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Jüdische Zeitung · 1909-08-27 · 35 (27.8.1909) · p. Seite 8

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
35 (27.8.1909)
Date
1909-08-27
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8^ .., , ... -, .. ‘JÜDISCHE ZEITUNG. . . , ... Nr. 35 ' Preraü. Der mährisch-schieslsche Studenten^ tag wird für ..den 8. September ' haffi Prerau um 10 Uhr vormittags einberufen. Im Anschlüsse daran veranstaltet der ^Jüdische: Natiphalyerein“ am selben Abend eine Manlfestationsversammlung, auf welcher, die Referate in 'deultscWr ühd tschechischer Sprache erstattet werden. Es gilt zum erstenmal die tschechische Oeffentlichkeit von-unseren Bestrebungen zu informieren. Daher ist es Pflicht aller jüdischen Verbindungen, durch ihr zahlreiches Erscheinen für unsere Idee zu demonstrieren! Auch alle anderen Gesinnungsfreunde sind herzlichst willkommen! Zeitschriften und Bücherschau. Unser Zentralorgan «Die Welt“ handelt in seiner Nummer vom 13. August über das in der Türkei erlassene Streik- und Syndikatverbot. Dieses Verbot bedeutet für die Arbeiter eine Härte, die Bitterkeit und Sozialrevolutionäre Stimmungen auslösen müsse. Die Hauptartikel des Gesetzes seien in Anbetracht ihrer großen Wichtigkeit für europäische Kapitalisten und Arbeiter, die sich für den Orient interessieren, auch hier wiedergegeben: Artikel 1: Bei einem Streitfall um die Arbeitsbedingungen zwischen den mit einem öffentlichen Betriebe, wie Eisenbahnen, Tramways, Häfen, Beleuchtung betrauten andern Gesellschaften und solchen, die auf Grund einer Staatskonzession oder -autorisation arbeiten, einerseits und ihren Beamten und Arbeitern anderseits sind diese gehalten, drei Delegierte auszuwählen, die den Streitfall dem Minister für öffentliche Arbeiten vorzutragen haben. Artikel 2: Ein Verlangen der Arbeitnehmer auf irgendwelche Einmischung in die innere Geschäftsführung der Gesellschaften oder Versuch zu einer Kontrolle der Leitung und ihres Reglements darf unter den Arbeitnehmern nicht bestehen. Nur solche Wünsche, die die Altersvezsorgungs- und Hilfskassen, sowie die Rechte des Personals betreffen, sind zulässig. Artikel 3—5 und 7 geben die Bestimmungen für die staatlichen Zwangsschiedsgerichte, die beide Parteien anzuerkennen haben. Artikel 6: kommt kein gütlicher Vergleich zustande, so haben die Arbeitnehmer alle Freiheit, ihren Dienst zu verlassen, aber es ist ihnen jede Handlung oder Kundgebung, die die Arbeitsfreiheit beeinträchtigt, ausdrücklich untersagt. Artikel 8: bestraft jede Drohung oder Gewalttat, die die Arbeit anderer verhindert, mit Gefängnis bis zu sechs Monaten. Artikel 10: Wenn nötig, hat die Staatsgewalt das Funktionieren der öffentlichen Betriebe wiederherzustellen und zu sichern. Artikel II: Alle bestehenden Gesellschafts¬ oder Arbeitersyndikate sind aufgehoben. — In Nr. 34 berichtet J. Aharoni, der gemeinsam mit Boris Schatz im Bezalel eine naturhistorische Kollektion anlegte, über die bisher gediehene Sammlung. Diese Arbeiten, die tatsächlich ein ungemein wichtiger Faktor zur vollständigen Erforschung der palästinensischen Naturprodukte sind, verdienen tatkräftige Unterstützung. Die „jüdische Rundschau“, Berlin, bringt an leitender Stelle einen Artikel von Davis T r i e s c h, der anknüpfend an die jüngsten Interviews mit türkischen Abgeordneten die politischen Bestrebungen der Zionisten in der Türkei bespricht. Es handle sich gegenwärtig nicht um einen Anspruch auf jüdische Präponderanz in Palästina. Man dürfe nur jenes Maximum verlangen, welches wir — wenn wir uns einmal zur Landesmajorität entwickelt haben werden, den seinerzeitigen Minoritäten zu konzedieren haben werden. Es sei daher eine Selbstverwaltung recht kleiner Gruppen und Distrikte anzustreben, weil so die jüdischen Kolonien, Städte und Stadtteile nicht unbilliger Weise unter dem Einflüsse der nichtjüdischen Bevölkerungsmehrheit stünde. Der Autor betont schließlich,, daß es unsinnig sei, die Diskussion dieses hochwichtigen Themas aus irgend welchen Bedenken unterdrücken zu wollen, da das Maximum dessen, was wir erstreben können, durchaus im Rahmen und im Interesse einer erstarkenden Türkei liege. Czernowitzer Tagblatt, vom 20. August, veröffentlicht ein Interview mit dem polnischen Landtagsabgeordneten, dein Führer der Bukowinaer Polen ‘ Dr. Stefanovicz, in welchem sich dieser als wannen Anhänger der nationalen Kataster für den Bukowinaer Landtag bezeichnet. Die Haltung der Bukowinaer Polen ist für die Erreichung des separaten jüdischen Katasters sehr wichtig. Unser Leben, Warschau, Nr. 184, 23. August, befürwortet in nachdrücklicher Weise die Kandidatur des berühmten jüdischen Advokaten Grusenberg für das Dumamandat in Petersburg und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß er selbst gegen den Willen des kadeltischen Wahlkomitees zum Deputierten gewählt werden wird. „Allgemeine Jüdische Rundschau“, Budapest Nr. 27/28 berichtet über einige besonders krasse Fälle der Ausweisung von eingewanderten Juden. Unter diesen befindet sich sogar auch ein Kaufmann /‘der sc i | . 1T .';'J ä h r e p;j'tl-';‘Bärtfa a n-; sässi g is t, und. .nunaUfi'Grund /.fingierter Bef schuldigungen' aüsgewie^en 'werden' soll.,/ , „Frankfurter .israelitisches: Eämlliehblatt“, Frarikf urtNr.'J3L’: beschäftigt "sich1 im Leitartikel mit der Ailiänce.Israelite Universelle. Es wird an die nationalen Momente, die bei der Gründung mitgespielt haben, verwiesen, die gänzlich zugunsten einer philahtropischen Tätigkeit aufgegeben wurden. Diese sei in jüdischer Hinsicht verderblich, in menschlicher Hinsicht minderwertig. Ueberflügelt vom Hilfsverein und vom Zionismus hetzte die AIU gegen diese, anstatt ihr System zu ändern. Wozu die Alliance? — Das ist der Tenor des Artikels. — In Nr. 32 kritisiert dieses Blatt angesichts des bevorstehenden Kongresses das Baseler Programm und wünscht die Textänderung von „öffentlich rechtlich gesichert“ in „vom türkischen Reiche rechtlich gesichert“ Das jüdische Wochenblatt, New-York bespricht die letzten Nachrichten über die Haltung der Jungtürken in Bezug auf den Zionismus und tadelt die Unverläßlickeit der zionistischen Informationen. In ziemlich scharfen Ausdrücken wirft es der zionistischen Leitung vor, daß sie nicht einen beständigen offiziellen Vertreter in Konstantinopel unterhält. Der Fraind, St. Petersburg. 16. Aug. behandelt im Artikel „Neu-christliche Strömung“ eine gewisse Richtung in der jüdischen Literatur und bezeichnet die Schriftsteller Asch, Schitlowski und Horodeski als Vertreter dieser Richtung, welche eine Verschmelzung des Judentums mit dem Urchristentums bezweckt. L’Aurore, Konstantinopel, 16. Aug.,bringt unter dem Titel „Ein totgeborenes Gesetz“ die Nachricht daß der gewesene Minister des Innern, Ferid Paschah die Absicht hatte, der türkischen Kammer ein Gesetz vorzulegen wonach den Juden die Einwanderung nach Palästina verboten werden sollte. Durch den Sturz Ferid Paschah und seine Ersetzung durch Talaat Bey, einen liberalen Jungtürken, ist der judenfeindliche Gesetzentwurf aus der Welt geschafft. Raswjet, 15. Aug. 1909, veröffentlicht eine Würdigung der schriftstellerischen Tätigkeit des hebräischen Dichters Saul Tschernichovski anläßlich des 15jährigen Jubiläums seines Eintrittes in die jüdische Literatur. „Jewish Cronicle“, London, vom 15. August a. c. enthält ein interessantes Interview mit Achad Ha’am, der gegenwärtig in London lebt, über die Lage der russischen Juden. Achad Ha’am schildert sie als eine verzweifelte. Es gibt in Rußland keine Judenfreunde, selbst die besten Liberalen sind es nur ihren Doktrinen zuliebe, in der Theorie. Die antijüdische Gesetzgebung ist ärger wie je. Suchte man früher nach Motivierung für die einzelnen Gesetze, so ist das jetzt nicht mehr der Fall. Die schwarzen Hundert beherrschen die Regierung. Die jüdische Jugend beschäftigt sich kaum mehr mit Politik, zu den revolutionären Elementen stellt sie ein verschwindendes Kontigent. Die einzige Hoffnung sieht Achad Ha’am in einer Stärkung der moralischen Widerstandskrakft der Juden, die sie auch in früheren Zeiten befähigte, das Aergste zu überstehen. Die Elastizität des Volkes wäre erstaunlich. Ein Pogrom ist in einer Woche vergessen und das Volk strömt wieder in die Theater. Die ökonomische Lage der Juden ist schlechter als je. Die Einführung von Maschinen verdrängt die jüdische Handarbeit und als Industriearbeiter werden sie von den antisemitischen Arbeitern nicht zugelassen. Der Zionismus müsse trachten, seine moralische Kraft mehr zii stärken, als es in letzter Zeit der Fall war, wo die Führer vor lauter Theorien ökonomischer und politischer Bestrebungen diese Seite des Zionismus vernachlässigten. Wird das gutgemacht, so wird der Zionismus die russische Judenschaft mit einem neuen Geist beseelen. The Jewish Herald. Sydney (Australien) 9. Juli a. c. berichtet über einen Zionistentag, in Sydney, auf dem konstatiert wurde, daß die Bewegung in Anstralien gute Fortschritte macht. Ekstatische Konfessionen. Gesammelt von Martin Buber. Verlag, Eugen D i e d e r i c h s, Jena 1909. Nach den beiden Büchern der chassidischen Mystik, den „Geschichten des Rabbi Nachman“ und der „Legende des Baalschem“, welche die eigen artigen Erzeugnisse der mystisch erregten Volksphantasie, halb symbolische, halb legendenhafte Erzählungen zum ersrenmale in deutscher und in origineller Bearbeitung wiedergeben, läßt Buber einige Funde aus jahrelangen Studien der mystischen Weltliteratur unter obigem Titel erscheinen. Es sind Bekenntnisse von Menschen verschiedener Zeiten über „ein Erlebnis, das sie als ein übermenschliches empfanden“, von Verzückungen, in denen sie, ihrem individuellen Dasein entrückt, mit dem Weltdasein, mit „Gott“, sich vereinigt oder vielmehr als eins empfanden. Dies ist das einzige, zeitlos allen möglichen Zeitperioden und Völkern Gemeinsame dieser Beschreibungen. Buber hat zunächst solche subjektive Bekenntnisse aufgenommes, welche gleichsam unmittelbar der Extase selbst nachfolgen, ohne Zergliederung, psychologische Umdeutung oder Poetisierung, und mit Vorliebe solche, welche nicht gerade weltgeschichtlich bekannten Visionären, Religionsstiftern, „Heiligen“ angehören, soinäer'ft'oft'von ganz uhbe’kahhten: Möhr eben öder' >'Nönneny; Bürgersleuten;:'-oder -aus''ent zückten! Literaturen;; dem. Chinesischen, Persischen und. Indischen, herstammen. . Die „Klosterextase“ nimmt einen sehr breiten, vielleicht allzubreiten Raum ein, wenngleich wieder erst aus der Zeit der Romantiker der Bericht der Katarina v. Emmerich von reiner Unmittelbarkeit ist. Aus der indischen, der mystischesten alter Literaturen, sind zwei der schönsten Perlen ausgewählt. Auch der Chassidismus ist durch einige für sein Wesen sehr charakteristische Citate aus den früheren Büchern vertreten. Es ist kein philologisches und kein historisches und kein die Mystik ergründen wollendes Werk. Es wird daher unmöglich sein, es nach diesen Kategorien zu beurteilen. Nur die einzelnen Ekstatiker — deren Berichte vielleicht manchmal zu fragmentarisch und in zu geringem Zusammenhänge miteinander gegeben sind — sollen im Sinne Bubers etwas von dem sagen, was sich von der „unsagbaren Einheit“ des Daseins der Mitteilung erhalten läßt. E. M. Vereinsu. Versammlungs- Nachrichten. Wien. Diejenigen Kollegen aus Galizien, welche im Schuljahre 1909/10 eine Wiener Hochschule zu besuchen gedenken und auf die Inskription und andere Einzelheiten bezügliche Informationen benötigen, werden ersucht, sich an die Ferialleitung der Vereinigung jüdischer Hochschüler aus Galizien „Bar-Kochba“ in Wien, VIII., Langegasse 5—7 zu wenden. Znaim. Endlich ist es gelungen diese Stadt der Reihe jener anzuschließen, in denen für den Zionismus gearbeitet wird. Es ist das Verdienst des Vertrauensmannes Gg. Dr. Michael Schechner, eine Anzahl arbeitsfreudiger Damen für unsere Sache interessiert zu haben. Es sind dies die Damen: Frau Hermine Weiner, Gutsbesitzersgattin, Frau Rosa M e t z 1, Frl. Amalie Freiberger, Frl. Irma Friedmann, Frau Dr. Kahan, Rabbinersgattin, denen der Dank und die Anerkennung der Parteileitung gebührt. Hoffentlich gelingt es in kurzer Zeit auch die jüdische Bürgerschaft Znaims zur Mitarbeit heranzuziehen. Ung. Brod. Die „jüd.-akademische Ferialverbindung „Achivah“, Ung. Hradisch“ veranstaltete Sonntag den 15. August in Ung. Brod ein Gartenfest mit anschließendem Tanzkränzchen. Besonders imposant gestaltete s:ch der Festzug zum und vom . Festplatze durch die Stadt, der durch seine Größe und sein geschmackvolles Arrangement auch bei .der ' ar i sc heil Bevölkerung Aufsehen erregte. Aus dem Programme seien besonders hervorgehoben die gelungenen humoristischen Vorträge des Gg. Theodor Großlicht, die Rezitationen jüdischer Geschichte der Damen Fr. Sida März und Frl. Elsa Winterstein und die interessante „Broder Gstanzeln“ des Gg. Siegfried Brammer. Nach der Rückkehr vom Festplatze wurde vor dem Hotel Smetana die „Hoffnung“ gesungen und mit einem äußerst animierten Tanzkränzchen fand dieses jüdische Repräsentationsfest seinen würdigen Abschluß. Proßnitz. Der Ferialverein jüdischer Hochschüler „Giskalah“ in Proßnitz veranstaltete Sonntag den 4. September eine Akademie und Theaterabend mit darauffolgendem Tanz. Das Reinerträgnis fällt dem jüdischen Studentenheim in W i e n zu. Gaya. Am 15. d. M. veranstalteten die jüd. Mittelschüler irn Garten des Hotel zum „Schwajzen Adler“ eine Theatervorstellung mit anschließendem Tanzkränzchen. Nach einer kurzen Begrüßungsrede folgte die Aufführung zweier Lustspiele. Langandauernder Beifall belohnt die Bemühungen der jugendlicher Schauspieler. Lebhafter Zuspruch ermöglichte nicht nur einen künstlerischen, sondern auch einen hohen materiellen Erfolg, so daß ein namhaftes Reinerträgnis dem Nationalfonde zugegeführt werden konnte. Durch diesen Erfolg ermuntert, beabsichten die jüd. Mittelschüler im nächsten Jahre ähnliche Feste zu veranstalten. Ara ben Jehudo. Mähr.-Ostrau. Der hiesige jüdische Volksverein „Zion“ und die jüd.-aknd. Ferialverbindung „Hessiana“ veranstalteten am 15. d. M. eine Nordaufeier, der 200 Personen beiwohnten. Nach der Begrüßung seitens des Obmannes des Volksvereines, Herrn Josef Süßmandel sprach Herr cand. ing. Otto Krasny in vornehmer und zugleich begeisternder Weise über „Max Norda u,d e nj u de n“. Anschließend daran las Herr cand. jur. Alfred Löwe n s t e i n einige Stellen aus Nordaus zionistischen Schriften und erntete für seine wohlpointierte Wiedergabe der Nordau’schen Worte reichen Beifall. Hierauf gab Herr cand. phil. Gustav Kohn in seinem Referate über „Reale Arbeitim Zionismus“ eine klare Uebersicht über die bisherige zionistische Tätigkeit und ihre Erfolge. Die Feier verlief sehr würdig. In nächster Zeit werden mehrere Vorträge vom „Jüdischen Volksverein“ und der jüd. akad. Ferialverbindung „Hessiana“ veranstaltet werden. Für den Nationalfond wurde gesammelt. Pöstyen. (Bad Pistyan). Der in unserem Blatte bereits angekündigte zionistische Vortragsabend fand Montag, den 9. August unter besonders

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