Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 3 (1909)
- Issue
- 33 (13.8.1909)
- Date
- 1909-08-13
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 33 Levante Handbuch 1909 Herausgegeben von Davis Triesch, Verlag „Gea“-Berlin. — Als „Nachschlagewerk“ und sonstige Informationsquelle mit dem Zwecke der Vorbereitung zuverlässiger Angaben über das Gebiet der Levante bezeichnet es der Verfasser. Ich möchte als den es Anfang für ein solches bezeichnen. Denn bei aller Anerkennung des Gebotenen kann ich nicht recht einsehen, von welchem Gesichtspunkte sich Gg. Trietsch in der Feststellung des Umfangs der Kapitel leiten ließ. Für Leute, die sich aus irgend einem Grunde mit den Orientproblemen beschäftigen müssen, bietet das Handbuch zu wenig Details, selbst Journalisten finden, sofern sie nicht bloß eine Ziffer nachschlagen müssen, zu wenigeingehende Aufschlüsse. Kaufleuten werden zwar die Münz-, Maß- und Gewichtstabellen, die Verkehrshinweise etc. gute Dienste leisten, aber die Angaben über den Handel werden auch für sie zu allgemein sein. Dies vorausgeschickt, muß zugegeben werden, daß auf knappem Raume (232 Seiten) eine erstaunliche Fülle von Material verarbeitet ist, daß die Anlage eine glückliche genannt werden muß und auch die Ausstattung nichts zu wünschen übrig läßt. Der Verfasser war gezwungen, die Materie vom deutschen Standpunkt aus zu beleuchten, trotzdem hat er an den entsprechenden Stellen die jüdischen Positionen in der Levante skizziert. Wenn wir, namentlich in Bezug auf die jüdischen Kolonien und das jüdische'Schulwesen Palästinas, etwas mehr gewünscht hätten, als der Verfasser gibt, so waren ihm wahrscheinlich vom Verlag aus Fesseln auferlegt. Für eine zweite Auflage, die wohl bald nachfolgen wird, wäre zu wünschen, daß die Quellennachweise ausführlicher gegeben würden, zur Benützung für Interessenten, welche sich über das eine oder andere Thema näher informieren wollen, daß ein eigenes Kapitel über die anatolische und die Bagdadbahn eingeschaltet werde, das unbegreiflicherweise fehlt, obzwar gerade vom deutschen Standpunkte aus diese Bahnnetze'.von größter Wichtigkeit sind, daß ferner manche Kapitel eine eingehendere Behandlung erfahren mögen, wie z. B. jenes über die neuen Eisenbahnprojekte der türkischen Regierung, für die ja jetzt amtliches Material vorliegt etc. Es wäre auch zu wünschen, daß bei Behandlung Aegyptens nicht verschwiegen werde, daß England dort der Kulturträger war. Nicht zu billigen ist es, wenn Gg. Triesch die Kindergärten etc. des Hilfsvereins der deutschen Juden in einer solchen Weise im Kapitel „Die deutsche Sprache in der Levante“ behandelt, daß der Leser zur Meinung kommen muß, daß diese Schulen Germanisationsanstalten sind. Abgesehen von dieser kleinen Entgleisung, füllt das „Levante Handbuch“, speziell auch für unsere Zwecke eine stets empfundene Lücke in der Fachliteratur über den Orient aus und kann bestens empfohlen werden. B. Siebenter Geschäftsbericht des Hilfsvereines der deutschen Juden, Berlin 1909 Dieser ausgezeichnet gearbeitete Geschäftsbericht ist ein erfreulicher Beweis dafür, wie stetig das moderne Judentum in allen Schichten durchsickert. An Stelle erheuchelter Glaubensbruderschaft tritt nationales Zusammengehörigkeitsgefühl und die einstige „Wohltätigkeit“, die sich mit Almosen die Judenfrage vom Halse hielt, wird von, tatkräftiger Sozialpolitik abgelöst. Hand in Hand damit geht in ernsten Kreisen vom Range und der Bedeutung des „Deutschen Hilfsvereines“, reges Interesse für Palästinaarbeit und so erregt vor allen das palästinensische Schulwerk des Vereines, insbesondere die weit gediehenen Vorarbeiten für dasjTechnikum in Haifa, an dem sich bekanntlich auch unser Direktorium des Nationällands beteiligt, unser regstes Interesse. Aber auch die Abschnitte des Berichtes, die sich mit der Lage der Juden in den einzelnen Ländern beschäftigt, sind sehr lehrreich und zeugen für gewissenhaftes Wirken. Besonders aktuell ist mit Rücksicht auf die bevorstehende Enquete des galizischen Landesausschusses der Abschnitt, welcher über Galizien handelt. Palästina. Die Einwanderung nach Palästina. „Jewish Chronicle“ meldet, daß der Gouver neur von Jerusalem, Soubhy Bey, in Konstantinopel anwesend ist. Er wurde vom Staatsrat zu Rate gezogen, da dieser ein Gesetz betreffend die Einwanderung nach Palästina berät. Wie verlautet, ist die Regierung geneigt, die jüdische Einwanderung zu ermutigen, sofern sie schrittweise und methodisch erfolgen soll. Eine Massenimmigration werde jedoch nicht gestattet werden. Das wäre genau das, was die zionistische Organisation erreichen will. An eine plötzliche Massenimmigration in das wirtschaftlich noch rückständige Land hat sie niemals gedacht. Es begegnen sich also die Wünsche der türkischen Regierung mit jenen der Zionisten. Der Erlaß des oberwähnten Gesetzes würde eine klare Situation schaffen und neue kräftige Impulse für die jüdische Kolonisation in Palästina schaffen. Vereins-u. Versammlungs- Nachrichten. Voranzeigen. Mauer bei Wien. Dje zionistische Ferialgruppe Mauer veranstaltet am 21. August 1. J. in Mauer in Miklböcks Saal eine Akademie mit anschließendem Tanzkränzchen zugunstendes jüdischen N ationalfondes und ladet die p. t. Gesinnungsgenossen ein, zahlreich zu erscheinen! Beginn 8 Uhr abends. Suczawa. (jüd.-deklamatorischer Abend.) Anfangs September veranstalteten die hiesigen jüd.-nat. Studenten einen musikalisch-deklamatorischen Abend mit darauffolgendem Tanzkränzchen. Dem Ehrenkomiteegehören sämtliche hiesige jüdische Advokaten, Richter, Aerzte und viele andere Persönlichkeiten an. Das Reinerträgnis fällt dem Baufonde des jüd. Studentenheims in Wien zu. Berichte. Bielitz. Die jüd.-akad. Ferialverbindung „Emu nah“ veranstaltete am 7. d. im „Schwarzen Adler“ in Biala einen literarischen Abend bei dem Bb. cand. jur.. Sal. Allerhand einen gediegenen Vortrag über „Shylok“ hielt. Den fesselnden Ausführungen , des Redners wurde von seiten des überaus zahlreichen Publikums der lebhafteste Beifall gezollt. Nach dem Vortrage fand ein gemütlicher Abend statt, der bis gegen Mitternacht währte und animiert verlief. Am Schlüsse wurde für den jüd. Nationalfond gesammelt. Am Dienstag den 10. d. findet in E r n s d o r f im Saale des Hotel S i m a c h o w i t z ein Vortragsabend mit nachfolgender Akademie und Tanz, veranstaltet von der „Emunah“ statt, bei welchem Bb. cand. phil. Leo Fink referieren wird, j Am Samstag, hält die „Emunah“, ihren zweiten literarischen Abend ab. Bb. Hanns M a r g u l,i e s spricht über die „Juden in der moderen Literatur“. Stockerau. Bei der am 1. August 1909 in Stockerau abgehaltenen; Generalversammlung des Vereines „Zion“ für Korneuburg-Stockerau wurden folgende Herren gewählt: Dr. med. Leopold Sofer, Stockerau, Präsident; Moriz Sofer, Kaufmann, Korneuburg, Stellvertreter; Schneider Bernhard, Kaufmann, Stockerau, Kassier; Sattler Max, Beamter, Stockerau, 1. Schriftführer; Rabinowitsch Isidor, Buchhalter, Stockerau, 2. Schriftführer; ferner Beiner Isidor, Buchhalter, Korneuburg; Deutsch Otto, Volontär, Korneuburg; Jellinek Wilhelem, Kaufmann, Stockerau; Lederer Adolf, stud. exp., Korneuburg; Stern Alfred, stud jus., SJockerau; Stern Salomon, Kaufmann, Korneuburg. —-Für die eben eröffnete Bibliothek des Einzelvereines „Zion“ für .Stockerau-Korneuburg ersucht die Bibliotheksverwältung hochherzige Gönner um Bücherspenden (besöpders jüdischen Inhaltes) und bittet um unfrankierte Zusendung an den Kassier Herrn Bernhard Schneider, Stockerau, Hauptstr. Meran. Die Kömigswarterstiftung und der Verein „Asyl f ü 5 mittellose kranke Israeliten“ in Meran haben in diesem Jahre bewiesen, daß sie, soweit es in den Bereich ihrer Pflicht fällt, sich ihrer Aufgaben in dem Weltkurort Meran bewußt sind. Die,Königswarterstiftung hat ihre Sorge auf eine repräsentable Behandlung und Verwaltung der Kultusangelegenheiten gelenkt und sich durch den von allen Temp'elbesuchern rühmend anerkannten Gottesdienst, ferner durch Besorgung des Religionsunterrichtes und schließlich die großartige Anlage des neuen Friedhofes, der von derselben die größten Opfer forderte, großes Lob verdient. Größer ist das Verdienst des noch ganz jungen Vereines „Asyl für mittellose kranke Israeliten“, der mit erstaunlicher Kraft und Energie das großartige Genesungsheim mit an ICO Betten aus dem alten kleinen Asyl mit 14 Betten geschaffen hat. Seit 26. Jänner 1909 stand das Genesungsheim in vollem Betriebe und rechtfertigte das Vertrauen, das der Vorstand in den ärztlichen Leiter Dr. med. K o r e f und den geschäftsführenden Vizepräsidenten gesetzt hat. Durch die ganz außergewöhnliche Arbeitskraft dieses Herren war es möglich, das humanitäre Werk zu schaffen und in so kurzer Zeit in Betrieb zu setzen. Es waren in den wenigen Monaten der ersten Frühjahrssaison über 100 Pfleglinge aus aller Herren Länder fast alle die ganze Saison hindurch im Hause in Pflege und darf sich die Anstalt rühmen, sehr günstige Resultate erzielt zu haben. Das Genesungsheim wurde von vielen illustren Persönlichkeiten besucht, welche übereinstimmend in dem uneingeschränkten Lobe des Genesungsheimes sagen,daß man durch die tadellose Reinlichkeit und Ordnung überrascht ist und daß wir in Österreich glücklich sein können, für unsere Glaubensgenossen eine solche Heilstätte zu besitzen. Die Anstalt, welche strengrituell geführt wird, wird mit 26. September wieder den Betrieb aufnehmen und beweist die große Zahl von Aufnahmsgesuchen, daß dieses Haus eine segensreiche Notwendigkeit ist. Wir sehen dem diesjährigen Jahresbericht mit Interesse entgegen und wünschen dem Hause das beste Gedeihen und lenkendieAufmerksamkeit aller Menschenfreunde und Wohltäter auf dieses eminent humanitäre Werk. Gaya. (Jüd. akad. Ferial-Verbindung „Hermonia“) Chargenwahl: J. U. C. Otto Buxbaum y cand. ing. Arpad Käufer xx, cand. med. vet. O. Kriwacek x*x. Radautz. Die jüd. akäd. Ferialveinigung „Chermonia“ veranstaltete Dienstag den 27. Juli 1. J. im h. o. Tempel eine Tfschobeab-Feier, bei der cand. phil. et theol. Isak Menscher in jüdischer Sprache den Sinn und die Bedeutung des Tischobeab klarlegte, worauf Dr. M. Rath in deutscher Sprache das Wesen und die Fortschritte des Zionismus erörtete. Die Reden wurden beifällig aufgenommen. Für den jüd. Nationalfonds wurde gesammelt. Die stattgehabten Chargenwahlen ergaben folgendes Resultat: cand. jur. Meschulem Jahr, Präses x, stud. jur. Mendel Sternschuß, Vizepräses xx, stud. jur. Chaim Kupferberg, Schriftführer xxx. Sauerbrunn bei Wr. Neustadt. Hier fand auf Veranlassung der Sauerbrunner Zionisten am 8. d. M. in Zöllners Lokalitäten eine Agitationsversammlung statt, wobei Herr Lebowicz (Redakteur der „Jüdischen Rundschau“ in Budapest) das Referat hielt, ln zündender Rede sprach Referent über die „Ziele des Zionismus und Misrachismus“ und erweckte den Beifall des zahlreich erschienenen Kurpublikums. Um das Gelingen der Versammlung hatten sich der Verein „Agudath Zion, gesetzestreuer Zionisten“ aus Mattersdorf, sowie hier anwesende Mitglieder der jüd.-akad. Verbindungen „Kadimah“ und Makkabäa“ aus Wien verdient gemacht. Luhatschowitz. Samstag, 7. August, fand im Lesesaale des Bades Luhatschowitz ein „Jüdischer Abend“ statt, dessen Reinertrag dem Baufonde einer Synagoge und dem Jüd. Nationalfonde zufiel. Die Eröffnungs- und Begrüßungsrede hielt unser verehrter Gg. Herr Rabb. Dr. Frankl (Kremsier). Er schilderte in schwungvollen Worten die Bedeutung des Abends und forderte die Versammelten zu zahlreicher Beteiligung an dieser edlen Tat auf. Im Namen der zionistischen Akademiker hielt Herr cand. ehern. Markus Winterstein (Achiwah) eine formvollendete tschechische Rede und würdigte den Abend vom jüdisch-nationalen Standpunkte aus. Reicher Beifall lohnte die mit Verve zu Gehör gebrachten Klavier-Pieren des Frl. Else Schwarz (Proßnitz), sowie die weiteren musikalischen Leistungen des Herrn Oberkantors Schwarz (Proßnitz) und des Herrn cand. jur. F i s c h h o f (Ung. Brod.) ln vortrefflicher Weise rezitierte Herr Prof. Dr. Oskar Frankl (Karlsbad) einige Gedichte (Rosenfeld, Beda, Heine) und schloß mit Dankesworten an das Publikum den gelungenen Abend. Bad Trencsin-Teplitz (Ungarn). Eine aus zionistischen Kurgästen bestehende Tischgesellschaft veranstaltete im Stammlokal der zionistischen Kurgäste (Restaurant Hirsch) zwei Agitationsversammlungen, an welchen eine hundertköpfige Menge teilnahm. Die Arrangeure waren Felix N e u m a n n aus Neutra und Herr stud. med. Leop. W ei sz, Mitglied der Makkabäa Budapest. Herr Adolf Reichental aus Tyrnau sprach 'in glänzender Weise über die Lage des Judentums. Redner erntete für seine Ausführuegen reichen Beifall. Rezitationen aus Morris Rosenfeld durch die Herren stud. jur. Max Sporow i t z (Giskalah) und Herr B. G r a u ß füllten den weiteren Teil der Feier aus. Zum Schluß dankte Gg. Herr Salamon W e i s z aus Bazin im Namen der Anwesenden Herrn Reichental für seine Bemühungen und forderte mit begeisterten Worten zum Anschluß an den Zionismus auf. Der Erfolg war sowohl moralisch wie auch materiell ein ganz bedeutender. Das Sekretariat der israelitischen Kultusgemeinde teilt uns mit, daß anläßlich des allerhöchsten Geburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers Mittwoch den 18. August d. J. in den Gemeindebethäusern der israel. Kultusgemeinde Wien feierliche Gottensdienste stattfinden und zwar: Im Stadt- Tempel, I., Seitenstettengasse, um 9 Uhr vormittags, im Leopoldstädter Tempel, I!., Tempelgasse, um 7*10 Uhr vormittags, im Fünfhauser Tempel, XV., Turnergasse 22, um 9 Uhr vormittags: im Ottakringer Tempel, XVI., Hubergasse S, um 7 Uhr früh; im Währinger Tempel, XVIII., Schopenhauerstr. 39, um 7=8 Uhr früh; im Floridsdorfer Tempel, XXL, Schindlergssse 4, um 5 Uhr nachmittags. Oeffentliche Handelsschule AUina. Diese Lehranstalt wurde im abgelaufenen 61. Schuljahre 1003/1909 von 1230 Schülern und Schülerinnen besucht. Dem Jahresberichte ist die von dem internen Fachlehrer Eugen Dufaux verfaßte Piogrammarbeit „Oesterreichs Textilindusirie und der Export“ beigefügt Das Programm enthält das Verzeichnis der Mitte September beginnenden zwei- und einjährigen Lehrkurse für Schüler und Schülerinnen mit Hervorhebung der diesen zufolge des Oeffentlichkeitsrcchtes der Schule zukommenden Begünstigungen. Die Einschreibungen werden vom 1. September ab durch den Direktor kaiserlichen Rat Max Allina im der Schulkanzlei I., Weihburggasse 16, vorgenommen. Zu Beachtung! Wir ersuchen dringend für den Nationalfond und andere zionistische Zwecke bestimmte Beträge, insofern die „Jüd. Ztg.“ nicht als Annahmestelle ausdrücklich genannt ist, nicht an die „Jüdische Zeitung“ zu senden, da uns hiedurch zeitraubende Buchungen entstehen und die Abführung der Gelder — zumal diese oft ohne Angabe des Zweckes einlaufen — unliebsame Verzögerungen erleidet. Verwaltung „Jüd. Ztg.“, Ges. m. b. H.