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Jüdische Zeitung · 1909-08-20 · 34 (20.8.1909) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
34 (20.8.1909)
Date
1909-08-20
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 34 wurden aufgetrieben, um die nach jüdischem Brauch erforderliche Anzahl der Betenden zu stellen, und die Zeremonie nach orthodoxem Ritus durchgeführt. Nunmehr stand der Landung der Frau Maislik nichts mehr im Wege und die „Heiligkeit der Ehe“ hatte sich wieder einmal glänzend bewährt" Die allgemeine jüdische Kolonisations -Organisation. Dank der unermüdlichen zionistischen Aufklärungsarbeit fängt es in Kreisen, die uns bisher ferngestanden sind oder bekämpft haben, zu dämmern an. Die „Allgemeine jüdische Kolonisations-Organisation,“ eine Gründung der offiziellen jüdischen Kreise, welche seit ihrem Bestände keine Tätigkeit entfaltet hatte, lud, wie schon kurz berichtet wurde, im Juni eine kleine Zahl von „angesehenen Mitgliedern der jüdischen Gemeinde Berlins“ ein, um sie mit der Orientkolonisationsbewegung vertraut zu machen. Als Fachmänner wurden Dr. Soskin, Dr. Ruppin und Ing. Treidel — bekanntlich bewährte zionistische Kräfte — zugezogen. Die A.J.K.O. versendet soeben den Bericht über die auf jener Versammlung gehaltenen Ansprachen und Referate. Es ist hocherfreulich, zu konstatieren, daß die Argumente und Pläne aller Redner ganz in jener Linie liegen, welche die zionistische Organisation bei ihrer Palästinaarbeit verfolgt. Die Redner wiesen auf den Umschwung in der Türkei, auf die Einladung Ahmed Rizas an die Juden, auf die Absperrung Amerikas, auf die Eignung Palästinas für jüdische Kolonisation etc. hin, man konnte meinen, daß es sich um einen rein zionistischen Abend handle. Wie aus dem Referat Dr. Ginsbergs hervorgeht, will die A.J.K.O. einen großen Kolonisationsfond schaffen, um dann, ganz im Stile der P.L.D.C, eine Landkompagnie und eine Parzellierungsbank zu gründen. Wir wollen hoffen, daß die A.J.K.O. den richtigen Weg, den sie nunmehr einzuschlagen beabsichtigt, auch weiter verfolgen wird. Wenn ihre Wortführer betonten, daß sie gegenüber den anderen jüdischen Organisationen eine „konsequent konziliante Haltung“ einnehmen will, so wird die zionistische Organisation in diesem Falle mit ihr ebenso freundnachbarliche Beziehungen unterhalten, wie mit dem Hilfsverein. Wer nach modernen Methoden die jüdische Palästinaarbeit betreibt, hat unsere Sympathie, mögen auf anderen Gebieten auch die größten Meinungsdifferenzen vorliegen. Es heißt, daß der Wiener „Jüdische Kolonisationsverein“ sich der A.J.K.O. angeschlossen habe. Hoffentlich wird er von ihr zu einer fruchtbringenden Tätigkeit angeregt Dann würden wir diesem Verein gegenüber gern unsere gegnerische Haltung aufgeben. Der Verlauf der Versammlung der A.J.K.O. war folgender: Justizrat Dr. Friedmann begrüßte die Erschienenen, wies auf die Aeußerungen Ahmed Rizas hin und sagte, daß die zur Blüte gelangten jüdischen Kolonien zum Ausbau des Ansiedlungswerkes ermuntern. Redoute betont ausdrücklich, daß die Zwecke der AJKO rein humanitär und nicht zionistisch seien. Gg. Dr. S. Soskin erörterte die Eignung Palästinas für Agrikultur und Pflanzungen, ferner die neue Methode der Kolonisation (wie sie in der PLDC. vorliegt) gegenüber der veralteten Wohltätigkeitskolonisation. Ing. Treidel, Haiffa sprach über die technischeErschließung desjüd. Ansiedlungsgebietes. Dr. Isid. G i n sb e rg sprach über die Aufgaben der AJKO. Er sagte, daß das Hinüberschaffen der Emigrantenmassen nach Amerika keine Lösung des Problems des jüdischen Massenelends bringe, sondern nur die Judenfrage nach anderen Ländern verschleppe. Bezüglich der zu befolgenden Methoden sagt Referent: „W ir gedenken die Besiedlung des Landes in erster Reihe der Privatinitiative zu überlassen und nur für die B e d i n g u n g e n des Gedeihens der Kolonisation, sowie für Regelung des Kolonisationswerkes Sorge zu tragen. Wir werden den Ansiedlern Informationen gewähren, ihnen den Schutz der Regierungen, die notwendigen administrativen Erleichterungen sichern, Kredit verschaffen, den Boden für sie vorbereiten, ihnen billige Parzellen zur Verfügung stellen, bahnbrechende Musterbetriebe auf landwirtschaftlichem und im industriellen Gebiete schaffen, wir wollen in diesen Betrieben jüdische Landarbeiter und Gewerbetreibende erziehen, aber wir werden niemand Almosen geben, die ganze Kolonisation wird auf streng kaufmännischer Basis und nach dem Prinzip der vollen wirtschaftlichen Selbstverantwortlichkeit vor sich gehen“. (Wie man sieht, sind dies wörtlich die von der zionistischen Organisaiion stets befolgten Grundsätze und Pläne). Dr. Ginsberg sagte weiters, die AJKO wolle mit keiner bestehenden jüdischen Organisation in Konkurrenz treten. Die AJKO beabsichtigt alle maßgebenden autoritativen Elemente der Judenheit zu vereinigen (also auch das alijüdishhe Moment des Zionismus erscheint von ihr aufgenommen). Sie habe auch in allen jüdischen Zentren bereits Anhang gewonnen. Zunächst werde es sich um Schaffung eines großen Kolonisationsfondes handeln, für welchen bereits 72.000 Mark gezeichnet seien. Stadtrat Dzialozynski berichtet über einen Besuch in Palästina, wo er von Gg. Dr. Lewy und Gg. Boris Schatz geführt wurde und spricht in äußerst befriedigenden Worten vom „Bezalei“ und von der Kolonie „P e t a c h T i k w a h“. Justizrat Dr. Fuchs sprach in anerkennender Weise von der Kolonie Rischon Ie Zion. Den Schlußappell sprach Prof. Dr. K a 1 i s c h e r. Wie uns berichtet wird, haben in der Diskussion die Gg. Ruppin, Soskin, Treidel wiederholt Aufschlüsse gegeben. Die Versammlung befaßte sich auch eingehend mit dem Mesopotamienprojekt. Brief aus Saloniki. (Von unserem Korrespondenten.) (Von den jüdischen Abgeordneten. — Ueberall obenauf! — DasFestderKonstitution. — „plus royal que le roi. - Jüdische Turner.) Es ist gewiß ein erhebendes Gefühl für uns, daß ebenso, wie in anderen Ländern, auch in der Türkei die Juden einen großen Anteil an der Erlangung der Konstitution haben. Sie waren geradezu das ausschlaggebende Element und haben ihr Blut geopfert. Soll aber auch hier die Gleichberechtigung nur auf dem Papier bleiben? Diese Frage wirft sich leider auf, wenn man die Tätigkeit unserer jüdischen Abgeordneten' betrachtet. Sie sind vor allem von einer jüdischen Majorität gewählt worden. Das hindert sie aber nicht, die Forderungen ihres Volkes * gänzlich zu vergessen. Gibt es vielleicht keine? Sind die Juden in der Türkei gänzlich wunschlos? Es scheint so zu sein. Die jüdischen Abgeordneten sind eben dieselben Assimilantenfiguren, wie die Hausjuden des Polenklubs. Jüdische Forderungen in der Kammer in ernster und würdiger Weise zu stellen, scheint ihnen eine Verletzung des Patriotismus und eine Schmälerung der ottomanischen Gefühle zu sein. Dafür schwimmen diese Herren auf allen Suppen. Sie sind die einzigen, von denen man spricht. Sie fahren nach Adana, sie gehen zum Sultan, sie überbringen Abdul Hamid die Nachricht von seiner Entthronung, sie fahren nach Paris und London. Wozu das führen wird, glaube ich Ihnen nicht erörtern zu müssen. Sapienti sat. Statt überall obenauf zu sein, statt in der englischen und französischen Metropole die Assimilationsbestrebungen in der unverantwortlichsten Weise gut zu heißen und der Alliance die moralische Förderung ihrer verderblichen Bestrebungen zuzusagen, sollen sie lieber die jüdischen Massen in der Türkei einigen, erziehen und fördern. Unseren mohammedanischen Mitbürgern wären sie viel sympathischer wenn sie nach dieserRichtungwirkten Sie würden dies nur als selbstverständlich ansehen, wie man ja niemals sagt, der Türke Carasso, sondern nur immer der Israelite Carasso. Man erwäge doch, daß der Geist der Konstitution von Saloniki ausging. Nicht nur, daß die Juden 60 °/o der Bevölkerung dieser Stadt ausmachen, sind überdies der größte Teil der übrigen Einwohner „Dolmeh s“. Das sind reine Nachkommen jener Juden, die Sabbatni Zewi bis hieher geführt hat und die scheinbar zum islamitischen Glaubensbekenntnis übergetreten sind. Ist beispielsweise von Djavid Bey, dem jetzigen türkischen Finanzminister als „Türken aus Saloniki“ die Rede, so weiß doch jedermann, daß er ein „Dolmeh“, also von jüdischer Rasse und Abkunft ist. * * * Das „Immer-an-der-Spitze-Sein“ wird sich an den Juden hier genau so rächen, wie anderwärts. Es steht leider zu erwarten, daß die Türken einmal finden werden, die Juden hätten sich zu Taten herangedrängt, die ihnen hätten reserviert bleiben müssen . . . Am 23. Juli, dem Jahrestage der Konstitution, war die Sucht unserer Juden, die anderen zu übertrumpfen, wieder allzu deutlich bemerkbar. Wer illuminierte schöner in Saloniki, wer zeigt geräuschvoller seine Freude, wer baute schönere Triumphbogen und wer warf ostentativer mit dem Geld herum, als die Juden? Unsere Exaltados waren. wieder einmal plus royal que le roi. Es wäre aber tausendmal schöner gewesen, wenn sie sich an der Festesfreude rücksichtsvoll nach den Türken gerichtet hätten, statt sie zu beschämen. * . * Der jüdische Turnverein „Maccabi“ aus Philippopel weilte aus Anlaß der Feierlichkeiten zum jahrestage der Konstitution in unserer Stadt. Der Turnverein zeigte zum erstenmal den Salonikern in schöner Vollkommenheit die Ausführung gymnastischer Uebungen. Es wurden einige Schauturnen veranstaltet, welche einen sehr guten Verlauf nahmen und ein zahlreiches Publikum herbeilockten. Es steht zu erwarten, daß sich durch die Anregung, welche die Philippopeier Turner geboten haben, in Kürze hier ein jüdischer Turnverein gründen wird. Hs. Vorträge über jüdische Kunst und jüdische Künstler. Wir erhalten folgendes Zirkular mit dem Ersuchen um Veröffentlichung: Iglau, 1. August 1909. Das unterfertigte Komitee bereitet für den Winter 1909—10 die Durchführung einer Vortragstourne vor, die Herr Dr. Max Eisler unternimmt. Der Vortrag betrifft den größten jüdischen Maler Jozef Israels, zugleich den anerkannten Meister der modernen Malschule Hollands. An hand von erstmaligen Wiedergaben der hervorragendsten Werke des Künstlers in Lichtbildern, die mit besonderer Erlaubeis des Meisters hergestellt wurden, soll das Wesen seiner wie der „jüdischen Kunst“ überhaupt erwiesen werden. Der Versuch unternimmt also, einem größeren jüdischen Publikum das Verständnis für jüdische Künstlerschaft zu erschließen und erstrebt in weiterer Folge die Stärkung des jüdischen Selbstgefühls von einer Seite, die — bisher so gut wie ungenutzt — gerade der edelsfee Wirkung fähig erscheint, ln diesem Sinne ergeht an die Judenschaft der größeren Gemeinwesen Böhmens, Mährens und Schlesiens (überdies Wiens) — ohne Unterschied ihrer Parteirichtung — die Aufforderung, aus ihrer Mitte ein Komitee zu bilden, welches die Vorbereitung und vornehme Durchführung des Vortrages übernimmt. Der jeweils örtlich bedingte Rahmen der Veranstaitung mag auf dem Wege des Einvernehmens mit der Iglauer Zentralstelle festgesetzt werden. Als Vortragsabende stehen den Ortskomitees vorderhanden alle Sonntage und christlichen Feiertage zwischen dem ersten Oktober 1009 und 28. Februar 1910 zur Wahl. Doch mögen, um uns die Verteilung zu erleichtern, mehrere Tage hierher in Vorschlag gebracht werden. Der endgiltige Termin wird dann ehestens bekannt gegeben, Der Herr Vortragende, Prof. Dr. Eisler, der als Historiker in Fachkreisen wohl bekannt ist, hat sich speziell als Kulturhistoriker und Kunstkritiker bewährt. Es dürften daher die Vortragsabende künstlerische Ereignisse bedeuten, die selbst größerer Anstrengungen wert sind. Das Zentraikomite: Kaufmann Josef Grünfeld, kais. Rat Gustav Hellmann, Landesadvokat Dr. Eduard Kraus, Finanzrat Karl Kohn, kais. Rat Adolf Lieblich, Med. Dr. Rudolf Schwarz, Fabrikat Jakob Sommer, Fabrikant Richard Weissenstein, Med. Dr. Siegmund Werner. Zuschriften sind an Herrn Dr. S. Werner, Iglau, Hauptplatz 9 zurichten. Vereinsu. Versammlungs- Nachrichten. Wien. Der Jüdische Nationalverein für Oesterreich veranstaltet folgende Versammlungen: Samstag, den 21. August, in Bjsenz, 8Uhr abends. Sonntag, den 22. August, in Kostei, halb 3 Uhr nachmittags. Sonntag, den 22. August, in Lundenburg, 9 Uhr abends. In diesen Versammlungen wird Gg. Dr. H. K adis c h sprechen. Prerau.Jüd.-akad. Ferialverbindung „Massada“, Chargenwahlen pro 1909/10: JUC. Heinrich Mandl x, Cand. ing. Fritz Rosenzweig xx, Cand. iur. Viktor Tschiassny xxx. Kremsier. Die Chargenwahl der jüd.-akad. Ferialverbindung „O s s i d“ ergab folgendes Resultat: iur. Adolf Brand x, iur. Artur Birnbaum xx, med. Edmund Reichard xxx. Friedek. Die „Jüdisch-akademische Ferialverbindung „Hasmonäa“ in Friedek veranstaltet am 4. September I. J. im Saale der Friedeker Schießstätte einen Festkommers mit anschließendem Tanzkränzchen. Die Festrede wird Herr Reichsratsabgeordneter Dozent Dr. Arthur Mahler halten. Proßnitz. (Jüdischer Turnverein.) Das turnerische Programm für das Fest am 22. d. M. umfaßt: Frei- und Gerätübungen der Männerriege, Frei- und Gerätübungen der Damenriege und schwedi-

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