aller Energie den Kampf für die Anerkennung der jüdischen Nation und des jüdischen Katasters fortzusetzen, lehnt ausdrücklich die Zuweisung von privilegierten Handelskammer- und Großgrundbesitzermandaten an Stelle von Volksmandaten ab und weist die jüdischen Abgeordneten im Landtage an, mit allen, selbst Obstruktionistischen Mitteln einen Landtagswahlentwurf in dem der jüdische Kataster fehlt, zu Falle zu bringen. Dem Abg. Dr. Straucher wurde als dem Führer der Bukowinaer Judenschaft von der Versammlung einstimmig Dank und Vertrauen ausgedrückt. Yar-Schoischänem. 25-jähriges Jubiläum der Kattowitzer Konferenz. Im November d. J. jährt sich zum 25. male die Zeit, wo in Kattowilz die erste Beratung der jüdischen Kolonisationsvereinc über die Besiedlung Palästinas stattgefunden hat. Diese Konferenz bildete den Ausgangspunkt für alle modernen'Bestrebungen zur Rückkehr der Juden in ihr altes Heimatland,- an welche späterhin der Herzische Zionismus angeknüpft hat. Es ist darum eine Ehrenpflicht, die 25. Wiederkehr jener Tage durch eine würdige Gedenkfeier zu begehen. In dieser Erwägung hat der Ausschuß des Verbandes der zionistischen Ortsgruppen Oberschlesiens beschlossen, am 7. November er. in Kattowitz eine Erinnerungsfeier äbzuhalten, deren Einzelheiten der Oeffentlichkeit noch bekanntgegeben werden. Wir laden schon jetzt alle Gesinnungsgenossen, sowie alle diejenigen, denen die Erfüllung des Palästinaideals teuer ist, zur Teilnahme an der Festlichkeit ein und wir würden es namentlich mit'Freude begrüßen, wenn diejenigen Herren, welche vor 25 Jahren an der Kattowitzer Konferenz teilgenommen haben, bei unserer Feier sich wieder zusammenfinden würden. 1 Wir bitten alle, welehe-an der Abhaltung dieser Gedenkfeier Interesse nehmen, uns . ihre 'Adressen mitzuteilen, damit wir ihnen eine Einladung übersenden können. Es liegt auch in unserer Absicht die Kattowitzer Konferenz publizistisch zu behandeln und wir bitten daher, alle diejenigen, die im Besitze von Material über diesem Gegenstand sind, uns solches für einige Zeit leihweise unter Zusicherung unversehrter Rückgabe zu überlassen. Wir würden namentlich den Konferenzteilnehmern, die noch am Leben sind, für Mitteilung persönlicher Erinnerung dankbar sein. '' Mit Zionsgruß Der Vorstand des zionistischen Gruppenverbandes Öberschlesien. Arnold. W i e n e r, . Kattowitz, Karlstraße 1. Liste der Ueberläufer. (Vom 29. September bis 6. Oktober 1909.) Fritz Edelstein, 1891, Wien, ledig, Techniker, I. Nibelungengasse 11. . Ernst Lichtblau, 1883, Wien, ledig, Architekt, XIII. Auhofstraße 223. Otto Herlinger, 1885, Wien, ledig, Schuhoberteilgehilfe, XIV. Benedikt Schellinggasse 10. Adolf Schulz, 1882, Duschitz, Mähren, ledig, VI. Spörlinggasse 4. Salomon Goldstein, 1883, Lemberg, ledig, VI. Webgasse 38. Dr. Hermann Mettall, 1885, Tarnopol, Galizien, verh., praktischer Arzt, XX. Dresdenerstr. 126. Hedwig Neumann, 1884, Wien, ledig, Schauspielerin, I. Spiegelgasse 13. Samuel Kohl, 1891, Wien, ledig, Kürschnergehilfe, IX. Berggasse 37. Ernestine Rosenberger, 1882, Wien, Volosca. §v. Cljitim Okvtrtlwucv «nt gvan 2. ßt}., ©rofsc Sjicrlgn/rc 17;rigrn Ijirmtt bic (Geburt eines goljuce nn. ©urnljunuun, Ijnt ftd) mit frl* fjctuutfi fdein ©odjter bes firn» ÄHvehtors, (ßniil ft l r i it in ynltiit :;:I: