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Jüdische Zeitung · 1909-09-03 · 36 (3.9.1909) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
36 (3.9.1909)
Date
1909-09-03
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 36 wendigen Vorbereitungen für die Parzellierung zu treffen hat Je nach der Lage, der Qualität des Bodens usw. werden während dieser sogenannten „Zwischenwirtschaft“ Bodenverbesserungen durch Düngung vorgenommen, Wege angelegt, Gräben gezogen, Drainagen durchgeführt: alles Dinge, die von einer einheitlichen Zentralstelle aus am zweckmäßigsten getan werden können. Dann wird der Boden in kleine bäuerliche Parzellen geteilt, die in der Regel 10 bis 15 Hektar groß sind. Um eine solche Ansiedlerstelle zu übernehmen und mit Gebäuden zu versehen, ist eine Anzahlung von 7000 bis 8000 Mark notwendig. Wer nur etwa 4000 Mark hat, wird als Pächter angesetzt. Endlich siedelt die Kommission auch Arbeiter an. Eine Arbeiterstelle umfaßt 1 bis l’/= Hektar, und um eine solche zu erwerben, bedarf es eines Kapitals von nur 225 Mark. Bei dem Aufbau der Gebäude hilft die Kommission durch Gespannleistung und sie überläßt die Baumaterialien zum Selbstkostenpreis. Nach dieser Methode gedenkt auch diePLDC. zu verfahren. Auch sie will ein gekauftes größeres Grundstück zuerst durch einen landwirtschaftlichen Verwalter bewirtschaften lassen, der mit Lohnarbeitern den Boden in bessere Kultur bringt und ihn durch Anlegung von Brunnen, durch Feststellung der Grenzen usw. für die Parzellierung vorbereitet Je nach der Lage und Beschaffenheit des Bodens ist innerhalb der Verwaltungszeit zugleich für Regulierung der Bewässerung und für die Anlage von Fruchtbäumen zu sorgen, damit der Körnerbau die in Palästina so wertvolle Ergänzung durch den Pflanzungsbau erfährt Bei der Parzellierung wird die PLDC. bestrebt sein, neben den eigentlichen Bauernstellen von 2C0 bis 250 Dunam und den Arbeiterstellen von 10 bis 20 Dunam auch eine größere Wirtschaft von etwa 1000 Dunam unter Leitung eines tüchtigen Landwirtes zu schaffen, damit die neu angcsiedelten Kolonisten an dieser größeren Wirtschaft einen Rückhalt haben und durch ihr Beispiel landwirtschaftlich geschult werden. Auch bei der Ansiedlung von Bauern in den preußischen Ostprovinzen wird durch Bildung eines sogenannten „Restgutes“ darauf Rücksicht genommen, neben den Bauernwirtschaften auch eine größere Gutswirtschaft entstehen zu lassen, damit diese als Mustergut den kleinen Besitzern in der richtigen Bearbeitung des Bodens und in der Aufzeigung der besten landwirtschaftlichen Methoden mit gutem Beispiel vorangeht. c) Parzellierung für fremde Rechnung. Die PLDC. will die Parzellierung von Grundstücken sowohl mit angemessenem Gewinn für eigene Rechnung als auch gegen Berechnung einer mäßigen Kommissionsgebühr für Rechnung fremder Auftraggeber besorgen. So wird es auf diese Weise den europäischen Kapitalisten, welche von der fortwährenden Entwicklung Palästinas und den steigenden Bodenpreisen profitieren wollen, möglich machen, Land in Palästina zu kaufen und zu verkaufen, ohne daß sie es nötig haben, für dieses Parzellierungsgeschäft eine eigene Administration in Palästina zu unterhalten. d) Uebemahme aller landwirtschaftlichen Arbeiten. Außer dem eigentlichen Parzellierungsgeschäft wird die PLDC. auch sonstige landwirtschaftliche Arbeiten, z. B. Einrichtung von Wirtschaften, Anlage von Pflanzungen für eigene und fremde Rechnung unternehmen. e) Ausbildung und Ansiedlung von Arbeitern. Auf den Ländereien, welche die PLDC. auf die oben beschriebene Weise für die Parzellierung vorbereitet oder für eigene oder fremde Rechnung bewirtschaftet, wird zugleich jüdischen Arbeitern die Gelegenheit gegeben sein, sich unter der Leitung eines erfahrenen Landwirtes gute landwirtschaftliche Kenntnisse anzueignen. Dabei wird die PLDC. darauf Bedacht nehmen, den Eifer der Arbeiter durch eine Beteiligung am Ertrage des Bodens und der Viehwirtschaft anzuspornen uiid ihnen durch die Erträge aus der Gewinnbeteiligung die allmähliche Aufsparung eines kleinen Kapitals zu ermöglichen. Denjenigen Arbeitern, die auf diese Weise sich so viel Geld gespart haben, um das lebende und tote Inventar für eine kleine Wirtschaft aus eigenen Mitteln anzuschaffen, will die PLDC. später dazu verhelfen, ein Stück Land als Pächter zu bewirtschaften — eventuell durch Bildung von Pächtergenossenschaften — und auch in Ratenzahlungen als Eigentum zu erwerben. Diese Methode der Selbständigmachung von Arbeitern bietet deshalb eine bessere Aussicht als ähnliche bisher vorgenommene Versuche, weil die PLDC. die Möglichkeit hat, die Tüchtigkeit des einzelnen Arbeiters während seiner mehrjährigen Tätigkeit kennen zu lernen und so nur wirklich geeignete Personen der Landwirtschaft zuzuführen. Auf der anderen Seite unterscheidet sich diese Kolonisationsmethode von allen philantropischen Methoden dadurch, daß sie durchaus auf geschäftlicher Basis beruht und dem Arbeiter nichts gibt, wofür sie nicht von ihm einen nach geschäftlichen Grundsätzen berechneten Gegenwert erhält. Es sei hierbei erwähnt, daß die Jewish Colonization Association einen ähnlichen wie den hier bezeichneten Weg zur Seßhaftmachung von Arbeitern in Palästina bereits eingeschlagen hat, und zwar auf der Farm Sedschera in Galiläa. Die landwirtschaftlichen Bedingungen waren in Sedschera durch Mangel an Wasser, schlechten Boden und schlechte Wege exzeptionell ungünstig; nichtsdestoweniger hat sich Sedschera nach einigen schweren Jahren günstig entwickelt, und von dem Plane, Sedschera aufzugeben, ist heute keine Rede mehr. Vielmehr hat die JCA. die Kolonisationsmethode von Sedschera neuerdings auch in Leloir (Argentinien) wiederholt. Bisherige Tätigkeit der PLDC. Die PLDC. hat ihre Arbeit in Palästina bereits begonnen. Sie hat vom Jüdischen Nationalfonds dessen Land in Kinereth am Tiberiassee gepachtet, das 6500 Dunam besten Ackerbodens umfaßt, und dort eine Gutswirtschaft eingerichtet, auf der bis 40 jüdische Arbeiter beschäftigt werden. Der Jüdische Nationalfonds hat sein Interesse für die PLDC. dadurch bekundet, daß er als Gegenwert für das 99 jährige Pachtrecht Gründeraktien der PLDC. übernommen hat. Rechtliche Form der PLDC. Die PLDC. ist als englische Aktiengesellschaft mit einem Nominalkapital von 50.000 Pfund Sterling (eingeteilt in Gründeraktien ä 50 Pfund Sterling und gewöhnliche Aktien ä 1 Pfund Sterling) eingetragen. Alle äußeren Bedingungen, nicht zum wenigsten die konstitutionelle Aera in der Türkei, sind ihrer Arbeit günstig. So wird sie hoffentlich imstande sein, nicht nur ihren Aktionären eine angemessene Dividende zu gewähren, sondern auch der von allen Seiten herbeigesehnten stärkeren landwirtschaftlichen Besiedlung Palästinas durch Juden einen neuen Anstoß zu geben. Auf verschiedene Anfragen teilen wir hierdurch mit, daß die Zertifikate über die Aktien, deren Gegenwert bis zum 1. Juli d. J. bei den endgültigen Zahlstellen eingegangen ist, den Aktionären bereits sämtlich zugestellt wurden. Sollte irgend ein Aktionär das Zertifikat noch nicht erhalten haben, so bitten wir um Mitteilung an das Bureau der Gesellschaft in Berlin W 15, Bleibtreustraße 34/35. Bei dieser Gelegenheit geben wir der Erwartung Ausdruck, daß die zahlreichen Freunde der wirtschaftlichen Erschließung Palästinas, die bisher noch keine Aktionäre unserer Gesellschaft sind, nunmehr mit dem Erwerb von Aktien nicht länger zögern werden. Der Ankauf, die landwirtschaftliche Vorbereitung und die Parzellierung von Land sind die wichtigsten Arbeiten, die wir in Palästina auszuführen haben, und eine Parzellierungsgesellschaft, wie es die PLDC. ist, ist deshalb eine der notwendigsten Institutipnen. Wenn bei der Gründung unserer Gesellschaft, deren Zielen leider nur von wenigen verstanden, von den meisten nicht genügend gewürdigt und von manchen sogar bekämpft wurden und dadurch manche Palästinafreunde zu einer abwartenden Haltung veranlaßt wurden, so ist jetzt, nachdem sogar viele unserer früheren Gegner die absolute Notwendigkeit unserer Gesellschaft im Interesse einer systematischen Kolonisation einsehen und eingestehen, eine solche abwartende Haltung nicht mehr am Platze. Zur Vermeidung von Mißverständnissen bemerken wir ausdrücklich, daß die Tätigkeit der PLDC. nicht etwa mit der Tätigkeit der geplanten Agrarbank kollidiert; oder durch dieselbe überflüssig wird. Die Agrarbank wird sich, um eine erfolgreiche Tätigkeit zu entfalten, auch hauptsächlich dem Parzellierungsgeschäft zuwenden müssen. Aber es wäre aus verschiedenen Gründen für unsere Interessen schädlich und gefährlich, wenn wir bis zu dem vorläufig noch ganz unbestimmten Zeitpunkte, in welchem die Agrarbank ihre Geschäfte beginnt, mit der Parzellierungstätigkeit warten wollten. Vielmehr dürfen wir keine Zeit unbenutzt verstreichen lassen und müssen sofort mit der Arbeit beginnen. Es ist daher Pflicht unserer Gesinnungsgenossen und ganz besonders unserer wohlhabenden Freunde, nicht länger in der Rolle stummer Zuschauer zu verharren, sondern durch zahlreichen Erwerb von Aktien an der Förderung der Kolonisation direkten Anteil zu nehmen. Wir hoffen, daß unsere aktiven Vertrauensmänner sich dessen bewußt sein werden, daß die Inangriffnahme und energische Fortführung der Kapitalswerbung für die PLDC. gegenwärtig zu den allerwichtigsten Arbeiten gehört. The Palestine Land Development Company: gez. O. Warburg, Vorsitzender des Direktoriums, gez. Dr. O. Ruppin, Director managing. P. S. Nähere Auskünfte erteilt das Bureau der Gesellschaft, Berlin W 15, Bleibtreustraße 34/35. 1 Gründeraktie der PLDC. Pfd. 50.— Mk. 1025.— 1 gewöhnl. Aktie „ „ „ 1.— „ 20.50 1 Vorzeigeraktie „ „ „ 1.1.6== „ 22.— Die PLDC. ist laut ihren Statuten zum Verkauf von Aktien auf Teilzahlungen nicht berechtigt. Zahlungen für Rechnung der PLDC. nehmen folgende Banken entgegen: 1. The Jewish Colonial Trust Ltd. London E. C., Walbrook, Brook House. 2. The Anglo Palestine Company Ltd., K. Jaffa. Außerdem können neue Aktionäre der Einfachheit halber Aktienbeträge an das Bankhaus A. H. Heymann & Co., Berlin NW 7, Unter den Linden 39 überweisen. Ferner nehmen auch die Sammelstelle des Jüdischen Nationalfonds, Wien, IX. Türkenstraße 9, Volksvorschußkasse in Prag, Königshofergasse 12, sowie das Bankhaus A. u.J. Brecher, Wien, Zahlungen entgegen. Parteinachrichten. Der jüdische Nationalverein für Oesterreich veranstaltet am 8. September inPrerau eine öffentliche Versammlung.Tagesordnung: 1. Die politische Situation unddiejuden. Referent Dr. Herrn. Kadisch. — 2. Zionismus und die tschechische Oeffentlichkeit. Referent Dr. Lud. Singer. Der Studententag beginnt an demselben Tage um 10 Uhr vormittags. Zeitschriften und Bücherschau. „Die Welt“, handelt im Leitartikel der Nr. 35 über das Thema: „Palästinaarbeit“. Es sei vor allem nötig aus der palästinensischen Judenschaft den Typus eines richtigen intelligenten Farmers zu schaffen. Diese wichtige Grundlage für das Palästinawerk erfordere die Mitarbeit aller jüdischen Organisationen, die in Palästina arbeiten. Im „Israelitischen Gemeindeblatt“, Köln, vom 27. August, nimmt F. S. in einem lesenswerten Aufsatz „H e b rä is c h u n d J a r go n“ zudem auch in unsern Spalten angekündigten bevorstehenden hebräischen Kongresse in Berlin Stellung. Der Autor anerkennt zunächst die Bestrebungen des vorbereitenden Komitees als Fortschritt auf dem Wege der Annäherung und Verständigung zwischen Ost- und West. Nun gehe aber gleichzeitig mit der Ankündigung des Kongresses die Notiz durch die Blätter, daß sein eigentlicher Zweck die Verdrängung des häßlichen Jargon und die Einführung des Hebräischen als Sprache der Juden des Ostens sei — ein törichtes und zugleich ungerechtes Ideal, unglücklich und undurchführbar. Der Jargon sei die Sprache, in der 75 Prozent des Volkes seit Jahrhunderten denken und fühlen, er sei die Sprache des armen Mannes und vor allem der jüdischen Frau. Der Artikel führt fort: Es soll und muß einmal deutlich ausgesprochen werden; nur in Palästina ist die hebräische Sprache als lebendige möglich, in allen anderen Ländern bleiben die Bestrebungen, die darauf zielen, Hebräisch zu einer täglichen Sprache zu machen leere Spielereien, die kulturell von keinem großen Werte sind. Mit der Verdrängung des Jargons in Rußland wäre keine kulturelle Erhöhung verbunden, sondern eine Verarmung der jüdischen Psyche, eine Verscheuchung des letzten Schimmers der Poesie aus der Hütte des armen Juden. Aber auch für das ganze Judentum würde ein solcher unseliger Schritt einen großen Verlust bedeuten. Denn in keiner Sprache sind in den letzten 20 Jahren soviele herrliche jüdische Dichtungen entstanden wie im Jargon. Hier sehen wir kein künstliches Produkt, sondern das Leben der jüdischen Seele in ihrer ganzen Elementarkraft. Hier ist wahres, ungeschminktes Leben, hier individuelle Kraft und eigenartige Schönheit. Der Jargon ist die letzte Zuflucht der jüdischen Individualität, das eigentliche Heim der jüdischen Seele in der Gegenwart. Wer den Jargon nicht kennt, der kennt das jüdische Leben des Ostens nicht. Aus einer Skizze von Peretz, Asch oder Nomberg, aus einem Gedicht von Morris Rosenfeld und Reisen können wir mehr lernen als aus 50 Leitartikeln und Reisebeschreibungen, denn hier spricht der jüdische Schmerz unmittelbar zu uns, hier offenbart sich uns das ganze innere und äußere Milieu des Juden. Verdrängt man diesen Jargon, dann tritt sicherlich nicht Hebräisch an seiner Stelle. Ein kleiner Teil des Volkes lernt dann vielleicht eifriger Russisch, der größte Teil aber entbehrt einer jeder geistigen Erhebung und verfällt der trostlosen Stumpfheit. Kein vernünftiger Mensch, der die jüdischen Brüder und Schwestern des Ostens liebt, vermag ohne Trauer an solche Bestrebungen zu denken. F. S. schließt mit den Worten: „Lasset das Hebräische neben den Jargon und nicht auf seinen Ruinen blühen!“ Wir glauben, daß die Sorge des Autors — dessen Ausführungen übrigens sehr richtig sind — jeder Begründung entbehrt. Die Namen der Veranstalter, unter denen sich nicht nur begeisterte Verehrer der Jargonliteratur finden, sondern auch Männer, die ostjüdische Jargondichtungen dem Westen zugänglich machten, bürgen dafür, daß :hnen derartige Tendenzen ganz fremd sind. Das Frankfurter israelitische Familienblatt Nr. 33 bespricht in einem Aufsatze „die Renaissance der jüdischen Sprache und Literatur,“ die Verdienste Ben Avigdors, des Begründers der Verlage „Achiasaf“ und „Tuschija“ und die neue verheißungsvolle Aera. Seine Idee, dem neuerwachten Volke eine Literatur, eine vollständige, zu geben, sei für das „am hasefer“ (Volk des Buches) von größter Bedeutung. Man könne es ihm nicht genug hoch anrechnen, daß er kein einziges Gebiet einer modernen Literatur außer Acht lasse und alles in zugänglicher Weise für die breite Masse bearbeite. Die Augustnummer der Jüdischen Turnzeitung, Berlin, ist sehr reichhaltig. Insbesondere

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