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Jüdische Zeitung · 1909-09-10 · 37 (10.9.1909) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
37 (10.9.1909)
Date
1909-09-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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JÜDISCHE ZEITUNG NHTIDNnL-JlEDigCHEg DRERM KXHK immmmmmmmmmummmmmmmmmmm ■"»■■■ Erscheint wöchentlich. — Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: IX., Liechtensteinstraße 11, Telephon 12.299. — Sprechstunden täglich von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurückgestellt. — Abonnementspreise: Für Oesterreich-Ungarn: Ganzjähr. K 10.—, halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr. Mk. 3.—. Für das übrige ***************** Ausland ganzjähr. Frcs. 15.'—. Einzelexemplare 20 h. Postsparkassenkonto 104.067. •äfr-s.**#**-«.******;{. Nr. 37. Wien, Freitag den 10. September 1909. III. Jahrgang. AUS DEM INHALTE: Der einzige Weg. Die Enquete des galizischen Landesausschusses. Von Adolf Böhm, Wien und von Dr. Isaak Kohn, Sereth. Für’s Land Tirol. Gedicht von Beda. Parteinachrichten. Von der Woche. Politische Lehren. Alliance und Allianz. Die Sommerabende. Von Schalom Asch. Aus dem jüdischen Leben. .Vereinsnachrichten. Ueberläufer. Der einzige Weg. Die Absperrung Amerikas gegen unbemittelte Einwanderer hat die jüdische Oeffentlichkeit alarmiert. Anderthalb Jahrzehnte war sie taub gegen die Mahnungen der Zionisten, welche voraussagten, was kommen mußte. Jetzt wird es auch in den Reihen der schläfrigsten Philantropen lebendig. Man entdeckt die Notwendigkeit, ein Zufluchtsland für die wandernden Juden- -massen zu schaffenrUnd'da "eirrglUcklichef Zufall es gefügt hat, daß die Umwandlung der Türkei in einem Verfassungsstaat zeitlich mit der Absperrung Amerikas zusammenfiel, richten alle jüdischen Organisationen, alte und neue, ihre Blicke nach türkisch Asien und speziell nach Palästina. Wären wir nicht durch die Geschichte gewitzigt, wir könnten uns jetzt wirklich der Hoffnung hingeben, daß endlich auch von den nichtzionistischen Organisationen etwas für Palästina geschehen wird. So aber sind wir in unseren Erwartungen bescheiden und sagen uns, daß es schon viel ist, wenn wir nach löjähriger Pionnierarbeit die Leuchten des Judentums, die nicht genug über die Idee wispeln konnten, „daß die Juden nach Jerusalem gehen sollen“ — so formulierten sie den Gedanken des Zionismus — so weit gebracht haben, sich für die jüdische Kolonisation in Palästina wenigstens theoretisch zu begeistern. Es wird abermals Jafire brauchen, bis sie einsehen werden, daß es zur praktischen Durchführung der Kolonisation in Palästina keinen andern Weg gibt, als jenen, welchen die zionistische Organisation mit der Pales[tine-Development Company beschritten hat. Vorläufig behandeln die philantropischen Gesellschaften die einschlägigen Fragen so, als ob eß sich um Entdeckung neuer Methoden handle und keinerlei Erfahrungen auf dem Gebiete der Kolonisation überhaupt, und der jüdischen insbesondere vorliegen würden. Nach hunderten von „Expertisen und Referaten“ wird ihnen vielleicht ebenso plötzlich, wie sie die völlig neue Entdeckung machten, daß Palästina das geeignetste Land für jüdische Ansiedlungen ist, auch die Erleuchtung kommen, daß für Neuanschaffung von jüdischen Bauernwirtschaften und landwirtschaftlichen Arbeitsstellen jene eroberten Methoden angewendet v^erden müssen, dievon allen -anderen Völkern seif Jahrzehnten mit größtem Erfolge gehandhabt werden, und die vor allem in Ostpreußen durch Deutsche und Polen zu wissenschaftlicher Vollendung gebracht wurden. Ob uns die philantropischen Gesellschaften folgen werden oder nicht, wir dürfen uns nur auf die eigene Kraft verlassen und müssen das Ansiedlungswerk in Palästina im Wege des Nationalfonds und der Palestine-Development Company, welche mit den oberwähnten Methoden arbeitetenergisch betreiben. Lange genug schon ist die wichtigste Aufgabe zionistischer Politik vernachlässigt worden, welche darin besteht, durch eine großzügige Ansiedlungspolitik den Bauernstand in Palästina in immer steigendem Maße zu verstärken Das ist der einzige Weg, der aus der hoffnungslosen Lage des jüdischen Volkes in eine lichtere Zukunft und im letzten Ende zu einer Lösung der Judenfrage führt. Mit der von Warburg und Ruppin geschaffenen Development Cy haben wir diesen Weg beschritten. Helfen wir, diese unsere Ansiedlungsgesellschalt auszubauen, damit die jüdische Kolonisation in Palästina ein immer rascheres Tempo einschlage! Die Enquete des galizischen Landesausschusses. Eine Rundfrage. Die „Jüdische Zeitung“ hat sich in Sachen der durch ein offiziöses Kommunique angekündigten Enquete des galizischen Landesausschusses über die Notlage der galizischen Judenheit und über die Mittel zur Sanierung ihres ökonomischen Tiefstandes mit einer Rundfrage an die Mitglieder des jüdischen Klubs im Abgeordnetenhause und an andere nichtjüdische und jüdische führende Persönlichkeiten geverwendet. Es wurden insbesondere folgende Fragen gestellt: 1. Welche Bedeutung ist der Aktion des galizischen Landtages überhaupt beizumessen? 2. Welcher Erfolg ist insbesondere von der Enquete zu erwarten? 3. Welche Mittel wären Ihres Erachtens die einzig geeigneten, um der galizische Judennot entgegenzuwirken? Wir geben die Antworten in der Reihenfolge wieder, in welcher sie bei uns einliefen. Bisher wurden die Aeußerungen des R.-Abg. Herrn Dr. Eugen Lewickyj, Mitglied des reichsrätlichen ukrainischen Klubs, und des R.-Abg. Prof. Dr. Artur Mahler, Mitglied des jüdischen Klubs, veröffentlicht alle die Stimmen in sich auf und verhalt auf dem schwarzen Wege zum Friedhof ... Aus dem Fenster des Wunder-Rabbi dringen zwei große Lichtstrahlen. Er selbst geht im weißen Kaftan einsam in seiner Stube auf und ab, und so oft das weiße Gewand an den beiden Fenstern vorbeizieht, scheint etwas über den weißen Zaun zu huschen, der sich den Fenstern gegenüber befindet. Vor den Häusern haben sich halbentkleidete Menschen, Bürger und Hausfrauen, müde vom Tage, auf Betten hingelagert, um „frische Luft“ zu genießen. Kleine Mädchen spazieren untergefaßt vor den Türen und singen laut: Geht ein Graf in den Wald hinein, Trifft ein Mädchen stehen am Baum. Mädchen, Mädchen, was machst du lm Wald allein? — Ich bin in den Wald gegangen Und finde den Weg nicht nach Haus... Auf den Zaun des Gartens Chane-Saras, aus dem mit Birnen beladene Zweige in den Marktplatz hineinragen, klettern die Schulknaben. Sie erhaschen die Zweige und pflücken das unreife Obst. Der Gärtner Die Sommerabende.*) Von Schalom Asch. Als die „drei Wochen“ in das Städtchen hereingeschlichen kamen, wurde das Sommerleben jäh abgebrochen; die Welt sah aus wie eine Prinzessin, welche in ihren festlichen Gewändern dasitzt und von ihrem Liebsten träumt. Ein Windchen bläst und weht über die Grashalme, bewegt sie hin und her, und jedes Blättchen auf dem Ast, jeder Grashalm am Boden weint still in sich hinein um die ganze Welt. Liebe Sommerabendei Aus verborgenen Welten kommen Massen leuchtender und Massen finsterer Wolken über den Himmel gezogen und vermischen sich in dem weiten Himmelsraum. Die Herrlichkeit von Hell und Dunkel wird von blauen weitgespannten Vorhängen verhüllt. Licht in Licht verwickelt hängt weit und breit über dem Wasser und spiegelt sich in seinen glitzernden, spiegelklaren Wellen; und die Wellen *) Diese wenig bekannte Arbeit des jungen Dichters erschien im September 1907 in der Berliner Wochenschrift „Morgen“, die inzwischen ihr Erscheinen eingestellt hat. folgen einander, Welle auf Welle, wie wenn sie ihr Herz vor einander ausschütteten; fern, fern neigt sich der Himmel zum Wasser herab, und das Wasser geht im Himmel auf, Himmel und Wasser geben einander den ersten unschuldigen Kuß der Liebe und begeben sich in den dichten Wald zur Ruhe, in den schwarzen Wald, am Ende der Welt .... Liebe Sommerabende in der Schulgasse! Dunkeltraurige Nebel schmiegen sich an das stille Gäßchen und hüllen es ein, als wollten sie es vor menschlichen Augen verbergen; hinter dem dunklen Wald, am Rande der Welt schimmert noch eine letzte Röte hervor, wie zwischen blauen Meeren abgerissene vergessene Inseln. — Aus dem Fenster des alten Bethauses winkt ein Lichtlein, und eines Frommen Stimme weint im Gäßchen und klagt der Mutter Nacht . . . Und die Mutter Nacht nimmt seine Klage auf, versenkt sie in geheimnisvolle Welten und verwandelt sie in einen Ton des Nachtchors; die Frösche im Wasser sekundieren ihm im Takt. Aus dem schwarzen Wald kommt ein verlorenes Rauschen gezogen, und die Nacht nimmt

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